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Der Israelit · 1915-04-15 · Heft 17 (15.4.1915) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 17 (15.4.1915)
Date
1915-04-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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I < I r i 0 I ii -! i Sette 4 No. 17. Der ISraelit. ist ganz stille geworden. Die Nalefka, die Desika, die Gentscha und der Franziskanerplatz, diese Hauptzentren des jüdischen Handels, die sonst wie Ameisenhaufen von Händlern, Maklern, Geschäftsleuten aller Art angefüllt sind, liegen wie ausgestorben. Viele Geschäfte sind geschlossen. In den offenen Läden sitzt aber der Krämer hinter dem Ladentisch beschäftigungslos und brütet über die harte Not der Zeit oder hofft auf bessere Tage, da das sprichwörtliche rege jüdische Leben in Warschau seine Wiederauferstehung feiern wird. Der Fruchtwie der Trödlermarkt liegen ganz verödet und in den hintersten, finsteren jüdischen Gäßchen könnte man sich mitten im grauen Schmutz, umringt von halbnackten, bettelnden Kindern, in eine indische Stadt zur Zeit einer großen Hungersnot versetzt fühlen. Wie Schatten huschen die finsteren Gestalten daher und heften sich jedem Bessergekleideten an die Fersen, in der Hoffnung, Arbeit zu erhalten oder ein kleines Almosen zu erhaschen. Die armen Leute, die den Mietzins nicht aufbringen können, werden täglich zu hunderten auf die Straße gesetzt und kampieren unter freiem Himmel oder richten sich mit ihren Habseligkeiten in den Bethäusern ein. D e Behörden kümmern sich um das Schicksal der Unglücklichen nicht und verweigern ihnen jeglichen' Rechtsschutz. Kein Wunder, daß Epidemien in der Stadt grassieren und besonders im Judeuviertel unzählige Opfer fordern. Auch in sanitärer Beziehung ist die Polizei für nichts zu haben. Bedenkt man außerdem, daß sich in Warschau heute an Hunderttausend Flüchtlinge aus den Grenzbezirken befinden, so wird man sich ungefähr ein Bild von der Lage machen können. Die össentlichen Mittel sind erschöpft und die private Wohltätigkeit versagt umsomehr als die reichen Leute schon bei Kriegsausbruch aus der Stadt der Schrecken geflüchtet sind. Schwer lastet auf der jüdischen Bevölkerung auch der Druck der direkten und „freiwilligen" Kriegssteuern, womit die perfiden Verleumdungen seitens der polnischen Brüder widerlegt werden müssen. Der jüdische Patriotismus muß erst mit klingender Münze bewiesen werden. So konnte die jüdische Bevölkerung der Vorstadt Nowidwor es einzig ihrem Rabbiner, der sein Leben aufs Spiel setzte, danken, daß sie nicht samt und sonders ausgewiesen wurde. Rabbi Rüben Juda Neufeld brachte nämlich Liebesgaben in ansehnlichem Maße zusammen und erbot sich, in eigener Person sie an die vorderste Linie zu bringen. In Begleitung der Vorsteher, der Herren Israel Friedmann und Chajim Nieblatt, fuhr er mit Erlaubnis der Militär-Verwaltung tatsächlich bis zu den vordersten Schützengräben, wo er die Gaben der jüdischen Gemeinde unter die russischen Soldaten verteilte. 1000 Rubel blieben noch für das „Rote Kreuz" übrig und ein vom gleichen Rabbi organisierter Blumentag brachte den Betrag von 1750 Rubel. Es mag dahingestellt bleiben, in wessen tiefe Taschen die Gelder wunderten, die Juden des Städtchens wurden aber dank dieser weisen Vorsorge ihres Führers vor dem harten Geschicke der Austreibung bewahrt. Der erste Rabbiner in Warschau, Rabbi Perlmutter, wurde „gebeten", die russischen Soldaten der Warschauer Garnison an den Weihnachten zu begrüßen. Er tat es als Ueberbringer von Geschenken der Gemeinde im Werte von vielen lausend Rubeln. Es waren die gleichen Soldaten, die wenige Tage vorher sich in ihrer zügellosen Raubgier auf die jüdischen Häuser und Geschäfte gestürzt hatten. Dos Bürgerkomitee, das sich unter Ausschluß von Juden gebildet hatte, hat zum großen Leidwesen der Polen jetzt seinen Kurs ein bischen geändert. Man hat sich halt in den jüdischen Kreisen wiederum etwas kosten lassen. Von Gemeindewegen sind in den jüdischen Vierteln Techäuser eröffnet worden. Wie aber neben dem Durst auch den Hunger der Tausenden stillend Unter diesen Umständen mutet es wie ein Hohn an, wenn das Bürgerkomitee in Zirkularen 16 Punkte aufstellt, wie Krankheiten zu verhüten sind. Nötig wäre in erster Reihe, ein Mittel gegen den Hungertyphus. In den letzten Tagen sind die polnischen Zeitungen voll von judenfreundlichen Artikeln, in denen für volle Bürgerfreiheit und ungeschmälerte politische Rechte der Juden eingetreten wird — in Palästina. Das Ende der Safioroer Slutlüge Kiew, 2. April. Wie die „Hazefirah" berichtet, hat nun das Kiewer Gericht in der Fastower Mordangelegenheit, die sich seiner Zeit zu einem neuen Beilisprozeß auswachsen wollte, ein Urteil gefällt, das der ganzen Hetze den Boden entzieht. Der angeklagte Bauer Gunschark wurde von den Richtern für schuldig befunden, den Mord an dem jüdischen Knaben Joses Poskow begangen zu haben und zu zwölf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Der vom Vater des ermordeten Knaben angestrengten Zivilklage wurde stattgegeben. 3ur Lage in Saluten- Zürich, 12. April. Die letze Nummer der Warschauer „Hazefirah" teilt mit, daß die mit den galizischen Fragen beeilst gebracht werden. Sie lagen zwischen unseren und den feindlichen Schützengräben. Jeder Versuch sie zu holen, scbeilerre am feindlichen Feuer. Es war ein schrecklicher Anblick, man sah Hände oder Beine sich bewegen. Einer hatte sich sogar 100 Meter an unseren (traben herangearbeitet, drnn btieb er liegen. Ich tvar am Flügel, plötzlich stockt mein Atem, zwei der Unsrigen arbeiten sich kriechend mit einer Jeltbahn vor. Es in mein Glaubensgenosse und noch einer. Alle sind wie auss Höchste gespannt. Kaum hatten sie die ersten Verwundeten erreicht, da schlugen schon die .uugeln ein. Mein Freund wird ins Bein getroffen und luill zurück; doch treffen ihn i.och ■> Bohnen tötlich. Er bleibt liegen, während der Andere mit einer Verletzung zurückkommt. Jur Augenblick geht die Kunde vom Verlust durch die ganze Kompanie, jeder ist gerührt, denn er war sehr beliebt bei seinen Kameraden. Abends holten tvir ihn. Sein Grab befindet sich in einem j ü d i - s rh e n Fried h o f, der nur noch ein Trümmerhaufen ist. Hier ziehen sich Lausschiwengräben und Unterstände durch. Nur noch die zerorocheneuJSteine erinnern an die einstige heilige Stätte. Ein Schauer ging durch meinen Körper bei diesem Anblick, wo eine feindliche (Granate nach der anderen zwischen Gräbern liegt. Wenn tvir nach hartem Dienst abgelöst werden, sl'lljtl unser Weg am Friedhof vorbei. Hier hört man stets fragen: wo rühr unser lieber Heinrich? Alle Blicke wenden sich zu dem großen Helden, der als leuchtendes Beispiel in unserer Kompanie weiterlebt. Den Aussen aber möge der liebe Gott Ihre ruchlosen Taten vergelten. Selbst Verwundete lm'rden, sobald sie sich noch bewegen, beschossen, was wir ja jchvn oft genug gesehen haben. Unteroffizier Mvr. Medzwinski. Eine Silan;. Eine interessante Bilanz über Jndenheit und Weltkrieg versucht die in Konstantinopel erscheinende „Aurore" auszustellen. In den orientalischen, am Kriege direkt interessierten Ländern beträgt die Jnhl der Juden 960,000 (30 Prozent von ihnen .wohnen im militärischen Operationsgebiets Die anderen am Kriege interessierten außereuropäischen Länder haben eine jüdische Gesarntbevölkerung von 450,325 Seelen: Eanada 00,000, Süd-Afrika 49,120, Aegypten 38 635 Marokko 109,712, Persien 63,000, Tunesien 33,213. Algier 64,643 Die Gesamtsumme der Juden, die am Kriege teilnehmen und direkt die Folgen zu tragen haben, stellt sich in Europa tv-ie folgt dar: Rußland . 6,287,000 Oesterreich-Ungarn . . 2,300,000 Deutschland. 608,000 England. 240,000 Frantreich . 110,000 Belgien . 20,000 Diese Jahl repräsentiert 93.3 Prozent der europäischen Judcnheit, iodaß nur 6.3 Prozent aur lie neutralen Länder fallen. In Italien, Spanien, Portugal, Schweden, Norwegen, Dänemark, Holland, Rumänien, Griechenland und Bulgarien gibt es i>n ganzen nur 630,000 Juden. Während rn Euroyr gegenüber 360 Millionen Einwohnern, die im Kriegszustand leben, 130 Millionen des Friedens sich erfreuen, leben von 9,730,000 Juden nur 0,623 Millionen im Frieden, das heißt, während sich das kriegführende Europa gegenüber dem friedlichen lm Verhältnis von 360 zu 130 beffndet, beträgt das entsprechende Verhältnis bei den Juden 3750 zu 625 Es folgt daraus, daß die Juden an den krie- 15. April ISIS traute Kommission .in Petersburg von ihrer Reise durch die okkupierten Gebiete in Galizien zurückgekehrt ist und der Regierung Bericht erstattet hat. Danach ist besonders die Lage der Juden eine ganz trostlose. In Sassow ernährten sich zu Friedenszelten mehr als 500 jüdische Familien von der Anfertigmrg goldgestickter Tallisborten. Die Stadt gleicht jetzt einem Trümmerhaufen. Sobald sich ein Fremder au der Straße zeigt, sieht er sich von halbnackten, verhungerten Menschen umringt, die um Brot schreien. Bei der Eroberung der Stadt wurden 12 Juden getötet (durch wessen Hand?) und mehrere Häuser verbrannt. Das Städtchen Bialokomin, das 35 km von Brody entfernt ist, zählte in seinen Mauern vor Ausbranch des Krieges 400 jüdische Familien, von denen heute nur noch 130 am Platze anwesend sind, die in der Synagoge und im jüdischen Badehaus domizilieren. Denn von den 350 jüdischen Häusern sind nur 9 verschont geblieben. Etwa 80 Familien fanden Unterkunft in christlichen Häusern. (Wie merkwürdig, daß diese allein unberührt blieben!) Die Leute sind aller Existenzmittel vollkommen bar. Bei S a l u s z e, 50 km von Brody, entwickelte sich die erste erbitterte Schlacht mit den Oefterreichern. Dort wohnten mehr als 2000 jüdische Familien, die zu den wohlhabendsten in der ganzen Gegend gehörten. Das Städtchen hat schwer gelitten. Von 805 Häusern ist heute nicht viel übrig. Weniger gelitten hat das Städtchen Stolzschow, das als Zufluchtsort für die ganze Umgebung, ein Bild tiefsten Jammers bietet. Besonders schlimm gestaltet sich dte Lage der jüdischen Kleinhändler und unzähligen kleinen Beamten, dte unter dem neuen Regime ihre Stellung verloren haben. Ve ernei das rabb nctei «ch Nani verz.: gütio Herr ausb Berg Rußl Orb Die ..lieben Juden'' des 3aren- Kopenhagen, 10. April. Der Kommandant der Festung Kronstadt hat an dte Gouverneure von Petersburg und Wyborg den Befehl erteilt, daß allen Juden der Aufenthalt in den zu seinem Festungsgebiet gehörigen Datschen (Sommerfrische) zu verbieten ist. Hiernach sind alle Juden von dem Aufenthalt in den beliebten Datschen- und Badeorten ausgeschlossen, dte am Finnischen Meerbusen von Hungerburg bis Peterhof und an der zu denr Festungsgebiete gehörigen finnländtschen Küste gelegen sind. Verfchichungen nach Sibirien. Kopenhagen, 26. März. Durch Kiew wurden wieder 700 deutsche Kolonisten aus Polen und Littauen und 165 zager i j ch e n Ereignissen fünfmal mehr b e teiltgi find, als die anderen Bürger Europas. Die im eigentlichen Operationsgebiet wohnende Bevölkerung betrügt höchstens 36 Millionen, d. h. 10 Prozent der Gesamtheit. Von den Juden da gegen müssen 8 Millionen, d. h. 73 Prozent, die kriegerischen Ereignisse unmittelbar über sich ergehen lassen. (Ein katholischer Geistlicher für den Sabbath) In dem ungarischen Städtchen Sesarnautza halten die jüdischen Kauslcnte auch am Sabbath ihre Geichäste offen. Der dortige stellvertretende Rabbiner Meyersohn bemühte sich nach Ausbruch des Krieges die dortigen Juden zur Schließung ihrer Geschäfte am Sabbarh zu bewegen, jedoch alle seine Moral- Predigten itnueit vergebens. Was indes ihm uichr gelang, ist dem dortigen katholischen Geistlichen gelungen. Von der Kanzel herab forderte er die frommen Christen aus, die jüdischen Geschäfte solange zu meiden, bis die Eigentümer derselben den Sabbath gcmäs der biblischen Vorschrift beobachten werden. Diese Aufforderung vorrseiten des katholischen Geistlichen wirkte. Sämtliche Juden des obenerwähnten Städtchens erließen alsdann einen Ausruf an die christlichen Einwohner, sie sollen ihre Einkäufe stets rechtzeitig vor jedem Sabbath-Eingang besorgen, da sie, die Juden, von nun an den Labbath in gleicher Weise wie die anderen Strenggläubigen feiern wollen. Gleichzeilig bitten die Juden den Schicksals-Lenker, daß er bald den Frieden für die ganze Welt senden möge. Rach diesem Aufrufe hielt der Geistliche wieder ein«' Rede von der Kanzel, seine Gemeinde ersuchend, die den Sabbath haltenden Juden durch die Besorgung ihrer Einkäufe bei denselben §u unterstützen. der i Der fetbgi aehol ko«m keiner trübt geben Land Brück rächt viel gleich daher uns Kram Orb, just n ihrT bei sei die F mit i gtemd teilen. er, un seue Zeit e die R ausha q v unser des e Feldbi sind 1 Russer Z sturmj gitima freund Stube fonüat titldn. uns jck liegt i dem 8 eine lr erzähl! Freun« dischen

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