Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 13-14 (25.3.1915)
- Date
- 1915-03-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Geile i No. 13 u. 14 Der Israeli». 25. März 1915 stände nicht erschüttert. Aber die städtischen Schulen, in denen Tausende vor! Kindern ihre Ausbildung erhalten, deren Hilfsquellen aber vollständig versiegt sind, müßten geschloffen werben, wenn die Mittel zur Besoldung der Lehrer nicht anderweitig aufgebracht werden. Die armen Kinderlehrer mit ihren Familien sind so dem Hunger überantwortet. Der Lehrerstcmd dieser ärmsten Tolmudthora-Schulen zählt unter seinen Mitgliedern ganz hervorragende Meister der Thorawiffenschaft, die ja im heiligen Lande wie nirgends sonst in allen Schichten der Bevölkerung selbst unter Arbeitern, Handwerkern und Kaufleuten ihre Vertreter hat. Hierzu kommen die anerkannten Größen der Thorakunde, Hunderte, ja Tausende Thoragelehrte, zu denen auch eine Reihe von Handwerkern und kleinen Kaufleuten gehören, die von dem Unglück, das über das heilige Land hereingebrochkn ist, «m schwersten betroffen wurden. Und die vielen verschämten Armen, mit ihren Frauen und Kindern, die lieber hungern, als daß sie die öffentliche Wohltätigkeit, die Notküchen, die übrigens diesen unglücklichen Familien wegen Mangels ausreichender Hilfsmittel keine Hilfe bieten könnten, in Anspruch nehmen. Dieses ihr prüfungsreiches Lebensgeschick erträglicher zu gestalten, hat sich die „Deutsch - Holländische Palästtnaverwaltung" trotz der großen überaus vielseitigen Aufgaben, die sie in dieser schweren Zeit zu erfüllen hat, zum Gegenstand ganz besonderer Fürsorge gemacht. Nachdem von maßgebender Stelle gemeldet wurde, daß gerade diese schwerbetroffenen Kreise keine andere Hilfe erhalten, haben die Pektdtm und Amarkalim der tsr. Gemeinden des Heiligen Landes zu Amsterdam ohne jeden Aufschub telegraphisch verfügt, daß vorerst an fünfzig Lehrer und eine Reihe von würdigen verschämten Familien ein Beitrag von je 20—40 Mk. zum notdürftigen Lebensunterhalt monatlich verabreicht werde. Seither haben eine Reihe von Freunden und Gesinnungsgenossen diesem Hilfswerke sich angeschlossen. Die Hilfe Leistung auf diesem Spezialgebiete erfordert aber viel größere Opfer. Die Deutsch - Holländische Palästtnaverwaltung ist über den Notstand in seiner Gesamtheit und über die in scheuer Zurückgezogenheit lebenden verschämten Familien, speziell auch über die bittere Armut der städtischen Kinderlehrer und der Thoragelehrten aufs Genaueste unterrichtet und sucht ihr unglückliches Los, soweit es die Mittel gestatten, erträglicher zu gestalten. Um dieses durch regelmäßige direkte Zuweisung an die schwerbedrängten Einzelfamitten begonnene äußerst dringliche Hilfswerk in größerem Stile fortsetzen zu können, bedarf es der äußersten Anstrengungen aller deutschen glaubenstreuen Ztonsfreunde. Erst in den jüngsten Tagen wurde die Deutsch - Holländische Paläftinaverwaltung vom deutschen Generalkonsul in Jerusalem Im Wege des yHuämärtiqen Amtes, zur kräftigen Fortsetzung ihres Hilfswerkes, telegraphisch aufgefordert, da in der jüdischen Bevölkerung große Not herrsche. Auch der österreichischungarische Generalkonsul von Beirut hat einen Notschrei aus Saffed, der zweitgrößten Stadt Palästinas, durch d«s hiesige österreichischungarische Generalkonsulat an den Schreiber die) er Zeilen übermittelt. Möge der Notschrei Zions und Jerusalems, der Notschrei der heiligen Thora allenthalben ein offenes Ohr, ein warmschlagendes jüdisches Herz und eine hilfsbereite Hand finden! Der Hunger, unserer Brüder und Schwestern im heiligen Lande, ist eine Anklage, ist eine brennende Schmach für alle jüdischen Zerstreuten auf weitem Erdenrund. Er wäre es ganz besonders in diesen Tagen für alle Edlen, an welche die Not der Zeit so oft und so laut niemals ohne Erfolg appelliert, wenn dieser Notschrei ihres eigenen Volkes keine Beachtung bet ihnen fände und sie stille stünden, beim Blute ihrer Allernächsten. Soll ja Zion, unser Herzens¬ und Schmerzenskind stets der Gegenstand unserer angelegentlichsten Fürsorge sein, ttnin X'N ]V¥ rntfni s'8. In dieser schweren Zeit ist es aber doppelte Pflicht die Mitarbeit an Jschuw Erez Israel nicht zu unterbrechen. Niemand spreche, man habe in dieser furchtbaren Kriegsnot, unter welcher unser schwergeprüftes Volk so unsäglich viel leidet, schon genug geopfert. Und wenn wir mit der Losung unserer Festabende am Freiheitsfeste unseres Volkes alle Hungrigen und Durstigen zu Gaste laden, so mögen wir in diesem Jahre ganz besonders auch unserer dürftigen und hungernden Brüder und Schwestern im Heiligen Lande gedenken und sie durch reichliche Spenden bedenken, damit ihnen in den kommenden Tagen der schwersten Prüfung wenigstens „das Brot der Armut" von uns gereicht werden kann. Möge sich jeder, der durch Gottes Gnade von den Schrecknissen des Krieges verschont wurde, in ernster Selbstprüfung die Frage vorlegen, ob er für seinen Teil schon sein pflichtschuldiges Scherfletn zur Linderung des unsäglichen Krtegselends in den Städten Palästinas, geleistet, ob sie, die Daheimgebliebenen, in jüdischer Pflichterfüllung das VL) |VH£, „das Lösegeld ihrer Person" nach Maßgabe des Gottessegens, der ihnen beschieden ist, auf dem Altäre unserer Zionsltebe niedergelegt. Die heiligen Trümmer, auf welche zu blicken unser Auge.noch nie aufgehört hat, bilden auch heute den idealen Mittelpunkt des größten Weltdramas, das je die Menschheit erlebt hat. Wt* feiern das Erlösungsfest unseres Volkes. Im Geiste unserer verödeten Heiligtümer haben wir die Erlösung der Zeiten, die Erlösung der nach Frieden dürstenden Völker zu begreifen, zu würdigen, zu erhoffen. Wohl dem, der in dieser schweren weltgeschichtlichen Zeit das Band nicht für zerissen hält, das uns mit den fernen Heimstätten unserer Vergangenheit, mit Jerusalem, verbindet. Wohl dem, der in Freud und Leid Jerusalem nicht vergißt! Wohl dem, der im Wohltun nicht ermüdet! Der Segen des großen ist jedem Einzelnen sicher, der sich mit liebender Fürsorge Jerusalem zuwendet. Vermißte jüdische Familien. '"'X. Es werden gesucht: 1) Martes Tuch u. Frau Freite Tuch geb. Schachne, zuletzt in Jasiniea (Galizien.) 2) Gisella Mcisuer geb. Tuch, zuletzt in Antwerpen, geflüchtet nach Galizien 3) Sara Tuch mit GiseUa Meisner geflüchtet. Hena Hertzig von Lisko bei Sunck, HeeschWilneru Brucha Wilner von Baliqrod bei Lisko. Klaser, Moses. Feiga, Brandla, Simcha, Isak, Israel, alle aus Sarzina bei Lerzansk. Engelbert,. Sara, 70I. alt aus Rüda. Meldungen nimmt auch die Expedition des „Israelit" entgegen. Lorrespondenzen und Nachrichten Der Danh der C?enfloctiauer. Berlin, 22. März. Aus Czenstochau vom 15. März ist an das Zentralhilfskomitee für Russisch- Polen zu Händen des Herzogs von Trachen- Es lucht: Rosa Tuch,Frankfurt am Main.Heiligkreuzg. 11p., b. Brandstädter. Chaja Hertzig, hier, Rechneistraße 9. das Sie mit Ihren Priesen zwischen denen daheim und draußen Herstellen, empfunden lvird. Alllein die Talsache, zu wissen, das; man uns hier außen unseren religiösen Nöten nicht überläßt, das; die zuhause mit uns denken und fühlen, die Verwirklichung des - alten Wortes „In Israel bürgt einer für den anderen" sichert Ihrem Unternehmen vielen offenen und stillen Dank. Und nun gar die sinnige Art. mit der Sie jcdesma. aus Sidrah und Haftvrah das answählen, was aus uns hier außen am stärksten wirken muß. Ich glaube, in dieser Hinsicht kann gar nicht genug geschehet! und ich möchte daher wünschen, das; alle g'setzestreuen .uameraden Ihre Priese eihielten es sind ja leider nicht allzuviele und diese nicht ans den Frankfurter ur.'is beschränkt blieben. (Das geschieht auch bekanntlich. D. Red.» * * Mn .Si r a f t f a h r c r ans Sstsriesland schreibt: „Iür die Uebersendung der ^chabbos-Briese an die von mir ausgegebenen Adressen und an mich Adanke ich Ihnen in meinem Namen und im Namen 'I. Meiner Freunde von Herzen. Sie machen Ihrem ' -* Namen A e d ensg u e l l" alle Ehre. Wie mir einige Lvkdnten schreiben, haben Sie das richtige getros- ' seu, da geistige Anregung für die .Kämpfer manchnral nötiger sei. als körperliche Unteroffizier A. .n. dankt herzlich und meint dann: * ..Wie mir selbst, so würde wohl auch allen anderen im Felde stehenden Glaubensgenossen der Inhalt unserer heiligen Lehre in diesen schweren Zeiten noch eindringlicher wie sonst Trost und Zuversicht spenden und Hhre Abhandlungen werden in Manchem, der schon sein Judentum vergessen, wieder Verständnis und .Begeisterung für alles Jüdische wachrufen. Eip größeres Deutschland und ein größeres Judentum 'möge ans diesem .nrieqe hervorgehen." ' * iu Garnison Mainz stehender Frankfurter -Herr guittiert die ihm mitsamt dem Briefe zugesandten Liebesgaben mit der Bemerkung: Der Mekvr lil-ajiin, der das ganze Jahr nach dem Salze x*? mxrt 'vt *,-!“*? crhrt *?j? verfahre, habe nun den Spieß um gedreht und sich den Satz mim bv 8? zum Motto gemacht. Alle anderen Danlschreiben sind in gleicher herzlicher Weise gehalten. Ein Feldbäcker schickt sogar aus Nordsrankreich ein paar siischgebackene PerSlein ein, die. im (Ganzen sehr gut gemeint, in die Hvssn'.kng ans! l lagen: „Und fallen wir den Sieg erringen mit Wi'-tt für Kaiser und Vaterland, dann soll uns neue Früchte bringen die jüdische treue Bruderhand." Der alte Tempel in Prag. Else Laskee-Schüler. die bekannte Berliner Dichterin, sendet dem „P r a g e r T a g b l a t t" das folgende kleine Gedicht. Taufend Jahre zählt der alte Tempel schon in Prag Stanbfällig und .ergraut ist längst sein Ruhetag, Und die alten Väter schlossen seine Gitter. Ihre Söhne ziehn nun in die Schlacht. Der zerborstene Synagogenstern erwacht Und er segnet seine jungen Judenritter. Wie ein Glückstern über Böhmens Iudenftadt, Ganz ans Gold wie nur der Himmel Sterne hat; Hinter seinem Glanze beten wieder Mütter. (Ter Synagogcndicncr zu Grovzisk.) Die irr russischer Sprache erscheinende jüdische Zeitschrift „Rasswjet" erzählt folgende rührende Geschichte aus dem Ervdus der Juden ans dem Städtchen Grodzisk (Russisch-Polen): „Die Trommel erschallt, und wir alle ohne Ausnahme erhalten den Befehl, die Stadt zu verlassen. Es erhob sich ein .nlagen und Weinen. Nur verließen unsere Läden und Wohnungen und, mit den mindern an dem Arm. mit kranken und Greisen, treten Nur unseren traurigen Ervdus an. Wir mußten durch Schmutz und Sümpfe wandern, unter strömendem Regen. Möglichst schnell mußte die Stadt verlassen werden, wenn Nur unser Leben retten wollten... Und dock' fand sich einer, der sich entschloß, die Frau und minder allein zu lassen, um unter Lebensgefahr zurück in die Stadt zu kehren. Das war der alte Synagogendiener, der Angst hatte, daß die heiligen Thorarollen entweiht werden. Durch eiv Wunder gelang es ihm, unbemerkt von den Soldaten in die Synagoge zu gelangen, wo er alle Thorarollen zusammenpackte, sie in ein Dachzimmer brachte und selbst dort als Wache blieb. Drei Tage und Nächte verblieb er dort ohne Essen und Trinken, bis die Lage sich geändert hatte und es ihm möglich wurde, die heiligen Rollen unversehrt nach Warschau zu bringen." £