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Der Israelit · 1915-06-10 · Heft 25 (10.6.1915) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 25 (10.6.1915)
Date
1915-06-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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10 Juni 1915 $>r; ^Lraelrr No. 25 Sette d Budapest. Haarsträubend sind die Erzählungen der westgalizischen Juden, die die Russen Jnvasivn überlebten. In Volamichowa blieben 18 jüdische Familien, die keine Zeit mehr zur Flucht hatten und dort bleiben mußten. Sie lebten alte in einem einzigen Nauru, der nicht beleuchtet und geheizt werden konnte. Der W jährige Rabbiner P i n ch a s H uro - w i U genoß die Gastfreundschaft des Gemeindeschamcs, der in einer Zimmereckc seine .stfllh, in der anderen das greise Rabbinerehepaar beherbergte. Ter Alte wurde mitsarnt seiner Frau ans seinem Hanse gepeitscht, verbrachte eine grimmig kalte Nacht im Freien, bekam eine Lungenentzündung, woraus er zum tretr getragen wurde. Das greise Paar starb am dritten Tage und wurde unter dem Hvhnlachen der Russen bestattet. Bei. einem Gottesdienst hmrbcit alle Männer ihres Bartes und ihrer Pevs beraubt und den Frauen und Mädchen die Haare angeschnitten. Unzählige Galgen bezeugen zum Himmel ragend die Schurkerei der Russen und die Staatstreue der unglückl'chen galizischen Juden. Z. B. A. RuKtand. Die Austreibungen aus Ammin un9 Kurlanfl. Niga, 25. Mai (indirekt). Die bereits vollzogenen Austreibungen der Juden aus Kurland schildert die „Rjetsch" wie folgt: Am 13. Mai ist der Ausweisungsbefehl für alle Juden in Kurland veröffentlicht worden. Die Juden reisen in größter Eile ab. Die Stadt ist aus diesem Grunde in einer ganz ungewöhnlichen Weise belebt. Die Juden bringen all ihr > Hab und Gut auf den Dampfern und auf Wagen nach Riga und von dort ab weiter. In ihrer Heimat dürfen nur Schwerkranke bleiben. Wohlhabende jüdische Bürger von Riga haben ein Hilfskomitee für die Flüchtlinge gebildet. Infolge der Ausweisungen halten sich jetzt in Riga eine große Anzahl von Juden auf, die in die ihnen zugewiesenen Wohnorte in nächster Zeit abfahren werden. Größtenteils werden sie in die Gouvernements Mogilew, Tschernigow, Poltawa, Jekaterinoslaw und Taurien gesandt. Das Hilfskomitee arbeitet ohne Aufhör. Es sorgt in mustergültiger Weise für Wohnung, Beköstigung und ärztliche Hilfe für die Flüchtlinge, die häufig sehr arm sind. — Ein Wort der Kritik darf sich das Blatt nicht erlauben. Kronrabbtner Dr. I. L. Kantor, eine im öffentlichen jüdischen Leben Rußlands wohlbekannte Persönlichkeit, ist plötzlich gestorben. Kantor vertrat viele Jahre als Kronrabbiner die politischen Angelegenheiten der Gemeinde Wilna und wurde vor ungefähr fünf Jahren in gleicher Eigenschaft nach Riga berufen. Er gilt als Vater der hebräischen Tagesjournalistik und zählte vor Jahrzehnten, als Herausgeber des' ersten jüdischen Tageblatts „Hajaum", zu den hervorragendsten Publizisten und den besten hebräischen Srllisten. Im Gegensätze zu vielen seiner Kollegen vertrat er eine mehr konservative R chtung und arbeitete, selbst ein gründlicher Kenner des jüdischen Schrifttums, stets im engen Einvernehmen mit den Rabbinern, denen er höchste Achtung zollte. Kiew, 2. Juni. Eine Depesche der „Kiews kaja Mysl" aus Wilna dementiert dieNachricht der Petersburger- Blätter von einer angeblichen Zurücknahme der Verordnung über die AuswcisunH der Juden aus Kowno. Vielmehr ist nach dieser Depesche den Juden der Aufenthalt im ganzen Festungsrayon Kowno endgültig verboten worden. Die Gesamtzahl der aus dem Gouvernement Kowno und aus Kurland ausgewiesenen Juden erreichte 147000. Da die Ausweisungen innerhalb 21 Stunden erfolgten, so sind Hunderte von Kindern verloren gegangen. Die lettischen Zeitungen fordern die Letten auf, den Handel in allen jenen Gegenden an sich zu reißen, aus welchen die Juden und Deutschen ausgcwiesen worden sind. „Denj" meldet: Aus dem B re sie r Bahnhof in Warschau ist eine vom 31. Mai datierte, vom Stationschef unterschriebene Ankündigung angebracht worden, in welcheres heißt, daß es auf Verfügung der Mtlitärobrigkeit den Juden verboten ist, vom rechten Weichseluser über Jwangerod oder aus anderen Gouvernements, die jenseits der Weichsel liegen, in der Richtung nach Radom zu reisen. Deswegen ist der Fahrkartenverkauf an die Juden eingestellt und ihnen überhaupt verboten worden, sich auf den Bahnhöfen zu zeigen. (Wolff'sche Meldungen). Kopenhagen, 4. Juni. Aus Minsk wird unrer dem 3. Juni gemeldet: Täglich passieren unsere Stadt Züge, die tzollgepsropt sind mit ausgewiesenen Juden aus dem Festungsbezirk Kowno. Die hiesigen Juden nehmen sich ihrer vertriebenen Brüder mit hilfreicher Hand an. Bei jedem Zuge sind Abgeordnete der Gemeinde zur Stelle, die den Durchreisenden mit Rat und Tat zur Seite stehen. Von der Jugend wurde eine gut furrktlonierender Verpflegungsdienst organisiert. Dänemark. flguöas Jisroel-Verfammluns in Dänemark. Kopenhagen, 1. Juni. In einer gut besuchten Versammlung der „Agudas Jisroel", die unter Leitung des Herrn Wulf einen harmonischen Verlauf nahm, hielt Herr Rabbiner Dr. Winkler ein groß angelegtes Referat über Juden und Judentum. Das Judentum, die Seele der Judenheit, könne nur erhalten werden, wenn der Jugend mehr Liebe zu den jüdischen Idealen und die alte jüdische Opferfreude anerzogen werde. Das will ja die Weltorganisation „Ägudas Jisroel", die alle zur Fahne der Thora Schwörenden vereinigt. Der Redner verbreitete sich dann im einzelnen über die Aufgaben und Ziele der Agudas Jisroel. Zur Fortsetzung der Diskussion und weiteren Klärung angeschnittener Fragen soll ein zweiter Abend angcsetzt werden. Abraham Birnbaum £>":• Fürth i. B., im Siwan. Fm Alter von 70 Jahren hat der Tod, in Abraham Birnbaum sr; eines der wackersten Mitglieder unserer ehrwürdige»! Gemeinde entrissen, ein Stück unserer alten Kehillo ist mit ihm zu Grabe getragen worden. Es gibt wohl wenige unter den zahlreichen wohltätigen und gemeinnützigen Anstalten und Bereinigungen unserer Gemeinde, die nicht einen eifrigen Pfleger mld Förderer init dem Entschlafenen verloren hätten. Die Kinder des Waisenhauses, zu dessen Borstand er gehörte, nahmen an seinem Lcichenzuge teil. Besonders war iljin die Erhaltung und Förderung der Bürgerschule Gegenstand unablässiger Fürsorge, er benutzte jeden Anlaß, um ihr die tätigen Sgurpathieen weiter Kreise zuzuivenden Die Ehewrn Kadischa verlor in ihm ihr ältestes Mitglied, das die Pflichten des jüdischen Gemillus Ehesed, auch außerhalb des Rahmens der Ehemra mit seltener Rührigkeit erfüllte. Sein ganzes Leben und Wirken, besonders seitdem er sich vom Geschäfte zurückgezogen l,atte, war ausschließlich der Betätigung jüdischer Liebespflicht geividmet, um' dem Besuche von Kranken ll n. m. Trotz seiner 7<> Jahre war er allgemeitt als beliebter, tüchtiger Mohel in allen Kreisen hochgeschäi.U. Es ist ihm gelungen, :nir seiner ihn: im Tode voran gegangenen Lebensgefährtin seine sämtlichen Kinder zn wackeren Juden und Jüdinnen zu erziehen. Durch sie lebt das Andenken der Heimgegangenen Eltern weit über den Kreis unserer Gemeinde hinaus fort. Mögen die Kinder in der großen Berehrnng und allseitigen Teilnahme Trost für den schweren Berlnst siitden, bcn mit ihnen unser ganzes Gemeinwesen beklagt. r':s:r, Salti Rnschanm h *. Mansbach, i. Juni. Wieder hat der Krieg eine schnrerzüche Lücke in der Lehrerivett gerissen. Herr Salti Nutzbau m ist nicht mehr. Eine feindliche Kugel hat ihn, der voll glühender Begeisterung für das Barerland in das Feld zog, tödlich getroffen. Im blühenden Aller van 23 Jahren ist der Brave seinen Eltern und Geschwistern, seiner ihm in Liebe ergebenen Gemeinde und seinen zahlreichen Freunden, die ihn ob seiner Tugenden schätzten, entrissen tvorden. Sein Heimgang weckt (Gefühle der Trauer und des Schmerzes bei allen, die ihn kannten. Nutzbaum war in Mansbach an, 2. Juni 1892 als Sohn des 2mmgogen Acllesten Jacob Rntzbam» geboren. Nachdem er von dem Lehrer-Seminar zu Cölrr, von der mündlichen Prüfung befreit, abgegangen war, übernahm er, nach kurzer Bertretungsstclte das Lehreramt in Zimm er sr ode. Mit seinein Jus.-Reg. 107, bei dem er t Jahr gedient hatte, zog er mutig und voll Gottvertrauen ttt den Kampf, wo er sich als ein Held erwies. Für seine Tapferkeit wurde ihm das Eiserne Kreuz verliehen. Berwundet kehrte er in die Heimat zurück. Nach erfolgter Heilung zog er wieder ins Feld und wurde wegen wiederholt bewiesener Tapferkeit zum Unteroffizier befördert. Leider sollten wir ihn nicht wieder sehen: ein Grabeshügel bei St. Julien wölbt sich über seine entseelte. Hiillei .T2X;r. Lchivcinfurt, 2. Juni 191.1. Unsere Gemeinde hat innerhalb kurzer Zeit einen zweiten schweren Verlust zu beklagen. Ihr ältestes Mitglied, Herr Philipp Salzer, nahezu .70 Jahre in der Verwaltung tätig, zuerst fast 10 Jahre als' Kassier, dann fast 10 Jahre als zlvcitcr Vorstand urtd Shrragogenkommissar. der mit air der Wiege der Geureiirde gestanden, ist rasch dem verehrten ersten Vorstand ins Grab gefolgt. Als Mensch in hohem Grade verehrnngswürdig, ansge zeichnet mit den erhabensten Eigenschaften des Herzens und des Eharakters, unermüdlich tätig im Dienste der Juteresien der Gemeinde hat er sich außerordentlich viel Liebe und Verehrung erworben, die bei feiner Ueberfnhrung und bei seiner Beerdigung zum Ausdruck kam. 30 Jahre hat er auch daS Amt eines Kassiers für den Tistrikts-Rabbinars-Fonds in selten gewissenhafter Weise und Treue inne gehabt. Bei seiner Beerdigung schilderte Distrikts-Rabbiner Dr. Stein ausführlich sein Leben und Wirken, sein Wesen und seinen Eharakter, und der derzeitige Gemeindevorstand Rechtsanwalt Dr. Hummel dankte in bewegter» Worten für die der Gemeinde geleisteten, unschützbaren Dienste. Auch er wird für immer zu dankbarem Gedenken in den Annalen unserer Gemeinde verzeichnet fein nsür. Vermischtes. Wiesbaden, 2ü. Mai. Da für die sogenannten Passanten den Gemeinden »veder Mehl noch Brot zu gewiesen »vorden ist, empfiehlt es sich auf Ausflügen das „tägliche Brot^ mitzunehmen. Es vergibt sich niemand etwas, wenn er miter den jetzigen Umständen in den Gasthäusern sein Butterbrot aus der Tasche holt und sich nur das Getränt von dem Wirte geben lässt. Die Wirte sind ausdrücklich darauf. hingewicsen worden, datz sie ihren Gästen gestatten müssen, die mitgebrachten Mundvorräte in den Lokalen zu ver zehren. So zeitigt der Krieg auch sein Gutes, indem er uns zur Rückkehr zu den einfachen Sitten und Gebräuchen unserer Borcttcrn zwingt. Also nochmals, nehmt auf Tagesrou.cn und Ausflügen das Brot von zu Hause mit! Wer das tut, dient auch dem Vatertande. Rastatt, 2s. Mai. Alfred Loeb, Sohn des Herrn David Lo eb in Rastatt <i. Baden», erhielt das Eiserne Kreuz. Zrieskaflen. L. B. in L. Rabbiner Joseph Schwa r z in Bonphad, Ungarn, Herausgeber des Ä B in Prag. Wir find nicht in der Lage, Ihnen das gewünschte Material zu verschaffen. 2. R. in H Mk. 10. -- erholten und von der Expedition ihrer Bestimmung Zugeführt. I. L. in M. Bei etivas »nehr Vorsicht, die man in religiösen Dingen zumindest sv üben soll wie Im Geschästsleben, hätten Sic den Genutz von nmcx nftsse in Ihrem Falle vermeiden können. M. Lt. in B. netzen «1e sich in Verbindung mit Herr.» Michael K ohn, hier, ^chellingstratze 4. M. Pl. in L. Gilt nickst als ->V2. I. L.. 7». l Ist uns nicht bekannt. 2. Ja. Kur r-en Steklameteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es arrSschlietzltch Lache der Leser, die im «eklameteil enthaltene» Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstiger Angaben religionsgesetzliche« Charakters a»f ihre ZnverlSMgreit zu prüfe«. Kaiser Friedrich Quell« .Offenbaeh a. M. . — Gegen Gieht und Rheumatismus bewährt. % Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahi, Frankfurt a. M., Günthersburgallee 87. Tel. 259 o. 714 Familiennachnchien. Geburten. Eine Tochter: Benno Kunstadt (Emanuel) Fulda. — Mar Weinberg (Herzberg) Fulda. Lehrer A. Bick) Bravmann) Mtchelftadt i. O. Sabbat-Anfang u. Ausgang. mp N2D n « Ta Anfang Datum Ausgang Uhr iMin. 19151 5675 Uhr jMin. 12. 30. Frankfurt a» M.!S --- Juni Siwan 0 35 Berlin . . — — — — München . . 7 15 9 04 Ttratzdurg . . 7 30 9 25 Stuttgart. . . — — — — Pose« ... — - — — Nürnberg. . . 7 30 9 10 Hamburg. - . — — — —

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