Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1915)
- Date
- 1915-03-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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11. März 1915 Der JSraeltt. No. 11 Sette 3 stützen. Die N1XV von VL2 NIP'L, von tausenden und abertausend en frommer Familien möge allen beistehen, die sich an dieser Hilfsaktion als NV1V oder beteiligen. DV "Tna-* 'Ti- VemWe jüdische Familien XVIII. Es sucht: Pink. Heller, b. Reisner, Wilhelmshaven Salamon Flann.Wien I, Judengasse 4. Lazar Kirschner, Reutlingen Es werden gesucht : seine Familie aus Luboczow (Galizien). 1. Ewa Flann a. Olesko, 2. Jerrte Stolz aus Jaworuw. seine Frau Lea Kirschner und 2 Kinder in Schönjava bei Jaroslaw, Galizien. Meldungen nimmt auch die Expedition des „Israelit" entgegen. Lorrespondenzen und Aachrichten. Keutsttzes Uetrh. Die Staatsangehörigkeit jüöifcher Religionsbeamfer. Berlin- 1. März. Am Samstag brachte in der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses ein fortschrittlicherAbgeordneterzurSprache, daß nach dem Retchsgesetz über die Einbürgerung von 1913 Geistliche und Religionsdtener, welche Ausländer sind und deren Anstellung durch eine Staatsbehörde genehmigt wird, ohne weiteres als eingebürgt gelten, wenn nicht ein Vorbehalt nach dieser Richtung gemacht wird. In dem ursprünglichen Entwurf dieses Gesetzes hieß es: „Geistliche und Religionsdiener einer Kirche." Auf Antrag des Zentrums, dessen Wortführer der Mbg. Gröber war, wurde das Wort „Kirche" gestrichen, sodaß sich diese Gesetzesbestimmung auch auf die Religionsgenofsenschaften bezieht. Ein preußischer Regierungskommiffar hat damals erklärt, so führte der fortschrittliche Abgeordnete weiter aus, daß niemals das jüdische Religionsbekenntnis ein Hindernis für die Einbürgerung wäre. Jetzt ist bekannt geworden, daß am 10. Dez. 1913 der Vorgänger des gegenwärtigen preußischen Ministers des Innern ein Rundschreiben erlassen hat, wonach betAnstellung jüdischerGeistltcher der vorerwähnte Vorbehalt immer gemacht werden solle. Der Redner hielt eine solche generelle Weisung für unvereinbar mit dem Geiste des Gesetzes. Dieses lasse den Vorbehalt nur als Ausnahme zu. Durch ein solches Rundschreiben werde aber diese Ausnahme zur allgemeinen ausnahmslosen Regel. Ein Kommissar des Ministeriums des Innern antwortete darauf, daß dieser Vorbehalt allerdings allgemein erfolge, und zwar im Interesse der jüdischen Gemeinden, damit zunächst die Anstellung erfolgen könne, während die Einbürgerungsfrage noch geprüft werden müffe. Der fortschrittliche Abgeordnete wies darauf hin, daß dieses Vorgehen durchaus nicht im Interesse der jüdischen Gemeinden liege, weil sie geeignete Leute nicht ansteüen könnten, deren deutsche Staatsangehörigkeit in Frage gestellt sei. Kein angesehener Beamte würde sich darauf einlassen, unter solchen Umständen eine Stellung anzunehmen, die ganz unsicher sei, denn wenn er nicht eingebürgert würde, müsse er der Ausweisung gewärtig sein, zumal die Regierung anderseits darauf halte, daß Ausländer nicht als Geistliche und Religionslehrer fungieren. Wie man hört, wird die Angelegenheit noch Gegenstand weiterer Prüfung im Ministerium sein. Merlin, 27. Febr. Zum Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde wurde an Stelle des verstorbenen Stadtverordneten LouiS Sachs der Direktor des Städtischen Pfandbriefamts Dr. Georg Minden gewählt. Zu stellvertretenden Vorsitzendon ernannte die Versammlung den Geheimen Sanitätsrat Dr. Blumenthal und Professor Dr. Blaschke. Aus Deutfch-iniaroa. Stettin, 7. März. Herr Dr. Arthur Kahn, Berlin, schreibt uns: „In Mlawa und Umgebung herrschen infolge der Not und der Kälte sehr viele Krankheiten, so daß auf Veranlaffung der Militär-Verwaltung darauf gedrungen wird, ein jüdisches Lazarett einzurichten. Zur Ausstattung des Lazarettes sind ganz besonders Bett- und Leibwäsche, neue wie gebrauchte, aber gewaschen, dringend nötig. Wir bitten alle Leser dieses Blattes, bei sich selbst und in ihrem Bekanntenkreise entbehrliche Wäschestücke, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder, zu sammeln und sie an das Büro der Chewra Kadischa, Berlin 0. 2 Spandauerstraße 31 mit der Bezeichnung „für das jüdische Lazarett in Mlawa" zu senden." 3üöif(he Selögeifflidie» Bremen, 8. März. Herr Rabbiner Dr. Rosenak ist vom Kriegsmintsterium zum Feldgeistlichen ernannt worden. (Deftevreidj. Die Ruffenherrfcftaft in öalbien und in der Duhoroina Wie«, l». März. Der österreichische Abgeordnete Reizes hat in einem offenen Brief an den Mlnister S a s o n o w, der diesen allerdings kaum erreichen wird, und wenn doch, von ihm sicher nicht beantwortet werden wird, die Niederträchtigkeiten und Gewaltaten vorgehalten, die die Juden in Galizien, in der Bukowina und in Russisch-Polen von der russischen Soldateska zu erdulden hatten. Er zählt sie folgendermaßen aus: 1. Wo immer gegen Wehrlose Ihre sehr tapfren Soldaten in Galizien und der Bukowina einrückten, war ihre erste Frage nach den Judenhäusern (Jewrej), um über sie herzufallen und sie auszurauben. 2. So oft Juden sich über an ihnen begangenen Raub bei den russischen Offizieren beklagten, lehnten diese ein Einschreiten ab mit der Begründung, es sei nicht wert, eines Juden wegen einen russischen Soldaten, und wäre es auch ein Räuber, zu bestrafen. 3. Die Fälle der Schändung jüdischer Frauew und Mädchen durch ruffische Soldaten aufzuzählen, erforderte Folianten. 4. Juden, welche noch vor der ruffischen Invasion ihre Liebe zum angestammten Herrscherhause betätigten, wurden in unzähligen Fallen den raffiniertesten Torturen, seitens der Ruffen ausgesetzt. 5. In Gebieten, in welchen die Ruffen auch nur kurze Zeit hausten, blieb kein einziges jüdisches Haus unbeschädigt. 6. In Lemberg, dem — gewiß nur vorübergehenden — Sitze eines Generalgouverneurs, veranstalteten die Russen unter deffen Augen zur Zeit der hohen jüdischen Feiertage einen blutigen Pogrom, dem Hunderte von Unschuldigen zum Opfer fielen. Aus Gewehren wurde auf die ganz Wehrlosen geschossen, als wären sie nicht Menschen, sondern wilde Tiere. Das Gebet am Vorabend des Bersöhnungssestes konnte nicht abgehalten werden. dene und silberne Gefäße, der dritte Seidenwaren und ein vierter echte Spitzen. Auf hohem Meere wird das Schiff von einer großen Gefahr bedroht. Ein fürchterlicher Sturm erhebt sich, und das schwanke Fahrzeug wird von den tosenden Wellen bald himmelhoch geschleudert, bald abgrundtief hinabgesenkt. Die Kaufleute erzittern, erzittern für ihr Leben. Keiner denkt an die kostbaren Waren, die mit chm in Gefahr sind, vom Meere verschlungen zu werden, keiner denkt daran, sein Los mehr zu beklagen, als das der anderen, weil diese vielleicht weniger besitzen; die Todesgefahr macht sie alle gleich. Da schweigt der rollende Donner, die Blitze zucken nicht mehr hernieder, der Regen hört aus zu strömen, mit dem Gewölke ist auch der Sturm dahingegangen, und die goldnen Strahlen der Sonne scheinen freundlich hernieder auf die beruhigte See. Vorüber ist die Gefahr, das Schiff und seine Insassen find gerettet. Im sicheren Hafen angelangt, erzählen die der Gefahr entronnenen Kaufleute von ihrer Rettung. Sie preisen Gott nicht allein für das erhaltene Leben, sondern auch für die kostbaren Waren, die mit ihnen sicher geborgen sind. Da erkennt man leicht, wer viel oder wenig gerettet hat. Der Reichere wird mit innigerem Gefühle die erfolgte Rettung preisen, als der Minderbegüterte. In den ägyptischen Drangsalen waren wir alle in Gefahr, elendiglich zugrunde zu gehen. Unendlich erhabene Güter haben wir bei der Erlösung davongetragen: die Thora, die Mizwoth, die Gotteserkenntnis, das reichste Wissen, die edelsten Tugenden. Je mehr demnach der Mensch von all diesen edlen Gütern besitzt, desto mehr wird er sich veranlaßt fühlen, Gott für die Rettung zu danken; wer also am meisten erzählt von dem Auszuge aus Mizrajim, -er ist (schon an und für sich) lobenswert; er beweist ja dadurch, wie Vieles und Großes er der Erlösung aus Aegypten verdankt. V'V2N „Selbst wenn wir alle Weisen wären — der Weise ist derjenige, der in profanen Dingen große Kenntnisse gesammelt — a’JSJ «*72, wenn wir alle scharfsinnig wären — der Scharfsinnige ist derjenige, der aus den aufgenommenen Kenntnissen Neues zu folgern versteht — sypr i:^2, wenn wir alle erfahren wärm — der Erfahrene ist derjenige, der seine Kenntniffe im Leben praktisch zu verwerten — versteht a'n" v^2 nnnn rx, ja, mehr als das, wenn wir alle die geoffenbarte Gotteslehre, die höchste Weisheit, vollständig in uns ausgenommen hätten, selbst dann wäre uns Pflicht, vom Auszuge aus Mizrajim zu erzählen"; denn, wer recht viel davon erzählt, beweist dadurch erst, daß er die großen Schätze zu würdigen versteht, die Gott uns durch die Erlösung aus Mizrajim gnädiglich verliehen hat. Kleines Feuilleton. Aus einem Feldpostbriefe. Wachtmeister Paul Löblowitsch, ein braver Talmudgelehrter, schrieb vom russischen Kriegsschauplatz an den Rasnyoer Rabbiner I. Lemberger: „Gelobt sei der himmlische Vater für all seine unendliche Gnade und Güte, die uns auf Schritt und Tritt umschwebt. Hier habe ich ganz besonders Gelegenheit, die rmsvn 71'viv in ihrer geheimsten Verästelung zu bewundern. Sie verzeihen, Herr Rabbiner, daß ich so selten schreibe. Die Umstände entschuldigen mich. Unser Her- und Hinfluten, das ewige Wandern, die nervenzerfasernde Rücksichtslosigkeit, das „bequeme" Wohnen in Stallgebäuden, denen die Ruffen Fenster und Türen aus den Angeln riffen, lassen mich Gott danken, daß ich bin: „Cogito ergo sum." Wenn mich "t?n leben läßt, will ich vor unserem Abendschiur in Begleitung einer aus der Herzenstiefe dringenden N212 all das erzählen, was ich in diesen ruhmreichen Tagen miterlebt resp. miterkämpst habe. Für jetzt will ich Ihnen, Herr Rabbiner, einen Fall erzählen, weil ich mich nicht zurückhalten kann, Ihnen mitzuteilen, wie unsere Brüder kämpfen, wie sie das Vaterland lieben und wie in den schwierigsten Situationen der klare gesunde Sinn, gepaart mit glück lichem Humor, unsere Sache zum Siege führt. Acht Ruffen überrumpelten einen langbärtigen galizischen Landstürmer. Da hilft keine Gegenwehr. Er wird entwaffnet und von der moskowitischen Garde in ihr Lager transportiert. Traurig folgt er ihnen. Auf einmal, ohne jede Einleitung, .wendete er sich zu den Leuten: „Sagt mal, was bekommt Ihr für diesen „Chapp", wenn Ihr mich einbringt?" „Gar nichts," war die lakonische Antwort. „Ihr Esel! Bringe ich Euch zu meinem herzensguten Kommandanten, bekommt Ihr sofort zu eyen und zu trinken, Fleisch und Brot die Maffe und ich erhalte außerdem noch 400 Kronen. Als gutsituierter Mann brauche ich das Geld nicht und kann Euch demnach sofort 50 Kronen pro Kopf geben. Na nu, was gibt's?" Die acht Mann stecken die Köpfe zusammen. Essen, Trinken, Brot, Geld, das sind lauter Dinge, von denen man zu Hause viel erzählte. Sie machen s kurz, regen die Gewehre ab, er bindet diese zusammen, nimmt sie auf den Rücken und macht Kehrt. Er eskortiert die Bande und kommt zum Leutnant, meldet gehorsamst: „Habe acht Russen mitgebracht, die ich umzingelte . .