Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 21 (12.5.1915)
- Date
- 1915-05-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israeli ÄHw Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum (llOt iI jj?gs^aa Segriindef sos 0? Lehmann in IHainz sss^a \\\ VBr i tm*mx 56. Jahrgang. Sranhfurf a. M . den 12. Mai 1915 28. Jjar 5675. .AS 21. SUtmument pro «ierleltohrr «rwSdnliche Ausgabe Mt. 1.60. vestauSgabe lXlwstdru« «l. s.—. Auslandspreise: vewShnN», Ausgabe: Oesterrelch-Unoaru s Kx„ ItuSIanb 1 RubH England S ah-, Amerika BO cta-, Stteveriande l.fO fl., Krankreich Fn. 2.60. Abonnementbei allen Vvllanstattm, Buchhandlungen, sowie dirüt bei h»w Sitlaa. KeitauSaabr aar direkt Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate: SO Pfennig für die sechSgespaltene Tolonel-Zeile.' Rabatt nack Tarif. Juseratenannahme durch den Verlag deS Israelit ®. m. b. H., Frankfurt a.M., Gr. Efchenbeimerstr. 23 Lek.S84S.Amt Hansa, sowie famtl. Annoncen-Sx-ed. des In- und Auslands. Ptatzvorfchrifteu ohne UrrdiudUchkett. Zahlnuge» kSnneu außer direkt au den Verlag erfolgen per Gonto »et dar 2. ft. Gostspa*r«We «2ta» ib. TS MB. Touto lei lew «. VoWspmauUemuut flSnlupeA Mo. 184U m in Gbiflüee Vom wt1EjlfWT tu W|t mck deren Kilial«. Der nadidrutft der Urtihel und Correfponden?en des „Israelit“ ifl nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fldi um größere Ruffäfce handelt, nur nach vorheriger öenehmigung geffattef. Dir nächste Nnrnnrer erscheint des Schownans Festes wegen schon Dienstag» de« 18. Mai. InHaltsnderstcht. 1. Leitartikel: Jüdische ZuKunftsforsrn. — 2- Aufsätze: Dir drutfchrn Juden daheim und draußen. — .3. Urrmißtr Jüdische Famtlirn. — 4. Kleines Feuilleton: Dr. A. Neuwirth, Mainz: Die Srptziratage im Wandel der Zeit. — Krieg und Geburten Politik- — Dir Geschichte einer Dermundung. — Kries aus einem Gefangenenlager. — 5. K o r r e fp o n d e n z e n u n d Nachrichten: Frankfurt a.M. (Bedenkliche Umtriebe.) — Hamburg (Repräsentantensitzung.) — Aus den okkupierten Gebieten: Lodz/ Kalisch, Lowicz. — Budapest (Galizisches Elend auf der Mandirschaft.) — Aus den Gemeinden: Vreßburg, Bonyhad, Duna-Szerdahel». — London (Die jüdischen Zivilgefangenen in England.) — 6. Personalien: München (Frau Rahel Fränkel N"p.) — Hamburg. - Schweinfurt. Relchensachsen. — Borghorst. — Brcttenbach. --- 7. Sprechkal. -- Feuilleton-Betlage: Der Tartaren - Ginfall. — I. L Perez: Die wahre Freude. Jüdische AukimMorgen. Wir haben erst jüngsthin an dieser Stelle der amerikanischen Judenheit attestieren können, daß sie im Gegensätze zu der amerikanischen Regierung und dem Grcs des amerikanischen Volkes die Aufgaben der Neutralität richtig erfaßt hat und sie in anerkennenswerter Weise zu erfüllen sucht. Zeigt sie doch von Anfang des Krieg-s an das ehrliche Bestreben, der europäischen Judenheit mancherlei Sorge abzunehmen und in Europa bedrohte jsidische Güter unter ihren Schutz zu stellen. Weit vom Orte der furchtbaren Handlung, glaubt man in Amerika den von uns allen heiß ersehnten Schlußakt des Weltdramas bereits in etwas deutlicheren Umrissen vor sich zu sehen als bei uns, wo das Kampfgetöse und die schwüle, täglich neue Entladungen kündende Sphäre den Ausblick in die Zukunft völlig verstellt. Daß man im jüdische» Amerika den Gedanken der Erlösung der Welt nicht mit dem einer Niederlage Deutschlands verbindet, konnten wir wiederholt feststellen. Schon darum allein berühren uns die Stimmen, die uns die Pläne und an den kommenden Frieden geknüpften Hoffnungen unserer amerikanischen Brüder übermitteln, nicht unsympothi ch. Das g lc auch von der allgemeinen jüdischen Konferenz, die in Amerika zur Beratung der jüdischen Wünsche und Vorschläge und der Art ihrer Geltendmachung bei den kommenden Friedeusverhandlungen geplant ist. Sofern die Konferenz der Lage der russischen Judenheit, der Sicherstellung' ihrer politischen und sozialen Rechte dienen soll, kann ihr im Prinzipe die Sympathie der Judenheit aller Länder nicht versagt werden. Es ist aber mit der Möglichkeit zu rechnen, daß sich bei dieser Gelegenhiit auch Wünsche und Aspirationen brettmachen werden, die im engen Zusammenhänge mit der Zukunft Palästinas stehen. Die rege Beteiligung Israel Zangwills an den Vorarbeiten der Konferenz legt diese Veimutung sehr nahe. In diesem Falle würde die Sache ein ganz anderes, ernsteres Gesicht erhalten und unter ganz anderen Gesichtspunkten behandelt werden müssen, was wir uns aber vorderhand ersparen können, da wir all die Erörterungen darüber für sehr stark verfrüht und darum bar eines jeden prakti'chen Wertes halten. Es hat gar keinen Sinn, Pläne für einen Bau zu entwerfen, dessen Terrain noch nicht abgesteckt ist, solange nicht die geringsten Anhaltspunkte für die Dimensionen des Bauwerkes gegeben sind. Die Lage der Juden wird sich aus der allgemeinen Entwicklung der Dinge ergeben müssen, die aber heute noch keiner mit einiger Sicherheit vorausbestimmen kann. Und so lange dies nicht der Fall ist, halten wir alle Beratungen darüber für eine Rethorik ins Blaue hinein, die, im Rahmen einer allgemeinen Konferenz, darum ihre Gefahren in sich birgt, weil sie eine nützliche Betätigung und eine richtige Arbeitsleistung vortäuscht und somit eine Kiäftevergeudung und Ablenkung bedeutet. Eine Konferenz zur Regelung all jüdisch er Zutunstsfragen müßte von allen Ländern beschickt und beraten sein. Es ist aber ganz natürlich, daß in den Köpfen der Juden der verschiedenen Länder ganz verschieden, je nach den Wünschen des betreffenden Landes, die dort die Gedanke.» erzeugen, sich die zukünftige Weltlage ausmalt. Daß in einem solchen Babel von Meinungen, Hoffnungen und Wünschen etwas Ersprießliches für eine unbestimmte Zukunft erstehen könnte, halten wir für schlechthin undenkbar. Allein auch für die Teilprobleme, die, wie .vir aus den Erörterungen der amerikanischen Preffe ersehen, losgelöst vom Komplex der jüdischen Fragen, die Konferenz beschäftigen sollen, scheint uns der Zeitpunkt nicht sonderlich glücklich gewählt. Gewiß wird mit einer politischen Schwächung Rußlands — auch in Amerika rechnet man mit einem solchen Ausgang der Kriegstragödie — sich die Lage der Juden dortselbst nicht"v er bessern. Das ist jedem Kenner der russischen Politik und der russischen Volkspsyche ohne weiteres klar. Man darf nach Oeffnung der Grenzen eine große Jadenwanderung voraussehen. Und da erheben sich Stimmen in amerikanischen Blättern, die es heute schon an der Zeit halten, auf dem Wege der geplanten Konferenz nach dieser Richtung hin die nötige Vorsorge zu treffen. Das ist von den amerikanischen Juden höchst anerkennenswert und zeugt von echter, vorsorgender Bruderliebe. Daß aber solche Erörterungen vor den Augen und Ohren aller Welt auch ihre andere, gefährliche Seite haben, wissen die Juden Amerikas, die seit Jahr und Tag den erbitterten Kamps mit den Scharfmachern der Einwanderunqsbrü zu führen haben, am besten. Daß andrerseits schon die Verhandlungen an sich einigen Eindr. ck auf die russische Regierung nach der Richtung einer Verbesserung der jüdischen Lage im Lande machen könnten, versprechen sich wohl die Initiatoren selbst nicht, nachdem ja alle Interventionen d r englischen Juden, die, wenn sie auch von Eduard Grey nicht weiter gegeben wurden, doch laut genug zum Ausdruck kamen, um an die Ohren der Machthaber in Petrograd zu gelangen, so gänzlich fehlgeschlagen haben. Nach allem, halten wir im Prinzipe eine i m gretgneten Zeitpunkte, Ivon geeigneten Perjönlichkelten, in geeigneter Form veranstaltete Vorberatung zur Sicherstellung des Anteils unserer lange genug entrechteten Brüder an den von einer Welt in schwerem, blutigen Ringen erkämpften Gütern der Menschheit für erforderlich. Im heutigen Stadium der Dinge würde sie aber, im beste» Falle, eine ganz unnütze Krafwerschwendung, vielleicht aber gar eine Gefahr bedeuten. i t 1 0 ij Sj