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Der Israelit · 1915-04-15 · Heft 17 (15.4.1915) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 17 (15.4.1915)
Date
1915-04-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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15. April 1916 Der H-raetK. in unserer langen .Geschichte. Es kommt nun darauf an, den Augenblick richtig zu nutzen und das Feuer überall anzufachen, wo noch ein schwacher jüdischer Funken glimmt. Es ist die Zeit des Bauens und Sammelns. Das Volk lechzt nach einem erlösenden jüdischen Worte. Da wäre es an der Zeit, daß die überall sich regenden Einzelkräfte zu einer großen, wirksamen Gesamtkraft zusammenfiießen. Es sollten sich im besonder« alle, die um die Ktnder- und Volkserztehung bemüht sind, jetzt auf jüdischem Boden zusammenfinden, um einheitlich an die Arbeit heranzugehen. Die Rabbiner im Lande erfüllen, jeder in seinen! Kreise, ihre Aufgabe auf die beste Art und Weise. Die Maffen sollten ihnen aber das Rückgrat, den festen Hintergrund schaffen, damit die tausendfachen Aufgaben von heute im Rahmen einer festgefügten Organisation, zum Heile für die Gesamtjudenheit, gelöst werden können. Die Augen der Welt sind auf Amerika gerichtet, nicht zuletzt die jüdischen Augen. Und es hieße, die Hoffnungen von Millionen schmählich täuschen, wollten wir jetzt die Hände in den Schoß legen und uns in satter Bequemlichkeit, in dem heute uns allein noch beschiedenen Glücke der Ruhe und des Bürgerfrtedens, sonnen. Vermißte jüdische Familien. XXH. Es sucht: Es werden gesucht: Witwe Sarah Jura», samt Tochter Malt Juran, Flüchtlinge aus Solotwina (Galizien)gegenwärtig in Nagykaroly (per Adresse Oberrabb. Schönfeld). 1. K Juran rand. phil., zuletzt in Berlin. 2. Israel Jura«, zuletzt in Essen a. d. Ruhr. Meldungen nimmt auch die Expedition des „Israelit" entgegen. Lorrespondenzen und Äachrichien. Derrtfrhes Die erhöhten Aufgaben des Schare deöeftttofpifal in Jerusalem Isrankfurt «. W., 18. April. Der Vorstand des Allgemeinen Jüdischen Krankenhauses „Schaare Zedek" zu Jerusalem dahier übersendet uns einen Auszug aus dem jüngsten Berichte der Verwaltung des genannten Krankenhauses zu Jerusalem, dem wir folgendes entnehmen: „. . . Es ist mir geradezu unmöglich. Ihnen zu schildern, wie sehr wir — oft bis spät in die Nacht hinein — mit Arbeiten überhäuft sind. Ueber die allgemeine Lage zu schreiben, unterlasse ich, damit desto sicherer dieser Brief in Ihren Besitz kommt. Ich habe die feste Absicht, Ihnen künftig öfter zu schreiben, wenn es auch nur wenige Zeilen sind. Gebe der Aügütige, dah wir bald wieder in die gewöhnlichen geordneten Verhältnisse kommen, zum Besten unseres teuren Vaterlandes und zum Wähle der Menschheit. Inzwischen ist es unsere heilige Pflicht, nicht unserer armen Kranken zu vergeflen. War es schon früher hart, Schwerkranke von unserer Schwelle zu weisen, so ist die Notwendigkeit, solche in der beutigen Zeit aufzunehmen, noch größer geworden. Es gibt jetzt unter unseren Glaubensgenossen eine ganz beträchtliche Anzahl hier alleinstehender Personen, die in einem Krankheitsfalle zu Hause ganz verlaffen sind. Es fehlt ihnen nicht nur die notwendige Pflege oder Stärkungsmittel, sie haben auch kein Geld stir einen Arzt. Obwohl zur Zeit nicht der vierte Teil Aerzte als wie im Borjahre hier sind, und der Gesundheitszustand keinesfalls zugenommen hat, haben selbst diese wenigen Aerzte nichts zu tun, man ruft sie nicht, man hat kein Geld, sie zu bezahlen. Ich bitte Sie herzlichst und innigst, im Namen unserer so hart leidenden Glaubensbrüoer in Jerusalem, erbarmen Sie sich über dieselben und rufen Sie das Erbarmen unserer Glaubensgenossen in Deutschland, Oesterreich, Ungarn und den neutralen Ländern für dieselben an, lassen Sie unsere Kranken nicht verkommen, und in Fällen, wo ihnen mit Gottes Hilfe geholfen werden kann, sie nicht ohne Spitalbehandlung sein! Wie manche Menschenleben könnten so gerettet werden, und ivenn sie dann noch einige Zeit darben müssen, bei gesundem Körper können sie dieses eher aushalten, so lange, bis bessere Zeiten kommen, und diese bessere Zeiten werden kommen und mit Gottes Hilfe bald kommen! Heute aber ist es meine Pflicht, Sie von der Lage unserer Kranken zu benachrichtigen und Sie innigst zu bitten, uns recht rasch telegraphisch Auftrag zu geben, die Gratisbelegungsziffer in unserem Krankenhause bis auf weiteres zu erhöhen". Der Bericht schließt mit der Hoffnung, daß es gelingen möge, die Herzen der Palästinafreunde zu erweichen, daß sie reich und schnell geben und dadurch in Jerusalem in etwas dem furchtbaren Elende steuern. öum ehrenden Andenken gefallener Krieger. Karnömg, 12. April. Die vereinigte alte und neue Klaus zu Hamburg, Rutschbahn 11, wohl das älteste und bedeutendste Institut, welches dem Studium des jüdischen Schrifttums gewidmet und auch vom Staate Hamburg in diesem Sinne als milde Stiftung amtlich anerkannt ist, hat auf Anregungen hin, die aus beteiligten Kreisen ergangen sind, den im jetzigen Weltkriege gefallenen deutschen Kämpfern jüdischen Glaubens ein ewiges Man erinnert sich noch heute in dem Berliner Haus des Tages, an welchem einmal drei deutsche Botschafter im Vorzimmer des jüdischen Bankiers warteten. Kein Wunder auch, daß gelegentlich des Berliner Kongresses im Jahre 1878 sämtliche bei diesem bevollmächtigten Staatsmänner der Einladung des Millionärs zu einem überaus glanzvollen Diner folgten. D'eses Kongreß-Diner wird noch heute als der Höhepunkt der politischen Stellung des alten Bleichröders bezeichnet. So tvar es demr auch nicht zuviel gesagt, als im Jahre 1888 bei der Jubiläumsfeier des Geschäftes der alte Eh es in einer Denkrede von sich sagte, er habe ein Menschenalter hindurch hinter dem Stuhle des berühmtesten Staatsmannes der Neuzett gestanden. In dem Bankgeschäfte erzählt man nock. daß der Chef jederzeit ungehinderten Zutritt za dem Fürsten hatte und daß er immer Meder, wenn er von einer Audienz zurückkam, seiner Bewunderung für den Fürsten mit den Worten Ausdruck verlieh: „Welch ein Mann! Welch ein alles überragender Geist." Bleichröder hat sogar mitgetvirkt bei der Gründung des Reiches. Moritz Busch berichtet in seinem Buch über Bismarck, daß während der Verhandlungen über die Uebergabe von Paris und über die von dieser Stadt zu zahlende Kriegssteuer von 200 Millionen Bleichröder mit seinem Rate habe aushelsen müssen. Bismarcks Vertrauen zu Bleichröder ist nie erloschen, wie auch Bleichröder seinerseits Jenem die Treue wahrte, als nach seiner Entlassung alle, die früher vor ihm gezittert hatten, von chm absielcn and viele dem toten Löwen den Eselstritt versetzten. Als Bismarck am 1. April 1890, kurz auch seiner Verabschiedung, den 75. Geburtstag feierte, brachte Ihm Gerfon Bleichröder Fine Rückwünsche in Friedrichsruh persönlich dar. Beim Abschied konnte Bismarck seine Rührung nicht verbergen: er umarmte und küßte den blinden Greis. peffach im Felde. (Aus Feldpostbriefen.) -Am Montag Abend Punkt 6 Uhr war Gottesdienst. Wir marschierten in das nahegeftgene Dorf St. Albert, wo der Herr Rabbiner uns schon erwartete. Im großen Saale des Rathauses brannten unzählige Kerzen an langen Tischen. In der Mitte war ein runder Tisch weiß gedeckt. Darauf stand eine Sederschüssel vollständig der Vorschrift entsprechend geordnet. Nach und nach kamen etwa 100 Mann zusammen und 20 Schwestern. Gewiß eine stattliche Zahl, wo wir hier nur eine Division stark liegen. Der Herr Rabbmer hielt erst eine Ansprache, in der er den Zweck der Feier klarlegte. Ich war sehr gerührt und mein Nebenmann fragte, ob mir nicht wohl sei. Ich hätte mich am liebsten in eine Ecke gesetzt und mich gehörig ausgeweint, denn noch nie hatte ich eine so große Sehnsucht nach der Heimat als jetzt. Nun begann der Seder. Ich war der Jüngste und mußte Mah Nischtano sagen. Eine Hagadah hatte ich von der Freien Vereinigung geschickt bekommen. Der Seder nahm dann seinen gewöhnlichen Verlauf und zuletzt sangen wir gemeinsam sämtliche Lieder. Zum Schluß hielt Herr Rabbiner noch eine kleine Ansprache, dann sagten wir gemeinsam ein Kaddisch zum Andenken für die Gefallenen in Israel Dann verabschiedeten wir uns mit vielem Dank von Herrn Rabbiner und gingen in unsere Quartiere. Dieser Abend wird mir unvergeßlich bleiben in meinem ganzen Leben und entschädigte mich reichlich für die Aufregungen der vorhergehenden Tage. No. 17 Seite 3 | 1 ——» ■ ii — ■■■ ■; j dankbares Andenken dadurch zu sichern beschlossen, , ) daß es ein Erinnerungsbuch (Memorbuch)! 1 anlegt, in welches die Namen der Gefallenen I mit den näheren Angaben eingetragen werden. j Insbesondere soll ferner zur Seelenfeier an den 1 Festtagen und am Versöhnungstage ein Gebet j für das Seelenheil der gefallenen Helden erfolgen. »j * Schließlich ist als besondere dauernde Ehrung 1 geplant, daß zur allgemeinen Erinnerung in der;' - Z Synagoge des Instituts Marmortafeln, worauf : j die Namen der Helden und die Sterbetage einft - gemeißelt sind, angebracht und erhalten werden. 1 Ungarn. z- Der Exodus der 6ali?ianer- Budapest. 11. April. Die ungarische Regierung hat im Einverneh- 'V men mit der österreichischen Regiegrung verfügt, daß die in Ungarn befindlichen beschäftigungslosen L. galizischen Flüchtlinge an bestimmten Orten in f- Oesterreich untergebracht werden. Diese Aktion nahm am 6. d. M. in der Provinz den Anfang '* und wird am 18. in Budapest vor sich gehen. Die Polizei hat noch eine Reihe von Maßregeln zur Ordnung dieser Angelegenheit ergriffen. Aus den 6emeinden- Magendorf. Der orthodoxe Fleischhauer unserer , Gemeinde, Jakob Gübli', wurde mit der Silbernen i f/j Medaille 1. Klasse und dem Eisernen Kreuz zweiter I nj Klasse autye$eid)Mt Z. B A. ' &ubapeit. ®ie gefährliche Linie, die das Er- Habens vom Lächerlichen scheidet, wird von dem Bor- 1 *: . stand der hiesigen großen Kultusgemeinde durch die j, < i Veranstaltung des Konzerts zu irgend einem löblichen . | * Zweck in ihrem größten Tempel überschritten. Jadj £*§3 kvwer, der aus Mendelsohns „Messias" singen wird, - D soll neben einem mit Orgelbegleitung gesungenen -l'Z Psalm das „Jüdische" dieser patriotischen Beron- - staltung demonstrieren. Wirklich, die große Zeit ' findet bei uns ein geschmacklose- Geschlecht. Z. B. A. )' Miskolz. 50 Mitglieder der hiesigen orthodoxen j £-5 Gemeinde sind als Offiziere zu den Fahnen unserer ' '.M glorreichen Armee eingeteilt und machen als Soldaten - s. ihrem Judentum alle Ehre. Z. B. A. 1 Budapest. Der „Pester Lloyd" sarumelte bis jetzt fbei seinen Lesern für kriegerisch-humane Zwecke über ' '-hi 2,000,000 Kr. Z. B. A. '-7 , || Rußland. Brief aus Warschau %ßatf$au, 2. April (indirekt). Wer dieHalbmtllionenstadt Polens zu Friedenszeilen kannte, würde sie jetzt nicht mehr erkennen. , Der Krieg hat allen Gaffen und Gäßchen wie' dem gesamten öffentlichen Leben seinen schaurigen Stempel aufgedrückt. Ein beklemmendes Gefühl überkommt uns, wenn wir den sonst so reg- und betriebsamen jüdischen Stadtteil betreten. Das jüdische Warschau mit seinen 300000 Menschen M. in Polen, 2. April. Die ersten nov-Tage sind vorbei, besser als ich dachte, ich fürchtete schon, sie im Schützengraben verbringen zu müssen. Zu meiner Freude wurde ich aber abgelöst, sodaß ich doch noch etwas von errinrw hatte. Ich ging zum ersten mid herunter nach Jezow und verbrachte dort den Abend ziemlich gut. Das war ein nee; ich glaube, nie die Sehnsuchtsworte der mrr so empfunden zu haben, als in der Familie dieses armen Juden, wie er nxnn n:&b rief. Das war kein bloßes Sagen, das war tiefes Empfinden, es war die feste Hoffnung aus die bessere Zukunft — Wirt und Wirtin raten alles, um den rauhen, wirklich nicht verwöhnten Krieger den Blick nicht rückwärts gleiten zu lassen, und doch dachte ich so oft an Euch, malte mir aus, wie Ihr jetzt am niv-Tische fitzt und unserer gedenkt. Am zweiten Tage B" war ich in der „Schul" beim „Dawnen" und wurde aufgerufen und mutzte bei den Leuten zu Tisch bleiben. Halb *?np kam und begrüßte mich; der vnw brachte mir eine Flasche Met, den ich mir wohlschmecken ließ. "Ln atz ich nicht und werde ich nicht essen. Leicht ist es nicht, aber dafür sind wir Krieger und — Juden. G. 1'». 3 15 Meine Lieben! Schon nranchen Kamerad habe ich in dieser schweren Zeit verloren, doch diesmal wurde ich härftr betroffen denn je. Mein guter Freund und Glaubensgenosse ist bn hin, mit dem ich vom ersten Tage an gekämpft Nach ununterbrochenem Ringen bei Tag und Nacht haben wir Gelände gewonnen, das wir unrer den denkbar schmierigsten Umständen sesthalten. Auf dem Schlachtfeld sah es böse ans. Vor uns lagen verwundete Kameraden, doch konnte ihnen keine M 'J

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