Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1915)
- Date
- 1915-02-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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wm 18. Februar ISIS Der JSraelit. No. 8 Seite S G Wohltun so sehr flpTO, so sehr in einem göttlichen Naturrechte begründet, wie heute, da das Außerordentliche der Lage auch außerordentliche Leistungen erheischt. Hören wir, wie sich die Zdokopflicht in der Weifen Worten spiegelt: „Wie ragend der Berg sich auch vor uns erhebt, das Eisen durchwühlt ihn. Doch stärker als das Eisen ist das Feuer, das seine Härte beugt. Das Feuer hält indessen dem Wasser nicht stand, das Wasser wird von den Wolken getragen, diese aber vom Winde gejagt. Da kommt der Mensch, der Allbezwinger und stellt auch den Wtnd^ in seinen Dienst, daß er seine Schiffe bewege und seine Mühlen treibe. Was ist aber der Mensch, den ein Gefühl der Angst, der Sorge, des Schmerzes brechen kann? Es bannt die Sorge der Wein, dem jedoch wiederum der Schlaf die berauschende Kraft nimmt. Doch stärker als dies alles ist der Allüberwindender Tod. Und dennoch: Auch der Tod findet seinen Meister: S’ltfl np*T5C N1VV, das Wohltun rettet vor Tod und Untergang, sichert ewiges Sein und Fortwirken im Kreise der Lebenden." In dem Maße, wie wir unseren Willen stählen und unser Herz der Not der Zeit erschließen, wächst unsere Kraft. „Wohltun erhebt ein Volk!" (Fortsetzung folgt). Da- Große und seine Lehre. Im neuesten Hefte der Dr. Wohlgemuth'schen Monatsschrift „Jeschurun" widmet unser geschätzter Mitarbeiter, Dr. Eduard Biber selb, der sittlich-revoluttonierenden Kraft des Bölkerkriegs eine tief schürfende, längere Abhandlung, der wir folgende feffelnde Stellen entnehmen: Ein Wort über unser Verhältnis zu Gott! Am Morgen des 31. Juli, dem Tage vor der Kriegserklärung schrieb der Pariser „Matin", das einflußreichste Blatt des Boulevard, das an raffinierter Lügenhaftigkeit und Hetztätigkett selbst seine englischen Kolleginnen in den Schatten stellt, das ebenso dumme wie freche Wort: „Die Deutschen fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt. Wir Franzosen sind ihnen über: wir fürchten auch Gott nicht mehr." Und hatte damit den Ton getroffen, auf den die Seele seiner in die Hunderttausende gehenden Leserschaar gestimmt war. Doch „der im Himmel thronet, er lacht, der Herr spottet über sie." Es ist anders, ganz anders gekommen, auch in Frankreich; der Combtsmus hat gründlich abgewirtschaftet, die Kirchen sind überfüllt und lieber heute als morgen möchte das am Boden liegende Gallien seinen Frieden mit Rom machen. Und in unserem Vaterland? Daß Wilhelm H. bei jeder Gelegenheit das Walten Gottes anrust und seine Fürsorge demütig preist, soll gar nicht einmal als Aeußerung des neuen Geistes angesprochen wertenwissen wir alle es doch, von welch tiefer Religiosität unseres Kaisers Sein und Wesen allezeit erfüllt und durchwachsen war, auch bevor die Prüfung der großen Stunde an unserer Seele rüttelte. Mehr schon ist dieses Geistes Wehen aus den Kundgebungen seiner Paladine zu entnehmen, und es gehört nicht einmal psychologische Feinmechanik dazu, aus der Anrufung und den Hinweisen auf Gottes Beistand bet den Htndenburg, den Mackensen usw. den Unterton echten Klanges, überzeugter Fügung in den Willen des Unerforschlichen herauszuhören und zu lesen. Was wills dagegen besagen, wenn ein Ostwald, der seit Jahr und Tag sich erfolgreich bemüht durch seine monistischen Exzesse sein früheres wissenschaftliches Renomm« zu untergraben, an diesen Kundgebungen kleinlich nörgelt? Unsere Heerführer sind nicht nachftiedrizianische Generäle Wöllnerschen Angedenkens, die, um nach oben sich zu empfehlen, mit dem Gebetbuch zur Kirche wandeln! Nein! Echt, wie ihr militärisches Können, gefestet wie ihre Taktik und Strategie ruht auch, eine Lehre der großen Stunde, der Glaube an den Gott in der Geschta te auf fester Grundlage in ihrer Brust . . . Und wenn vollends ein Mann wie Georg Simmel, der Straßburger Philosoph in seiner, jetzt im Druck erschienenen Rede über „Deutschlands innere Wandlung" sich so ausdrückt: „Ungezählte Aeußerungen der geistigsten Menschen Deutschlands haben mir, höchst mannigfaltig geformt, immer das gleiche Gefühl offenbart: daß dieser Krieg irgendwie einen anderen Sinn hat als Kriege sonst haben, daß er eine, ich möchte sagen mysteriöse Innenseite besitzt, daß seine äußeren Ereigniffe in einer schwer aussagbaren, aber darum nicht weniger sicheren Tiefe von Seele, Hoffnung, Schicksal wurzeln oder auf diese htngehen," so besagt der Satz, aus seiner philosophischen Verklausulierung befteit, doch nichts anderes, als daß weiteste Kreise unserer Intellektuellen den Gott, den sie früher nicht kannten, nun endlich zu ahnen beginnen, daß die große Lehre mit unwiderstehlicher Gewalt auch ihrem Skeptizismus, auch ihrer Blasiertheit der Weltanschauung ein Ende bereite . . . Haben wir, als die. vor Allen dazu Berufenen, als Juden ebenfalls diese Wandlung in unserem Innern verspürt, sind auch wir Andere geworden in unserem Verhältnis zu Gott? Und weiter! „Gott ist der Herr des Krieges", so lautet Jsrael's Parole bei seinem Eintritt in Völkerreigen, und nur folgerichtig hat stets seine Thora dem Krieg, seinen Gesetzen und Zwecken einen heiligenden Inhalt und Einschlag gegeben. Haben wir in den Tagen, die hinter uns liegen, da ein süßlicher, unmenschlicher Pazifizismus den Ton angab und herrschte, da der ewige Frieden als das durch Menschenkunst und Menschenkraft früher oder später vollendete Ideal angeblich in greifbarer Nähe lag, da der Krieg — im Zeitalter der Entdeckung des Kampfes Aller gegen Alle! — als ein außerordentliches Rudiment i früherer Entwicklungsstufen aus der Reihe der Kulturelemente gestrichen wurde, haben wir da den gebotenen Mut gefunden, zu bekennen, daß der Ewige, der Herr des Krieges, daß die Thorah den Krieg gebiete und durch ihre Gebote heilige — daß darum schon allein der Krieg an sich nichts Unsittliches, nichts Kulturwidriges sei, sondern erst durch Motiv und Anlaß, durch Tendenz und Art der Führung dazu gestempelt werden müsse? Heute ist jene, alle Männlichkeit ein hüllende Friedensapostelei in den Orkus hinabgesunken, heute ist keiner, der daran zweifelte, daß der Krieg, den wir gegen das Barbarentum den Ostens, gegen die inkarnierte Selbstsucht Englands führen, eine gute Sache, ein heiliger sei, daß dieser Krieg kam, weil er kommen mußte, weil die sticktgdumpfe Atmosphäre von Lug und Trug, von sittlicher Fäulnis und Dekadenz, die die hinter uns liegenden Jahrzehnte geschaffen, nur durch diese gewaltigste Explofiton der Sprengkräfte gereinigt werden konnte, die je die Geschichte sah! Fanden wir damals den Mut zu jenem offenen Bekenntnis, oder haben wir nicht vielmehr oft genug in feiger „Furcht vor den Konsequenzen" uns aufs Entschuldigen j verlegt, wo es stolz zu fordern galt, und, ähnlich wie bei den Tieropfern, der Sklaverei u. v. a. von Konzessionen an menschliche Instinkte gesprochen, wo es daS Göttliche in der Idee zu verkünden galt? Und hat die Lehre des Großen : darin einen Wandel in uns gewirkt?! J Und endlich. Ein geistvoller Tagesfchrtftsteller? schrieb dieser Tage über die Erziehung zur Sparsamkeit, auch eine der Lehren der großen Zeit, - daß aus ihrer Uebung im Hinblick auf die Ge« samtheit ein Sittengebot im Kantschen Begriffssinn wird, weil sie Enthaltsamkeit zugunsten der x Allgemeinheit zu üben sich gewöhnt. . . Was »'j anders aber ist denn der Sinn der meisten Gebote der Thorah, was der Sinn der Speise-, A der Ehegesetze, was die ausdrückliche Bestimmung K des SabbatruhegebotL als die „Uebung in der Enthalsamkeit zugunsten der Allgemeinheit?" Fragst du aber, ob die Lehre des Großen, die alten Wein in neue Schläuche goß, von uns, > die den edlen, alten Trank überdies aus antiken,! - edlen Pokalen schlürfen könnten, gewürdigt und f j getätigt worden ist: „verstockt ist dieses Volkefrische Kraft gewonnen? Und diese unsere Frage beantwortet der gleiche Midrasch, der uns dies denkwürdige Gespräch getreulich ausgezeichnet hat. Mordechai fragte die Knaben, was sie in der Schule jenen Tag gelernt/ Und da sagte ihm der erste: „Unser Lehrer erklärte heute den Satz in Mischle: „Fürchte dich nicht vor plötzlichem Schrecken, vor dem Unwetter der Frevler, so es nahet!" Und der zweite sprach: „Der Lehrer besprach heute mit uns den Satz in Jesaja: „Fasset Anschlag, er wird gestört, verabredet Reden, nichts kommt zustand', denn Gott ist mit uns!" Und der dritte begann: „Der Lehrer unterhielt sich heute mit uns über ein anderes Wort in Jesaja. „Und bis ins Alter ^in ich derselbe, bis ins Greisenalter trage ich euchich habe vollbracht und ich werde vollbringen, euch stützen und euch retten!" Da Mordechai dies von den Knaben hörte, da wurde er froh und mutig, denn er wußte, daß ein Volk, dessen Jugend solcher Geist beseelte, dessen Kinder so erzogen wurden im Vertrauen auf Gott und feine allumfassende Macht, daß dieses Volk nie untergehen könnte. Und fürwahr! Erhebende Botschaft, tiefe Wahrheit künden diese drei Sätze — Wann soll der Mensch fein Gottvertrauen bekunden? Nicht in Zeiten, da all' sein Wünschen und Hoffen fich erfüllt, da er in Ruhe und Behaglichkeit lebt, von Sorgen nicht beschwert, von Schmerzen nicht gepeinigt. In guten Zeilen auf Gott vertrauen ist leicht, kann jederaber auch in schweren und traurigen auf ihn alle Hoffnung und Zuversicht zu fetzen, das ist eine Pflicht, welche dieser Midrasch uns lehrt, der,n Erfüllung er in eindringlicher Kürze predigt. Wenn sich der Himmel, sonst hell und heiter dir, plötzlich mit Wolken bedeckt, wenn das Schicksal mit rauher Hand eingretst, plötzlich und schnell, in dem bisher so friedliches Leben, wenn die Sonne des Glückes, freundlich dir strahlend bislang, sich plötzlich verdunkelt — „fürchte nichts", fürchte dich nicht vor plötzlichem Schrecken, vertraue auf Gott und wiffe, baß ein Unwetter wohl Schaden anrichten kann, aber auch wieder vorüberzieht, daß das Meer, welches der wilde Sturm gepeitscht, fich auch wieder beruhigt, seine Wogen sich glätten.. Und gewiß dann, wenn Menschen dein Unglück veranläßt, fie Schuld an deiner traurigen Lage haben, sie Ränke gesponnen, dich zu vernichten, fürchte nichts. Und mögen deine Gegner gewiegte Diplomaten und du ein schlichter Mensch sein, mögen auch sie in großer Zahl und du ein einzelner sein, fürchte nichts Dann beherzige es wohl: „Dir gegenüber sind deine Gegner groß, schlau und verschlagen, doch wenn du im Recht bist, deine Sache die wahre ist, so hast du einen mächtigen Beistand und einen gewaltigen Beschützer: Gott ist mit Dir! Er wird ihren Anschlag zunichte machen, Er deinen Kampf führen und so wird dein der Sieg sein. — Denn dieser Gott, dem du vertrauest, eS ist derselbe Gott, der deinen Ahnen beistand, der aus Egypten sie führte, in der Wüste sie versorgte und der in jeder Not ihre Zuflucht und ihr Beistand war. Dieser Gott ist nicht wandelbar, Er war der Erste, Er wird der Letzte sein. „Ich bin, der Ich sein werde!" so hat dieser Gott sich deines Volkes größtem Propheten offenbart. - Wir vertrauen auf Gott und Er ist unS in der Not Beistand, in der Bedrängnis Stütze und im Drucke des Elends und der Sorge starker Helfer. „Gottvertrauen in schwerer Zeit!" Das ist die Lehre, die dies ernste Purimfest uns bringt. Beherzigen wir die Lehre, fie sei Inhalt unserer Gedanken, leite uns in unserem Tun. In der Sorge des Tages, in der Rot der Stunde ist unsere einzige wahre Zuflucht: ein felsenfestes Gottvertranen. Und ein solches, alle Not fiegreich überwindendes prn» ist nicht nur Forderung des Judentums, ist auch Gebot des Vater- M lands. So rust's uns König David zu: „Vertraue .p auf Gott, tue das Gute, so wirst du wahrhaft ptt pp Bürger des Landes, in dem du lebst, in dem du weidest die Treue." Nicht Empfindungen lärmender Freude, nein, -t Gedanken des Ernstes aber auch der inneren Erhebung bringt uns in diesem Jahre der nahende Monat Adar und auch wir wollen darum diesmal ihn empfangen, nicht im Ueberfchwang des Jubels aber in jener jrrtte bv nnop, die ein der Pflicht, dem Judentum gef. weihtes, frommes Leben in unS wachruft. — Und solche ,irret?, die der rrato entspringt, wollen wir mehren, in dieser Zeit, in diesem Jahre ganz besonders und in :? solchem Sinne doch erfüllen das Wort: /■ .nna«o pno inn d:3:po Kleines AMeton. Ser sterbende Wische Krieger. Bon David Pineas m Frankfurt a. M. Mich traf das heiße Blei — Ich fühl's, es ist vorbei. Vorbei mit Lust und Leid. Trüb wird der Augen Licht, AuS tiefer Wunde bricht Mein Blut und färbt mein graues Kleid. Wie ist mir's bang und weh. Daß ich nicht wieberseb, Was sorgte, wenn ich schlief : ■>! i iywüäi