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Der Israelit · 1915-06-03 · Heft 24 (3.6.1915) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 24 (3.6.1915)
Date
1915-06-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 No. 24 Der JSraelit. dischen Kreisen und den affimilatorischen Elementen, die beide trotz der starken religiösen Gegensätze eine Politik der Versöhnlichkeit und des Entgegenkommens gegenüber dem Polentum für richtig halten. Von gesetzestreuer Sette ist der bekannte angesehene Kaufmann, Herr Joel Weg Meister^ als Kandidat für die Kommunalverwaltung in Aussicht genommen. Jüdifdies aus Rußland Zürich, 10. Mai. Die neuesten uns über die Schweiz zugegangenen russischen Blätter berichten: . . Die Zentralverwaltung des Roten Kreuzes im Kaukasus brachte durch ein Rundschreiben allen Roten Kreuz-Verwaltungen im Kaukasus zur Kenntnis, daß nach einem Erlaß des Generalstabes Juden als Sanitäter in das Rote Kreuz nicht mehr ausgenommen werden dürfen. Der bekannte Vertrauensmann der „Jca" in Petersburg, M. Feinberg, bereist zur Zeit Galizien, um dort eine Besserung der politischen und wirtschaftlichen Lage der Juden anzustreben. Er wurde in Lemberg vom Generalgouverneur Bobrinsky in Audienz empfangen, und es gelang ihm, das Hilfswerk für die jüdischen Opfer in die Wege zu leiten. Daß die Polen, die ja die Austreibung der Juden aus den Grenzbezirken und deren Ansammlung in Warschau durch ihr Hetzwerk verschuldet haben, den Emigranten auch in dieser polnischen Hauptstadt keine Ruhe gönnen werden, war vorauszusehen. Nun ist es den polnischen Brüdern, nach einem von der Zensur stark frisierten Berichte der „Hazefirah", tatsächlich gelungen, den Generalgouverneur von Warschau zu einem „Abtransporte der Flüchtlinge" zu veranlassen. Wohin die neueste Golusreise gehen wird, ist noch nicht bekannt, aber sie ist bereits angekündigt. Eigens zu diesem Zwecke gegründete polnische Komitees sind mit der Regelung der Sache betraut. Im ganzen Gouvernement Kiew wurden für die Dauer der Kriegszeit Veröffentlichungen in hebräischer Sprache oder mit hebräischen Lettern verboten. Die Behörden stnden auch im Drange der Kriegsgeschäfte Zeit genug, die Judengesetze zu bewachen. Der Gouverneur von Kiew fürchtet, daß infolge der Sperrung der Grenzen viele kurbedürftige Juden Sommerfrischen in ihnen verbotenen Gebieten im Umkreise der heiligen Stadt aufsuchen könnten. Er erläßt daher ein Zirkular an die Unterbeamten, ein wachsames Auge darüber zu haben. 3. Juni 1915 Amerika. Polen und Juden- Ilew-YorL 15. Mal. Hier fand eine große jüdische Volksversammlung statt, die gegen die Behandlung der Juden in Ruffisch-Polen durch die polnischen Antisemiten scharfen Protest einlegte und für eine künftige Neuregelung der polnischen Verwaltung die Beachtung des national jüdischen Standpunktes fordern. Die politische Gleichberechtigung der Juden in Polen sei wertlos, wenn nicht die nationale Gleichberechtigung, also selbstständige jüdische Wählerkurien, Anerkennung der jüdischen Sprache in der Verwaltung, wie überhaupt selbständige gesetzliche und administrative Regelung aller inneren jüdischen Angelegenheiten gewährt werde. Personalien. Dr. Samson Meyer Strastburg, 31. Mai. Nunmehr hat der Krieg auch aus dem Kreis unserer Religionsgesellschaft ein Opfer gefordert. Dr. Samson Meyer von hier, jetzt Overlehrer in Hamburg siel durch einen Kopfschutz getroffen im Alter von 28 Jahren in der Nähe von Przemysl, vermutlich am 18. Mai nipIr? 2ip gelegentlich eines Sturmangriffs. Schwer ist der Verlust, den seine Eltern und Schwestern durch den Tod ihres einzigen Sohnes und Bruders erleiden, und groß dle Lücke, welche für die jüdische Allgemeinheit durch den Heimgang dieses durch seine wahre und aufrichtige Frömmigkeit ausgezeichneten jungen Mannes entstandest ist. Es gab kaum eine, die jüdische gesetzestreue Jugend Deutschlands betreffende Frage, an welcher der so früh Entrissene nicht regen und tätigen Anteil nahm: bekannt ist seine Wirksamkeit in der A. I. Jugendorganisation und in der Vereinigung jüdischer Akademiker. Ganz besonders aber verdient hervorgehoben zu werden seine Tätigkeit im hiesigen mim nmp - Verein. Samson Meyer hat es verstanden, in persönlichem Umgang mit jüngeren Schul- und Studienkollegen auf diese in wahrhaft jüdischem Sinne einzuwirken und sie sür nni' und min zu begeistern. Die Früchte seiner Arbeit sind deutlich erkennbar, und sichern ihm hier ein treues Gedenken für lange Zeiten. Anfangs März wurde Samson Meyer einberufen und nach zweimonatlicher Ausbildung in Schwerin mit seinem Greu. Regiment Colberg auf den östlichen Kriegsschauplatz geschickt. Leider war es ihm nicht mehr ve, gönnt, in vielen Schlachten mitzukämpfen. Möge der Allmächtige seinen vielgeprüften Eltern und Geschwistern, die durch den Krieg schon so viel gelitten haben — eine der vor wenigen Wochen in einer Freitag Nacht aus einem französischen Luftschiff über Stratzburg herabgeworfenen Bomben demolierte ihre Wohnung vollständig — und der ihm vor seiner Einberufung anverlobten Braut seinen Trost schicken. Die Für ven ttctlametcU ist die Redaktion nicht verantwortlich»' insbesondere ist eS ausschließlich Sache der Leser» die im StellameteU enthaltene» Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstiger An» gaben religionsgesetzliche» Eharakters ans ihre ^.vverlässtgreit zu prüfe«. Ans Sen SemölnSen. Budapest. David Schwarz, Zögling des Budapester Rabbinerseminars, der freiwillig zu den Fahnen eilte, fand in der Bukowina den Heldentod. Er war zwanzigjährig und wurde zum Unteroffizier befördert. Als er seinen tätlich getroffenen Hauptmanu ans der Feuerlinie tragen wollte, tras ihn die Kugel, mastm. Z. B. A. Orosyarza. Rabbiner M. Büchler ließ für den Sieg unserer Waffen am Erew Roschchodesch fasten. Die Lokalpresse setzte das Publikum davon in Kenntnis und viele Andersgläubige fanden sich zum feierlichen Gottesdienste ein, nachdem auch sie den Tag der Butze durch Fasten heiligten. Z. Z. A. Grofiwardein. Der Obergespann unseres Komilats, Hlatky unterstützte in einer großen Rede die Aktion für die heimatlosen Galizianer, die als Opfer des Kriegs berechtigt seien, nicht nur unser Beileid und Mitleid zu erregen, sondern vor allem unsere tatkräftige Unterstützung, Förderung und Hülfe zu beanspruchen. Wer anders denkt nnd handelt, hat kein Recht als guter Patriot zu gellen. Z. B. A. Rußland, vie Lase in DJaridiau. Warschau, 14. Mai. Das polnische Boykott-Organ „Dwu Groscha" darf ruhig weiter hetzen. Daß die Juden, so schreibt das Blatt, es von jeher darauf abgesehen haben, Rußland an die Deutschen auszuliefern, beweise schon ihre Sprache, die sich jüdisch-deutsch nennt . . . Bon der Millionenspende, die der Zar für Unterstützungszwecke in Warschau gestiftet hat, fielen nur 32 000 Rbl. auf jüdische Institutionen. Der ganze große Rest kam den Polen zugute. Die polnischen Komitees hier wie in der Provinz lassen die Juden völlig unberücksichtigt. Inzwischen gestaltet sich die Lage der Abertausenden von Flüchtlingen immer unerträglicher. Eine Petersburger Kommission unter Führung des Herrn Rechtsanwalt Schloßberg weilt zur Zeit hier. Es werden Chedarim und Schulen für die Flüchtlingskinder eingerichtet, über die jedoch der Bildungsverem seine Hand zu legen scheint. Es ist erklärlich, daß man in den breiten gesetzestreuen Schichten dieser Seite nicht viel Vertrauen entgegenbringt. Warschau, 20. Mai. Bekanntlich tritt demnächst die neue, den polnischen Städten von der russischen Regierung bescherte sogen. Selbstverwaltung in Kraft, die den Polen eine gewisse Autonomie, den Juden eine schlecht bemäntelte, fast völlige Rechtlosigkeit bringt. In einer hier stattgrhabten Versamlung wurde über die Beteiligung der Juden an den Kommunalwahlen auf Grund des neuen Gesetzes beraten. Es kam, wie der „Moment" berichtet, zu einer Verständigung zwischen den gesetzestreuen chassi- Kopf zittert. Sie nagen ihre Barlspitzen. Sie flüstern nervös, aufgeregt, mit ausgetrockneter Kehle: Sie-' . . . Herr! . . . Tarnow . . . Tarnow!... Ich brauchte es ihnen nicht zu übersetzen. Sie verstehen's und fühlen's Sie wtffen es bereits . . . Ihre vlaugeäderre, hagere Hand streckt sich hinaus in die Höh' zum Plakat . . . Grotze, schwere Tränen tropsen rollen ihnen in den Bart und von dort auf die schluchzende Brust . „Gott! Allmächtiger! Du gewaltig großer, furchtbar heiliger, himmlischer Vater! Tarnow . . . Tarnow ..." Gott mit euch, ihr alten Juden . . . Heute morgen führt es mich weiter. Weitz Gott, wohin. Aber euch und eure Tränen, die ausgestreckten, zitternden Arme, werde ich nie vergessen . . Und Tarnow?' . . . Diese bange Frage der traurigen Monate, diese herzzerreißende Elegie um die verlorene, geliebte Heimat . . . Z B. A. (Brief aus Tilsit). In der Breslauer „Jüdischen Bolkszeitung" ist folgender Brief einer Dame aus Tilsit veröffentlicht. . . Das russische Grenzstädtchen Tauroggen mußte von den Bewohnern geräumt werden. Sie bestehen, wie Ihnen wohl erinnerlich sein wird, fast durchweg aus Juden. Man hat diese Unglücklichen hier in der Kaserne untergebracht, natürlich als Gefangene. Frauen des Jsr. Vereins kochen in den Räumen, welche zu diesem Zwecke neben der Kaserne gemietet wurden, und versorgen von da aus die beklagenswerten Menschen — Greise, Kinder, Arme, die frühem Wohlhabende waren - mit Essen. Auch Dr. R. sorgt freundlich für die armen Leute. Wie sich so ml ganzen das Strahenbild hier verändert hat, das werden Sie sich leicht vorstellen. Schon die vielen Flüchtlinge aus der Umgegend. Alles geht gebeugt und ernst einher und veranschaulicht den Krieg mit seinem Schrecken und all seinem Unheil. Ich selbst lebe sonst ruhig in meiner bescheidenen Häuslichkeit, wo ich alles in bester Ordnung vorsand und wo jedes Stück von mir wie ein lieber, schon verloren geglaubter Bekannter begrüßt wurde. Ich hatte die Freude, meinen jüngsten Sohn, der Urlaub bekam, für einige Tage hier zu haben. Natürlich empfindet man es hinterher bei der Trennung doppelt schwer, was man hingeben und entbehren mutz. Ich sage mir oft die Worte unseres Dichters vor: „Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebärden und streut er Eis und Schnee umher, es mutz doch Frühling werden!" Ebenso mutz doch auch der von aller Welt ersehnte Friede bald kommen! Die Nachrichten von meinen Kindern bilden das Hauptereignis meines Lebens, und ich bin für jedes von ihnen einireffende Lebenszeichen tief dankbar." (Aus einem Feldpostbrirs.) „Nach dem Gefecht bezogen wir Quartier in K .... am Stryj. Unsere 40 Pferde standen in einem riesigen Stall, der auch für alle Mannschaften Platz bot. Diese Halte, gefüllt mit Rindern and Pferden, mutzte im Frieden ein Bild großen Reichtums darsteüen. Nicht weit davon stand ein Herrenhaus — vollständig zerstört. Es war auffällig, daß es das einzig zerstörte Haus im ganzen Dorfe war. Doch das Rätsel war leicht zu lösen. Dort wohnte ein Jude — er mutz ein reicher Mann, der erlesenen Geschmack hatte, gewesen sein, man sah es aus den Ruinen seines Hauses. Doch, daß er Jude war, genügte, ihn aüszuhängen und seine Frau und Töchter erschießen zu taffen. Gott strafe Rußland." A. Htz. Kaiser Friedrich Qualle ■ —— Offenbaeh ä. M. ' Gegen Gicht uni Rheumatismus bewährt. Alleiniger Qeneral - Vertreter: Friedrich Steh Frankfurt a. K., Günthersburgallee 87. Tel. 25$ u. 714 Silberne Hochzeit: S. Ackermann und Frau geb. Kosmann, Straßburg i. Elf. («ebneten: Eine Tochter: Rabbiner Dr. B. Wolf (Auerbachs, Cöln a. Rh. — Dr. Mar Calvary (Finks Posen. Verstorbene: Abraham Birnbaum, Fürth i. B., 70 Jahre alt — Frau Zilda Oppenheimer geb. Ehambrö, Gedern (Oberheffen), 67 Jahre alt. Sabbat-Anfang u. Ausgang. hbw rare ORT* , Anfang Datum Ausgang Uhr iMin. 1915 5675 Uhr jMin. 5 23. Frankfurt a. M. 7 55 Juni Siwan 9 30 Berlin ... — - — — München . 7 15 8 59 Strastburg . . 7 80 9 20 Stuttgart. . — — — — Bose« . . — — — ■ — Nürnberg 7 30 9 10 Ha»b«rg . . .! 1- — — —

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