Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 23 (27.5.1915)
- Date
- 1915-05-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448506-2448529--67512-2488400- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«eite 4 No 22 Der ISraeltt. 37. Mat 1916 I f- || »*'• F;j! l! Zj dem Poznanfkifchen Hospital für den Monat April 2000 Rbl. an Kurkoften zu ersetzen, den drei früheren Beamten des Friedhofes eine Pension zu gewähren, für die Findlinge, die auf Gemeindekosten unterhalten werden, Kleidungsstücke und Wäsche anfertigen zu lassen und das Hauptb ürgerko mitee zu ersuchen, der Jeschiwah des Rabbiners Maisei 1750Rbl. als Unterstützung auszuzahlen. Die statistische Abteilung bei der jüdischen Gemeindeverwaltung gibt folgenden Ausweis für den Monat April bekannt: Geboren wurden 410 Kinder, 210 Knaben und 200 Mädchen/ gestorben sind 276 Personen, 166 Männer und 110 Frauen- 17 Eheschließunngen fanden statt. Die Vorgänge in Kielce. Lodz, 24. Mai. In Kielce sollen die Juden nach dem rusiischen Tagesberichte offen ihre Sympathien den einziehenden deutschen Truppen gezeigt haben, lieber die wahren Vorgänge der letzten Tage in dieser schwer geprüften Stadt wird von Augenzeugen, die gestern von dort nach Lodz gekommen sind, folgendes berichtet: Nach der ersten Besetzung der Stadt durch die Deutschen im Oktober v. I. war hier der Handel und das Leben im allgemeinen ein normales. Als die Russen wieder einzogen, wurde mit einem Schlage alles lahmgelegt. Die Einwohnerschaft der Stadt und der ganzen Umgegend hatte unter großen Bedrückungen viel zu leiden. Die Stadt mußte eine hohe Kontribution zahlen, weil sie angeblich die Deutschen und Oesterreicher freundlich empfangen hatte. Alle Personen, die nicht beständige Einwohner der Stadt waren, mußten diese sofort verlaffen. Diejenigen, die dies unterließen, wurden nach Poltawa verschickt. Einige aus Bendzin stammende Juden wurden gehängt. Vier der angesehensten jüdischen Bürger wurden als Geiseln verhaftet. Eine Anzahl anderer verhafteter Personen wurde gegen Hinterlegung einer hohen Bürgschaftssumme wieder auf freien Fuß gesetzt, darunter viele angesehene Einwohner aus den Nachbarstädten Chmielnik, Stopnica u.s.w. Trotzdem die aus dem russischen Reich eingeführten Zeitungen fortgesetzt große Siege der Russen berichteten, kam am Donnerstag, den 6. Mat, Plötzlich der Befehl, daß alle administrativen Behörden eiligst die Stadt verlaffen sollen. Am Sonnabend . morgen begannen die Russen mit der Vernichtung aller Getreide- und Proviantvorräte. Alle Speicher und Lager wurden in Brand gesteckt. Dabet fanden sie aber noch Zeit, unter der Hand einen großen Teil der Lebensmittel an die Einwohnerschaft zu verkaufen. Am Montag morgen wurde der Bahnhof und das Schienengeleise der Bahn vom Militär zerstört. Am selben Tage begann auch die Flucht des russischen Militärs. Am Dienstag erschienen Reiter, die die Aufgabe hatten, den Rückzug der Infanterie zu decken, statt dessen aber die jüdischen Läden und Geschäfte plünderten. Die Kosaken verkauften ihre Pferde zu 3—5 Rubel per Stück und warteten dann, nachdem die anderen Truppenteile sich zurückgezogen hatten, sorglos ihre Gefangennahme ab. In der Nacht zum Freitag gegen 3 Uhr erschienen vor der Stadt die ersten deutschen Vorposten. Bald darauf erfolgte der Einmarsch der deutschen Truppen. Um 12 Uhr mittags wurde der Magistrat und alle öffentlichen Gebäude besetzt. Der neuernannte Stadtkommandant erließ den Befehl, alle Läden und Geschäfte wieder zu öffnen und sofort ging man daran, mit eiserner Hand Ordnung zu schaffen. Gewiß hatten die wenigen zu ihren Truppenteilen geflüchteten Kosaken Grund zur Annahme, daß die Juden den Einzug der Deutschen nicht bedauert haben, woraus der Tagesbericht kurzweg offne Sympathiekundgebungen machte. Ungarn Nus Sen SemeinSen. Budapest. Der neue „Landesverband der llttg. ,'uiben", s,ielt unter Vorsitz Dr. Lederers am 12. Mai die erste Vollsitzung seines Ausschusses. Bei dieser betonte Dr. B en e ti a ne r, Rabbiner aus Neupest, die Notwendigkeit der Vertiefung des religiösen Geistes, was in den Statuten zum Ausdruck gelangen müßte, Dr. H a j d n empfiehlt die Stärkung der finanziellen Basis zur Hebung der sozialen Wohlfahrt der Juden. Redakteur B e t t e l h e i tu verlangt eine offene, den allgemeinen Bedingungen des jüdischen Lebens entsprechende Tätigkeit. Die breite Masse muffe herangezogen luerden. Man solle sich nicht auf die kalten, starren Bergspitzen der Gesellschaft beschränken; in den tiefliegenden Tälern sei immer fruchtbares Heil zu finden. Ge inüsse einmal ernste jüdische Politik mit Herz, Seele und Kopf gemacht werden. Red. G r o ß - berg findetim Ganzen die Aktion ganz löblich, erklärt aber, die Orthodoxie kann als Organisation erst nach Erfüllung ihres Postulats, der getrennten Antonomie zur vollen Geltung kommen. Dies sei die conclitio sine qua non. Worauf dann Bettel- Heim bemerkt, daß gerade durch diese Organisation das Verein igungsbestreben der Nevlogie ein anderes Ziel bekommen würde. Die Frage der religiösen Einheit mützte dadurch in den Hintergrund geschoben werden. Das Postulat der orthodoxen Kanzlei würde dann aus kleineren Widerstand stoßen. Direktor Abr. Stern spricht ein warmes Wort für die Verinnerlichung der Jugenderziehung, woraus die Sitzung geschlossen wurde. - Die Vertreter der jüdischen Presse versprachen dem Verband weiteste Förderung in der Oeffentlichkeit. Z. B. A. Tebrecsen. Zu den taurigeu Episoden aus der Zeit der Rnsieninvafron in Szijeth zählt das Bild einer vom Wahnsinn gepeitschten Mutter, die mit dem Jomtosgewand bekleidet, mit Hut auf dem Haupte, aber barfuß aus dem hiesigen Elsenbahnperron herumlief und einen leeren Kinderpvlster in der Hand, jämmerlich lamentierte. Als sie kamen, war sie noch nicht ganz reisefertig. Sie schob ihre zwei kleinen Kinder vor sich hin, nahm ein jüngeres in den Arm und ihren Säugling, verpackt im Polster, mit auf die Flucht. Sie wurde geschobert und gedrängt, gejagt und getrieben und von der verzweifelt wirr dahinwälzenden Masse zur nächsten Bahnstation getragen. Als sie tu den bereiistehenden Flüchtlingszug eingestiegen war, gewahrte sie, daß ihr jüngstes Kind aus der Wickel gefallen, daß sie den Säugling verloren hatte. Nichts war ihr geblieben, als der leere Polster, den sie von der Verz»veiflung von, Verstand gebracht, an die Brust preßte, in den Schlaf lullte und mit grausig, schauerlichen Wiegenliedern her- und hinschaukelte. Der Anblick der unglücklichen Mutter wirkte wie eine Katastrophe auf die stillen Beschauer, die laut im Bahnhof schluchzten. Budapest. Die neologe Gemeinde ließ die große Büchersammlung aus beut Nachlasse Prof. W. Bachers ankaufen und legte somit den Grundstein zu einer jüdischen Bibliothek. Z. B. A. Budapest. Bei den diesjährigen Reifeptüfungen der hauptstädtischen Gymnasiasten wurde aus Grund der Intervention Dr. Max Wcisz beschlossen, die schriftlichen Examina nicht unmittelbar nach der mündlichen Prüfung abzuhallen, um so die jüdische Jugend von einen, eklatanten raff h'h'r, ferne zu Hallen Pest. Im Jahre 191.4 verausgabte die Pester Chewrakadischa Kti2,000 Kronen für humanitäre Zwecke. Von dieser Summe wurde das Siechenhaus, die Blindenanstalt, Altersheim und noch mehrere Institute erhalten. UeberdieS wurden bei 200,900 Kronen an Unterstützungen verteilt. Gror,Wardein. Dr. Heinrich Wertheimstein, Stuhtrichter aus Belemyes, der Schwager des Londoner Lord Rothschild, erhielt für seine heldenhafte Handlung vor dem Feind das sigiium laudis. ,B. A. Budapest. Aus dem Berichte der Kultusgemeinde ist zu entnehme,i, daß im Kriegsjahrc 1914 ein Rückgang bei den Taufen zu verzeichnen ist. Während 191:;° 247 ans dem Judentum austraten, haben jetzt nur 229 den Vaierglanben verlaffen. Z. B A. RuMcrn-. 3üdifdies aus Rußland. Warschau- 2U. Mai. dlad) den uns zugegangenen Warschauer Zeitungen befinden sich in Warschau allein gegenwärtig 75000 jüdische Obdachlose. In den letzten Tagen trafen dort 15000 Flüchtlinge aus dem Gouvernement Suwalki ein. Aus Przemysl traf in Warschau die Nachricht ein, daß die Russen infolge des Anmarsches der verbündeten Armeen sämtliche Juden ausgewiesen haben. Das Warschauer Rabbinat erläßt mit Hinweis auf die Epidemien eine dringende Mahnung zur Beobachtung aller religiösen Gesetze und behördliche Bestimmungen über Reinhaltung des Körpers und der Häuser. In Btalystok ist die Lage eine gedrückte. Fliegerbomben fordern alle paar Tage schwere Opfer. Die Synagogen und Bethäuser sind überfüllt. Von Zeit zu Zeit wird vom Rabbtnate ein TD'JC n'jpn angesetzt. In Grodno wurde der bekannte Rabbiner Rabbi Rabbinowttz, als er gerade von der Kanzel über dle Lage sprach, von einem Herzschlag betroffen und starb vor den Augen seiner Gemeinde. Arnerlkcr. Oer jüöifche Kongreß. Aew York- 7. Mai. Eine sechsstündige Debatte hat die dieser Tage stattgehabte Jahresversammlung der New Ljorker Ke Hill ah über die Frage geführt, ob es angezetgt sei, einen amerikanisch-jüdischen Kongreß zur Erörterung der allgemeinen jüdischen Fragen als Vorbereitung auf den künftigen Friedensschluß etnzuberufen. Während der bekannte Vorsitzende der Kehillah, Dr. M a g n e s, für einen solchen Kongreß eintrat, wurde er von Louis Marshall mit guten Gründen und großer Beredsamkeit als nutzlos und gefährlich bekämpft. Dis Diskussion endete mit dem Beschluß, die weitere Erörterung auf vier Wochen zu vertagen. Oie 3üflifche Eimnanöerung nach den Vereinigten Staaten. Hlew-YorK, 10. Mai. Vor kurzem fand in New-Dork die Hauptversammlung des „Hilfsvereins für jüdische Einwanderer aus Rußland" in Gegenwart der bekannten jüdischen Persönlichkeiten Amerikas statt. An den Verhandlungen nahmen auch zwei hohe Beamte des Einwanderungsamles von Ellis-Jsland teil, wo die Einwanderer auf ihre Mittel und ihren Gesundheitszustand untersucht werden, ehe sie die Erlaubnis erhalten, sich im Lande niederzulaffen. Dieser Verein, der im Jahre 1913 15300 Mitglieder zählte, ist heute auf 46000 angewachsen. Aus dem Rechenschaftsbericht geht hervor, daß trotz dem Kriege 66500 jüdische Einwanderer aus Rußland an Land gegangen sind. Nur 8000 dieser Einwanderer bedurften bei hrer Ankunft der Unterstützung des Vereins. Im Laufe des Geschäftjahres hat der Verein 5000 Linwanderer eingerichtet und 1770 Arbeit verchafft, 26060 mit Rat und Empfehlungen unterstützt. Der Verein hat ferner einen Gesundheitsdienst für die Familien der Emigranten in Krankheitsfällen organisiert. Besonders interessant find die Ansprachen, die die erwähnten Staatsbeamten gehalten haben. Der Generalkommissar von Ellis-Jsland führte folgendes aus: „Ich wünschte, daß alle Nationen sich der Einge«änderten ihrer Raffe ebenso annehmen würden, wie Sie es mit den Ihrigen tun. Ich bin für die Freiheit der Einwanderung, denn ich lasse es nicht gelten, daß es Gesetze gibt, die gewissen Menschen erlauben, glücklich zu leben und die anderen dem Unglück und der Verfolgung preisgeben. Es ist wahr, daß 2 pCt. der jüdischen Einwanderer, in ihre Heimatländer zurückgeschtckt wurden. Aber 98 pCt. sind hier ausgenommen worden, nm hier glücklich zu werden, wie die anderen amerikanischen Bürger." Zum Schluffe rühmte der Redner die treue Hingabe der Juden an ihr neues Vaterland. Vermißte Mische Jamilien. XXVI. Es sucht: Es werden gesucht: W. Korelstei»,Schneide- Nisfim Wurzel, Berlin, mühl, Baracke 60 Lothringerstr. Wolfs Bloch, Bozieny seine Eltern und Rabbiner Klatko. Selig Ruduik aus Lodz, Mendel Rndnik, Lodz, z. Z. Schneidemühl, Ba- Podeschcznistr. 14. racke 72. Prosze Abbo Nahum Schotow. Auskünfte über obige Anfragen erbittet Rabbiner I. Nobel, Schneidemühl. c