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Der Israelit · 1915-04-08 · Heft 16 (8.4.1915) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 16 (8.4.1915)
Date
1915-04-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette » Nr. 18 Ver ASraeltt. des Meisters darf folgender Fall bleiben: In Brisk sollte der vielumstrittene Rabbinersitz endlich besetzt werden, zu welchem Zwecke eine Partei Rabbi David Tebel aus Minsk zu einem talmubischen Vortrag einlud. Die Gegenpartei, die die Wahl Rabbi Tebels Hintertreiben wollte, ersann aber einen Trick, zu dem sie sich des nichtsahnenden Jungen aus Kaminitz bediente. Man bolte den „Warschauer Jluj" nach Brisk und stellte ihn während des Vortrages des Rabbi in der Synagoge auf die Bank dem Voitcagenden gegenüber, indem man ihm etnschärfte, fleißig Fragen zu stellen und alle Aussetzungen an den Ausführungen Rabbi Tebels laut und unerschrocken zur Sprache zu bringen. — Oeffentltche Diskussionen während eines talmudischen Vortrages war damals Brauch der Zeit. — Nur zu gern folgte der Kleine dieser Aufforderung, und mit jugendlichem Kampfesmut vrach'e er den Rabbi, zur Verblüffung des ganzen Auditoriums in eine Klemme, aus der er sich nicht heranszuwinden vermochte. Der Probekandtdar war geschlagen. Wenn aber seine Gegner hofften, ihn damit öffentli.h zu beschämen und zu kränken, so hatten sie doch die Thorafreude und die sittliche Größe eines alten Rabbi stark unterschätzt. Mit den Worten: 72 771NL2 umarmte der Greis das Kind und küßte es vor allem Volk?. Ob diejer Zwischenfall allein Rabbi Tebel den Weg zum Brisker Rabbinat versperrte, steht nicht fest. Bekannt ist aber, daß treue Freundschaft den älteren Rabbi mit seinem jüngeren Kollegen bis ans Ende des ersteren inniglich verband. Damals lebte in Mohilew Rabbi Schmerl Lurie, ein jüdischer Magnat, wie sie die russische Judenheit von Zeit zu Zeit zur Linderung ihres Loses aus der Hand der Vorsehung bekam. Ein Thoragelehrter von alter, schlichter Frömmigkeit, war er auch ein Mann von Welt und Wissen, der mit seinem Weitblick, seiner Energie und reichen Initiative sich in Petersburg als Finanzier und Heereslieferant unentbehrlich machte. Das rückhaltlose Vertrauen, das er genoß und seinen starken Einfluß auf die Behörden nutzte er weidlich zu Gunsten seiner Brüder aus, deren Lage damals, zur Zeit des Zaren Nikolai I. ganz leidlich war. An der Tafel Luries speisten oft hohe Fürstlichkeiten an der Seite von alten Rabbinern. Lurie ist in den Annalen der russisch-jüdischen Geschichte des vorigen Jahrhunderts als Philantrop im Großen und Kleinen mit Goidlettern eingezeichnet. Und kein Geringerer als dieser Lurie war es, der 1841 eigens nach Brisk kam, um den Jungen, dessen Ruf durch alle Lande ging, kennen zu lernen. Damit tritt eine Wen- Vorr Rabbiner Dr. M. Lewin in Wrcschen Den erhabensten Moment in Moses so bedeutsamem, reich gesegnetem Leben, das große 'Erlebnis seines wechselvollen, ereignisreichen Daseins zeigt uns der heute verlesene Festabschnitt. Schwer hat Israel gesündigt. Pflichtvergessen hat es sich den Priesterschm'uck vom Haupte gerissen, und zertrümmert liegen zu Boden die Tafeln von ^tein und Erz, aus denen Gottes Wort verzeichnet gewesen: cmyr xS: nn1? mntP“ x*?. „Du sollst dich vor Götzen nicht niederwerfen und ihnen nicht dienen". Doch die heiligen Schriftzeichen lösten sich von den Tafeln los und kehrten aus lichinmfloffenen Spuren zu ihrem Nrspru g zurück. Ein neues Geschlecht will der Herr erwecken, dem sein Gesetz nnvertraut werden soll Da fleht Moses selbstlos, unablässig. gönrrt sich nicht Ruhe und Rast und verzichtet engelhaft 40 Tage und 40 Nächte auf Speis und Trank, bis der Altbarmherzige solcher Hingabe und Selbst- *) Rede, gehalten zum Palästinatage der jüdischen Gemeinden am cmi rcc\ düng im Leben des Jünglings ein. Lurie nimmt ihn ganz in seinen Schutz und im Hause seines Schwagers, Rabbi Salman Rtwlin in Sklow und in dessen großer rabbtntschen Bibliothek eröffnen sich ihm ganz ungeahnte Schätze. Bald heiratet der angehende Gaon die Tochter des reichen Lurie. Das junge Ehepaar bekam eine prachtvolle Wohnung tm Palaste Luries angewiesen, und der junge Gelehrte erhielt die Möglichkeit, aller Nchrungssorgen enthoben, auch frei vom Joche eilles Rabbinerpostens, sich ausschließlich dem Thoraftudium widmen zu können. In den zwei Jahrzehnten, die Rabbi Dowid Friedman im Hause des Schwiegervaters unausgesetzt dem Studium obliegt, wird er zu dem, was die gesamte jüdische Welt später in ihm verehrte. In dieser Zeit der Ruhe und Muße entstehen auch seine Schriften, die auf eine Verteidigung und Ehrenrettung des Maimonides eingestellt sind, auf Grund tiefer, eingehender Durchforschung aller Schriften des D"2ü“v Um diese Zeit entsteht auch das bedeutsame Werk msSn 'POL, das alle halachtscheu Vorschriften aus Talmud Babli und Jeruscholmi mit seltener Tiefe und Geistesschärfe herausarbeitet. An diesem Riesenwerke, das im Manuskript 10000 eng geschriebene Bogen umfaßte und der Diktion des Maimonides angepaßt ist, arbeitete er ununterbrochen sechs Jahre lang. Die berühmtesten Rabbiner der Welt er kannten einmütig die Größe des jungen Gaons an und wandten sich an ihn in den verschiedensten religiösen Fragen, in denen sie sich seiner Entscheidung rückhaltlos unterwarfen. Dem wiederholten Locken angesehener Gemeinden, ihr geistiger Führer zu sein, widerstand er jedoch beharrlich. Erst 1866, als sein Schwiegervater Rabbi Schmerl Lurie, von der gesamten russischen Judenheit tief betrauert, starb, sah sich der bis dahin ganz weltentrückte Rabbi mitten in das Leben und seine Sorgen gestellt, und gezwungen, eilte Rabbiuerstelle zur Fristung seines Lebensunterhaltes altzunehmen. Er konnte sich jedoch immer noch nicht entschließen, dem Rufe großer Gemeinden zu folgen, und zog es vor, fick in dem entlegenen Weltwinkel Karlin niederzulassen, von wo aus ein halbes Jahrhundert das Licht seiner Gelehrsamkeit der ganzen Diaspora erstrahlte. Mit der Größe des Geistes paarte sich hier eine große Seele, ein für jüdische Not blutendes, der Hilfe heiß entgegenharrendes Herz. Vieles erwartete er von der Sammlung der Gesetzestreuen und ihrer Bereinigung tm feften Rahmen der „Agudas Israel." iosigkeit Gnade gewährt und das bedeutsame Wort spricht: "p2“2 ’nnVc. „Ich verzeihe dem Volke, weil im es erbeten hast." Aber noch mehr ersehnt Moses und betet: „*p22 nx xr ':xm, Laß mich doch schauen Deine Herrlichkeit " Und auch diese Bitte findet Erklärung. Die Herrlichkeit Gottes zieht an ihm vorüber und er vernimmt Worte, die durch alle Seiten und Geschlechter sortklingcn, sie tröstend und ausrichtend, aneifernd und spornend, Worte, von denen unsere Weifen sagen: cpn mm :rxtp nrrre xmo. „Es sei ein Bund geschlossen, daß sie nie wirkungslos verhallen." Mose hört die Worte: „srni Lim x 'i "i, Adonaj bleibt Adonaj, ein barmherziger und gnädiger Gott. . ." Die grüße Liebe, die eben Mose betätigt, hat die Verkündigung der allumfassenden, ewig gleicher, Liebe des Herrn der Menschheit geschenkt, hat der Welt die Quellen des Heils und Segens erschlossen. Die Liebe wurzelt in Liebe und weckt Liebe. Göttlicher Mose, wir huldigen deinem Geiste und entzünden unser Herz an deinem engelreine,, Herzen.' Du hast nicht umsonst gelebt und dein Volk geliebt. Wo immer Juden sich zum Sedermahle vereinigen, da segnen sie dein Andenken und erinnern sich in Liebe der Armen und Dürftigen, denen sie den ersten Gruß weihen: „pwi *72 :y by' ’m. Jeder, der hungrig ist, konrnre und esse, wer die Rot fühlt, komme und feiere mit." Das ist der herrliche Schluß, den Israel aus seinen Erfahrungen gezogen har: Dieweil es selbst gehungert, nicht andere hungern zu lassen, weil es selbst so selten Liebe und Mitleid gefunden, nicht andere lieblos zu behandeln. Mag immerhin der weise Dichter es dem Leben abgelauscht haben, wenn er vor dem Sklaven warnt, der zum Herrn geworden, der zur Freiheit, zu Ehren und Würden gelangt, — Israel hat einer, andern Weg eingeschlagen. Israel, den einstigen Sklaven Mizraims, hat das eigene Leid weich und 8. April 1818 8. Ap Seine lapidaren Worte zur Ermutigung und Anfeuerung der Abseitsstehenden und der Masse waren voriges Jahr wiederholt im „Haderaech"j veröffentlicht und sind noch in frischer Erinnerung. Als eine der tieftragischen Folgen der Weltkatastrophe wird es der Sechsundachtzigjährigei funden haben, daß er die endgültige Erfüllung seiner Hoffnung, die ihm schon so nahe schien,| nicht selber schauen durfte . . . An der Bahre des Rabbi Jehuda Ben Baba,! so erzählt der Talmud, wollte man die nur für die Größten gemünzte Klage 1717 77 TDH 7!| anstimmen, was aber mit Hinblick auf die Gefahren d--r Zeit nicht möglich war. Der Zetten schwere Not macht es auch hier nicht möglich, der Klage um den Ton und 17P gebührend Ausdruck zu verleihen. Aber wir fühlen tm tiefsten Innern das Unglück mit unseren Glaubensbrüdern hinter den Reihen der unsere Landesgrenze bedrohenden Kosakenhorden. Ein Großer im Reiche des jüdischen Geistes ist gefallen. Möge nun sein fVD? denen beistehen, denen sein Leben gewidmet war und, die von tausend Nöten umbrandet, der Erlösung harren. irSp p' 1JTDT Die Versteigerung des Haisaer " Technikums. jHilssve iiuufl e James mir da Tarleh Dilssve Paul Am Mittwoch, den 24. März, hat die öffentliche Versteigerung des Haifaer Jüdischen Tech niknws in Berlin stattgefunden. Der Hilfsverei» der Deutschen Juden hat das Institut für 225000 Mar, erworben. Bon anderer Seite wurde ein Gebote nicht abgegeben. Die zionistische ")i. I. K. gibt folgende Darstelllmg der Sachlage: Am 51. Dezember war der Konkurs auf Antrag des Hilfsvereins eröffnet worden. Den 802 000,.#. Passiva standen angeblich 284 000 fAi Auma gegenüber. Das Gebäude, welches rund eine Million Mark gekostet hat, war in der Bilanz mit nur 150 000 JL bewertet worden. Die Begründung hierfür hat sich in der drohenden Gefahr einer Beschießung .Haifas durch feindliche Kriegsschiffe finden lassen. Die Passiva sein 'ii sich hauptsächlich aus verschiedenen Darlehen des Hilfsvereins, respektive der mit ihm in Verbindung stehenden Stiftungen zusammen. Während nämlich die amerikanischen Beiträge u. a. die 420 000 M. des Herrn Jacok Schiff) uno die Gründungsstiftung des Hauses Wissotzky in Höhe von '215000 M. als Schenkungen gebucht worden waren, und der Jüdische Nationalsonds seine zur Erwerbung des Bodens geleistete Schenkung seinen Statuten gemäß als unkündbares Darlehen gegeben hatte, hat der ferner iotzky c> euch d' \m Kr D ^Posten lveruna | öc-u Ct Aus 6 104N D4l lichkei v | struierl lige m gesamt, erhebli im üb licke V p'slichtr rnnon instlint macht D daß al geschal mehr Wissotz N'wstvc seiner Krieg i einen \ Dem £ Gelege Er Nu mitlüet immer größtei ouot*;,u t-m ich ,h war ü in den dringet Z nützige düs. V> desondl regt. § sehr sä milde gestimmt. Aus der Nacht der ägyptischen Sklaverei ist das Licht der heilsamsten Satzungen für alle Zeiten und Geschlechter hervorgestrahlt. Das „armselige Brot", das da Israel in Aegypten und dann noch so oft genoffen, ist ihm zum Sinnbild geworden, die Armen und Dürftigen in seine Häuser zu laden. So ist es in Israel Brauch und Sitte geworden, und so soll es Gesetz bleiben: „Wer hungrig ist, komnie und esse." Diese Worte spricht an der Sedertafel auch der Aermste und Dürftigste, schließlich gibt es keinen, der nicht auch einmal das Licht der Liebe leuchten lassen könnte. So adelt die Liebe und krönt sie den Menschen, macht ihn reich und glücklich, sie gleicht auch aus. Sie überbrückt die Gegensätze und läßt die Scheidewände fallen. Die Liebe, die wahr und echt ist, fragt nicht nach Stand und Herkunft, nach Glaubens-und Volksgemeinschaft, sie ruft: „I e d er, der hungrig ist, komme und esse", - jeder, nicht nur der Verwandte, der Freund, der Volks- und Glaubensgenoffe, jeder, selbst der Gegner, der Feind. Da habt ihr die praktische jüdische Liebe, die selbst am Feinde sich betätigen will. Unsere Bibel braucht uns die Feindesliebe nicht mit besonderen Worten zu gebieten, dieses ist ihr selbstverständliches Gebot, das sie uns zugleich mit den Worten einschärft: ninxi "*ö2, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Wer immer den Stempel des Göttlichen an seiner Stirne trägt, hat aus unsere Teilnahme, aus unser Mitgefühl vollen Anspruch. Darum dürfen wir uns keinem Leid und keiner Not verschließon, darum muß unsere Lebensanweisung bleiben das Wort: „Jeder, der hungrig ist, komme und esseAber auch rivrv im "px*i ^2, „Jeder, der die Not fühlt, komme und feiere mit". Es ist wahrlich etwas Göttliches und Heiliges, ein Zeichen reinen Menschentums, wenn man Hungrige labt und Dürftige stützt, wenn wan Sinkende aufrichtet und der l e i b l i i Mangel ist es v alles a» Wr einem i zu ersoi allerwei es ab, i zu recht zugelaff er und der Chi 2 erkenne nacht ir recht er an letztl lamith wird: * 2'2i: r.' 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