Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1915)
- Date
- 1915-02-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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38, Februar 1915 Der Q9vaeltt 9lo. 8 Sette 5 ©ttßlrtni». Eine ffürmifche Atzung. <Lo»do«, 25. Januar (indirekt). Am letzten Montag fand die Jahresversammlung der englischen Schwesterorganisation der Alliance „Anglo Jewish Association“ statt, die infolge der Opposition der von Chacham Dr. Gaster geführten Zionisten nicht sehr friedlich verlief. Der Präsident Claude Montefiore gedachte in seiner Eröffnungsrede mit ehrenden Worten des Heimgegangenen Präsidenten der „Alliance Israelit© Universelle“, Herrn Leven, woraus der anwesende Vizekonsul in Jerusalem, Mister Edelmann, ein ergreifendes Bild von der Notlage in Palästina entwarfer teilte mit, daß das amerikanische Konsulat in London sich bereit erklärt habe, den Geldverkehr nach Palästina zu vermitteln und die Verteilung in Palästina durch seine Vertreter besorgen zu lassen. Dr. Gaster brachte einen Antrag ein, daß mit Rücksicht auf die zur Zeit auf der Tagesordnung stehenden hochwichtigen jüdischen Fragen die Kommitees der Organisation erweitert und durch bewährte und tatvolle Männer aus anderen Kreisen, besonders aus der zionistischen Partei ergänzt werden müffen. Der zionistische Traum sei, nach Chacham Gaster, jetzt der Erfüllung nahe und es gelte, mit vereinten Kräften zu handeln. Dieser Meinung ist der bekannte Politiker und Publizist Lucien Wolf ganz und gar nicht. Für eine Vergrößerung der Komitees liege kein Anlaß vor. Er sei gerade bei der Ausarbeitung eines Memorandums über die Lage der Juden, welches später der Friedens-Konferenz überreicht werden soll. — Die Zionisten treten diesen Ausführungen scharf entgegen und machen geltend, daß sie die Vertreter des Judentums seien und bei der jetzigen Lage der Dinge nicht ignoriert werden dürfen. Auch Elkan Adler, der Bruder des verstorbenen Chiefrabbi, stellt sich auffeiten der Zionisten bezüglich der Hinzuziehung aller Kreise zu den Arbeiten der Organisation, hält aber eine Erweiterung der bestehenden Kommitees für ungesetzlich und wünscht daher die Schaffung einer neuen Körperschaft, die, aus allen Parteien zusammengesetzt, alljüdische Jntereffen vertreten solle. Chacham Dr. Gaster spricht dann in höchst erregtem Tone und droht für den Fall einer Ablehnung der zionistischen Forderung mit Austritt der Zionisten aus der Organisation. In der darauffolgenden Abstimmung wird der Antrag Gasters mit einer Zweisttmmenmehrheit abgelehnt. Die Spaltung innerhalb der „Anglo Jewish Association“ scheint damit unvermeidlich. gvankveldj. Juöennerfolgung in Algerien- Aaris, 10. Febr. (Indirekt.) Nach einer Meldung der „Guerre sociale" sind 50000 Taufend Juden in Algerien fortdauernden Unterdrückungen ausgesetzt, wie in den schlimmsten Tagen des Antisemittmus. Zahlreiche jüdische Familien, die aus diesem Grunde Algerien verlassen mußten, sind nach Frankreich gekommen, wo sie jedoch nicht die Hilfe fanden, auf die sie Anspruch haben, sondern weiter wie Ausgestoßene behandelt werden. Amerika. Die Emsn?ipslion Ser Juden auf Sem kommenden Friedenskongreß. Iew-Hsrk, 8. Januar. Unter den Nau ea „Jüdisches Emanzipattons- Komite" hat sich hier unter dem Vorsitz des Richters Jakob S. Strahl ein Komtte gebildet, das die öffentliche Meinung für eine wirksame Vertretung der Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern aus dem kommenden Friedenskongreß vorbereiten will. Man rechnet zwar nicht auf eine offizielle Vertretung der jüdischen Gesamtheit auf diesem Kongreß, wohl aber damit, daß alle Kulturstaaten sich zum Anwalt der jüdischen Sache machen werden, wenn ihnen das notwendigste Material dazu geliefert wird. Das Komitc ist interkonfessionell und möchte zu ähnlichen Aktionen in den anderen Ländern anregen. Personalien. Frankfurt a. Äj., t'>. Febr. Osfizier-SteU vertreter Dr. Albert Ttrautz aus Karlsruhe und Offizier-Stellvertreter Dr. Arthur K a u f f m a n n in Frankfurt sind zu Offizieren befördert worden. Max Kahn, Sohn des Herrn Isaak Kahn in Weitshöchheim, erhielt das Eiserne Kreuz. Marktbreit, 15. Febr. Am letzten Freitag ist Ephraim Eifemann im 76. Lebensjahre gestorben. Er war ein wahrer pnx, ein Gerechter, dem die Bitternis des Lebens nicht erspart blieb. Mußte er doch die sterben sehen, die ihn nach natürlichen Gesetzen überleben mußten, die er in wahrhaft jüdischem Sinne erzogen, seine Kinder, welche sein Pflichtgefühl in weitere Kreise zli tragen befähigt waren. Zwei blühende Söhne - der eine Arzt, der andere Lehrer — sah er zu Grabe tragen, seine einzige Tochter hat er betrauert, seine Gattin verloren. Er aber hat, wie sein Schwiegersohn, Herrn B. Oppenheimer, am Grabe sagte, das Problem vom Frommen, dem es im Erdenleben schlecht geht, dahin gelöst, daß er, ein pnx, den cn®* sein ganzes Gottvertrauen entgegenstellte, das ihn dann zu einer Höhe erhob, von der aus auch die Leiden sich als ein Teil der Liebe des Allmächtigen erweisen. Am 1. Tage -hx rr"i wurde er unter zahlreicher Beteiligung aus dl ah und Fern zu Grabe getragen. In Anerkennung und Würdigung der echt jüdischen Gesinnung des Berstorbenen und seiner vielen v'L war auch Herr Rabbiner Dr. W o h l g e m u t h aus Kitzingen erschienen. Ephraim Elsemann war ein wvV nt, dessen fast ängstliches Bestreben darauf gerichtet war pnsi m: zu leben, ein Beschützer der Armen im Sinne der wahren Menschenliebe. Die hiesige Armenuntersiützungs kape ist seine Gründung, die er auch lange Zeit selbst geleitet hat. Am Grabe dankte Herr Lehrer Brückheimer namens der Gemeinde, deren j?pin hyz der Verstorbene 42 Jahre lang gewesen, im Namen der NE"ip 'n, die er 43 Jahre als in vorbildlicher Weise geführt, für den Frauen verein, deur er als Berater zur Seite gestanden. — Mit Eisemann ist das älteste Mitglied unserer Gemeinde geschieden, die ihn als Führer aufs tiefste betrauert. Möge den Hinterbliebenen Tr oft werden. mx:r. Für den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Kantor, welcher musikalisch gebildet und Balkare ist. wird sofort gesucht. Reichsdeutsche Bewerber wollen gefi. Meldungen mit Zeugnisabschriften an den Borstand des Louisensf. Brüdervereins 0% B. Berlin SO SV, Dresdenerstraße 127 richten. In der Kultusgem. Feuchtwangen ist die Stelle eines fleliQioitölßörera, welcher auch die Aufgaben eines Borsürrgers und Schochets zu erfüllen hat, nur aushilfsweise, solange der Krieg dauert, zu verwesen. Bewerber, welche gewillt sind, einen eigenen Haushalt zu führen, wollen ihre mit Zeugnissen belegte Bewerbungen nebst Gehaltsansprüchen alsbald bei denl Unterzeichneten Kultusvorstand einreichen. s10380 Feuchtwangen, Februar 1913 Zsidor Stern, Kultusvorstand. Rügen a. Rh. Die. hiesige Religionsgesellschaft sucht zum 1. April d. I. einen ledigen Lehrer, sin u. vniV der rnap von orthod. Rabbinern besitzt. Einkommen bei freier Wohnung ca 15—1600 Mk. Meldungen mit Zeugnisabschr. an den Lorsland. [10377 A. Scheuer. Junger Mann, militärfr., sucht Stelle als Commis oder Reisender in Mehl- oder Getreidegeschäft. Offerten bitte zu richten an: Moritz Birnbaum, Fulda, Rhadannsstraste 38. [10390 ) Süddeutsche Weingrofihandlung, Samstag und israel. Feiertage streng geschl., sucht per 1. April tüchtig. 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