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Der Israelit · 1915-05-12 · Heft 21 (12.5.1915) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 21 (12.5.1915)
Date
1915-05-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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12. Mai 1915 Der JSraeltt. No. 31 Sette b versorgen. Eine rege Korrespondenz des „Board of Deputies" mit dem Kriegsministerium führte bis jetzt zu keinem Erfolge. Leopold Rothschild und Claude Montefiore haben versprochen, noch in der Sache tätig zu sein. Personalien. Frau Rahel Frankel n"r- München, 9. Mai. Am Dienstag, 4. Mai, ist Frau Rahel Frankel hier entschlafen. Eine Greisin von sechsundsiebzig Fahren und doch eine Frau, die bis in ihre Letzten Lebenstage sich eine Frische des Geistes und Herzens und einen tatkräftigen Willen bewahrt hatte, Eigenschaften, wie sie manche junge Menschen nicht besitzen. Rahel Frankel entstammt einer berühmten Rab btnerfamilie, ihr Großvater, Rabbi David Sinzheim, einer der bedeutendsten Talmudisten zu Anfang des 19. Jahrhunderts, ist in weiten Kreisen berühmt durch seine hervorragende Tätigkeit in dem von Napoleon I. im Jahre 180« in Paris zusammenberufenen großen Synhedrion. Der Vater der Verstorbenen, der frühere Darmstädter, später Halberstädter Rabbiner Benjamin Hirsch Auerbach, ist bekannt als der Verfasser des „Nachal Eschkol", eines der hervorragendsten Werke der hebräischen Literatur des neunzehn Jahrhunderts. Sein vor fast anderthalb Jahrzehnten verstorbener Sohn und Amtsnachfolger Dr. Selig Auerbach b’W, war der einzige Bruder der verstorbenen Frau Fränkel. Frau Rahel Fränkel hat gemeinsam mit ihrem Gatten, dem Großhändler Wilhelm Fränkel, der ihr um mehrere Jahre im Tode vorausgegangen ist, ein Haus begründet und verwaltet, das den von ihren Vorfahren überkommenen Sinn altjüdischer Tradition in vorbildlicher Weise gepflegt hat. Das Fränkelsche Haus wurde durch das Wirken der Verstorbenen zu einem Mittelpunkt für das jüdische Leben unserer Stadt. So wurde es vor allem auch von den zahlreichen jungen Menschen empfunden, die als Studenten oder junge Kaufleute sich in München aufhielten und denen die herzliche Gastfreundschaft der Frau Rahel Fränkel in der Fremde ein Stück Heimat zu schassen verstand. Die Fürsorge für andere, für den Kreis ihrer Verwandten und Freunde, wie für die unendlich große Zahl Armer und Hilfsbedürftiger war ihr ein Herzensvdürtnis, das sich bei der von rastlosem Schaffenstrieb erfüllten Statur der Verstorbenen an jedem Tag ihres Lebens in neue Taten der Nächstenliebe auswirken mußte. So ist auch der Kreis, der um die Heimgegangene trauert, nicht auf dre Familie und deren nächsten Freunde beschränkt. Er geht weit darüber hinaus und umfaßt all oie vielen, denen die Verstorbene in ihrem Leben Gutes erwiesen. Rahel Fränkel hatte die Genugtuung — es zu erleben, daß ihre Kinder und Enkel allsamt in dem Geiste weiter schaffen und wirken, den sie ihrem Hause ausgeprägt hat, uud daß ihre Söhne heute als Vorkämpfer öastehen für die Ideen, denen sie und ihre Vorjahren ihr Leben gewidmet. So wird das Werk ihrer Kinder ein dauerndes Denkmal sein für Frau Rahel Fränkel, die Mutter etnes jüdischen Hauses. rrajun. Hamburg, 4. Mai. Anläßlich des Jahrzeitstages Rabbiner Jsaac Halevy's b’Xt, fand vor einigen Tagen in dem Auhet des Langenfelder Friedhofes unter zahiabend abrichten. Indem wir uns zu den größten unserer Feiertagen vorbereiten, halten wir es fün unsere Pflicht, Ihnen, geehrter Herr Raüoiner, unse-' ren heißesten Dank für Altes, was Sie für uns bis jetzt getan haben, hierdurch auszudrücken. Es ist uns schwer vorzustellen, wie es mit unseren religiösen Angelegenheit hier Beschwerden hätte, wenn nicht Ihre Hilfe. Dank Ihrer Bemühungen haoen wir die Möglichkeit, unsere Religion auch hier im Gefangenenlager recht gut abzuhüten, uns jeden Tag zu versammeln und das Gebet mit einem „Minjvn" abzurichten. Wir bitten nun um Erlaubnis, Ihnen für Ihre Gutherzigkeit und für das Interesse, das ^>ie was uns anbelangte, um Tage gelegt haben, aufrichtig zu danken und einen koscheren und fröhlichen Pessach zu wünschen. Seit wir Ihre Karte mit Ihrem w. Namen und Fatersnahme erhalten haben, machen wir Ihnen jeden Sonnabend einen ^narp 'L und halten alle Juden unserer Kompagnie für ihre Pflicht, diesen rva beizuwohnen, denn jeder von uns suhlt aus sich selbst, wie groß Ihre Wohltat ist. Wir wünschen Ihnen nun nochmals einen fröhlich Ostern und empfehle uns mit gut Jomtof die jüdisch-russische Kriegsgefangene der 4. Kompanie des Gefangenenlagers bei Gardelegen Boris Weinberg. Bur Unterstützung der Lehrer und Talmudgelehrten im heiligen Lande. In der ersten Anrnmer des kaufende» Jahrganges stade» wir die Anregung gegeben, daß sich hochherzige Gesinnungsgenossen i« Europa nach dem Woröitde opferfreudiger Jerufatemer Kreise bereit erklären möchten, die Konorierung je eiues Latmud Khoratehrers und tzstoragetestrten mit ML. 40.— bezw ML 20.— mouatkich auf die Dauer von 6 Monate« zu übernehmen. Diese Anregung hat s. It. anßerordenttich erfreuliche Irnchte getragen, und es ist «it Kitfe der damals gezeichnete« Betrüge in der Kat gelungen, fo manche Jamitie vor Verelendung und völligem Untergang zn bewahren. Inzwischen sind 5 Monate ias Land gegangen «nd die Arist, für die unsere Krermve ihre Beitrage bewilligten, lauft in niete« Iässe» mit dem nächsten Monat ab. Die Verhältnisse im steitige» Laude aber habe« sich nicht gebessert, fonder« mit der Dauer des Krieges «nd der inzwischen stinzngetreteneu Keuschreckenplage verschlimmert. Wir möchten daher die Bitte anssprechen, daß alle diejenigen, denen das Glück vescheert ist, inmitten der todbringenden Kampfe, die «ns allüberall umgeben, sich selbst, ihre Lieben und ihr Vermöge« unversehrt z« wisse«, die gezeichnete« Beiträge rnf weitere 0 Monate verlängern zu wolle«. Wir sind im übrigen sicher, daß sich neue Irennde und Gönner zu den alte» hiuzugesellen werde«. Reduktiv» de- „Israelit." reicher Beteiligung eine erhebende und würdige Gedenkfeier statt. Biele Hamburger Gemeindeinstitutionen hatten ihre Vertretungen entsandt, von der Altonaer Gemeinde waren die Herren RabbinatS-Affeffor D u k e s z und Herr Wolff Möller erschienen. Herr Rabbiner Dr. Bamberger hielt die Gedenkrede, in welcher er u. a. in zu Herzen gehenden Worten darlegre, daß Gott der Menschheit Führer und Wegweiser sendet, wenn diese solcher bedarf. Rabbiner Jsaac Halevy war solche himmelragende Größe. Er war nicht nur Führer in der wissenschaftlichen Welt. Sein Werk Doroth horischaunim ist mcht nur dem engen Kreise der jüdischen Forscher, sondern jedem Historiker, der sich in die Geschichte des Judentums vertieft, maßgebend. In seinem Werke wollte Halevy nicht nur das Judentum der Bergan,zenheit schildern, er wollte vielmehr das zeitgenössisch,: Judentum aus dieser großen Vergangenheit heraus begreifen und verstehen lernen. < enn Halevy war kein weltabgewandter Forscher, sein Riesengeist und sein wm.mes, edles Herz gehörte vor allem der Gegenwart. Und es ist nur selbstverständlich, daß die große Organisation der Agudas Jisryx^ hie nfle jüdischen Kräfte wecken und vereinen will, in Halevy ihren genialen Führer und Förderer fand, der diese seine Arbeit für die jüdische Volksgesamtheit mit dem Blute seines Herzens wahrhaft tränkte. Halevy kannte die Vergangenheit und kannte und verstand die jüdische Gegenwart mit ihren vielgestaltenen Sorgen und Nöten. Die Taten der Gerechten find ihr Andenken. Und so ward bei dieser Rede uns lebendig der ganze große Verlust, den die jüdische Welt erlitten hat. rvaittn. Schweinfurt, 9. Mai. Am Montag, 3. Mai, wurde unter außergewöhnlichen Ehren unser langjähriger 1. Vorstand, der Kgl. Kommerzienrat und Handelsrichter, Herr Emil H e i m a n n, Schuhfabrikant, zu Grabe getragen. Mit ihm verliert nicht nur die Großindustrie einen ihrer glänzen dsten Vertreter, die Stadt Schweinstrrt ein Magistrats Mitglied, das seltenen Arbettsgeift mit hohem, prattisckiem Sinn verbannt, sondern vor allem hie hiesige Ger rreinde einen Mann, der 33 Jahre lang die Gemeinde leitete und förderte, so daß sie heute wohlgeachter dasteht und in allen Einrichtungen und Institutionen fast muslergiltig zu nennen ist. Sein Hauptverdierlst lag wohl darin, daß er es verstand in unserer Gevremde, trotz der Verschiedenheit der religiösen Ansüht ihrer Mitglieder stets den Frieden zu erhalten, in wirklich liberaler Weise nrrhi,''Aifrrö ^rrrii i‘i iTäfirt rr ~ irrtiS~• t " für alle diejenigen Brdürfniffe zu sorgen, die für eine > ' jüdische Gemeinde notwendig und wünschenswert sind. ] Diesen, seinen liberalen Grundsätzen entsprach auch, j daß er, obwohl er selbst dem gesetzestreuen Judentume ] ziemlich ferne stand z. Z. der Richtlinienbewegung als einer der ersten die Aufforderung zum Anschluß an; die Protesterklärung gegen die orthodoxen Rabbiner J energisch zurückwios und, um noch ein Beispiel zu geben, auf Anregung unseres verehrten Rabb. Herrn Dr. Stein, j mit dem ihn ein überaus freundschaftliches Verhältnis * verband, seinen ganzen Einfluß einsetzte um unser j v"n na, das bisher nur pachtweise der Gemeinde | überlaffen war, trotz großer Geldopfer, käuflich zu erwerben und so zu einem wirklichen na zu machen. So tragen alle Institutionen der Gemeinde die Spuren? seiner Tätigkeit, und sichern ihm innerhalb unserer Gemeinde ein dauerndes Andenken. iraxin. I ReiÄensachseu, 10. Mai Der aus dem westlichen Kriegsschauplätze stehende bisherige Unterarzt, , Herr Dr. meb. Joseph Bachrach, Sohn des Herrn s Lehrers Bachrach dahier, ist durch Allerhöchste Kabinels- ] ordre zum Assistenzarzt befördert worden. 1 Bor »Horst, 6. Mat. Siegfried Hertz, Sohn des i Herrn Gerson Hertz, Borghorst, erhielt das Eiserne Kreuz. \ Breitenbach a. Herzberg, 5. Mai. In körper- < licher» Rüstigkeit und geistiger Irische beginge»» die i Eheleute Jfak Kalb und Frau im Alter von 75 bezw. 74 Jahren das Fest der Goldenen Hochzeit. 1 Sprechsaal. Shnagogenschwnck am Lchwuans. Verebniche Redaktion! i 1 Der Anregung eines Freundes folgend, bitte ich 3 Sie höflichst, einem Vorschlag an die Jüdischen Ge- ';j meindcn Deutschlands und Oesterreich-Ungarns irr :] Ihrem werten Blatte Raum geben zu wollen. ] Rack alter Sitte werden unsere Gotteshäuser am ' i W ' chense ft e mit frischem Grün geschmückt, nur . | das Auge des Betenden zu erfreuen und ihn mit! - neuer Hoffnung zu erfüllen. In diesem schweren Jahre, das unsere Empfindungen irnmer wieder zu ,';! den notleidenden Brüdern in allen Teilen der Welt i | führt, denken wir mit besonderem Mitgefühl der c:j drohenden .Hungersnot im Lande unserer Väter. Schon j vieles ist geschehen, um diese Not zu lindern, doch .‘'1 »leibt die Hilfe noch weit hinter dem Notwendigsten ] zurück. Jedes Mittel muß ergriffe»» werden uud darum ■j schlage ich allen Rabbinern und den Vorstehern der - Gemeinden vor, die Ausschmückung der Synagogen 1 diesesmal aus das Ausstellen zweier Bäume zu beschränken und das ersparte Geld den Notleidenden in Palastrna zuzuführen. Da wir das Bewußtseir» haben dürfen, durch diesen Verzicht diele Taufende zur Linderunq der Not beizutragen, so soll das Auge; sich auch an Yen schlichten zwei Bäumen erfreuen. Berlin, am 26. Omertage 5675. - .H. S. ' - Für den Reklame teil ist die Redaktio» nicht verantwortlich; insbesondere ist eS ausschließlich! Sache der Leser, dir i« Reklameteil enthaltene» Smpsehlnnge» ritueller Waren oder sonstiger «n» j i gaben religionsgesetzliche» LharalterS ans ihre :■) Inverläsllgkeit zu prüfe». . j; Kaiser Friedrich Quelle — Offenbaeh a. M. — Gegen Gieht and Rheumatismus bewahrt. \ileiniger Qeneral- Vertreter: Friedrich Stabi, Frankfurt &. M„ GAnthersbnrgallee 87. Tel. 259 u. 714 In Bad Neuenahr ist das bestrenommierte HoteÄ Kronprinz unter Aufsicht des Hamburger Vereins wieder eröffnet, ein Haus 1. Ranges, mit elegant ausgestatteten Zimmern, elektrischem Licht und schönem Garten. Trotz anerkannt vorzüglichster streng kurgemäßer Küche sind die Preise mäßig. Näheres bei der Inhaberin Frau B. Kowalski. Sabbat-Anfang u. Ausgang. I •il! K ORTi Frankfurt a. M. Berlin ... München . . . Strastburg . . Stuttgart. . . Bose» .... Nürnberg. . . Hamburg. . . -0*102 rar I Anfang Dntnm Ausgang Ufr ISRinJ 19151 5675 IMrjMin. 16 2. 7 35 Mai Siwan 8 55 7 15 8 •31 7 30 8 50 7 30 8 41 — — — — awMMMi

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