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Der Israelit · 1915-06-03 · Heft 24 (3.6.1915) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 24 (3.6.1915)
Date
1915-06-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der JSraeltt. No. 24 Sette ä » e r s c- )- 71 tz sÖ t. lS h" n n 0, II e8 iS ,cner ch ie- >ir de on en en ist m. al n, 'Ze N0 ßc )M nit krttn len 3. Juni 1916_ ,__ zum äußersten ausgentttzt werden müssen. Angesichts der herrschenden Notlage werden außer jüdischen Patienten auch Erkrankte aus dem Kreise der nichtjüdtschen Bevölkerung Jerusalems, insbesondere Militärpersonen ausgenommen. Da die laufenden Betriebsmittel des Hospitals den Anforderungen des Augenblicks nicht im Entferntesten gewachsen sind, so wendet sich der Vorstand mit einem dringenden Aufrufe an alle deutschen Glaubensgenossen, deren Opferfreudigkeit gegenüber einer so außerordentlichen Situation gewiß nicht versagen wird. Geldsendungen sind zu richten an den Kassier Herrn Karl Mosbacher (Fa. Carl Pessel u. Co.) Frankfurt a. M., Postscheckkonto des „Allgegemeinen jüdischen Krankenhauses Schaare Zadek in Jerusalem", Frankfurt a. M. No. 7785. Hilfsnerein der deutschen Juden Berlin, 30. Mat. Heute fanden Sitzungen des „Zentralkomitees" und der Generalversammlung des „HilssVereins der deutschen Juden" statt. In das Zentralkomitv wurde Herr Rabbiner Dr. Neuhaus -Ostrowo kooptiert. In der Generalversammlung erstattete nach einleitenden Worten des Vorsitzenden, Herrn Dr. James Simon, der Geschäftsführer, Herr Dr. Paul Nathan, einen fesselnden Bericht über die Tätigkeit des Hilfsveretns während des Krieges. Sie erstreckte sich abgesehen von der Fortführung des Orient-Schulwerkes auf die Organisierung eines interkonfesitoneüen Komitees zur Fürsorge für die in Deutschland befindlichen zahlreichen russischen Juden, insbesondere für deren Heimbeförderung, sowie auf die Htlfstättgkeit zu Gunsten der Glaubensgenossen in den okkupierten Gebieten Russisch-Polens. Für diesen Zweck wurde ein Komitee gebildet, in dessen Aufträge die Herren Dr. Nathan, Rabbiner Dr. Fink, Hermann Struck, Dr. Eduard Heimann und Dr. Bernhard Kahn das okkupierte Gebiet mehrmals bereisten. Auf den instruktiven Bericht dieses Komitees kommen wir zurück. Für Galizien konnte bisher nichts geschehen, während zur Linderung des Notstandes im heiligen Lande bis jetzt 40000 Mk. zur Verfügung gestellt wurden. Nach Dankesworten aus der Mitte der Versammlung, Erstattung des Kassenberichtes und Entlastung der Verwaltung wurde die Generalversammlung geschlossen. Aus den okkupierten Gebieten- Lodz, 25. Mai. Die Ende vorigen Jahres von der jüdischen Gemeinde auf Anregung des Oberrabbtners Treistmann eingerichtete D a rleHenskasse hat bisher Darlehen in der Höhe von fast 50000 Rubel gewährt. Die Kommission sieht sich jedoch jetzt am Ende ihrer Mittel und muß neue Hilfsquellen erschließen, wenn sie nicht gezwungen sein soll, ihre Tätigkeit in wenigen Wochen einzustellen. Die Gemeindeverwaltung hat beschlossen, die von ihr versorgten Waisenkinder und Findlinge vom 12. Lebensjahre ab in der Landwirtschaft unterweisen zu lasten. Die hiesigen zionistischen Kreise haben Nachrichten erhalten, wonach es den Polen in Warschau gelungen sei, beim Gouverner die Ausweisung der nach Warschau gl flüchteten vielen Tausende von Obdachlosen durchzusetzen. Die Ausweisungen hätten bereits am 22. April ihren Anfang genommen. Bon polnischer Seite wird die Richtigkeit dieser Meldung bestritten. Wo die Wahrheit liegt, läßt sich im Augenblick nicht genau feststellen. Der bekannte Zionistenführer, Justizrat Bodenheimer, der mit seinen Freunden in Deutschland ein Arbeitskomitee zu Gunsten der polnischen Juden begründet hat, ist hier eingetroffen, um die Arbeiten dieses Komitees an Ort und Stelle zu organisieren. Oesterdeich. Das ruffifdie „ Cfcherfa “-öefefe in 6ali?ien. Wien, 24. Mai. Der Lemberger „Slowo Polskie' meldet: Das Oberkommando der Armeen der südwestlichen Front hat eine Verfügung erlassen, laut deren alle Juden, die sich seit 14. März mit Lieferungen befaßten, in Galizien bis 14. Mai zu belassen seien, dagegen von diesem Zeitpunkt angefangen keine Juden nach Galizien eingelassen würden. Das gleiche Blatt meldet, daß am 21. Aprll zirka fünfzehn Abteilungen verhafteter militärpflichtiger Juden und Bauern aus Galizien nach Kiew gebracht wurden. Sie wurden in den Polizeigefängniffen eingesperrt und dann weiter nach dem Osten abtransporliert. Dasselbe Blatt meldet weiter, daß am 24. April sechs Verhaftete aus Galizien über die Wolga verschickt wurden, nämlich fünf Juden und eine Ukrainerin. Ungarn. Ungarifcher Brief- (Bon unserem Korrespondenten) Z. B. A. Budapest, 20. Mai. Im Hause Dr. Alexander Lederers, der ein Vorkämpfer des konservativen Geistes in der deutschen Führern ergeben sind, die frei von Ruhmredigkeit und von Dünkel verratendem Wesen ihrer Pflicht mit aller nur erdenklichen Hingebung leben und, als ob sie Moses nachstrebten, bei jedem Erfolge demütig sich vor Gott beugen und ihm Lob und Preis zollen? Unsere Heerführer lassen sich nach dem leuchtenden Vorbilde unseres Monarchen von der Ueberzeugung leiten: „Nicht durch Kraft siegt der Mann", und sie vergessen es nicht: Nicht rühme sich der das Schwert anlegt, gleich dem, der es wieder aus Händen tun kann. Laßt sie nur poltern, unsere Feinde von heute und gestern und den Mund voll nehmen der tapferen Taten, die sie vollbringen wollen -, wir vertrauen auf Gott und auf die Macht unserer Führer, in denen sich der Gottesgeist wirksam zeigt und seine Triumphe auch in der Zukunft feiern wird. Kleines Zeuilleton. And Tarnow? Aus dem „Az Est" von P. A. An einem grimmig kalten Noveniberabend begegnete ich ihnen auf dem Karpathenwege. Eine unübersehbare Linie von schwer dahinhvlpernden Wagen deckte die Straße. Tische und Stühle mit zum Himmel gestreckten Füßen; zwischen dem Plunder von schmutzigen Bündeln, Tüchern, rotweihgewürfeltem Bettzeug spähen, wie aus aufgescheuchten Nestern die Spatzen — zwei und drei bleiche, verhungerte Kindergesichter und fieberäugige, abgezehrte Mütter . . . Neben den Wagen trappen gebeugte Männer, mit schweren schmutzigen Stiefeln und wehenden, zerriflenen Kaftans. Im Gesicht tragen sie alle die verzweifelte Bitternis der Flüchtlinge und die Apathie der ziellosen Wanderung. Ich rede sie an: Woher? Wohin? Mit der Heiserkeit des abgrundtiefen Schmerzes wird mir zur Antwort: Bon Tarnow ... Fast jeden Tag führt mich mein Weg vor die Administration des „Az Eft". Ohne, das; ich es wollte, stehe ich vor dem beleuchteten Schaufenster und entziffere die letzten Höser-Berichte und Mitteilungen der obersten Heeresleitung. Ich kenne sie schon alle, die wie ich sich täglich zu diesem Schaufenster drängen. Ein paar Schulknaben, Straßenschnellverkäufer, ein alter Trödler und zwei Galizianer. Alltäglich sind sie um diese Stunde dort. Sie diskutieren ganz diskret, kräuseln sich zuweilen die Stirnlocken dabei und seufzen tief. . . Sie können „Höfer" kaum erwarten . . . Früher hatten sie keinen Dunst von der ungarischen Sprache . . . Jetzt, nach vier Monaten haben sie sie sich doch ein wenig angeeignet. Woher sie kamen, wie sie leben, wovon sie existieren — das weiß ich nicht. Doch hat sich eine gewisse Intimität zwischen uns gesponnen. Ich gewöhnte mich an diese Gesellschaft mit dem tiefen Schmerz im Auge und habe mich mit chrer zerriffenen Garderobe befreundet, aus der die Fransen ihrer Schaufäden hervorbaumeln. Mit ihrer weinendbtttenden Nasenstimme verlangen sie immer, daß ich ihnen den letzten Höfer übersetze. Als ob sie in ihrer Klausbank stünden, so schaukelten sie ihren Oberkörper und Kopf, bis ich den amtlichen Bericht übersetzte. Wir freuten uns zusammen hei jedem Erfolg und Budapefter neologcn Gemeindestube ist, fand eine Vorkonferenz geladener Notabeln zur Gründung eines ungarisch-jüdischen Landesverbandes statt. Teilnehmer der Konferenz waren zumeist aktive Männer der jüdischen OlffenrOchkeit, unter ihnen Dr. Grauer, Dr. Glaß, Arnold Kohn und Meier Lichtschein, Vorstandsmitglieder der Hauptgemeinde, Bettelheini, Dr. Kahn und Dr. Schönfeld von jüdisch-nationaler Seite, Schulinspektor Munkacsi re. Die Orthodoxie war nicht vertreten. Ebenso fehlten und entschuldigten ihr Ausbleiben das Rabbinar der Hauptqemetnoe wie die Direktion des Seminars. In der Eröffnungsrede betonte Präses Dr. Lederer die Notwendigkeit der Grünoung zum Schutz gegen Angriffe und zur Stärkung und Hebung der inneren Kräfte. Der vor zwölf Jahren vom anwesenden Königl. Rat Dr. Glaß inaugurierte „Verein der Gläubigen" war in seinem Ausbau zu schwacher konnte nicht bestehen. Die Zeit zwingt uns, wenn das Judentum den Stürmen standhalten wolle, diesen Verband ins Leben zu rufen. Dr. Grauer meldete hierauf im Namen der neologen Gemeinde den Anschluß an die Bewcgunq. Dr. S ch ö n f e l d schloß sich den Ausführungen an: „Schon vor drei Jahren waren die Vorarbeiten für einen solchen Verband fertig. Da platzte im letzten Moment die Bombe. Wir wurden mit dem Schlagwort „Klerikalismus" gestempelt und in der Weiterarbeit gehindert. Wir brauchen keinen konfessionellen, sondern einen jüdisch-gesellschaftlichen Verband. Das ungarische Judentum steht in schweren Stunden ohne festgefügte Organisation da, die mit Nachdruck und Erfolg ihre Wünsche vertreten und verfolgen könnte. In der Galizianerfrage trat dieser Mangel bedauerlich zutage. Etnzelindividuen arbeiten dort, wo die Kraft einer Organisation nicht aufgebracht werden konnte. Jede Diskussion ist überflüssig. Wir können nie so viel defensive Energien sammeln, die zum Schutze des Judentums zu viel sein könnten". Dr. Kahn betont die politische Notwendigkeit des zu gründenden Verbandes, worauf S. Bettel heim den Ausbau auf demokratischer Grundlage wünscht, wodurch sich hier sowohl orthodoxe als neologe Juden zu einem Zweck zusammenschlteßen könnten. Königl. Rat Dr. Glaß resümierte das Ergebnis der Diskussion und schlägt die Einsetzung einer vorbereitenden Kommission vor. Gewählt wurde Dr. Lederer zum Präsidenten, Dr. Glaß, Rabbiner Hevesi, Dr. Schönfeld, Dr. Kahan, Szabolsi, Dr. Munkacsi und Kohn Arnold zu Mitgliedern der Kommission. waren deprimiert beim Fall von Belgrad und Przemysl . . . Es mochte aber was immer geschehen, ich durfte ihnen was immer übertragen, zum Schluffe richteten sie immer ihren tüftraurigen Blick auf mich und legten den gewaltigen Jammer ihrer Lage in die kurze Frage: Und Tarnow? Was ist mit Tarnow? Recht oft bei Tag und nicht selten in der Nacht, klang in meinen Ohren ganz unerwartet, wie eine Halluzination die klagend bange Frage: Und Tarnow? Der ganzr. Weltkrieg war für sie in diesem Punkt konzentriert Der Sturm der Dardanellen, der furchtbare Kamps in Flandern, Hindenburgs Genialität, das Bombardement der Reimfer Kathedrale . . . Immer schloß das Lied mit der jammernden Frage: Und Tarnow? Nachmittags, gegen halb sechs, klingeltS am Telephon. Nur eine Zeile . . . Der zweite Höser-Bericht . . . Tarnow ist wieder unser! Ohne Hut, so wie ich geh' und steh' fliege ich auf die Straße. Suchend, spähend, aufgeregt, blicke ich um michaber meine zwei Galizianer sind nirgends zu sehen. Es war bereits eine Höser-Meldung ausgegeben . . . Sie gingen fort . . . Schade. Haben sie doch dies hier seit Monaten erwartetdas war doch ihr Jerusalem, der heilige Ort, zu dem sie in ihren andachtsvollen Träumereien wallfahrten. — Die großen Bogenlichter werden aufgezogen. Mit ellenlangen Buchstaben wird der Sieg in die wogende Stratzenmenge gesrhrüen: Tarnow ist unser! Ich blicke auf . . . begaffe die Buchstaben ... da fühle ich, wie man meinen Rock von hinten zerrt. Die zwei Galizianer stehen dort. Ihr

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