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Der Israelit · 1915-03-25 · Heft 13-14 (25.3.1915) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 13-14 (25.3.1915)
Date
1915-03-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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25. März 1915 Der JSraelit. No. 13 u. 14 Seite 3 Gesinnung, freiwillig und freudig nblKJO DWil und an diese schwere Zeit wird sich die Erlösung, die Befreiung anschlteßen. Wir feiern in diesem Jahr ein ernstes rtDB, mancher Platz an unsrer Sedertasel wird verwaist sein, weil der Krieg uns einen lieben Verwandten geraubt, mancher Platz leer sein, weil der Ruf des Vaterlandes ein teures Famtltenglied im. Feindesland seine Pflicht tun heißt, wir Daheimgebliebenen wollen daher „unserer" Pflicht, unserer jüdischen, in besonderer Sorgsamkeit genügen, damit auch wir dazu beitragen, daß bald vernommen werde das Flügelrauschen des Genius, der der Menschheit den Frieden und das Glück und die sittliche Freiheit bringt, jene Freiheit, die ihren tiefsten und herrlichsten Ausdruck sinket in einem dem Ninn-Gesetz geweihten Leben: •min '22 nann W. I. Hunger Von Rabbiner I. Horoviez aus Jerusalem. Ararrksurl a. M., Nissan 5675. „Wen es hungert, der komme und esse, wer bedürftig, der komme und halte Pessach!" (Hagadah schrl Prssach) Das Hungergespenst, das im heiligen Lande nicht mehr an die Türen pocht, sondern bereits in die Häuser und Hütten seiner Opfer eingedrungen ist, -rückt mir wieder die Feder in die Hand, um die jüdischen Herzen und Hände diesem Jammer zuzuwenden. Der größte Teil derjenigen, an welche sich diese Darstellung wendet, hat, was Hunger ist, glücklicherweise an sich selbst niemals erfahren und möge auch für alle Zukunft davor bewahrt bleiben. Die Entbehrung an Speise und Trank, welche unsere Fasttage für uns vorgesehen, verliert viel an ihrem schmerzlichen Empfinden, schon durch das Bewußtsein, daß nur der Tag zur Neige zu gehen braucht, um die schwindenden Lebensgeister wieder zurück zu rufen. Das Verlangen nach Nahrung, welche das freiwillige Fasten begleitet, verdient den Namen Hunger nicht. Er fängt erst zu nagen an, wenn er gegen unseren Willen uns ntederzwingt, und jede Aussicht für seine Befriedigung fehlt. Die reltgtonsgesetzlich gebotenen Fasttage beschränken sich zudem auf die Erwachsenen, auf die Gesunden und Starken. Der Hunger, wie er zurzeit im heiligen Lande wütet, kennt keinen Unterschied des Alters. Die unmündigen Kleinen, die Kranken und Schwachen, Greise und Greisinnen, hilflose Witwen und Waisen, denen die sittliche und körperliche Kraft zum Ertragen von Entbehrungen abgeht, sind seine ersten sichersten Opfer. Selbst in normalen Zeiten haben Armut und Elend im heiligen Lande die davon Betroffenen an eine Genügsamkeit, an ein Ertragen von Entbehrungen gewöhnt, die gerade zur Fristung eines ärmlichen Daseins binreicht. Setzt aber die Hungersnot ein, dann fallen ihr die so Geschwächten als sichere Beute zu. Wohl sind heute Not und Elend durch die Verheerungen des Krieges in vielen Landen allgegemein. Aber in der Größe dieser allgemeinen Not, die uns allenthalben entgegen starrt, liegt eine beglückende Gewähr für ihre Milderung. Ungezählte Tauser.de von Herzen und Händen rühren sich, um die Wunden zu lindern, die der Krieg geschlagen und noch täglich schlägt. Dieser Weltjammer, der vor unseren Augen laut um Hilfe schreit, drängt jedoch die Fürsorge zur Steuerung der stillen Not zurück, unter der unsere eigenen Brüder und Schwestern im heiligen Lande dahinsiechen. Und doch leiden sie unter demselben Kriege, der die ganze zivilisierte Welt heimsucht, ja, sie leiden noch viel schwerer darunter. Als bei Ausbruch des Krieges plötzlich jeder geschäftliche Verkehr stockte, bedurfte es in Deutschland oder in Ungarn und Oesterreich nur kurzer Zeit, um diese Lähmung zu bannen und Handel und Wandel wieder neu zu beleben. Blieb auch der Verkehr mit feindlichen und überseeischen Ländern unterbunden, so bewegten sich doch inländischer Handel und Industrie wieder in der alten bewährten Regsamkeit. Im heiligen Lande jedoch, das ausschließlich auf das Ausland angewiesen ist, ist die Krisis bis zum heutigen Tage verblieben und verschärfte sich von Stunde zu Stunde. Wohl sind einzelne Zionsfreunde und Körperschaften mit vieler Hingebung bestrebt, der größten augenblicklichen Not entgegenzutreten. Besonders waren es unsere Glaubensgenossen in Hvrerika, die sich das Rettungswerk angelegen sein ließen. Durch den amerikanischen Botschafter tu Konstantinopel, Herrn Henry Morgenthau, war es auch der Deutsch-Holländischen Palästina- Verwaltung wiederholt möglich, größere Summen für die Wohltätigkeitsbestrebungen nach dem Heiligen Lande zu befördern, obwohl jede Verbindung durch den Krieg unterbrochen ist. Gottes Vorsehung — lehrt ein Wort der Waisen — schickt jedem Weh, das den jüdischen Volkskörper durchzuckt, die Heilung, jeder Katastrophe die Rettung voraus. In diesem Sinne war es kein bloßer Zufall, daß dieser illustre Staatsmann mit seiner hochsinnigen Gattin einige Monate vor Ausbruch des Krieges. Erez Jtsroel besuchte. Er ist einer der wenigen unserer in hoher sozialer Stellung lebenden Glaubensbrüder, die es sich angelegen sein ließen, dem jüdischen Palästina in seinen historischen, kulturellen, wirtschaftlichen und religiösen Beziehungen naher treten. „Im Gegensatz zu anderen hervorragenden modernen Juden hat er es nicht versäumt, auch sämtliche Institutionen des alten Jtschuw, die tzeschiwoth und Talmud- und Thorafchulen zu besichtigen und hat überall seiner Freude über das Gesehene Ausdruck gegeben." Mit diesen Worten würdigten wir in diesen Blättern den vorjährigen Pessachbesuch des Mannes, der von der gütigen Vorsehung ausersehen wurde, die Rettung der Brüder von den Bedrängniffen des Krieges in die Wege zu leiten, noch bevor die Katastrophe eingetreten ist. Schon einige Wochen nach Ausbruch deS Krieges schreibt er u. a. dem Schreiber dieser Zeilen: „Ich bin wie Sie der Ansicht, daß es durchaus erforderlich ist, in dieser schweren Zeit alles zu tun, um die jüdische Bevölkerung vor materieller Not zu schützen und zu verhindern, daß die Bestrebungen zur Hebung und Entwicklung dieser Bevölkerung auf längere Zeit unterbrochen werden.Ich bin gerne bereit, wie bisher alles zu tun, um die Hilfeleistung für die jüdische Bevölkerung Palästinas nach Möglichkeit zu fördern." Und der hochherzige Menschenfteund bemüht sich ohne Unterlaß, sein Gelübde zu erfüllen und nur seiner energischen Tatkraft, gepaart mit jüdischem Psitchtgefühl, ist es größtenzu verdanken, daß bisher für die Linderung der unbeschreiblichen Not in Palästina etwas geschehen konnte. Für die Humanitären Zwecke der Deutsch- Holländischen Palästina-Verwaltung hat übrigens auch der hochfinnige deutsche Generalkonsul zu Jerusalem — wie ihr derselbe in seiner jüngsten Zuschrift mitteilt — größere Beträge aus den ihm von der Kaiserlichen Botschaft in Konftantinopel zwecks Gewährung von Vorschüffen für deutsche Anstalten übermittelten Summen zu wiederholten Malen in hochherziger Weise zur Verfügung gestellt. Aber alle Wohltätigkeit erweist sich als unzulänglich zur Bekämpfung der Armut, die täglich größere Ausdehnung annimmt, und die zu einer unheilvollen Katastrophe werden muß, wenn nicht eine Hilfe kommt, die nicht nur für den Augenblick, sondern für eine längere Dauer berechnet ist. Sind doch fast sämtliche Wohlfahrts- Einrichtungen im heiligen Lande im Vertrauen auf den bewährten Wohlätigkeitssinn der ganzen Diaspora inS Leben gerufen worden. Versagt diese, so ist auch ihr Untergang besiegelt. Hand in Hand mit diesem wirtschaftlichen Notstand geht der sittlich-geistige. Die Lehr- und Erziehungsanstalten der Zionisten,des Hilfsvereins, der Alliance, der Jca, der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung, der Palästina-Kommission der Freien Vereinigung, wurden in ihrem Befreiung" zu begehen. Nicht nur unsere Bäter hat Gott in seiner Gnade und Liebe dann erlöst, auch uns hat er befreit wie von den Fesseln der Sorge, so auch von den Banden der inneren Knechtschaft. Der „Sauerteig in unserer eigenen Brust" schwindet, die Leidenschaft verglüht, und unser Herz wird zu einem Sinai, den die Flammen der Wahrheit und Liebe umlodern. Befreit und erlöst weihen wir uns voller Zuversicht unfern heiligen Aufgaben unbeirrt um den Ernst der Zeit, denn wir vernehmen es taut und deutlich die alte Verheißung, die Israel in Mizraim aufrichtete, auch uns zum Hoffnungsanker wird und bleibt: "i »at Ich bin die Liebe, 'b nsnx »rrrp^ji »rfatm „Und ich führe euch heraus aus aller Not und Sorge, — ich errette euch, ich erlöse euch, — und ich nehme euch auf zum Volk." Kleines Feuilleton. Wer singt Euer Lied? Die Dichter alle drängten heran. Es ließ sie gewaltig erglimmen, Dom Pommern, dem schlesischen Landlvehrmann, Dem .Bayern, der stürmend den Feind überrannt, Unsrem ganzen herrlichen Heeresbann Ein Preislied anznstimmenl — Allein, Ihr Wandrer von Juda's Geblüt... Wer singt Euer Lied'?! — Unendlich wogte die Heeresslnt Hinab zur feindlichen Grenze; Zwei Kameraden, der eine ein Jnd', Tapfer voran, gleichaltrig Blut, Einerlei eifernde Zornesglut, So dachten sie flammender Tänze; Und donnernde Lieder vom Siegeslauf Erklangen frischauf! Der Blonde sang, der Schwarze schwieg: „Was schweigst du, mein Knmcrade? Der Weltknltur gilt unser Krieg! Hei, wenn ich in ewigen Schlummer sie wieg'. Um teuren Russen sei's schade! Wir bahnen die herrlichste Zukunft an, Wir, Mann für Mann!" — Des; bin ich mir, Freund, von Herzen bewußt Und stolz, ob des mannhaften Glückes; Doch ach, der Sang in meiner Brust Verstummt vor der Wucht des Geschickes; Denn Du, Freund, bist frei, deinem tätlichen Schüsse Fällt nur der Russe! Fch aber bange, daß oftmals der Tod, Den »teilt sicheres Auge versendet, Dem leidvoll jüdischen ‘ Bruder droht, Des; Herz vom Haß der Pogrome noch loht. Der nur in zwingendem Machtgebot Die Schritte gegen uns wendet; Aus manchem schwnrzlvckigen Antlitz spricht Vielleicht meines Bruders Gesicht!" — „Mein Kamerad, so wehre dem Blick, Wenn öidv der Feind um brüllet, Und mähr deine Klinge Stück um Stück, Und reißt deine Kugel Lrir? auf Lürk', Und schlägt irgend wen dein Kolben zurück, Sei dämpfend der Blick dir verhüllet. Du et kennst nicht des Bruders leidend Gesicht, Deinen Mut prüft es nicht!" — Ein Lächeln umspielte des andern Mund, Die dingen senkten sich glühend: „Die Antwort, mein Freund, sei im Gleichnis dir kund: Ein Harfner zog einst mit 'nem Blinden im Bund, ) Da sprach er: „Wie wird meine Seele mir wund. Erschau, ich ein Mägdelein blühend: Versagt bleibt uns Bettlern das Glück allzumal. Du, glücklicher Blinder, entbehrest der Qual!" Da riet der Blinde von Schmerz erfüllt: Irr jedem tPandrer seh' ich ihr Bild —" Der Filde sprach'S, und preßte die Hand Des wackern Freundes, der Wohl verstand! - Stumm schritten beide in Reih' und Glied... Darum, Für Wandrer von Judas Geblüt. Sing' ick E u e r Lied! Fakob Lknoller. Sabbathbriefe aus dem Felde. Die Sabbathbriefe, die der Frankfurter Mek.n Ehajun an feine Mitglieder und Mchttnitglieder in Feld und .nasernc hinausschickt, erfreuen sich bei den Eutvsängcrn einer Beliebtheit und eines Fntcreffes, von, dem die herzlichen Antwortschreiben beredtes Zeugnis ablegen. Aus diesen auch an sich sehr interessanten Dokumenten möge hier einiges folgen: „ - — — Ihre mir auf Veranlassung meines Bruders zugegangenen Schabbos-Briefe haben mir aufrichtige Freude bereitet und ich sage ^chnen herzlichen Dank hierfür. Es dünkt mir als meine Pflicht. Ihnen zu bekennen, wie wohlwend das geistige Band, Üiiäüiiiui i 1 48 i ■ H II •iS li

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