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Der Israelit · 1915-03-04 · Heft 10 (4.3.1915) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 10 (4.3.1915)
Date
1915-03-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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4. März 1915 Der JSraettt. No. 10 Sette 5 Die Kulten in der öukowins. HzernowiH, 20. Februar. Die Leiden, die die Bevölkerung Bukowinas unter der nun G. s. D. zum großen Teile dort gebrochenen Kosakenherrschaft zu erdulden hatte, spotten jeder Beschreibung. Ein ganzes Städtchen wurde eingeäschert, weil ein Soldat irgendwo seinen Rausch ausschlief und durch sein Fehlen der Verdacht entstand, er sei von Bürgern erschoffen worden. Den Passanten wurden überall Uhren und Ketten abgenommen. Einem Czernowitzer Kaufmann wurden auf offener Straße einige Zähne ausgertffen, weil sie Goldfüllung hatten. Vor ungefähr drei Wochen drang ein russisches Detachement in der Stärke von 300 Mann in Jablonitza (WiznitzerBezirk) einsie ergriffen den 21jährigen Sohn des Majer Kahane aus Dolhopole in Galizien, dem sie Nachrichten über das österreichische Militär abpreffen wollten. Da Kahane schwieg, wurde er erschossen. Man duldete keineswegs, daß der Leichnam beerdigt wurde. Aus denselben Gründen erschoffen die Ruffenden Schwiegersohn des Jakob Greif aus Dolhopole und den Kaufmann Reich mann in Dtchdenitz, die beharrlich jede Auskunft über das österreichische Militär verweigerten. Die 3u3enfrage. Petersburg, io. Februar (indirekt). In den letzten Tagen haben sowohl hier wie auch in Moskau Beratungen hervorragender Vertreter der Kadettenpartei und bedeutender jüdischer Persönlichkeiten in der jüdischen Frage stattgefunden. Es wurde die Notwendigkeit erörtert, bei den gesetzgebenden Körperschaften wegen der Abschaffung der Beschränkungen der Rechte der Juden zu intervenieren und die Frage der Gleichberechtigung der Juden während der nächsten Dumasession hervorzuheben. Die Vertreter der Kadettenpartei hielten eine solche Aktion jetzt für unangebracht. Diesen Standpunkt verteidigte in Petersburg der Führer der Kadettenpartei Miljukow und es verlautet, daß man in hohen Regierungskreisen ebenfalls der Ansicht ist, daß die Erörterung der Frage der Gleichberechtigung bis nach dem Ende des Krieges verschoben werden sollte. Die an den Beratungen teilnehmenden jüdischen Persönlichkeiten erklärten sich mit diesem Standpunkt nicht einverstanden und wiesen darauf hin, daß der Umstand, daß in -er russischen Armee gegenwärtig über eine halbe Million jüdischer Soldaten kämpfen, das Aussprechen gewisser prinzipieller Wünsche und Forderungen in vollem Maße rechtfertige. Die jüdischen Vertreter ha?en endlich beschlossen, ein Memorial in dieser Angelegenheit auszuarbeiten, das den Mitgliedern der gesetzgebenden Körperschaften sowie den Ministern überreicht werden wird. Der eingeleiteten Aktion wird von maßgebender Sette keine Aussicht auf Erfolg beigemessen. Die Kadetten beharren auf ihrem Standpunkt und es scheint zweifelhaft, ob die Frage der Gleichberechtigung der Juden während der Dumasitzung überhaupt zur Diskussion kommen wird. England. Politik und Mensckemeckt. London, 18. Februar. Eine Konferenz französischer, englischer, belgischer und russischer Sozialisten, die hier letzten Sonntag stattsand, nahm u. a. auch folgenden Antrag an: „Die Konferenz erhebt Widerspruch gegen die Verhaftung der Duma-Abgeordneten, gegen das Verbot der Zeitungen und die Verurteilungen der Journalisten in Rußland, sowie gegen die Unterdrückung der Finländer, Juden, der russischen undder deutschen Polen." Dieser Beschluß versetzt die reaktionäre Presse in England und Frankreich in die lebhafteste Erregung. Sie erblickt in ihm ein deutsches Manöver, (früher sprach man gern von einem jüdischen Manöver) auf das die Sozialisten htnetngefallen seien. Die Zeitungen erklären, daß eine Kritik der russischen Politik in Frankreich und England sich jetzt nicht bemerkbar machen dürfe. Was sagen die englischen Optimisten vom Schlage Zangwills dazu, die mit einer Einwirkung Englands auf Rußland zugunsten des Menschenrechtes die ungleiche Paarung ethisch zu motivieren suchen? Personalien. Berlin» 1. März. Herr Prof. Dr. A. Berlin er nimmt Veranlassung, die zahlreichen Freunde und Gönner des Synagogen-Beamten, Herrn H. L e m k y, innerhalb der Gemeinde Adas-Jisroel darauf aufmerksam zu machen, daß derselbe am Sonntag, 7. März, das Jubiläum seiner 25jährigen Tätigkeit begehe. Seine Pflichttreue wie fein korrektes Vorbeten und Thoravorlesen werden sicher auch außerhalb des Kreises seiner Vorgesetzten hierbei zur Anerkennung gelangen. Würzburg. Am nrr e pw kam der aus Strümpfelbrunn stammende Herr Moses MarxVt hier zur rrrop. Marx entstammte einer Familie, in der die min noch bis aus den heutigen Tag heimisch ist. Sein ganzes Leben war neben seinem geschäftlichen Berus .1112P1 min gewidmet, wie dies auch in den Worten seines Bruders, des Großherzogl. Landrabbiners Dr. Marx aus Darmstadt beredten Ausdruck fand. Am 12p sprach auch Distr.-Rabbiner Bamberger, der hervorhob, welche Anerkennung sein frommer Wandel auch bereits in Würzburg fand, wohin er erst vor einigen Jahren nach dem Tode seiner Frau feinen Wohnsitz verlegt hatte, um seinen Kindern nahe zu sein. Schließlich widmete sein Nesse, Rabb. Dr. Moses Marx aus Darmstadt, im Namen der Familie dem ältesten Onkel Worte des Abschieds. Möge "»trn die Kinder und Geschwister trösten. rrsXJfl. Würzburs, 21. Febr. Zum Nachfolger des verstorbenen Kantors Samson Lehmann t'Xt wurde von der hiesigen Gemeindeverwaltung einstimmig Herr Rüben Moses Eschwege, Oberkantor und Lehrer zu Emden, gewählt. Der Gewählte ist der Sohn des Hauptlehrers Eschwege zu Thüngen in Unterfranken. Han«. Münden, 19. Febr. Den Heldentod fürs Vaterland erlitt Louis Rosenkranz Hierselbst. Er wurde am 20. Januar bei Roye von einer Granate tödlich getroffen. rraaün. StiHiud, 19. Febr. Am mi ar verschied hier nach längerem Leiden unser Vorsteher Herr Äser M. Gumpert,i'p. Unter großer Beteiligung von nah und fern fand die.1112,1 statt. Herr Lehrer Weinstock widmete dem edlen Heir^ gegangenen einen Nachruf, in dem er besonders hervorhob, wie er, ein Mann des biedersten Charakters und der einfachsten Sinnesart, zum Heile seiner Familie. als Vorsteher zum Wohle seiner Gemeinde und deren Beamten gewirkt hat Alsdann ries Herr Dr. M i ch a 1 s k i den Hinterbliebenen Worte des Trostes zu und schilderte, wie die Gemeinde einen 2iv d;ib in dem Dahingeschiedenen verloren hat. Sein Andenken wird stets in unserer Mitte bewahrt bleiben. mswri Vermischtes. Frankfurt a. M., 3. März „Die Jüdische Presse" in Berlin, bisher bekanntlich das Organ der Hildesheimerschen Richtung innerhalb der Orthodoxie, erscheint in ihrer neuesten Nummer in verändertem Gewände und unter neuer Leitung. Aeußerlich ist der Wechsel dadurch gekennzeichnet, daß sich das Organ nicht mehr „Organ für die Gesamtinteressen des Judentums" nennt,sondern „Konservative Wochenschrift". Das Wort „konservativ" ist jedoch hier nich t etwa im religiösen, sondern im polt t i s ch e n Sinne zu verstehen; die neue Leitung, welche durch die Namen Dr. Gustav Witkowski und Dr. Afred Klee gekennzeichnet ist, ist zionistisch, genauer gesagt, gouvernemental-zionistisch, aber keineswegs mehr orthodox oder gesetzestreu. Ueber diese neue Parteibildung innerhalb deS Zionismus, die erst nach dem Kriege ihre dauernde Existenzfähigkeit zu erweisen haben dürfte, wird bei Wiederkehr normaler Verhältnisse mehr zu sagen sein. An und für sich entbehrt es nicht des allgemeinen Interesses, daß ähnlich wie es das gouoernementale Polentum in Oesterreich mit Erfolg versuchte, nun bei uns der Versuch unternommen wird, das modernnationaljüdische Ideal in der inneren Politik der deutschen Juden zu Gunsten der Regierungsparteien zur Geltung zu bringen. Vom Standpunkte der deutschen Orthodoxie aus möchten wir heute nur die im Leitartikel des neuen Blattes enthaltene unzutreffende Behauptung zurückweisen, daß bis zum Auftreten der neuen Parteibilduna „für den strenggläubigen wie für den reigeistigen Juden" die Idee des „politischen Liberalismus" als letzte unvergängliche Wahrheit gegolten habe! Die Leser des „Israelit" wiffen, daß für die strenggläubige Judenheit in Deutschland, soweit sie organisiert ist, diese Behauptung auch für die Vergangenheit ins Reich der Fabel gehört. Daß sich die Erkenntnis, die wir bisher im jüdischen Kreise ziemlich isoliert vertreten haben, nun anscheinend bei einigen zionistischen Politikern Bahn gebrochen hat, kann uns recht willkommen sein. Frankfurt a. M., 2. März. Herr Rabb. Dr. Link in Pilsen, der eine erfolgreiche Hilfsaktion für die galizischen Flüchtlinge in die Wege geleitet hat, sendet uns eine ausführliche Spendenliste im Namen des Zenttalhilfskomitees für galizische Flüchtlingsfürsorge in Pilsen. Leider sind wir wegen Raummangels außerstande, diese wie viele andere uns jetzt zugehenden großen Liften zu veröffentlichen. Somit werden die Herren Kultusvorsteher Dr. Joses Schanzer und Dr. Link an die einzelnen Spender eine besondere Danksagung richten. Berlin, 28. Febr. Der „Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" (Geschäftsstelle Charlottenburg,Englischestr. 30), versendet seinen 15. Jahresbericht, der sich durch einen recht aktuellen nnd anregenden Inhalt auszeichnet. Der Verein weist darauf hin, daß die Erlebnisse des Krieges die Erkenntnis von der grundlegenden Bedeutung der Landwirtschaft bedeutengesteigert und auch in denjenigen Volkskreisen das Bewußtsein hiervon geweckt hat, in denen es bisher weniger lebendig war. Interessant ist auch die Schilderung der Wirksamkeit eines jungen jüdischen Mädchens aus feiner Familie, das nach kaufmännischer Tätigkeit sich der Landwirtschaft zugewandt hat und dem es gelungen sei, in der Nähe von Berlin ein mustergiltiges landwirtschaftliches Anwesen aufzurichten. Der Vorsitzende des Vereins ist Profeffor Warburg in Berlin, Schriftführer Dr. Artur Kahn. Leipzig, 24. Febr. Von den Schülern der 1. Klaffe der höheren Israelitischen Schule zu Leipzig hat einer kurz nach Ausbruch des Krieges das Einjährigen-Examen gemacht und ist sofort ins Heer eingetreten. Die übrigen Schüler wurden der 1. städtischen Realschule zur Ablegung der Reifeprüfung überwiesen; sie haben sämtlich das Examen mit Auszeichnung bestanden. Briefkasten. F. R. Das Büchlein heißt: „D a s n e u e S t a a t s- und Reichsangehörigkeitsgesetz" und ist im KommunalpolitischenVerlage in Neustadt a. ö. Hardt erschienen. L. F. in C. 1. Zeitungen aus neutralen Ländern können bezogen werden. 2. Geld nach Jerusalein schicken Sie am besten durch die Deutsch-holländische Palästina-Verwaltung, Frankfurt a. M., Schützenstr. 14. D. W. in S. Ihre Ausführungen sind an sich ganz richtig, enthalten aber nichts Neues. Rabb. R. in N. Eine Rezension wird demnächst erscheinen. L. E. Man darf im Notfälle auch gewöhnliche Brote, Brötchen, eventuell auch Schwarzbrot dazu benutzen. Einer für viele. Wir werden die Sache untersuchen. U. Sch. Es ist uns bereits ein Nachruf zugegangen. Besten Dank! S. S. in F. Das ist an sich sehr erfreulich, dürfte aber die Außenwelt wenig interessieren. C. B. in Br. Wir sind zur Zeit mit derartigem Material reichlich versehen. Besten Dank. W. I. in H. und viele Andere. Wir haben Ihren Wunsch dem Verein übermittelt. Weitere Adressen sind dem Vereine (Langeftr. 18) direkt mitzuteilen. I. B. und L. L. in K. Vom hiesigen Rabbinate wird uns der Bescheid, daß das in der von Ihnen geschilderten Art am hBB nicht geschehen darf. A. A. Wenden Sie sich an den Hilfsverein der deutschen Juden, Berlin W., Steglitzerstr. 35. L. M. in B. Wir werden Ihnen dieser Tage schriftliche Auskunft zugehen lassen. L. N. in D. Unter Aufsicht steht die Firma nicht. Sonst wissen wir keine Auskunft zu geben. „Hierdleiben." Betrag wurde vorschriftsmäßig verwendet. Sabbat-Anfang u. Ausgang. xvn o row OK Ti Anfang Datum Ausgang Uhr jMin. UhrlMin. 19151 5675 tz 20. Frankfnrt a. M. 5 45 März Adar 7 — Berlin ... — — — München . . . 5 45 6 43 Strakbnrg 0 — 7 — Stuttgart. . . — — — — Posen .... — — — — Nürnberg. . . 5 50 6 45 Hambnrg. . . — — — —

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