Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1915-04-22 · Heft 18 (22.4.1915) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 18 (22.4.1915)
Date
1915-04-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2448506-2448524--67447-2488330
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Sette 4 Ro. 18 nichtungen und Verwüstungen seitens der Russe,» schwer heimgesucht und unwohnbar gemacht wurde. Nachdem der Verfasser das trostlose Bild in den grellsten Farben entworfen hat, empfiehlt der den berufenen Faktoren die rascheste Vorbereitung und Anwendung von ausgibigen Mitteln zum Wiederaufbau des verwüstetes Landes. Mit Recht wird auf die seitens den preußischen Landtages ohne jede Debatte für das durch den jetzig, n Krieg heimgesuchte ostpreußische Gebiet einstimmig votierten 400 Millionen Mark sowie auf die raschen und energischen Aktionen des Ministerpräsidenten Tißa in Nordungarn verwiesen. NusweNung galfoifcher StUditünge. Wi-rr, 16. April. Wie in Ungarn wurde jetzt auch in Oesterreichisch-Schlesien die Ausweisung der unbemittelten galizischen Flüchtlinge verfügt. In Schlesien werden nur jene Flüchtlinge belassen, die „in staatspolizeiltcher und sanitärer Hinsicht vollständig unbedenklich" sind und den einwandfreien Nachweis dafür erbringen können, daß sie für sich und ihre Angehörigen Barmittel zu einer mindesten sechsmonatigen anständigen Lebensfühung besitzen. Alle übrigen werden sofort abtranSportiert. Die Flüchtlinge werden nicht in Barackenlagern, sondern in einzelnen Gemeinden Böhmens untergebracht, wo sie außer der staatlichen Unterstützung auch der Fürsorge des Flüchtlingskomitees teilhaftig werde»,. Jeder Zuzug von Flüchtlingen nach Oesterreichsich-Schlesien wird fortan ferngehalten. Das Kronland ist für Flüchtlinge jeder Art gesperrt, soweit nicht die politischen Behörden Ausnahmen für einzelne zulasien. Die Juden in 6ali?ien. Men, 10. April. Durch ein Dekret des russischen Generalgouvernems von Galizien Bobrinski, wird von nun an Juden der Eintritt ins russische Galizien verboten, und den dort ansässigen Juden der Ortswechsel, bei einer Strafe von 3000 Rubeln oder drei Monaten Gefängnis untersagt. Ungarn. Nus öen vemelnSen. Alt-Ofen. Rabbiner Dr. Wellitz starb am nvv Diy und wurde am v'v, von der Trauergemetnde begleitet, zur letzten Ruhe gebettet. Er war kaum 40 Jahre alt uttblhatte das Bestreben, in konservativem Geiste zu wirken. Z. B. A. einige «amembeit gespendet und so konnte jeder Teilnehmer *vnöi nxo rnxv erfüllen. Das Mahl war aller dings frugal; es gab Eier, Kartoffel, Eingemachtes, isüöfiüctjtc, Matronen für die, die sich nicht vorgesehen hatten. Ich selbst hatte von der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" meine Pefsuchkvst bezogen. Die Stimmung war vorzüglich und viele, vielleicht alle behaupteten, daß chnen dieser Seder in ewigem Andenken bleiben nnrd. Manche hatten noch keinen Seder gehört, manche noch keinen derartigen, wo alles übersetzt wurde. Ucberzeugt bin ich, daß es ein vvn errpp war. Der „Verband der deutschen Juden" hatte Hagadas und ent deutsches Schriftcken zur Verfügung gestellt, sodaß jeder Einzelne eine (Gelegenheit zum Mitbeten hatte, und ich sab, daß jeder sorgsam seine Hagadah mit sich nahm, um sie im nächsten Jahre auf seinem vermische». Soldaten tisch zur Erinnerung an den Kriegsfeder prangen zu lassen." Der Seder der jüdischenIVlaujacken. Ebenso wie in den vergangenen konnten auch in diese,» Jahre die in K i e l liegenden, der Marine angshörigen jüdischen Soldaten dank der Fürsorge des Herrn Lassar Lewis ahn, Frankfurt a. M., das Pessachfest im Hause des hiesigen Lehrers Herrn Katz auf die angenehmste Weise verbringen. „Besonders in diesem Kriegsjahre", so heißt es in einem der Dankbriefe unserer tapferen Blauen, „haben wir unsere Heimar schmerzlich vermissen müssen, doch. Der Israelit. Stuhltveisicnburg Das ideale Band jüdischer vereinigt die gesonderten Judengemeinden unserer Stadt zu edlem Zusammenwirken. Es geht ein Wetteifern der mSnp dahin, die Not der Zeit durch wahrhaft großes-ion n&o: zu mildern. Die Kongrehgemeinde richtete ein Kriegslazarett ein, die Orthodoxen hinwieder stellten ihren Gemcindesaal den Rekruten als Asyl zur Verfügung, und es wird in diesen Hallen täglich in höchst anregender Weise ein Schiur gelernt. Die jüdischen Soldaten unserer Garnison wurden aus Intervention der hiesigen Rabbiner Dr. Steinherz und Heinrich am rcE> beurlaubt und rituell verköstigt. Was besonders hervorzuheben ist, war die Tatsache, daß auch für die im hiesigen Gefangenenlager internierten rufsisch-jüdifchen Soldaten 1N:-Kost am besorgt wurde. Die Kriegsgefangenen können manchesmal unter Begleitung der Wachmannschaft die Synagogen unserer Gemeinden besuchen. Z. B. A. Ruwand. Los „neuefle" aus Rußlanö Warschau, 15. April. Der neuesten bei uns eingetroffenen Nummer der „Hazefira" entnehmen wir: Wegen des Alkoholverbotes in Rußland waren die für noö in Frage gestellt. Nach Bemühungen an maßgebender Stelle ging kurz vor dem Feste den jüdischen Gemeinden ein Schreibe» der Mtlitärbehörden zu, in dem den Juden der Ankauf von Wein zum Zwecke der 7,1012 gestattet wurde. Mitten im Warschauer Judenviertel, Franziska 7, ist ein Hort und Schulhaus für Kinder der Flüchtlinge eingerichtet worden, öle hier nach vielen Taufenden bisher schutzlos sich in den wenig verkehrssicheren Straßen herunttrieben. Als Vertrag für die Pessach-Unterftützung der Flüchtlinge übersandte das Petersburger Komitee hierher den Betrag von 70000 Rubel, der in Gemeinschaft mir den hier aufgebrachten Summen es ermöglichte, daß den Flüchtlingen für die Dauer der Festwoche 30 Kosteten per Tag und per Kopf verabreicht werden konnten. Für die rituelle Pessachverpflegung der jüdischen Soldaten im hiesigen, wie im Wilnaer Militärbezirk ist bestens gesorgt worden. Hohe Verdienste erwarben sich in dieser Beziehung die Herren Schloßberg, Markon, Radoiner Einsen stabt in Petersburg, Rabbiner Mase, Moskau, ferner Rabbiner Gordsenskt und Herr Getz, Wilna. Im russischen Lemberg verfährt jetzt die Polizei ganz nach Kiewer Muster. Es werden täglich und nächtlich „Oblawas" veranstaltet und Razzias abgehalten nach ortsfremden Juden. ließen die fröhlichen Stunden, die wir hier verlebt haben, uns dies nahezu vergessen." Da, wie wir glauben, in dieser Zeit des bitteren Ernstes, noch mehr erwünscht ist, zu hören, wer von unseren Brüdern hier im Dienste dieser stolzen, siegreichen Waffe steht, seien hier die Namen der Teilnehmer genannt. Es sei dazu bemerkt, daß ein großer Teil unserer Mannschaften, die hier aus der Nähe stammen, nach Hanse beurlaubt waren, also demgemäß hier nicht ausgesührt sind. Die betreffenden Namen lauten: Haller, Maschi nisleuobermaat, Wandsbeck Paasch, Obermaat, Berlin Blumenberg, Obermaat, Einbeck Bloch, Maat, Mühlhausen Lob, Maat, R. K. Saarbrücken - Möddel, Obermatrose, Sautter Abraham, Obermatrose, Tempelburg Lewv, Obermatrose. Berlin - Arndt, Torpedofelbwebel, Berlin Schott, Bekleidungsamt, O.-M., Rogasen Schul lack, Bekleidungsamt, O -M., Hannover Mal), Maschinenmaat, Hannover - - Bartsch, J.-Aspirnnr, Berlin Gießer, Rekrut, Magdeburg Perlmann, Rekrut, Berlin Silberger, Rekrut, Schurken Rose, Einjährig-Frei,v., Nordau — Ucko, Unteroffizier der Seewehr, Hindenburg, Maser, U.-O. der Seemehr, Berlin Lelvin, Gefreiter Seebataillon I, Eempin, Jvst'fi, Obermatrose, Kreppen -- Dreifuß, FunkentelegrapM, Mühlhausen - Ehrmnnn, K.B. Rekrut, Militsch Fromm, bi. B. Rekrut, Kaiserslautern Glücksmann. K. B. Rrrkrm, Hamburg - Ealbmnnn, .si. B. Rekrut, Aachen - Rohmann, Gefr. Seebataillon. Fürstenberg - Tannenbaum, Marine-Jnst,nterift, Nordheim Selka. Obermaat, Ritter des eisernen Kreuzes, Kitzingen Samuel, Rekrut, Köln Pin-kus, Rekrut. Pforzheim - Lazarus, Rekrut, Posen Wassermann, Rekrut, Dresden - Hirsch, Rekrut, Berlin Lederer, Rekrut, Nürnberg Walter, Rekrut, Naugnrd. __92, April 1915 Die „Uebeltäter" werden verhaftet und zusammen mit Schwerverbrechern nach der Heimat abgeschoben. Nach amtlicher Bekanntmachung sind an einem Tage 21 fremde Juden verhaftet worden. Die Biirgerhomifees und die Juden. Warschau, 5. April. Die „Hazefirah" bringt folgende interessante Zahlen über die nationale Zusammensetzung der Bürgerkomitees in Russisch-Polen: Insgesamt sind in Russisch-Polen äugenblickilch 7l Bürgerkomitees tätig. Davon sind in 52 Komitees die Juden garnicht vertreten, obwohl es sich um solche Gouvernements- und Kreisstädte handelt, in welchen die Juden mehr als die Hälfte der gesamten städtischen und etwa 13—14*7° der gesamten Bevölkerung des Gouvernements resp. des Kreises ausmachen. In den übrigen 19 Bürgerkomitees sind die Juden meistens durch ein oder zwei Mitglieder vertreten; es sind jedoch Städte, wo die Juden 35—68% der städtischen Bevölkerung bilden. Oie Kriegsnot der wilnaer Gemeinde. Wilna, (indirekt) 16. April. Die große jüdische Gemeinde Wilna befindet sich in großen finanziellen Schwierigkeiten. Infolge der Notlage wird so wenig Fleisch gegessen, daß die Korobka, die jüdische Fielschtaxe, nicht auf ihre Höhe kommt, trotzoem Die jüdische Bevölkerung durch Tausende von Vertriebenen vermehrt worden ist, welche sich hier angesiedelt haben. Bleie Familien aus den polnischen und litauischen Provinzen sandten ihre weiblichen Mitglieder nach Wilna, um sie nicht den Insulten der Soldaten auszusetzen. In diesem Jahr fand sich mcht ein einziger Jude, um das sonst sehr begehrte Recht der Verwaltung der Fleischtaxe zu erwerben. D,e städtische Behörde war daher gezwungen, die Leitung der Korobka einer Spezraikommisfion zu übertragen. Kürzlich fand eine wichtige Konferenz statt/ bei der eme Anzahl Mitarvetter der jüdischen Gemeinde unter Führung von M. Brobsky anwesend waren. D,e Konferenz besprach d>e Mittel und Wege, um Gelder für Notleidenden zu erlangen und beschloß, Dsttrikskomitees in den wichtigsten Städten zu errichten. (Doppelt - Minjan im Schützengrabens Im „Den" erzählt ein russisch-jüdischer Schriftsteller von seinen. Besuche in einem koscheren Hospital, von dessen 97 Patienten 90 religiöse Juden sind, welche sich koscher verköstigen. Ein verwundeter Soldat, eiv hervorragender Talmudgelehrter, faß über einem mäch^ tigen Folianten. Er erzählte, dag er einmal zwanzig jüdische Soldaten mit Tallis und Tefillin bekleidet zu entern Morgengebet im Schützengraben versammelte. Der Rottenführer war sehr zufrieden und sagte, solches Gebet müsse erhört werden. (Die Tataren als Rächer der Juden.) Wie uns aus Rumänien von glaubwürdiger Seite mitgeteilt wird, ist es unter den russischen Truppen in der Bukowina zu ernsten Zwischenfällen zwischen Tataren und Russen gekommen. Die Bevölkerung vonCzern o w i tz hatte schon vor längerer Zeit gehört, daß unter dort rreu sinrückenden russischen Truppen viele Tataren seien, woraus eine Art von Panik ausbrach-, da inan ganz mit Unrecht — diesen eine besondere Wildheit zuschrieb. Am meisten fürchteten sich die Juden, die glaubten, den Tataren wehrlos pretsgegeben zu sein. Die Christen stellten daher, um ihre Häuser sofort von den jüdischen zu unterscheiden, Heiligenbilder in die Fenster. Als aber die Tataren in Bojan, nahe bei Czernowitz, die meisten jüdischen Häuser und besonders den Hof des dortigen Chassidimrabbi zerstört und geplündert vorfanden, ergriff die Bekenner des Propheten, die vor den Juden mehr Achtung haben als vor den Russen, eine furchtbare Wut. AIS fie am folgenden Tage in Czernowitz einzogen, ließen sie diese Stimmung an den durch Heiligenbilder gekennzeichneten Wohnungen aus, um die Juden zu rächen. Die russische Armeeleitung soll in der Bukowina mit den tatarischen Truppen auch sonst -manche Schwierigkett gehabt haben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.