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Der Israelit · 1915-05-12 · Heft 21 (12.5.1915) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 21 (12.5.1915)
Date
1915-05-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Der Israelit. 12. Mal ISIS Sette L Rr. 21 Me deutschen Juden daheim und -raupen. Wenn auch hie und da noch berechtigte Klaaen laut werden über Organe, die es nicht lassen können, aw Kaiserworte vom „geeinten Volke" zu drehen und zu deuteln, so kann doch andererseits konstatiert werden, daß eine ehrliche konservative Presse sich bestrebt, den Juden Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen und deren Anteil an Deutschlands nationaler Erhebung anzuerkennen. Eine kleine Zusammenstellung solcher Zeitungsstimmen ist in dieser Beziehung von großem Jntercffe. Die „Allgemeine Ev angelisch-Lutherische Kirchenze itun g", die in politischer Beziehung im großen und ganzen auf konservativem Boden sieht und nicht selten ontisemitische .Wege gewandelt ist, brachte in ihrer Nummer vom 5. Mürz einen Artikel über das Thema „Die Juden und der Krieg" von v. Härtlinge Leipzig, in dem es heißt: „Sicherlich erhoffen unsere Juden, die für das deutsche Vaterland mttkämpfen, für die Zukunft größere Anerkennung und mehr Vertrauen, nachdem sie gezeigt haben, daß sie nicht hinter den übrigen Bürgern zurückstehen wollen in opferwilliger Darangabe von Gut und Blut für das gemeinsame Vaterland. Aber darin dürfte lbensowig etwas Verächtliches oder Verwerfliches zu sehen sein, wie wenn die verschiedenen Parteien eine Stärkung und Förderung ihrer Interessen oder die industriellen und Handelskretse j die Eröffnung neuer Absatzgebiete von diesem Kriege erwarten. Das alles hindert ja durchaus nicht, daß die gemeinsame Sache des Vaterlandes, seine Ehre, seine Freiheit, seine Macht die erste u» d eigentliche Triebfeder für die freudige Hingabe an das Vaterland ist. Je mehr der Gedanke naheliegen könnte, daß es den Juden schwer werden müßte, rückhaltlose nationale und vaterländische deutsche Gesinnung aufzubringen — weil sie einmal so viele internationale Beziehungen besitzen und andererseits bei uns mit mchr Vorurteilen und Geringschätzung zu kämpfen hatten als z. Ä. in England — um so mehr ist es anzuerkennen, daß unsere Juden in diesem Kampfe durchaus deutsch fühlen und aufs allerschärfste nickt bloß gegen den russischen, sondern auch gegen den englischen Feind Front machen. In diesem Zusammenhänge muß es erwähnt werden, daß der Dichter des Haßgesanges an England, der vom bayerischen Kronprinzen unter seinen Soldaten verteilt ward und der vor einiger Zeit hier in Leipzig im Kristallpalaft vorgetragen wurde, einen Juden, Liffauer, zum Verfasser hat — denselben. der den Gedichtzyklus „1813" geschrieben hat (nicht zu verwechseln mit dem widerwärtigen Haßlied des Hofrats Bierordt!)." Den Juden wird bezeugt, daß sie, als das Vaterland rief, „nicht zurückstanden an Opferwilligkeit; ihre Vaterlandsliebe hat auch vor dem Geldbeutel nicht Halt gemacht". Die gehegt» n Zweifel, ob sie ihre Hingabe an das Vaterland auch mit Einsetzung von Leib und Leben im Kampfe bis aufs Blut bewähren würden, haben sich, wie der Verfassir dartut, als unbegründet herausgestellt. Seien die Juden auch längst nicht mehr das kriegerische Volk, da.> sie einst gewesen, so hätten sie doch „sittliche Stärke genug bewiesen, um in diesem Kriege mit tapferem Mute das Schwert zu ziehen". „Ich glaube", wird weiter ausgesühüt, „es hat viele überrascht, daß sich sv viele Juden unter unseren Fahnen als gediente Soldaten und Freiwillige gemeldet haben, und noch mehr, daß sie eine achtenswerte Tapferkeit bewiefen haben, wie die vielen Eisernen Kreuze bekunden, die heute schon von Juden getragen werden. Bemerkenswert ist es auch, daß unter den Soldatenliedern, die in dieser Zeit entstanden sind, eines der schönsten von dem jüdischen Dr. Zuckermann gedichtet ist, der inzwischen als österreichischer Offizier gefallen ist und seine Vaterlandsliebe mit dem Tode besiegelt hat. Ich meine das österreichische Reiterlied: „Drüben am Waldesrand hocken zwei Dohlen", das bereits von sieben Komponisten in Musik gesetzt ist, das aber schon an sich vermöge seiner dichterischen Schönheit und seiner soldatischen B>- geifterung wie Musik wirkt. Es hat schon mancher jüdische Soldat sein Leben für das Vaterland gelassen. Wir wollen daraus gewiß nicht den Juden einen Ruhmestitel machen; sie haben ihre Schuldigkeit getan. Aber diese Ehre wollen wir ihnen lassen und nicht vergessen, daß sie mit unfern Brüdern ihr Blut vergossen haben unter deutschen und österreichischen Föhnen". Der „Retchsbote" vom 8. April übernahm einen Artikel „Der Krieg und die Juden" des „Missiasboten", eines Organs der Berliner Judenmission. Der Verfasser, Pastor Schaeffer, führt u. a. aus, daß man im allgemeinen es rückhaltlos anerkennen müsse, daß die deutschen Juden auch deutsch empfinden. Sie erweisen sich im Felde als tüchtige, tapfere Soldaten, schon viele haben sich das Eiserne Kreuz erworben. Der Gouverneur von Namur, den Pastor Schaeffer besuchte, äußerte sich im Laufe des Gesprächs, es sei nicht richtig, was man über die Feigheit der Juden sage. Er habe früher oft die Erfahrung gemacht, daß die jüdischen Kavalleristen die verwegensten Reiter gewesen seien.- Nicht als ob wir so besonders stolz wären auf diese Urteile. Unsere Vaterlandsliebe ist eine selbst verständliche, die weder aus besonderen Dank rechnet, noch des Ältestes eines Missionspfarrers bedarf, noch sonst auf Belobigungen irgend welcher Art reagiert. Es seien nur diese Glossen festgehalten zur Beruhigung der ängstlichen Gemüter, die sich von denen schrecken lassen, welche nach wie vor mit dem Worte „völkisch" den gröbsten Mißbrauch treiben. Es wird ihnen hoffentlich nicht gelingen, die geistig-sittliche Beute der großen Zeit ernstlich zu gefährden. * * Ein beliebter Sport unverbesserlicher H.tzer ist es, die deutschen Juden im Auslande als Verräter am deutschen Gedanken dahinzustellen. Mit dem Stahlkönig Schwab, dem Waffenlieseranten der Entente, läßt sich nichts mehr machen. Es ist zum Leidwesen der Antisemiten festgestellt, daß er katholischer Konfession und von ungetrübtem arischem Blute ist. Die anderen angeführten Namen sind aber eine ebenso schlechte Gewähr für die Konfession ihrer Träger. Bisweilen dürfte es sich auch um russische Emigranten handeln, die ja fast alle deutschklingende Namen haben. Es ist aber eine Tatsache, die auch konservative Blätter nicht verschwiegen haben, daß in den deutsch-amerikanischen Verbänden die Juden zahlreich vertreten sind, daß sie sich auch an der jüngst ins Leben getretenen Liga, die für die strikteste Neutralität der Vereinigten Staaten cintritt, lebhaft beteiligen, und daß ein Jude, Prof. Mün st erb erg, an der Spitze der für die deutsche Sache wirkenden Aufklärungsbewegirng steht,- ein Verdienst, das ihm auch in den Spalten der „Kreuzzeirung" hoch angereckuet worden ist. Und nicht erst die deutschen, auch die aus Rußland eingewanderren Juden gehören, mit verschwindenden Ausnahmen, zu den eifrigsten Vertretern der gerechten deutschen Sache in Amerika, wovon die jüdische Presse dortselbft klares, unwiderlegliches Zeugnis für alle Zeiten ablegt. Die in New - Aork erscheinenden fünf jüdischen Tageszeitungen sind jetzt alle auf Seiten von Oesterreich und Deutschland. Ein einziges jüdisches Blatt stand am Anfang des Krieges auf Seite der Entente, es verlor aber die Hälfte seiner Leser, der Redakteur mußte resignieren und das Blatt seine Richtung gründlich ändern. Der „Vorwärts", das verbreitetste Blatt im Jargon, befand sich vom ersten Moment an entschieden auf Seite der Zentralmächte. Seinen Standpunkt präzisierte der Chefredakteur des Blattes kürzlich klar und entschieden in folgender Kundgebung: Kleines Feuilleton. Die Sephiratage im Mandel der Zeit. Bon Dr. A. Neuwirth in Mainz, l Fortsetzung.). Vorerst möchte man in dem Unterschied zwischen „E'-öY' und „xip'V' eben nur den Hinweis erblicken, daß das Sephiragebot auch zu einer Zeit angängig ist, wo das Omer nicht dargebracht werden kann. Wir sehen aber, daß die Thauro wegen Unterlassung einer der Sephira ähnlichen Zählung und eines mir dieser Zählung im Zusammenhang stehenden Gesetzes von vornherein die Verwüstung des Landes und die Verbannung des Volkes androht. Wir lesen nämlich pxn njnn »x pxn rotrn nt de’E’x pxr srxi nopn 'v' bs rrrrntr rix. n'rrsp rx rinn „Dann wird das Land" feine Befriedigung an seinen Sabbaten haben, so lange cs verödet ist und ihr im Lande eurer Feinde seid, dann wird das Land Sabbat halten und seine Sabbatjohre befriedigen" (Lev. 26,34). .Hierzu bemerken unsere Weisen: "cSiy1? x2 rftn nSavi s'v'vp rttDPn pVE„ „Wegen Uebertreiung der Gesetze vom herbeigezählten siebten und fünfzigsten Jahr wird die Vertreibung aus heiligen Lande verhängt" (Sabb. 38g). Wenn nun hier wegen der Unterlassung der JayreSsephira und deren Gesetze die Vertreibung angedroht, und nicht wegen Uebertreiung viel schwererer Vorschriften, wie etwa Götzendienst, so muh -wischen der Sephira und der Strafe ein innerer Zusammenhang bestehen, und somit aoer gewinnen auch die Hinweise in Deborim auf eine Zeit, wo das Heiligtum zerstört sein wird, eine besondere Bedeutung. Versuchen wir den Grund des Sephiragebores festzustellenwir werden dann vielleicht auch diesen Zusammenhang verstehen. Der Grund des Sephiragebots läßt sich aus verschiedenen Hindeutungen der Thauro in dem Sephiragesetz selbst eruieren. Wir wollen vorerst nur zwei Momente hervorheben. Es wird bestimmt, datz der Anfang der Sephira „7iLvrn -icy rx. ssx’En ni’c" von dem Tage eurer Darbringung des Omers der Wende zähle. Da es sich in diesem Zusammenhänge nur um die Zeitangabe des Sephiraansangs handelt, so erscheint die nähere Charakterisierung des Omers mit „nßurn" mit „der Wende" auffallend. Um einer Verwechslung vorzubeugen, kann diese Bezeichnung gcmitz nicht stehen, da es doch überhaupt nur ein Omer gibt, ein Irrtum somit ausgeschloffen ist. Die Thauro will vielmehr damit das Motiv, mit dem wir die Sephira beginnen sollen, angeben. Die zur Wendung bestimmten Opferstücke mutzten nach allen Seiten hin geschwungen werden. Damit wollte der Opferer seine völlige Hingabe an Gott zum Ausdruck bringen. Einen ähnlichen Gedanken wie die Wendung der Opferstücke will auch die Sabbatinstitution einem jeden vergegenwärtigen. Durch die völlige Arbeitsenthaltung an diesem Tage bezeugt jeder Jehudi, dah er sein ganzes menschliches Arbeitsfeld dem göttlichen Willen unterordne. Nun wird in der genannten Zeitangabe neben der „nvvr" auch der Sabbat: „rnpn mrteo" von dem Tage nach dem Sabbat erwähnt. Wie wir bereits erwähnt, wird der rsp auch des^öfteren im Sephiragesetz angeführt. Diese beiden Momente in der Zeitangabe vermögen vielleicht schon uns den Sinn des Sephiragebots anzugeben. Dazu kommt nun folgender Umstund. Dir Halacha bestimmt, wir müssen Tage und Wochen zählen Die einzelnen Tage sollen zu Sabbaten vereint werden' „n;”nr nv'vr nrsp s?ep" „sieben volle Sabbate sollen eS sein." Welche Bedeutung die Thauro bei der Zählung den Wochen- oder den Sabbateinheiten beimitzt, geht schon aus der Tatsache hervor, datz bei der Wiederholung des Sephiragesetzes kurz nur die Woche»» „rijnsp", nicht aber, wie dies in ,,xip'i" der Fall ist, („21' B’Pcn necr") die Zählung der Einzellage angcfühlt wird. All das zusammengesatzt, will uns die Sephira Vorschrift offenbar folgendes lehren: Wir sotten uns von dem Feste der physischen Frciwerdung, des Pesach, durch Zählung de. Tage und Bereinigung dieser Einzeltage zu Sabbaten, sowie durch den täglichen Hinweis auf das „ivp", auf die Wendung des Omers, somit also durch Beherzigung und Verinnerlichung des Gedankens von der völligen Hingabe des Menschen an Gott, zum Thoraseste und zum jährliche»» neuen Empfange der - inaiworte vorbereiten. Am Pesach wurde Israel aus Egypten Defreit, an diesem Feste genotz Israel das erste Mal von der Frucht des heiligen Landes (nrkv .ivsn rinvL pxn iow i^2X'i Jos. 5,11), somit war die völlige Besitzergreifung des Landes ebenfalls am Pesach. Israel soll gerade an diesem Feste und von diesem Feste an, wo es sich des Vollbesitzes aller physischen Machtmittel erfreut, bokunden und bezeugen, daß es alles von Gott erhallen, datz es daher auch bereit sei, alles fürs Gotteswort, für die Sinaigefetze zu opfern. Auf diese Weise werden die Wochen zwischen Pesach und Schwuaus zu Sabbaten gestaltet, jeder Tag zu einer Omerwendungszeit gebildet. Was bei der Wochensephira Mir angedeutet, dies findet man bet der Jahressephira (mton ntt'DP) ausdrücklich erwähnt, vergl. Sanhed. 39a: ^x*ip*^ rvapn *iöx

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