Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1915)
- Date
- 1915-02-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Gew » «r. 8 Der ASraelit. 18. Februar ISIS Zm Knegslager? III. Ein Kapitel für sich, und nicht das leichteste, bilden die Speisegesetze. Es ist ungemein schwer, hier allgemeine Gesichtspunkte aufzustellen und genau die Grenze abzustecken, wo die religiöse Pflicht von der eisernen Not der Umstände abgelöst wird. Aber eines sagen wir unseren Söhnen und Freunden: Wer in die Zwangslage kommt, ein kostbares Kleinod, ein teures Familienerbftück für Brot herzugeben, der wird es nur schweren Herzens tun. Ernstlich wird er die Dinge prüfen und abwägen und sich nur mit tiefer Trauer von seiner Eigentümer Kostbarstem trennen, vielleicht nur zeitweise, um das teure Gut bet der ersten sich darbietenden günstigen Gelegenheit wieder einzulösen. Hier der ' Maßstab: Ein unschätzbares Gut, von Vater auf Sohn vererbt, haben wir in unseren Speisegesetzen, die das Kriterium unserer Lebenshetltgung - sind, owip arrm Dnsmpnm. „Und heilige Männer seid ihr mir". Ural 'b y'nn SHp TOK1 i xb nene nivn. „Mir", so erklärt Malbim, meinem speziellen Schutze anvertraut, fallen Unbilden und Zufälligkeiten des Lebens und der Umstände entzogen, seid ihr, so ihr euch i durch das Ehrengewar.d jüdischer Enthilt-; fomfeit als die Meinen legitimiert. Daß nicht ' ohne Not und nicht mehr als absolut unum- * gänzlich gegen das Speisegesetz, dessen Verletzung j ja unter Umständen ein heilig Gebot der Selbsterhaltuna im Sinne von öD'nittöab QmDVai werden kann, verstoßen und daß das Kleinod, in der Not veräußert oder verpfändet, sobald eS l irgend geht, durch doppelte Beachtung der Gelbste wieder eingelöst werde, dahin gehe die Belehrung und Einwirkung der Väter und väterlichen Freunde. jv Die Tatsache, daß ein Esau, von Hunger gei plagt, seine Erstgeburt um ein Linsengericht ver- . kauft, würde gegen ihn noch gar nicht so schwer DinS Gewicht fallen. Denn 13J iN&B' nnb MB by Wunger erhöht den Wert des Brotes über alle Materiellen und geistigen Güter der Wett, MBL 133 M' lb IVtt PST „Und alles, was sein Zeigen ist, gibt der Mensch her zur Erhaltung i feines Lebens". Was aber die Esau-Natur in ihrer ganzen Niedrigkeit charakterisiert, es ist der Morgang, der dem Verkaufe folgt: nEH ^3tt1 b: *) Die Artikelserie „JmKriegslager", die in der Hauptsache einen Zyklus volkstümlicher Lernvorträge rvieder- Jzibt, bewegt sich in der Gedankenwelt des rabbtnischen 'Belehrungs- und Erbauungsbuches für Soldaten und Mrieger *nr» wnv von Rabbi Israel Friedmann ^Radin. 111331 m wr TS'l Ml 2pi. Er hatte bereits gegessen und getrunken, jeder mildernde Umstand für seine Tat war beseitigt, und immer noch empfand er keine Spur von Traurigkeit, nicht die leiseste Regung des Bedauerns über den ungleichen Tausch. Im Gegenteil: „Er stand auf und ging und verachtete in seinem Herzen nach wie vor die Erstgeburt". Das tsts, wovor wir unsere Freunde bewahren müssen. Nicht die gelegentliche notgedrungene Verletzung des Gebotes kann ihnen zur Last gelegt werden, wohl aber das verächtliche Lächeln, mit dem manch einer sich mit der Tat abfinden möchte und die alte Mauer, nachdem sie einmal die erste Bresche erhalten, dem völligen Einreißen überantwortet. Daß die Verletzung der Speisegesetze nicht auS Bequemlichkeit, Sparsamkeit oder falscher Scham aeschebe! Wer aus Rücksichten seiner persönlichen Bequemlichkeit einen Posten, den er zu bewachen hat, verläßt, eine wichtige Position aufgibt, der ist ein Feigling, ein Verräter. Wie soll nun derjenige bezeichnet werden, der lediglich aus Rücksicht auf seine bessere Bequemlichkeit, nur aus Furcht, in der Behaglichkeit seines Lebens gestört zu werden, diese Gottesburg der Gesetze aufgibt? Allein, ebensowenig darf hier Sparsamkeit, Rücksichtnahme auf des Vaters oder den eigenen Geldbeutel als Entschuldigungsgrund gelten. Der Soldat, der sein Alles und Ganzes mit in den Dienst bringt, der sein Herz ungeteilt — 733S ws: -pnS ^33 —, seine sein Leben ausmachende Seele — l^'BK: MBL ^>33 MBL litt btött — freudig für das Vaterland etnsetzt, er sollte nicht die Kraft haben, seiner Aufgabe auch 1'lttv ^33, mit seinem ganzen Vermögen zu dienen? Wenn je, so ist hier das Talmudwort am Platz: „Gib Ihm aus seinem Eigenen, denn. Du, mit allem, was Du bist und hast, gehörest Ihm." Verhängnisvoll kann aber in dieser Beziehung auch die falscheScham werden, die scheut, die Hand, die daheim gespendet, hier zum Empfangen auszustrecken. Das Unterstützungsrecht des 13E? 'E>b '33, des „vorübergehend Unterstützungsbedürftigen" ist in Talmud und Deztsoren festgelegt un) es hieße, den Stolz auf fremde Kosten (in diesem Falle auf Kosten von wahren, wollte man eine Verletzung der Speifegesetze der Inanspruchnahme fremder Hilfe, oder sogar dem Angehen um solche vorziehen. Kurzum: Man begebe sich nicht ohne Weiteres des göttlichen besonderen Schutzes, da wo man dessen am nötigsten braucht, und suche durch Hochhaltung des uns gereichten Ehrengewandes der Speisegesetze als ttHP 'V3tt in Seiner Heiligkeit und Hörigkeit zu bleiben. * * Neben dem Willen hat auch das jüdische Herz im Felde seine Probe zu bestehen: daß es vom Haffe und von der Härte, die des Krieges Zeichen sind, nicht matt werde und verschlossen der jüdischen Liebespfltcht dem Freunde und wehrlosen Feinde gegenüber, lüttl iDrr Liebe und Treue heißen die kostbaren Perlen, die uns der weise König empfiehlt, als Wahrzeichen „um den Hals zu binden, ins Herz zu prägen" — -p4? mb bv 2313 7111313 by 2113p. Elieser, der Knecht AbrahamS, sucht im fremden Lande abrahamitisches Judentum, um eine seiner würdige Repräsentantin tn Sarahs Zelt zu führen — und er sieht sich zunächst nach diesem Erkennungszeichen um, indem er spricht: 1131 Ivttl 121 2'1313 23V' 3tt! Jakob verpflichtet auf dem Sterbebette den im Besitze der Macht sich befindenden Sohn, seine Leiche dem heiligen Boden zu übergeben, aus dem allein die Liebe und Treue gedeihen konnte — “ton '1ö3 l'V3' 2'13GÖ3 '313P1 IO bx 12KV Josuas Kundschafter zahlen dankbaren Herzens dem gastlichen Hause Rahabs mit dieser jüdischen Münze — 13'1331 naxl 121 M3 — Des Regenten beste Schildwachen sind sie nach Salomo: — ivttl 1D1 *pö 1131 — und glücklich das Land, in dem Liebe und Treue — U33B3 12tt1 I2n — sich begegnen. p*3 121 j'ttl 12tt j'tt — klagt Hosea, das Land entbehrt der Liebe, so ist es dem Untergange verfallen, denn Gott selbst ist vor allem ivttl 121 31 reich an Liebe und Treue. Daß doch unsere Krieger diese jüdischen Wahrzeichen mit in die Gefahren htnausnehmen, wo mehr als in der geraden Ebene des heimatlichen Alltags gegeben ist, Ivtt bv 1B1 in jüdischem Sinne zu üben! An diesem Zeichen sollten sich die Brüder erkennen und finden. Einem Bruder in der schweren Stunde beistehen, ihm die nötige Hilfe reichen, die Wunden mildern, oder gar seinen letzten Willen, seiaen letzten hiuausgestöhnten Gruß an die Seinen vermitteln, diesen den Trost erhalten, daß der Sohn, der Bruder von sanfter Freundeshand tn seinem letzten Kampfe gestützt, von Freundeshand tn die fremde Erde gebettet wurde, das ist Ivttl 1B1, wie sie bei uns von jeher empfunden' und betätigt wurden. Hier ein neueZ Gebiet, sich der Heldenkronen schönste zu erwerben, deren Glanz keine äußeren Ehrenzeichen, aber wehe, trostlechzende Mütterherzen still preisen werden. Und auch für die Dahetmgebliebenen gilt es, die Kraftprobe, auf die des Krieges vielfältige Not das sprichwörtliche goldene jüdische Herz stellt, ehrenvoll zu bestehen. Noch nie war das Kollverirauen in schwerer Aett! t Bon Wolf S. Jacobson in Hamburg. „Wenn der Adar herannaht, mehre man die Freude!"? Wohl nie fand jener Ruf, der sonst tausendfachen Widerhall in jüdischen Herzen auslöfte, so wenig willige Ohren als in diesem Jahre. Wenn nicht tiefe Trauer, tz ist eS zumindest herber Ernst, der Seele und Sinn Mannt und jede froh aufjauchzende Regung, jeden Kubelton erstickt und der nur das Schwere und das Serbe, nicht über das Freudige den Weg finden läßt fit den Kammern unseres Herzens. Uno wenn auch sie Freude in diesen Zeiten der lastenden Schwere Äsern Sinn nicht beflügelt, gerade die in uns wachen Empfindungen ernstester Art machen unser Herz wohltzreit, der hohen Lehren Inhalt ganz zu erfassen, die «er Adar uns mit seinen markigen Sabbaten nahefcbtat. — Jenen Stimmen ist unser Ohr weit geöffnet, t? Belehrung und Mahnung bringend, aus dem Geist Wer ausgezeichneten Sabbate heraus zu uns sprechen, fit, bester denn sonst verstehen wir die Lehre des Adar, st gedenken jener Feindseligkeiten, jenes nrtdgeborenen MeS, jener vertierten Brutalität amalekitischer £eeresscharen, jetzt erst wiffen wir, was es heißt, der chandtaren eines Volkes gedenken und dieses Volk wahrhaft hassen, begreifen erst ganz die Tiefe der Forderung: Gedenke, vergiß nicht? Begreifen erst ganz jene Hehren Wahrheiten, die hervorleuchten aus der in geheimnisvolles Dunkel gehüllten Lehre von der „roten Kuh": daß ein unsichtbarer Gott all das lenkt und leitet, das uns deucht ein Wirrsal ohne Ende, ein Irrgarten ohne AuSgang, daß in Seinem Ratschluß wohl beschlossen ist, was uns scheint so plan- und so wahllos und so träufelt sie Trost und Balsam in jedes letdbeschwerte Herz die Lehre von der roten Kuh. Und ennrt ntnß, die Wahrheit von Gottes Walten in der Geschichte die sich abrollt auf Geheiß dessen, der da ist der „Führer im Kriege", erleben wir dies große Wiffen von Gott und allem durch ihn bedingten Geschehen nicht in unfern Tagen auf's Neue, auf's Wuchtigste und Eindringlichste.? Erleben wir nicht das Wirken deffen, der Mizraims. Macht ins Meer versenkte, heute wieder, da gegen die Uebermacht der Ziffern kämpft und siegt das fromme Heer des Vaterlandes'? Und dann das Purtmfest selbst! Ist es uns diesmal weniger Fest der Freude und des Jubels, so ist es um so mehr Fest des dankbaren Erinnerns und erhebenden Gedenkens. Es führt uns zurück in die Regierüngszeit eins Achaschwerosch, jene buntbewegten Zeiten, von denen wir in der Megiüo ein getreues Spiegelbild finden. Und aus der Fülle der Szenen, welche damals sich abspielten, greifen wir eine heraus, die der Midrasch uns ausbewahrt und die wohl nicht nur geeignet ist, unser Interesse an der Vergangenheit zu beleben, sondern auch für die Gegenwart uns zu stärken und für die Zukunft dauernd uns zu feien, daß wir fiegen im Kampfe des Lebens, im Ringen um die Ideale unsere- Judentums. „Haman und ferne Sippschaft kommen aus dem Palaste des Königs, wo sie Pläne geschmiedet, das jüdische Volk zu vernichten, dieses dreiste, steche Volk, das, so gering wie es ist, doch daraus pocht, nach eigenen Gesetzen zu leben. Und welcher Anblick bietet sich ihnen vor dem Palafte? Mordechai, der geistige Führer dieser Juden, er, auf dem alle Sorgen ruhten, welche die jüdische Gesamtheit quälten, auf deffen Schultern der Druck, der sie alle schmerzend umgab, vor allem lastete, dieser große Mordechai, er steht im Gespräch mit drei Knaben, welche soeben aus der Schule, dem Lehrhaus, kommen und ihm erzählen, was sie Neues dort heute gelernt, was Schönes sie dort erfahren. Und nachdem Mordechai sich leutselig mit ihnen unterhalten und er gütig sie entlasien, da umspielt sein sonst so ernstes Antlitz ein stohes Lächeln und seine sonst so gramdurchsurchte Miene wird erhellt, verjüngt und frisch. — Haman, welcher nicht begreifen kann, daß derselbe Mann, der gegen ihn so stolz, hoheitsvoll und unbeugsam, gegen diese drei einfachen, kleinen Judenjungen so gütig und liebevoll ist, eilt Mordechm nach und fragt ihn, warum er, der sonst so ernste Mann, nach einem Gespräch mit diesen drei unscheinbaren Jünglingen, so stoh und wohlgemut ausschaue. Und Mordechat erwidert ihm: „Frohe Botschaft haben sie mir gebracht, daß ich nichts fürchte und mannhaft entgeaenfchaue dem Unheil, das meinem Volk durch böse Verleumder droht." Da Haman dies hört, beschließt er in seinem Herzen, daß diese drei Jünglinge, die seinen Todfeind wieder mit neuem Mut belebt, die ersten sein sollen, welche sein Schwert hinraffen wird. Soweit erzählt der Midrasch. Und auch wir fragen nachdenkend: „Was mögen wohl die drei Knaben dem Mordechai gesagt haben, daß er. aus ihren Worten neuen Mut,