Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1915)
- Date
- 1915-03-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 9tx. 10. „Der Israelit". 4. Mürz 1015. er in ein besonderes Heft eint lügen läßt und für die Repetition benützt. Ich möchte sein Verfahren jedermann empfehlen. * II. Recht gut gefällt mir auch se ne Methode, wie er die biblische Geschichte auf der Oberstufe dadurch zu vertiefen sucht, daß er ähnliche Ereignisse aus der Weltgeschichte bei jeder fich bietenden Gelegenheit zum Vergleich heranzieht. Bei der Erzählung des Krieges Ben Hadads gegen Achab und der stolzen Aeußerung des Ersteren: „Der Staub Schomrons wird nicht ausreichen für die Fußballen meiner Rosse" wird auf die Drohung der Ungarn: „Unsere Rosse werden die deutschen Ströme austrinken" hingewiesen. Bei der Erbauung der Mauern Jerusalems durch Rechemia erinnert er an den Wiederaufbau der Mauern Athens durch Themistokles, bei des Ersteren Befehl, daß jeder 9. Mann vom Lande nach Jerusalem ziehen müsse, an die gleiche Verordnung unter Heinrich dem Vogelsteller, bei dem Zug Alexander des Großen gegen Jerusalem an den Zug AttilllS gegen Rom. In ähnlicher Weife behandelt er auch die nachbiblische Geschichte. Bei der Aeutzerung AronS, des Stifters -er karüifchen Sekte: „Leset fleißig in der heiligen Schrift" verweist er auf Luther, bei dem Kampf des Gaonats und deS ExilarchatS in Babylettien auf den -er Päpste mit den deutschen Kaisern. H. N. ist aller- -tngS in der angenehmen Lage, datz fast alle seine 'Schüler höhere Lehranstalten besuchen. Bei Bolksschulern wird man fich häufig damit begnügen müssen, die Beispiele aus dem Leben der Kinder zu nehmen, wie ich es in derselben Religionsschule bei der Erzählung „David im Philisterlande" gehört habe. Ein kleiner Käsehoch streckte den Finger und erzählte wichtig, datz auch heute noch Verbrecher Wahnfinn heucheln, um fich der Strafe zu entziehen. III. Herr N. ist ein Feind alles öden Mechanismus, aber in einem, allerdings nebensächlichen Punkte hat er ihm bisher doch gehuldigt. Seine Schüler leisten in jüdischer Kurrentschrift recht Anerkennenswertes. Die 33 Hefte — er läßt die Rofemhalerschen Hefte benutzen —, die da vor mir lagen, waren peinlich sauber gehalten und zeigten durchweg eine schöne Schrift. Ich schrieb nun an die Wandtafel: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen" und forderte die Schüler auf, den kleinen Satz in jüdischer Kurrentschrift wiederzugeben. Herr N. war mit dem Ergebnis nicht zufrieden; ich auch nicht. ES kommt nicht setten.vor, datz fich der Lehrer mit dem mechanischen Nachschreiben begnügt, während doch die Fähigkeit, fich der jüdischen Kurrentschrift geläufig zu bedienen, als einzig erstrebenswertes Ziel im Auge zu behalten ist. Rechenschaftsbericht. Die Israel. Präparandenfchule (Talmub Thora) in Burgpreppach versendet ihren Jahresbericht pro 1013-14 Die Anstalt kann sowohl in idealer wie in materieller Beziehung mit Befriedigung auf daS verflossene Schuljahr zurückbltcken. Sie erfreut fich des Wohlwollens weiter Kreise und da fie sehr sparsam verwaltet wird, so wächst daS Vermögen ständig und beträgt jetzt zuzüglich des PenfionSfondS ca. 140000 Mk. Dabei verfährt die Verwaltung bei Unterstützung gering bemittelter Schüler in sehr weitherziger Weise. So faßte fie jüngst den Beschlutz, datz möglichst keiner der AnftaltSschüler bei würdigem Verhalten dadurch an der Fortsetzung feines Studiums gehindert sein soll, datz sein Vater infolge des Kriegszustandes in eine bedrängte Lage gekommen ist. Das verdient alle Anerkennung. Mtt einigem Stolze weist .der Rechenschaftsbericht darauf hin, datz schon seit mehr als 25 Jahren, also lange bevor der Ruf nach einer gründlichen Ausbildung der Lehrer im Kantorat erhoben wurde, den Schülern der zwei oberen Klassen in einem besonderen Gottesdienst Gelegenheit geboten wurde, sich praktisch im Borbeten zu üben. Da die staatlichen Anforderungen in Musik ziemlich hoch find und der Unterricht in den jüdischen beziehungsweise rabbinischen Fächern gute Erfolge zeitigt, so find bei richtigem Zusammenarbeiten von Präparandenschule und Seminar alle Voraussetzungen gegeben, um auch erhöhten Ansprüchen zu genügen. Vücherfchau. Die talmudische Pädagogik als Wegweiser für Schule und Haus, im Lichte der Gegenwart dargestellt von I. Ster. Selbstverlag des Verfassers. Breslau 19:5. Mit freudigen Gefühlen werden Kenner und Freunde des talmudifchen Schrifttums, insbesondere aber Lehrer und Erzieher, obigen Buchtitel lesen. Und vorweg sei versichert, datz der Verfasser in redlicher Art gehalten, was er am Kopfe des Werkes in Aussicht stellte: eine „talmudische Pädagogik" wird uns geboten, die sowohl durch ihren reichen, vortrefflichen Inhalt als auch durch die feine Diktion und den sehr glücklich getroffenen volkstümlichen Ton sich als „Wegweiser für Schule und Haus" darstellt. Dabei erscheint alles im „Lichte der Gegenwart". Dafür bürgt eigentlich schon der Name des Autors. Wir kennen I. Ster als Verfasser zahlreicher, beachtenswerter publizistischer Abhandlungen pädagogischen Inhalts schon seit Jahren. Hier aber hat er für seine Kollegen mit Bienenfleiß aus tiefgründigem Wissen geschöpft, zufammengetragen und gesichtet, daher Bahnbrechendes geleistet. Ansätze zu einer Darstellnng der talmudifchen Pädagogik sind zwar schon in den Werken von Dr. Markus, Dr. Lewit, Dr. Stein, Straßburger und Singer vorhanden. Niemals aber ging man der Sache so auf den Grund wie hier, keiner trägt der auch auf pädagischem Gebiet so reich bewegten Gegenwart in dem Matze Rechnung wie Ster in seinem Werke. Wer „im Lichte der Gegenwart" heutzutage etwas bieten will, bedarf autzerordentlich großer Belesenheit in der weilen Fachliteratur, insbesondere aber der Vertrautheit mit den beiden Grundwissenschaften: Ethik und Psychologie. Der Verfasser steht auf der Höhe der Zeit; er beherrscht die gesamte moderne pädagogische Literatur und beweist dies auf fast jeder Seite seines schönen Buches. Das aber macht das Werk lesens- und begehrenswert auch für den jüngsten Kollegen. Auf 403 Seilen wird uns Vortreffliches geboten. Der äußere Ausbau zeugt vom reichen Inhalt. Das Werk zerfällt in zehn Abschnitte: 1. Erziehungsziel, 3. Erziehungsfaktoren, 3. Erziehungsmittel, 4. körperliche Erziehung, 5. geistige Erziehung, 8. Gefühle, 7 Triebe, 8. Wille. 9. Didaktik, 10. Methodik. Schon die „Einleitung" führt uns die Bedeutung des Talmuds für die Pädagogik vor Augen. „Eine Pädagogik im eigentlichen Sinne des Wortes, eine wissenschaftliche Darstellung der Erziehungslehre nach bestimmten Grundsätzen, existiert im Talmud nicht. ^>n die Erscheinung treten nur vereinzelte Aussprüche, zerstreute Sentenzen und Sätze, welche hohe didaktische Bedeutung haben und pädagogisch verwertet werden können. Wie kostbare Goldfäden sind viele Gedanken, Weisheitslehren und Lebensregeln in den Talmud eingewebt, welche ihre Quelle in der Beobachtung der Vorgänge des inneren. Seelenlebens haben und für die Pädagogik von hoher Bedeutung sind. Der Talmud ist eine Fundgrube pädagogischer Weisheit. Wer den Kern seiner Sprüche erfaßt, wird viele verborgene Perlen ans Tageslicht fördern. Jedoch bedarf eS eines großen Aufwandes von Kraft, aus den Lagerstätten der unterirdischen Gedankengänge das kostbare Gestein hervorzuholen und diesem durch Kryftallifation den natürlichen Glanz zu verleihen." (©. 3.) Der Verfasser freilich verstand eS meisterhaft, als Bergmann im Schachte des Talmud zu graben und das Edelmetall ans Licht der Sonne zu bringen. Bei einer Buchbesprechung kann man freilich nur Stichproben bringen. ES ist aber ganz gleich, wo man sie dem Gterschen Werke entnimmt. Sie wirken gleich gut. Ich greife kurz einige Stellen aus dem Kaoitel „Die geschichtliche Entwicklung der Erziehungsziele" heraus. sS. 28) „Die Philantropen Locke, Babrdt und Basedow haben den Grundgedanken des Eudämonismus in die Erziehung ausgenommen und auf das Erziehungsziel übertragen. Sie setzen das Ziel der Erziehung in die Erreichung materieller Vorteile und Güter zum Zwecke des ungetrübten irdischen Wohlbefindens und Glückes. DaS Ziel der ErziehenS ist, das Kind für das praktische Leben zu erziehen, dasselbe so rasch als möglich zu gestatten. Der Schwerpunkt der erzieherischen Tendenz liegt im sinnlichen Wohlbehagen, in der Befriedigung der materiellen Ansprüche an das Leben. Dieses Prinzip führt zum Egoismus und zum rohen Materialismus, der keine anderen Ideale kennt als Geld, Freude und Genuß. Dadurch erhalten die niederen S'nne, Genußsucht und Gefühllosigkeit, Gewinn und Selbstsucht reiche Nahrung und alles höhere, edlere Streben wird erstickt durch das beständige Jagen nach Erwerb und Gewinn. Wer das Leben von höheren Gesichtspunkten auffatzt, wird fich mtt dieser Theorie nicht befreunden und jedermann wird einfehen, datz dadurch das ganze menschliche Leben einseitige und egoistische Färbung erhält. Den berechtigten Kern dieser Forderung übersieht die talmudische Pädagogik auch nicht, sie betont mit aller Entschiedenheit die Förderung des leiblichen Wohls und der praktischen Erwerbstätigkeit, aber nur als Mittel, nicht als Hauptzweck. Die jüdische Religion lehrt auch einen Eudämonismus, aber denjenigen, welcher mäßigen und gegen Gott dankbaren Genuß der in der Natur bereiteten Freuden empfiehlt. Wesentlich näher kommt dem talmudifchen ErziehungS- und Btldungsideal der Humanismus und der Nationalismus, welche auch die Erziehung zur vollkommenen Menschheit, zur Sittlichkeit und Tugend anftteben. Der Humanismus ist getragen und durchdrungen von dem Geist der edlen Menschenliebe und des selbstlosen Wohlwollens. Die Hauptvertreter des Humanismus in seiner neuen Gestatt find Diesterweg und Herder. . ." (S. 29.) 17. Kapitel: Apperzeption und Reproduktion . . . „Mit dem Begriff Wurzel verbindet der Gärtner eine andere Vorstellung als der Zahnarzt, dieser wieder eine ganz andere als der Mathematiker. Woher kommt die Verschiedenheit der Auffassung bei derselben Wahrnehmung? Die Ursache liegt in der Verschiedenartigkeit der Menschen nach ihrem inneren und äußeren Wesen, nr pon trat pmna jwsbo nas yzno dtk ptMTn DTK DTK N'3PN1 Tfb prm®) TOP*? non ono TNN pn. „Alle Münzen, die ein Mensch mit einer Form prägt, müssen einander ähnlich sein. Gott aber hat allen Menschen den Stempel des ersten Menschen aufgedrückt und nicht einer gleicht in der äußeren Erscheinung dem' andern." Ebenso wenig wie im körperlichen Aussehen-- gleichen sich zwei Menschen in geistiger Beschaffenheit. 271PT pK "p 7\h .T7 ptf DTK TV pW® Pkw 2V2 dp;b «) mv. (S. 180.) Vom „Gedächtnis" sS. 195): Nebst den psychischen Faktoren haben auch physische Zustände Einfluß auf die Auffaffungs- und Reproduktionsfähigkeit. Eine wohlgeordnete, diäte Lebensweise erhöht die Merkfähigkeit. (vp o*s) rra n”pno rntAn tvtw re Sswrr „Wer regelmäßig den Morgenimbitz zu sich nimmtf behält das Gelernte". Dagegen können Gedächtnisstörungen auf organisch-pathologische Ursachen zurückgeführt werden. Die Gedächtnisschwäche kann eine Folgeerscheinung von Gemütserregungen, Zornesausbrüchen und mancherlei anderen Krankheiten sein, durch welche das Nervensystem angegriffen wird. epian Ss 7TlD?n N2VV. jNedarim 22.) Die Vergeßlichkeit zeigt sich als Symptom beginnender Leiden oder als Nachwirkung überstandener Krankheiten. So berichtet der Talmud vor Rab Jehuda und Rad Josef (Nedarim 41), daß sie infolge einer Krankheit das früher Gelernte vergessen hatten. Auch die üppige Lebensweise karm die Gedächtniskraft derart beeinträchtigen, daß ein totaler Gedächtnisverlust eintritt. Bon Rabbi Elasar ben Aroch wird erzählt, daß er sich in Paragote dem Wohlleben hingab und die Folge davon war, daß er sein reiches Wissen völlig vergessen hat." .... Im zehnten Abschnitt („Methodik") wir» in der „Methodik des Talmudunterrichts" behandelt: 1. Proprädeetik, 2. die Mifchna, 3. der Talmud, a) Unterrichtsstoff, b) UnterrichtSform, 4. die Rabbinatsfchulen, 5. das Pschetl, 6. die analytisch synthetische Methode. (©. 360—402) Wir müssen eS uns versagen, gerade aus diesem Kapitel so manches für den Pädagogen von Beruf Interessante, anzuführen. Indes genügt die obige Auslese, um darzutun, daß der Verfasser sowohl dem Lehrer wie dem Prediger, als auch — dem Manne aus dem Volkte einen trefflichen Dienst erwiesen. Möge das Buch, welches auch äußerlich hübsch auSgestaitettst und im Selbstverlag*) des Verfassers erschien (I. Ster^ BreSlau, TrinitaSstr. 7), seinen Weg in die Hauser der Bernsserzieher, ln die Bibliotheken der Lehrerseminare und in die Wohnungen jüdischer Familien finden^ Gegen spendend, Licht verbreitend, dem rührigen Autor zur freudigen Genugtuung, uns-allen zu Nutz und- Gewinn. Das ist unser aufrichtiger Wunsch! M. Lehmtttelbesprechung. Jüdisch-geschichtliche- Quartettspiel, dear» beitet von Dr. Isaak Bamberger, Nürnberg. Preis Mk. l.—, Verlag „Jüdischer Kinderfreund"^ Nürnberg. Sie Alle kennen gewiß von Ihrer Jugend Herdas beliebte Quartetlsptel. ES handelt sich bei diesem. Spiel darum, vier Karten, die auf denselben Namen — etwa den eines Dichters, Malers, Komponisten u~ f. w. — lauten und die sich nur durch die wechselnde Aufeinanderfolge der Werke deS betreffenden Künstlersunterscheiden, in eine Hand zu vereinigen. Dieses Spiel hat uns die ersten schüchternen Anfänge in der Kenntnis der deutschen Literatur vermittelt; es ist nun in den Dienst deS jüdischen GeschichtS- und Literatur-Unterrichts gestellt worden. Herr Dr. Bamberger, Nürnberg, hat den guten Einfall gehabt, und wir danke« ihm dafür, denn wir müssen alles begrüßen, was unsere Arbeit erleichtert, dazu wird dieses anspruchslose Spiel wohl imstande sein. Es wird eine kleine Brücke sein, die die Schularbeit mit dem Leben des Schülers außerhalb der Schule verbindet. Es unterstützt also die Lerntätigkeit. Darin liegt sein pädagogischer Nutzen. Die Auswahl aus der Reihe der jüdischen Staatsmänner, Dichter und Gelehrten ist geschickt getroffen. Diesem ersten jüdischen Quartett sollen ln Kürze andere folgen aus der Geographie Palästinas der biblischen und neuen jüdischen Literatur und Geschichte; auch solche in hebräischer Sprache versprich! der Verfasser. A. N. Vrieflaflen. Herrn H. F. Auch bei mir wurde angeregt, daß: der hessische Unabhängige Lehrerverein bezugsweise der „Bund" Liebesgaben an seine im Feld stehenden Mitglieder senden solle. Ich habe diese Anregung nicht weiter gegeben, weil rch das Ganze für unnötig hatte. Ich weiß eS aus persönlicher Erfahrung, datz. die jungen Leute von ihren Eltern, Verwandten -7-oft bis in die entferntesten Grade —und von Freunden mit Liebesgaben fast zugedeckt werden. Bei den Lehrern kommen als Spender noch die Gemeindemitglieder hinzu, sodaß fich der Brust unserer tapferen Krieger zuweilen der Stoßseufzer entringt: „Herr, halte ein mit Deinem Segen?" Anders verhält es sich mtt dem Vorschlag, die ermähnten Mitglieder in die Kriegsversicherung einzukaufen. Der Bundeskasse werden zwar erhebliche Opfer auferlegt, fie sind aber eine Art Rückversicherung und nur ernmalig. *) Wäre eS nicht im materiellen Interesse wie namentlich in idealer Hinsicht ratsam, das Werk in den Verlag einer Buchhandlung zu bringen?