Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 16 (8.4.1915)
- Date
- 1915-04-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israeli Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet oon Dr. Lehmann in Mainz 56. Jahrgang* Sranhfurf a M . Sen 8. April 1918 24. Nissan 5675. M 16. WWtHWW pro MSierteiimfnrj Gcwöbirlicht Mu&ßabr Mk. 1.60, 1 SeftauSgabe (Kunstdruck) Mk. 8,— Auslandspreise: Gewöhnliche 1 Ausgabe: Oesterreich-Unoarn 9 Kr., Rußland l Rnb., England S *h„ Amerika 60 et»., Niederlande 1.10 fl., Krarkrüch Fn. 1.50. 1 £ hctmcmentS bei allen Vollaustalten. Buch-aadlangeu. kowie direkt bei dem Verlas. HestauSssS« nur direkt. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die scchSgcspaltene I Eolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Juseratevannabme durch den Berlag deS Israelit G. m. b. H., Frankfurt a.M., Gr. EschenHeimerstr. 23 Del.584S.Amt Hansa, sowie sSmtl. Annyncen-Exped. deS In- und Auslands. Platzvorfchrtfteu ohne NrrbmdUchkett. Zahlungen können außer direkt an de« Verlag erfolgen »er Konto »ei de» ft. », Vostsparraste »tn «io. 716#*, Conto »ei de« ». Mostfpart«steno«t Budopest Mo. 18414. Cont, »ci de» »tigocc Conouerrdanf io ftifo und der« Filialen. Oer Nachdruck Ser NrMrel ung eorrewonSenren des „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, und, foroeif es [ich um größere fluffäfce handelt nur nach vorheriger öenehmigung geflaffef IvhaitsSvevstcht 1. üc11o Tttf e(: Zum 25. Jahrzertstag Rabb. Dr. M. Lehmann Gin Gedenktag. — 2. Aufsätze. Kabdi Kowid Karliner S"£T- — Dir Versteigerung des Kaifaer jüdischen Technikums. — 3. Uermißte jüdische Familien. — 4. H o m i l e ti k: Rabb. Dr. M. Lewin, dreschen: Gre; Iisrori — 5. K leinet Je uitleton: Zionismus und deutsche Kulturpolitik — Zwiegespräch. ---,6. Korrespondenzen unv N awrch.len: Frank ^furt a. M. (Das Prßachfest der deutschen Armee.) — Berlin (Peßach in den Kriegsgefangenen-Lagern) — Berlin (Vergeltungsmaßnahmen für Memel.) - Würzburg (Notschlußprüfungen) — Leipzig (AottuAentenabschied in der Leipziger Höheren Israelitischen' Schule.) — Wien (Russische „Liauidierung" des jüdischen Grundbesitzes in Galizien.) — A u s d e n .G e m e r n d e n : Preßburg, Miökolz, Buda p('st,. Frauenkirchen, Preßburg, Sarasao. — Stockholm «Ein jüdisches Hilfskomitee in Schweden.) — Kopenhagen (Der Golusmarsch.) — - Petersburg (9iußland wird für dje Juden nichts tun) — Lodz (Hilfe für Russisch Polen.) — London (Lord Rothschild Vt.) — Zürich (Londoner Brief.) — Jerusalem (Die Lage im Heil-gou Lande.) 7. P er sonali.e n: Hamburg (Sberkantor Süßkind n"p.) Baden* <s- Be re in sna chri chten: Cöln. — Hainstadt. — Hannover. —' Basel. — ü. E e r m i»ch t e s: Öberlauringen. — Sstrowo. 10. Feuilleton Beilage: Kei den Heimatlosen i» Marschau. — Mendel Katz, der Held. Gin Gedenttag. strm 25. Iahrzeitstag Rabbiner Dr. Pi. Lehmanns 'r-Lt (24. Nissan). .Heute vor 2ö Jahren har oas gesehestrene siiDeittunt ein schlverer Lchlag getroffen. Ter üngstdes Treigestirns, das den Bekellllern des ilten Zudentuins in Teukschland den Weg sn Üir Mischer Wrschickesnachr jahrzehntelang er- K'flte erlosch mitten in jin]enDfriid)cm i^anzr Es zü'Ntte sich, den Tag zu nachdeak! schein Xnckblicke zu benutzen und sich 'von der Warte \c)tliictitticfjer; Betrachtung das : reiche, tvirke ks rohe Lehen., das vor einem Bierteljahrhnnderl ein Ende fand, in feinen Entnncklnngen lind Llgebnifsen zur eigenen Lehr und Wehr aufs ieu. ror Art gen zu führen. R-.n'in dir Zeit ist nicht zu stiller Lamm ung angetanultd allzusehr drängell die Anslaben des Tages. So möchten wir uns denn für heute ans >as Wort des G r inner ns' f elö st cheschränken - md mit. dem weiten KveiS - der Lehmarm-Gemeinoe, die iinmer neue Kraft und Freudigkeit ans den Werken des .Heimgegangenen schöpft, oas (s-etöbuls treuen Gedenkens erneuern, das seine schönste Frucht in einern wahrhaft jüdischen Lebe n der Tat findet. Rabbi Dowid Karliner Eine kurze Notiz in einer der jüngsten Nummern des „Israelit" meldete den Tod des Rabbi David Friedmann aus Karlin- P i n s k oder, wie man es im Osten besser verstehen wird, Reb Dowid'l Karliners. Die Schwere des Unglücks, die diese lakonischen Zeilen künden, kann nur derjenige voll würdigen, der da weiß, was der Name Dowid Karliner in der rabbinischen, ja überhaupt in der jüdischen Welt des Ostens bedeutete. Mitten in sturmbewegter, leidreicher Zeit, wie sie die russische Judenheit noch nie gesehen, ist ihr einer der wegekundigsten Führer im Reiche des Geistrs entrissen worden. Das ist eine Katastrophe für sich, Unglück im Unglücke/ und die talmudische Klage: „Wehe, dem Schisse, das das Steuer verloren!" erhält schauervollen Sinn. Vieles wird jetzt hinter den weiß-blau-roten Grenzpfälen vom eisernen Besen des göttlichen Weltgerichtes gründlich hinweggefegt. Hessen wir, daß sich dabei das Beste und Jüdischste in die neue Zeit hinüberrettet. Im Leben, in de r vielgestaltigen Werde' unb Metsterjahren dieser Großen in Israel ist ein Stück jüdischer Kulturgeschichte verzeichnet, das über die Zeit der großen Umformung hinaus festgehalten werden muß. Ein kleines, unansehnliches Männlein mit unverhältnismäßig großem Kopfe, hatte der Rabbi von her Natur aus nichts mitbekommen, was ihn äußerlich zum achtunggebietenden Führer prädestiniert hätte. Wenn er aber trotzdem suggestive Gewalt über die Massen besaß, wenn Hunderttcmsende ohne Unterschied der Partei und Richtung zu ihm wie zu einem aus einer alten verklungenen Welt in die Gegenwart hineinragenden Heilig en aufblicktev, so galt diese Verehrung dem gewaltigen Geist und der großen Seele in diesem gebrechlichen Leibe. Man wußte, in welch guten Händen in der entlegenen Weltecke Karlin das vom Wilnaer Gaon überkommene heilige Gat lag. Nach dem Tode von Rabbi? Jizchök Elchonon in Kownö wurde die Zahl der treuen Hüter der Wilnaer und Woloschiner Tradition, die den Geist von Rabbi Eliah und Rabbi Chajim lebendig erhielten, immer geringer. Nur einige Namen von weittragendem Klange, die kleine Grupps um Rabbi Ehajtm Soloweizik in Brisk. Unter ihnen Rabbi JizchokHalevy y'xr, der das strahlende Licht der Wilnaer Schule in den Westen hinaustrug. Man wird den Namen Rabbi Dowid Karliners sehr schmerzlich missen in dieser kleinen' Reihe der unter uns noch weilenden Unsterblichen. Im Jahre 1828 wurde der Rabbi im kleinen polnischen Städtchen Biala, das jetzt von deutschen Truppen besetzt ist, geboren, und galt schon in seiner frühesten Kindheit mit seiner phänomenalen Begabung, Auffassungskcaft und der Sicherheit seines Urteiles als „Jluj." Sechs Lenze zählte das Wunderkind, als die Eltern nach Warschau übersiedelten, wo Rabbi Salomon Eiger als Seniorchef des Rabbinates wirkte. Der kleine, in seiner körperlichen Entwicklung ganz zurückgebliebene Junge setzte mir seinem scharfen Geiste, mit dem er damals schon schwierige Particen im Talmud beherrschte, den Rabbi dermaßen, in Staunen, daß dieser vor Freude weinte und dem Vater die hohe Verautwortlichkeit, die ihm mit der Erziehung eines solchen Kindes von der Vorsehung ausgegeben wurde, eindringlich ans Herz legte. Nicht mit Unrecht fürchtete der Rabbi die Gefahren der allseitigen Bewunderung für das Kind und riet, es der Belästigung seitens der staunenden Menge und der Thoragelehrten der Stadt, die das Kind fortwährend ausfragten, schleunigst zu entziehen. So kam der Junge nach Brisk, wo es ihm aber, da Brisk Hu den ältesten Thorastädtcn Litauens zählte, noch weit schlimmer erging, als in Warschau. Im littauischen Städtchrn K am i niz fand das Kind erst die nötige Ruhe, mit dem ihm angeborenen eisernen Fleiß, seine ungewöhnlichen Geistesgaben ganz zur Entwicklung zu bringen. Die Kaminizer Zeit, die sich auf fünf Jahre erstreckte, legte den Grundstein zu der ragenden Größe des Meisters und seiner von aller Welt bis zuletzt anerkannten Autorität. Als er Kaminiz verließ, hatte er bereits ganz mit Kommentaren als eisernen geistigen Besitzstand und beherrschte besonders die Schriften des Maimonides, in deren klarer und grader Geistesrichtung sich auch all. seine späteren . Schriften bewegen. Nicht unverzeichnet aus dem Kindheitsleben