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Der Israelit · 1915-04-22 · Heft 18 (22.4.1915) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 18 (22.4.1915)
Date
1915-04-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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2S AprU 1916__ Eine Petition 9er ruflifthen Iuöen Zürich, 12. April. Aus Petersburg wird der „Neuen Züricher Zeitung" geschrieben: Fast alle russischen Zeitungen veröffentlichen die Petition von 200 russischen Intellektuellen zugunsten der politischen und Wirtschaftlichen Gleichberechtigung der russischen Juden. Die Petition betont, daß die Lage der russischen Juden seit Beginn des Krieges, obwohl die Juden alle Pflichten und Lasten über-- nommen hätten, sich erheblich verschlechtert habe. Unter den Unterzeichnern des Aufrufes befinden sich Graf Tolstoi, der Bürgermeister von Petersburg, Maxim Gorki, zahlreiche Dumadeputierte und bekannte Publizisten. Italien. Die Aktion bu^atis. Ilom, 31. März. Unter der Ueberschrift „Dt> religiösen Verfolgungen in Rußland" veröffentlicht der'„Corriere dellar Sera" seinen^Klageruf aus der Feder Luigi Luzzatis. Luzzati ermahnt, die russischen .Polen, an deren Schicksal er den regsten Anteil nimmt, sich den Juden gegenüber nicht dasselbe zu schulden kommen zu lassen, was sie selbst von ihren Unterdrückern stets ffo bitter empfunden haben. Georg^Brandes, der bekannte dänische Schriftsteller/ so berichteter weiter, habe über die Erzählungen von jden entsetzlichen^Pogromen, die in Russisch-Polen seit Beginn des Krieges begangen worden, die eingehendsten Erhebungen angestellt, aufs gewissenhafteste nachgeforscht, und es habe sich herausgestellt, daß jene Berichte noch hinter* der schrecklichen Wahrheit zurück- Hlieben. Es ist ein Neutraler, der in einer dem Dreiverband unbedingt ergebenen Zeitung eine solche AnAage erhebt, und ein Angehöriger eines neutralen Staates"'hat die Tatsachen^festgestellt, die den Grund zu°dieser Anklage ergeben. Was aber sagt Frankreich, was sagt England, das sich stets als Schirmherr der Unterdrückten aufsptelen möchte, zu den Zuständen, die selbst während des Krieges bessemern östlichen Bundesgenossen herrschen? Durch ihr Schweigen machen sie sich zu Mitschuldigen jener Verbrechen. und stellen sich außerhalb der ziviltsierten^Welt, deren Mitleid undZHilfe Luzzati anruft. Personalien. Schwäbisch-Hall, 21. April. Heinrich Herz, der.allbekannte hervorragendste Vertretendes gesetzestreuen Judentums in Württemberg, Vorsitzender des gesetzeStreuen Landesvereins und Äusschußmitglied der „Freien Vereinigung", ist nach kurzer Krankheit im Alter von 62 Jahren gestorben und kommt heute mittag, den 31. April, zur rn»{?. Der Schmerz ist zu frisch, um für den Moment eine Schilderung des gewaltigen Verlustes für die Schar der Treugebliebenen .inT Württemberg I und den ^3 zu ermöglichen. Das soll in einer eingehenden Würdigung dieses seltenen Mannes in nächster Nummer geschehen. Hamburg, iv.H April.? Man t schreibt*!'uns aus Hamburg: <ä$ Rabbiner Salomon Bamberger , der jüdischen Gesamtheit rühmlichst unter dem Titel: „Der Sennheimer Raw" bekannt, feiert feinen 86. Geburtstag? und der hat vollen Anteil an dieser nnvv. — Deshalb, weil der '"»Sennheimer Raw" den Juden im Elsaß ein wahrer Vater ist, über besten segensoolle, wunderbare Wirksamkeit gerade der .„JSraelit" ausführlich berichtete, deshalb, weil der „Sennheimer Raw"« der Senior der weitberühmten Rabbinerfamitte der Bamberger ist, deren einzelne Glieder in verschiedenen Gemeinden des Vaterlandes reichgesegnetes, rabbinisches Wirken ausüben, deshalb vor allem, weit der „Sennheimer lRaw" zu jenen wahrhaft Großen gehört, die durch gottgeweihtes Leben -allein schon der jüdischen Volksgemetnde Schützer sind, Schützer und Fürsprecher, in dieser notvollen Zeit besonders. — Größe^und demutvolle Bescheidenheit sind -geschwisterliche Tugenden und „wahre Größe ist stille Größe". — Und es wäre darum nicht in des Meisters Sinn, wollten wir ein Bild seiner Bedeutung und Größe malen, wollten wir es malen mit den heüleuchtenden Farben, wie fie die Wahrheit, die reine, nichts htnzufügende, erheischt, das wollenlwir nicht und brauchen wir auch nicht, denn auf den „Sennheimer Raw" dürfen wir mit vollem Recht das Wort des alten Lehrers anwenden: ywau!" Sein Leben und fein Tun bringt ihn uns so nahe, sein reiches Wirken, das ausschließlich der jüdischen Gesamtheit gehört und das ihr dient wahrhaft „Tag" und Nacht", sein unendliches Misten, erworben ln jahrzehntelangem, durch nichts unterbrochenem Studium, seine Wohltätigkeit und Menschenliebe, deren Lobes im Elsaß jeder Mund, auch und gerade der nichtjüdische, voll ist, all dies bringt den „Sennheimer Raw" dem *7*08” ^a so nahe, läßt ihn uns werden zum Vater und Führer, daß wir alle froh und gern mttseiern feinen heutigen Ehrentag, den er verlebt in geheimer Stille bei seinen Kindern in Kitzingen, wohin er ging, nachdem er im Elsaß bis zur höchsten Gefahr ausgeharrt, bis zur letzten Stunde für seine Brüder gesorgt und gewirkt haue. Dem ^a galt und gilt sein unermüdliches Wirken und darum naht sich ihm der ‘wn?’ ^a heute, mit dem innigsten aiv und steigen des bbz Gebete empor zu 'wn, daß Er dem „Sennheimer Raw" schenke einen reichgesegneten Lebensabend, noch viele Jahre vorbildlichen, geweihten Schaffens in Familie und für Israel und ihn und uns schauen und erleben lasten möge in Bälde die Segnungen des Friedens.!n:tp nmw rwo np W. I. Warschau, 12. April. Wie aus Warschau mitgeteilt wird, ist der bekannte hebräische und Jargondichter I. L. Perez gestorben. Perez darf als Führer der neujüdischen Kultur und Literatur angesprochen werden. Er war ein Dichter von starken Impulsen, der das jüdische Leben in seinem ganzen Wey und feiner ganzen Größe und Tiefe in unzähligen Bildern von seltener Farvenschönheit spiegeln laßt. Die eigentliche nationale Bewegung machte er nicht mit und er hörte sich gern einen „über den Parteien stehenden Künstler" nennen. Eine unerschöpfliche Quelle für seine Sujets boten ihm Lehre und Leben der Chasfidim, die seine Lyrik am reichsten befruchteten. Sein Tod bedeutet für die neujüdische Literatur einen unersetzlichen Verlust. Eschwege, 19. April. Sein 25jährigeS Amtsjubiläum feierte am 15. April Herr Lehrer G l a u b e r g dahier. Am 15. April 1890 trat derselbe zu Hochstadt, Kr. Hanau, in den Schuldienst ein, wurde dann am 1. August 1895 an die israelitische Schule zu Zwesten, Kr. Fritzlar, und am 1. Januar 19O7 an die, hiesige Schule versetzt. Dem Ernste der Zeit entsprechend fand nur eine kurze Schulfeier statt, bei welcher dem Jubilar sowohl von Schülern als auch Gemeindemitgliedern kostbare Geschenke überreicht wurden. Das Vorsteheramt der JSraeliren zu Cassel ehrte den Jubilar durch ein anerkennendes Glückwunschschreiben, ebenso der hiesige Jugendverein, zu dessen Vorstand derselbe gehöre. Auch von ehemaligen Schülern und Schülerinnen, sowie Kollegen aus nah und fern trafen Gratulationen ein. Ma.nstockheim, 16. April. Am noe bv ’ratr starb hier nach kurzem Leiden unerwartet im Alter von 73 Jichren eine unserer besten und edelsten Frauen, die Rabdinerwitwe Frau Hirsch rry. Ein vorbildliches Leben hat mit dem Heimgange dieser edttn für N'vri mmy mui begeisterten Frauengestalt einen würdigen Abschluß gefunden. Als Tochter des Rabbiners I. G. Adler in Burgpreppach hatte sie in einem Hause, in dem alte echrjüdische Frömmigkeit ihren Sitz hatte und an der Seite ihres früh Heimgegangenen Gatten, Rabb. Abrah. Hirsch des Begründers der Israelitischen Präparandenschule, Burgpreppach, das Leben einer nan nrprr in des Wortes schönster Bedeutung geführt, welche Tugenden sie auch in ihrem Witwendasein treulich hütete. Da ihr der Kindersegen versagt war, so fand sie ihr schönstes Glück darin, wenn sie an den v'aiv nv in ihrer stillen Häuslichkeit in Mainslockheim, wohin sie nach dem Tode ihres Mannes übersiedelte, ihre auswärtigen jugendlichen Anverwandten, denen sie mit mütterlicher Liebe und Fürsorge zugetan war, als Gäste bewirten konnte. Auf Wunsch der Verstorbenen fand die miap in Burgpreppach, der Ruhestätte ihres seligen Mannes, statt, wohin eine große Trauerfchar aus allen Kreisen der Bevölkerung gefolgt war. Herr Diftriktsrabbiner Dr. Cohn schilderte in kurzen, aoer beredten und ergreifenden Worten die reichen Tugenden der Dahinaeschievenen. Insbesondere hob er im Aufträge des Kuratoriums der „Talmud Thora-Schule" deren reges Interesse für die Förderung der Schule hervor, das sie insbesondere durch eifrige Sammlungen zu Gunsten der Schulkasse zum Ausdruck brachte, rvax:r. Bensheim, 18. April. Am 36. Nisan ist eine verehrungswürdige Frau zu Grabe getragen werden. Frau Karolina Bendheim, Ehefrau des unvergeßlichen, frühen langjährigen 1. Vorstehers der hiesigen Gemeinde, Herrn H. Bendheim II., mit dem sie viele Jahre hindurch ein gottgefälliges Leben führte und ihre Kinder religiös erzog. Das große Gefolge gab beredtes Zeugnis von der Liebe und Verehrung, deren sich die Verstorbene in weiten Kreisen erfreute. Eine 'rn wk im wahren Sinne des Wortes von echt jüdischer Frömmigkeit und wahrer Herzensbildung scheidet mit ihr aus dem Leben. .T2XJn. Ecf lden, 8. April. Das Gr. Ministerium zu Darmstadt hat Herrn M. Hall die Rechte eines Volksschullehrers mit definitiver Anstellung verliehen. Derselbe ist schon seit Monaten an der hiesigen Volksschule angeftellt und unterrichtet in allen Fächern. No. 18 Sette 5 VereinSnachrichlen. Frankfurt a. M., 20. April. Ebenso wie man mit Genugtuung von dem in so .ungünstige Zeilen fallenden ersten Semester der Frankfurter Alma mater gesprochen hat, so können auch wir mit Zufriedenheit auf das erste Semester unserer hiesigen „Bereinigung Jüdischer Akademiker zurückbltcken Wenn auch die Zahl unserer im Anfang so stattlichen Korona von 44 ortsansässigen Mitgliedern allmählich sich durch Einberufung zum Heeresdienst verringert, so hat doch die Bereinigung Ersprießliches geleistet Unser Hauptaugenmerk war aus die Ertüchtigung der jüngeren zum Teil neu eingetretenen Mitglieder gerichtet. Neben, den regelmäßigen Schiurim wäre hier auf den unter Leitung von Bbr. Rechtsanwalt Dr. Isaak Breuer allwöchentlich stattgehabten Fuxenunterricht hinzuweisen, wie auf die wisienschafttichen Bereinsabende, ausgesüllt durch Vorträge, an die sich rege Diskussionen anschlossen. Es fanden folgende Borträge statt: Rechtsanwalt Dr. I. Breuer: „Der Krieg und die deutsche Orthodoxie". Oberlehrer I. Kauffmann: „Die Schemone Esre'i". Rechtsanwalt Dr. H. Brinkmann: „Bildung'und Religion". Sind. phil. E Posen . „lieber die jüdische Persönlichkeit." Oberlehrer Munk: „Kant'sche und jüdische Philosophie". Stud phil. Jakobs: „Grundlinien einer jüdischen Symbolik". Stud. med. H. Bern- Für de« «eUameteil ist die Redaktts» »tcht verantwortlich; insbesomdere ist eS »»»schließlich Sache der Leser, die i« ReflamtteU enthaltene» Vmpsehlnnge» ritueller «are» oder sousiiser An» gäbe» rettgionS-ese-ltche« Eharakter» a»s iß« Zuverlässigkeit »» prüfe». Kaiser Friedrioh Quell» -Offenbaeh a. M. — Gegen Giebt und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrieh StaJu, Frankfurt a. M., Gflnthersbnrgaliee 87. Tel.259 a. 714 Familiennachrichten. Geburten. Einen Sohn ^Lehrer H. Wleser, Pyritz, in Pommern. _ Barmizwoh- Hrier. Adolf, Sohn des Herrn Joses Singer, Straßburg i. Eis., in der Synagoge der Israel. Religonsgesellschast Helft dem Vaterland damit wir siegen! Das Sorgen und Denken au unsere tapferen Krieger, die den Unbilden der Witterung, namentlich der Nässe im fernen Frindeslande ausgesetzt sind, haben einen neuen Wunsch zur schleunigen Betätigung hervorgerufen. Die Tapferen lei den schwer unter der andauernden Nässe, welche bie Kleidung durchdringt, ein Trocknen besonders in den Schützengräben unmöglich macht, allerhand Krankheiten Hervorrust und dadurch Beweglichkeit und Schlagfertigkeit der Truppen behindert. Regendichte Um hänge. Den Armeen des Kronprinzen und von Hindenburg konnten wir bereits hilfreiche Dienste leisten, aber cs fehlt noch viel, um selbst nur den Aermsten der Tapferen Schutz gegen die Nässe und ihre schleichenden Gefahren zu bieten, deshalb möge jeder nach seiner Kraft mithelfcn am Werke treuer Nächstenliebe! Geldspenden nimmt auf Konto „Sammlung für Regcnumhänge" gegen Quittung der Ausschuß, Berlin IV. 9, Budapesterftraße 6 (Staudthaus), entgegen, sowie die Bank für Handel und Industrie und deren Grobberliner Depositenkassen und auswärtigen ^Niederlassungen. Den Spendern von mindestens 2 Mk. senden wir 16 von Künstle, Hand gezeichnete Episoden aus dem Weltkriege. Diese mustergültigen mehrfarbigen Drucke sind von bleibendem Wert! Spendet schnell, jeder Tag der Hilfe ist von größter Bedeutung. Der Ausschuß: Herzogin von Ratibor. Frau C. v. Stumm. Frau Konsul Staudt. Schriftführer. Dr. von Behr-Pinnow, Kammerherr Sr. Majestät des Kaisers, Kabinetsrat a. D. I. M. der Kaiserin. Schatzmeister: Bankdirektor I. Andreae. Sabbat-Anfang u. Ausgang. p^enp nriK rpgr OUT« Anfang Datum AuSgang 'Uhr Mn. UhrlMin. 19151 5675 24. 10. Srmlkfllrt a. M. 7 April Jjar 8 20 Oerlio ... — — — — München . . 7 -- 7 59 Strakbrrrg . . 7 — 8 15 Stuttgart. . . — — — — Pose» . . . . — — — — Nürnberg. . . 7 — 8 05 Sambnrg . . > I - — — —

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