Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1915)
- Date
- 1915-03-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Der JSraeltt. 4. März 1915 Kette 4 No. iO dessen meist recht gut bewußt ist und dadurch in seinen Berichten zuweilen etwas zurückhaltender wird. Verwundete und kranke Glaubensgenossen qibt es in unserem Kriegslazarett fast immer, und meist in nicht geringer Anzahl.*) Das ist sehr natürlich bei der'Ausdehnung und Wichtigkeit eines solchen Lazaretts, in das sich die Kranlenkanäle aus sämtlichen Feldlazaretten des ganzen Armeekorps ergießen, und zwar — abgesehen von den nur ganz leicht Verletzten — sobald die Patienten als einigermaßen transportfähig erachtet werden. So sind z. B. in dem nordfranzösischen Städtchen, in dem wir gegenwärtig weilen, außer einem Zivil- und einem Mtlitärhospital noch ein Gymnasium, eine höhere Töchterschule, ein Frauenkloster und eine Fabrik mit unseren Patienten belegtin kleineren Orten und den oft armseligen Dörfern, die z. B. in Lothringen unser Lazarett beherbergen mußten, sind natürlich auch die Verhältnisse für die Verwundeten qualitativ und auch quantitativ entsprechend beschränktere. Bet denjenigen Patienten, die voraussichtlich nicht nach -5—3 Wochen w.eder an die Front entlassen werden können, muß nach Vornahme der erforderlichen Operationen, Geschoßextraktionen :c. und nach Erreichung eines fieberfreien und für den Transport unbedenklichen Zustands im Interesse der Evakuierung des Kriegslazaretts wiederum für baldige Ueberführung nach Deutschland gesorgt werden, und so kommt es, daß ein allzutanges Verweilen eines Patienten bei uns selten eintritt uub die Zirkulation eine ziemlich rasche ist. In den freien Stunden nun, deren es trotz des mit Pflege- und Assiftenztätigkeit und auch mit schriftlichen Arbeiten gut ausgefüllten Dienitcs immer noch gibt, mache ich regelmäßige Rundgänge bei den Hospitälern unseres Kriegslazaretts, um die dort liegenden Glaubensgenossen zu besuchen. Ich folge damit nicht nur meiner eigenen Herzensregung, sondern auch > tarnt sehr dankenswerten höheren Auftrag, und iude bei der Nachfrage nach Glaubensgenossen ^..erall und, wie ich hervorheben möchte, besonders auch bei den sehr liebenswürdigen fried- . lebenden christlichen Kameraden, freundliches Entgegenkommen. Es wäre sehr zu wünschen, daß auch etwaige bei anderen Kriegs- und Feldlazaretten befindliche Glaubensgenossen, besonders sofern sie mit dem jüdischen Schrifttum vertraut sind, sich in ihren Mußestunden nach verwundeten jüdischen Kameraden umsähen - der Feldrabbiner unserer Armee ist seit mehr als 2 Monaten nicht mehr in unserem Lazarett gewesen und nach den Berichten von anderwärts dürfte es bei dm meisten Armeen und in den meisten großen Lazaretten ähnlich sein, während bei den mittleren und kleineren ein Besuch des Feldrabbiners überhaupt nur ganz vereinzelt vorkommt und Vorkommen kann. Um es vorauszunehmen: vom religiösen Standpunkt aus sind die Eindrücke, die ich bei diesen Besuchen gewann, sehr erfreuliche. Von ganz vereinzelten Ausnahmen abgesehen, findet inan bei den Patienten lebhafte und ungeheuchelte Freude, von einem Glaubensgenossen ausgesucht zu werden, und zwar auch bei denen, die sonst daheim wenig Gebrauch von ihrem Judentum gemacht haben, oder denen es im Frieden peinlich gewesen wäre, an ihre Religionsangehörigkeit erinnert zu werden. Wendet sich bei diesen Besuchen das Gespräch von den bisherigen Kriegsschicksalen des Einzelnen auf die allgemeinen Kriegsfragen und dabet im besonderen auch auf die mit dem Krieg zusammenhängenden jüdischen Probleme, so sindet man stets reges Interesse und neben der vielfach geäußerten festen Zuversicht auf ein vollkommen einiges und gleichberechtigtes Zusammenleben mit unseren andersgläubigen deutschen Mitbürgern nach den: Krieg vernimmt man bet vielen Patienten lebhafte, positiv gerichtete Äußerungen über ihre persönliche Stellung zu den im wahren Sinn *1 Einen feindlichen Glaubensgenossen habe ich nur eiu einziges Mal getroffen, einen Pariser, übrigens von elsässischeri Eltern stammend. jüdischen Fragen, die zeigen, welchen Einfluß die letzten Monate auf die Sinnesrichtung vieler gehabt habendenn mit religiös Ausgewachsenen bin ich, abgesehen von einigen wenigen aus Berlin und einzelnen Lattdgemeinden, nicht zusammengetroffen. Die Zeitungen und zwar auch jüdische Zeitungen, die ich nach Möglichkeit austeile oder ausleihe, werden von den weniger schwer Kranken mit voller Freude begrüßt, und gar mancher, der nicht von daheim eine kleine n^Sf) mitbekommen hat, freut sich des kleinen Feldgebetbuchs, das er erhält. In schwereren Fällen — ein tödlich verlaufener ist mir G. s. D. bisher nicht vorgekommen — kann man wiederum ein wichtiges NON tun, durch Benachrichtigung und Beruhigung der Angehörigen, deren Dankbarkeit die rührendsten Formen annimmt. (Schluß folgt.) Lorrespondenzen und Aachrichten. Oesterdeich. Die jüflifchen Kriegsgefangenen in Hifrii. Men, 16. Februar. Von einem jüdischen Soldaten, der sich in serbischer Gefangenschaft in Ntsch befindet, ist ein Schreiben eingelaufen, in denk er u. a. mitteilt, daß die jüdische Gemeinde in Nisch bei dem serbischen Kommando eine Aktion durchgeführt hat, nach welcher es nunmehr der jüdischen Gemeinde gestattet wurde, die Verpflegung der in Nisch befindlichen Kriegsgefangenen jüdischer Konfession zu besorgen. In Nisch befinden sich ungefähr 80 Kriegsgefangene jüdischer Konfession, die nun nicht nur von der jüdischen Gemeinde gut beköstigt, sondern auch je nach ihrer Profession mit Arbeiten beschäftigt und dafür bezahlt werden. Für den Reklameteil ist die Redaktion nicht verantwortlichinsbesondere ist es ansschlietzlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstiger Au, gaben religionsgesetzlichen Charakter» ans ihre ertösssakeit nt prüfen Kaiser Friedrich Quelle —■—- OfFenbaeh a. H. — - ■■ Gegen Gicht und Rhenmatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stalin, Frankfurt a. M., GünthersbnrgaHee 87. Tel. 259 n. 714 Familiennachnchten. Geburten. Eine Tochter: Zahnarzt Nathansen (Engel j, Würzburg, Jeuerbachstr. 11. r Telegramm-Adresse: Nesop Frankfurtmain. Telephon: Nr. 93* Amt Hansa. Spezialhaus für Silberwaren Modelliern. Ciselierwerkstätte Lazarus Posen M«. tioflieftrant Frankfurt a. M. Berlin V. Steinweg 12. Unter den Linden 5. Künstlerisch ausgeführte Kultasgegenstände. Ez Chajim, Tass, Jad, Ner-Tomid, Chanukalampen etc. cssi? Man verlange gratis und franco Zusendung meines neuen Musterheftes, das eine reichhaltige Auswahl in allen Preislagen enthält r N. ISRAEL bpandauer Str. 16 Königstrasse 11—14 BERLIN C GEGRÜNDET 1815 Gegenüber dem Rat hause as Kaufhaus für Leinen und Wäsche, Konfektion, Manufakturwaren, Gardinen, Teppiche, Möbel. r ... ,- r Wäsche- Ausstattungen Die Anfertigung erfolgt in eigenen Zuschneiderei- und Näherei-Sälen Wohnungs Einrichtungen Übernahme vollständ. 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