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Der Israelit · 1915-06-17 · Heft 26 (17.6.1915) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 26 (17.6.1915)
Date
1915-06-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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36. Jahrgang. «3« Sranhfurf a. M-. den -5*^“ „/^ts.- e§SS M 26. ^j^-i., t3H£J IT'I 11 ii 111 Der Israeli ■\ltt^i Ein Centraloraan iDr das orthodoxe Jadenrtm (IdBH Ii IJj rasjara Begründet ooe Pr. Lehmann in Rlainz eesbsäess m^^/| jj#"—ii m ii ..luin jjiuii ULTIMI «n^iMCMtiU pro »iertel1»hr: «ewöbullche Ausgabe Rk. 1.BO, HeftauSgabe lKmrstdruM Mk. 3.—. Auslandspreise: Gewöbaliche Ausgabe: Oesterreich-Uuaa» , Ar.. Rußland 1 Lud^ Ausland » sh., A»erika BO eta, «iederumdr 1.SO fl.. SranKeich Fn. ABO. MomKmentft bei allen Softanftalten, Buch-audlunseu. sowie direkt bei dev Sttlaa. Vettousoobmrr p^-ett. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechsgespaltene Tolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannabme durch den Verlag des Israelit E. m. b. H.. Frankfurt. a.M., Er. Efchenheimerstr. 83 Lel.884S.«mt Hansa, sowie sSmtt. Annoncen-Erped. des In- und Auslands. PtatzvorschrMe» ohne KerbindUchKrtt. 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Tapolesany. — Malmö (Die Sabbatfrage in der schwedischen Schule.) — Zürich (Die Tragödie in Rußland.) — London (Die Russifizierung Englands.) — London (Die „Times" und die Juden.) — Paris (Aus dem Kassaberich ie der Pariser jüdischen Gemeinde.) — Kopenhagen (Französischer Antisemitismus.) — Jaffa (Der Krieg als Kultur-Schöpfer.) --6. Personalien: Wtesloch. - Matzbach. - Esch- Weiler. — Beerfelden. — Familiennachrichten. — 7. Betlagen: Feuilleton r Sarah Schlesinger: Schnee. — Dr. Oskar Jaludie Kaddifch im Schützengraben. — Literarische Warte: Büscherschau. Das Kriegsziel. Nicht denpolitischen Zielen des gegenwärtigen Kriegs soll diese kurze Betrachtung gelten. Jedes der an dem großen Ringen beteiligten Völker strebt einem anderen Ziele nationaler Machtent. Wicklung entgegen, und dem deutschen Volke ist der Krieg überhaupt wie ein unabwendbares Schicksal gekommen, und nicht als gewolltes Mittel zur Verwirklichung politischer Pläne. Aber es mag wohl, ob auch in dichten Schleiern verhüllt, vor Gottes, des Weltenlenkers, Auge ein Kriegsziel geben, das im Sittlichen liegt und nach dem auszuspähen, das Gotteswort der Thora uns immer wieder anregt.- Im Auf und Ab der Völkergeschichte (siehe Wochenabschnitt Bamidbar Kap. 21, V. 2l—30) wird Moab vom mächtigeren Sichyn übermannt, dem der Sieger alles Land bis zum Arnon entreißt. DaS von Sichon eroberte Gebiet fällt aber bald Israel zu, das sich in allen Orten deS Emoriters, in Eheschbon und all seinen Töchterstädten niederläßt. Ein Kriegsgeschehen, das die Dichter und Denker der Zeit nicht unbeachtet vorübergehen lassen und ln einem Wortbilde dem ewigen Gedenken der Menschheit erhalten: pizni nxsri patrn 1102 mw p bv .HT’D TP, „Darum sagen die Spruchdichter: Gehet hin nach Cheschbon! Es wird erbaut und begründet die Stadt Sichons!" Erst unsere weisen Bibelerklärer geben dieser Spruchdichtung ihren rechten Sinn, einen lebendigen Inhalt, daß sie wie eine mahnende Stimme aus der Zeilen ewigem Lauf an unser Ohr und Herz dringt. Tie 2'^VIV, das sind die Inneren Kämpfer, die Helden, die D^tPlö, die, souveräne Beherrscher ihres Innenlebens, den Trieb so in der Gewalt haben, daß er sich allezeit dem an gottgefälligem Tun nnd Denken gestählten Willen unterordnet. Diesen 2'^VIv wird es auch ein Leichtes sein, sich aus der Niederung des kleinen Jchlebens und Jchleidens zu jener Höhenwarte ewporzuschwingen, von per herab gesehen, das Ganze des gewaltigen Geschehens in seinen großen versöhnenden Umrissen aus dem Chaos in klare Erscheinung tritt. Und von dieser klaren Höhe herab sprechen daher die Denkenden : r oSu? bw 1312VN ntwi 1x12 - p2trn 1x12 „Gehet hin und stellet die Weltrechnung auf!" — Mögen kleine Gemüter, schwach an Glaubenskraft, arm an Hoffnungsfreude und beengt im Ausblicke in die ferne' Zukunft, verzagen und verzweifeln und sich von der Last der Umstände erdrücken laffen, starke und tiefe Naturen gehen hin und stellen, denkend, rückblickend und weit ausschauend, die Weltrechnung auf, und ziehen die Bilanz der Ewigkeit, daß ihnen der unfaßbaren Ereignisse und Geschehnisse Sinn und Ziel wohl entgegenleuchten. Denn die bv 1312tt>n D^W/ die Gesamtsumme, stimm immer, und mögen die Einzelposten noch so dunkel anmuten und noch so sehr unser Herz in banger Angst bewegen, m wehem Schmerze verzerren. Wohl dem, der statt von den eisernen Umständen sich ntederringen zu laffen, aus ihnen die 1312VN zu ziehen versteht! Neu werden wir die Weltrechnung aufftellen müssen, umlernen und umrechnen alle Postulate die bisher im Buche unseres Gesamt- und Einzellebens ihren festen Platz hatten. Da waren einige Posten, die da hießen: Kultur, Zivilisation, Humanität, auf- und vorwärtsschreitender Menschengeist; eine „voraussetzungslose" Wissenschaft wähnte, die Schlüssel zu den setzten Welträtseln gefunden zu haben, die K u n st versprach der Menschheit Erlösung und Befreiung, eine ethische und ästhetische Kultur schickte sich an, das alte Erbe geheiligter Offenbarungen anzutreten! Was nun? Wer einstens diesen Göttern vertraut und nun leeren Herzens und gebrochenen Gemütes, den brennenden Schmerz der Enttäuschung in der Seele, vor dem jähen Zusammenbruche seiner Heiligtümer steht, der schäme sich nicht, umzulernen und umzurechnen und von neuem die dSij? b& 1312VN aufzustellen und, indes eineWelt aus ihren Angeln gerissen wird, das ewigstehende schützende Dach des Gottesgedankens auszusuchen, das die Denkenden und Weiterschauenden auch in den Stunden goldenen Sonnenscheins nie verlaffen haben. Denn ein Feuer geht von den mit und auf Gott Rechnenden aus — ps «mo res V* "2 — „es verzehrt Moabs Veste, dieHerren von Arnons Höhen", es verzehrt die in lockeren Sitten dekadenter Seelen wurzelnde seichte Schönheitskultur, es verzehrt aus Dünkel und Herrscherhochmut geborenen Krämernetd und Schachergeist, rs verzehrt Amaleks unersättliche Raub- und Blutgier. Mögen sie alle in Wahne befangen sein, es gäbe keinen Höheren mehr — Dl pH :d*T31 —, kein höheres Recht, noch Rechnung und Rechenschaft vor einem höhern Forum der Gotteswaltung — D^IP bv 1312vn *12» -p21Pn *12» — sie ersoffen es bereits erschauernd, daß der von Gott in seiner Gnade gewährten Wartezeit bald ein Ziel g'setzt und die Stunde der Weltabrechnung geschlagen hat — p*T K12nr *72 fflöfr •* 112**1 *TJN Und da sollte nicht jeder Einzelne für sich und sein Haus darauf betackit sein, tie Rechnung seines Lebens nach den neuen Maßstäben einer Zeit, durch die das Menetekel des Weltgerichtes sichtbarlich leuchtet, einer neuen Revision zu unterziehen? Prüfen wir, so wie es heute die Völker im Großen tun müssen, das Buch unseres Lebens im einzelnen, daß da mancher von^den Verhältnissen überholte Posten von rreuen, unser geistiges Soll und Haben in ein besseres Gleichgewicht bringenden abgelöst wird. Laffen wir bei riesen furchtbarsten Entladungen, die die Menschengeschichte je erlebt, alles ruhig fallen, was morsch und faul ist in unserem Dasein und geben wir unserem Sinnen und Sehnen neues Ziel und neue Richtung; gehen wir hin und stellen von neuem die „Rechnung der Welt" auf. Nicht Spruchdichter, nein Kämpfer und Helden sind die O'^VIV, die das wahre Krtegsziel erfaßt haben mit ihrer Forderung an alle und jeden! Ll pVltf bw 1312OT mW>31lKl2 :p2VN 1*12

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