Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1915)
- Date
- 1915-02-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 No. 8 Der JSraeltt. 18. Februar 1915 Herz, und taub find seine Ohren und seine Augen trübe, daß es nicht sehe mit den Augen, nicht mit den Ohren höre und sein Herz es fasse, daß eS sich bekehre und gesunde". Hat einer von den Bielen, denen diese Lehre nottut auch nur das kleine Maß an Entsagungsfähtgkeit sich erworben, daß er das leichte Opfer, beim Darniederliegen von Handel und Wandel, des Geschäftsschlusses am Sabbat sich abrang - hat einer von ihnen aus den Entbehrungen, die unsere braven Verteidiger draußen im Feld und Graben ftohgemut ertragen, für sich die soviel leichtere Pflicht der Entsagung des Genusses der verbo tenen Speisen abgeleitet? Oder, wenn man hört, wie so gar oft jene, leeren, hungrigen Magens, tapfer und unverdrossen ihre Pflichten übten, in sich dem Gedanken Raum gegeben, welch tief durchdachte „Uebung in der Enthaltsamkeit zugunsten der Allgemeinheit" in der Einrichtung der Fasttage Israels ruht?! ... Wahre Größe ist stille Größe auch in dem Sinne, daß sie es verschmähen darf, ihre Lehren in Marktschreierart anzupreisen und in die Wetten zu tragen oder durch Zwang ünd Machtentfaltung bet Nichtwollenden ihnen Eingang zu verschaffen, oder in Kontroversen mit Andersmeinenden ihr Recht und ihren Wert zu verteidigen. Aber auch so tönt ihre Stimme laut genug und nachdrücklich für jeden, der sie hören will, der sie hören kann, und dem einen früher, dem anderen später schlägt die Stunde,' die ihn in ihren Bann zwingt. Sie schlägt trotz Allem wohl früher oder später auch den Lehren, die sie für uns als Juden im Besonderen enthält, und von denen einen kleinen Ausschnitt unsere Darlegungen zu bieten sich bemühten. Denn das alte Wort ist ja immer noch wahr: roiD maco d^d "pp- Lorrespondenzen und Nachrichten. De«tf<tzes Lehrilellenoermifflung. ArariLfrrrt «. M., 17. Februar. Die AgudaS JSroel- Jugendorganisation, Sitz Frankfurt a. M. (Tiergarten 8) hat eine Lehrstellenvermittlung eingerichtet. Die Vermittlung erfolgt kostenlos auch für Nichtmitglied er. Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei bemerkt, daß sich diese Stellenvermittlung nur auf Lehrlinge erstreckt. Die Vermittlung von Stellen für kaufmännische Gehilfen und Gehilfinnen bleibt nach wie vorder Israelitischen Stellenvermittlungs-Zentrale Frankfurt a. M-, Schützenstr. 14, Vorbehalten. Ungarn. Bus Sen SemelnSen. Budapest. Alfred Rosen seid, ein dieser Tage verstorbener Junggeselle, hinterließ über eine halbe Million für jüdisch-humanitäre Zwecke Z B. A. Budapest. „Egjenlöseg" propagiert die Idee, für die in diesem Jahre überaus schwer betroffenen Armen Palästinas einen Patästinatag zu veranstalten. Die jüdischen Gemeinden sollten die Einkünfte der unb der an diesem Tage zu spendenden nm; der Synagogen diesem heiligen Zwecke weihen. In Frauenkirchen wurde in diesem Sinne bereits vorgegangen. Der Ertrag war ein ganz bedeutender. Z. B. A. Budapest. Die Regierung stellte der orth. Landeskanzlei das gewünschte Weizenquantum zur Herstellung des nee - Mehls vorschußweise zur Verfügung. Man übernahm die bindende Verpflichtung, dieses Quantum aus einem neutralen Lande zu besorgen und dann zurück zu geben. Nur (i0% des im lebten Jahre konsumierten Peffachmehls kommt dieses Jahr in Verkehr. Ein Teil davon wird durch eine Beimischung billiger gemacht. Der Preis der niSö ist pro Kilo 1.60 Kr. Urmenh Korporal Ludwig Lichten st ein, ein Sohn des Rabbiners aus Urmeny und Enkel des Budapester Oberrabbiners Koppel. Reich erhielt die Tapferkeitsmedaille. Er nahm mit seiner« kleinen Zug eine wichtige Position im Sturm. Der Divisions-General belobte ihn vor der Front. Z. B. A. Groß Wardein. Auf dem Gebiete der und des echten rro; arbeiten die in ihrer religiösen Weltanschauung voneinander gesonderten Elemente unserer Gemeinden seit Ausbruch des Krieges mit vereinten Kräften begeistert zusammen. Der unter Vorsitz Alex v. Ullmanns, des Vorstehers der orthodoxen Gemeinde, gemeinsam mit dem Vorstande der neologen Gemeinde konstituierte Wohlfahrts-Ausschuß hat feit seinem Bestehen Großes geleistet und seiner Aufgabe, die brennenden Wunden des Krieges durch Liebeswerke zu lindern, höchlich entsprochen. Landflüchtige, Kranke, Verlaffene, Erwerbslose, Witwen und Waisen werden durch ihn erhalten und 11222 versorgt. Eine freiwillige Steuer, die von jedem Gemeindemitglied getragen wird, machte die Arbeit möglich. Bis Ende April ist das Wirken des Ausschusses gesichert. Z. B. A. Bartfeld. Bei der letzten Russeninvasion wurde dem kommandierenden Russengeneral die Lifte der Bürgerwehr vorgelegt, worauf dieser, da acht Juden dabei figurierten, diese barsch zurückwies: „Juden könne er dazu nicht gebrauchen." Den nächsten Tag war aber seine Herrlichkeit vorüber und er mitsamt seiner Horde von unserer Armee gefangen. Z. B. A. Des Vaters klug Gesicht, Dein Aug', o Mutter, nicht, Du, aller Liebe Inbegriff! O tausend heißen Dank, Daß ich so reichen Trank Aus Eurer Lieb' gesogen Hab. Run nehm' ich hett.ge Schuld, Entwachsen Eurer Huld, Ach, in mein früh Soldatengrab. Geschwister, Freunde ihr — Kraft loderte in mir, Als noch die Schlacht getost. Nun lieg' ich schwach im Feld, Ein Baum, dahingefällt, Fühl', daß der Tod auch mich erlöst. Es wallet Herz und Sinn Zum GotteShaufe hin, Bon BaumeSgrün umrauscht! Wo ich den Bntztagsklagen, An Fest- und Sabbattagen Den hehre» Melodie'« gelauscht. Wo nach den heil'gen Sängen Wir lernbegierig drängen Uns um des Redners Stand, Um seinem Wort zu lauschen — Und Meinung auszutauschen, Wenn wir nach Haufe uns gewandt. Und nach dem Mittagsmahle Eng ich zum nahen Tale Mit Freunden lieb und traut- Was unser Herz bewegte, Was unfern Geist erregte, In Scherz und Ernst da ward es laut. Nun mutz euch all' ich lassen: Ich zieh' setzt andre Straßen — Lebt wohl, auf Wiederseh n! Latz, Gott, mich dies noch sagen. Den Eltern in alten Tagen Laß neuen Beistand du ersteh n! Es naht die Schattenstunde, Es brennt die Todeswunde, Bald stockt des Zeigers Lauf. Die SchemauS ich beginne .... Schon schwinden mir die Sinne — Nimm mich in deinen Himmel auf! (Einen Pfennig täglich! Ein Berspiel zur Nachahmung.) Die Agudas Jrsroel-Bewegung hat in Frankfurt einen Anhänger, der vielen als Muster gellen dürste. Heute brachte er abermals eine Spende. Es waren Mk 3.05 oder richtiger: Dreih u n d e r t f tt n f u n d s e ch z i g Pfennig. Er habe täglich einen Pfennig für diesen Zweck zurechtgelegt zum Beweise dafür, daß er täglich der Aguda denkt! Wer macht es ihm nach? Ein Pfennig im Tage ist für den ärmsten unter uns eine Kleinigkeit. Und doch bedeutet dieser eine Pfennig ideell sehr viel. Und der materielle Ertrag wäre auch nicht zu unterschätzen, wenn wir uns alle dazu verständen, unserem alten Freund nachzuahmen. Man bedenke nur: Hunderttausend Juden täglich einen Pfennig! B. Rrrtzlarrd. Ruffifdies- Wetersvurg, 10. Februar (indirekt). Die „Nowoja Wremja" befaßt sich in ihrer heutigen Nummer mit der Judenfrage und erklärt, daß sie nicht begreife, mit welchem Rechte die Juden die Emanzipation nach dem Kriege erwarten. Für ihr Mitwirken am Feldzuge hätten sie keine Belohnung zu erwarten, da die Regierung wohl Mittel gehabt hätte, sie zur Erfüllung ihrer Pflicht zu zwingen. Aus der gleichen Nummer erfährt man, daß der bekannte Dumadeputierte Markow II. es bei der Stadtverwaltung in Kursk zustande gebracht hat, daß die in Kursk für die Kriegsopfer in Polen gesammelten Gelder den Juden nicht zugute kommen. Der den Juden zum Aufenthalte verbotene Stadtrayon Kiew ist dadurch künstlich erweitert worden, daß die Vorstädte Schulowki und Solonenka der Stadt einverletbt wurden und somit etn „hetltges Großktew" geschaffen wurde. Die Judenausweisungen aus dem neuen Kiewer Gebiete haben bereits begonnen. Es hört sich fast wie Hohn an, daß in der in gleicher Nummer veröffentlichten Liste der wegen Tapferkeit vor dem Feinde Ausgezeichneten die jüdischen Namen einen ganz hervorragenden Teil ausmachen. Für den Reklameteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die i« Reklameteil enthaltene« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstiger Rn, gaben religionSgese-liche» Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen.__ Kaiser Friedrich Qualle — Offenbaeh a. M. — Gegen Gleht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: FriedLrlqta. StaJu, Frankfurt a. M., GOnthersburgailee 87. Tel.259u. 714 Kamiliennachrichten. Geburten. Eine Tochter: Lehrer Gundersheimer (Schwarzschild) Kleinheubach a. M. Telegramm-Adresse: Nesop Frankfartmala. Telephon: Nr. 83. Ami Hansa. Spezialhans für Silberwaren Modellieru. Ciselierwerkstätte Lflzoras Posen Me. horifcfcreat Frankfurt a. M. Berlin W. Steinweg 12. Unter den Linden 5. Künstlerisch ansgeführte Knltnsgegenstftnde. Ez Chajim, Tass, Jad, Ner-Tomid, Chanukalampen etc. 0217 Man verlange gratis und franco Zusendung meines neuen Musterheftes, das eine reichhaltige Auswahl in allen Preislagen enthält Sabbat-Anfang u. Ausgang. nann rorc OUT. Anfang Datum Ausgang Uhr lMin. 10151 5675 Uhr jMin. 20. 6. Sftttitffttrt a. M. r> 25 Ftbr. Adar « 40 Berlin .... — — — — München . . . 5 80 6 23 Strastbnrg . . 5 30 6 40 Stuttgart. . . — — — — Pose» .... — — — — Nürnberg. . . 5 30 « 23 Hamburg. . . — — — — MÜ