Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1915)
- Date
- 1915-02-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448506-2448513--67304-2488176- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 4 Sto. 6 Der JSraelit. L4. Februar 1915 Gemeinde. Da die Abrechnung der Kaffe für das Jahr 1913 noch nicht vom Umlauf zurück Ift, wurde sogleich tn die Beratung der Satzungen etngetreten. In einer gemeinschaftlichen Sitzung des Vorstandes und Repräsentantenkollegiums der Deutsch-Israelitischen Gemeinde wurde dos ausscheidende Mitglied des Gemeindevorstandes, Herr A. Lewandowsky, einstimmig wiedergewählt. Oesteweich. Flüchtlings-Fürforge Wie«, 2. Febr. Der Wiener Humanitäre Verband der galtzischen Flüchtlinge hat am 7. v. Mts. eine Ausspeisehalle auf streng ritueller Basis, II., Schiffamtsgasse 20, für arme Flüchtlinge auS Galizien uns ter Bukowina eröffnet. Durch diese Einrichtung ist den sirengreligtösen Flüchtlingen Gelegenheit geboten, eine kräftige, warme Kost zu erhalten, gegen Entrichtung von bloß 12 Hellern. Neben dieser Ausspeiseaktion wird der genannte Hilfsverdand seine bisherige Hilfsaktion durch Gewährung von Kleidern, Wäsche und Schuhen, durch Barunterftützungen an würdige Flüchtlinge, durch Gewährung von unentgeltlicher Rechtshilfe und ärztlicher Hilfe nach Tunlichkeit aufrecht erhalten. Damit all diesen Anforderungen auf die Dauer im Interesse der notleidenden Flüchtlinge nach jeder Richtung entsprochen werden kann, appelliert der Verband an die hochherzigen Wohltäter, sich an dieser Hilfsaktion durch gütige Einsendung von Spenden (Scheckkonto Nr. 149.900) beteiligen zu wollen. Am 24. d. M. fand im Restaurant Nagel eine Versammlung von Bethausvereinen statt, welche Herr Bernhard Hofbauer einberufen hatte, um über Maßnahmen zu beraten, die für die bevorstehenden Feiertage erforderlich sind, um dem dringensten Notstand abzuhelfen. Es erschienen auch Vertreter der Kultusgemeinde und der Schiff, chul. Herr Hofbauer begrüßte die ansehnliche Versammlung und legt dar, daß für die ungemein schwierige Beschaffung von Mazzos und anderen Vtktualien für Pessach gesorgt werden müsse. Herr Kultusvorsteher kais. Rat Schramek erklärte, daß der Vorstand alles vorbereite, was zu tun möglich sei. Nach einer sehr animierten zweistündigen Debatte wurde einstimmig beschlossen, die Kultusgemeinde aufzufordern, alles Mögliche zur Beschaffung von Mazzos, Kartoffeln und Kartoffelmehl zu veranlassen, und wurde Herr kais. Rat Schramek ersucht, diesen Beschluß zur Kenntnis des Vorstandes zu bringen. Auch die Anregung, die Vereine möaen rechttireur am Kragen und führte ihn zum Oberst. Nun gingen der Oberst, vier Unteroffiziere, Papa und der Zrnnrtireur zum Hauptquartier. Dasselbe lag fünfzehn Minuten davon entfernt. Papa mußte nun erzählen in Gegenwart des Königs, Bismarcks und Moltkes, was los war. Zum Schluß sagte Bismarck.' „Gut. mein Sohn, der Lohn soll nicht ausbteiben!" Und jetzt nach vierundvierzig Jahren bekommt er den verdienten Lohn. Die Veteranen von 1870 71 werden an dem künftigen Einzug in Berlin teilnehmen." (Jüdische Ehrentafel.) Durch ein redaktionelles Versehen ist unter dieser Spitzmarke in No. 2'eine Reklamenotiz ins kleine Feuilleton gelangt, worin von der beabsichtigten Herausgabe einer Publikation über die von Juden erworbenen^ KiiegSauszeichnungen im Verlage von M. Glogau jr. berichtet und zur Mitarbeit aufgefordert wird. Wir pflegen derartige geschäftliche Notizen grundsätzlich aus dem redaktionellen Teile auszuschlietzen und haben das gleiche auch den beiden Verlegern gegenüber getan, die sich schon anfangs November mit dem Ersuchen an uns wandten, denen also gegenüber der Firma Glogau die Priorität für das ilnternehmen gebührt. Es sind dies die Firmen Louis Lamm in Berlin und Jüdischer Verlag in Berlin. Wir bemerken dies ausdrücklich, damit aus der'versehentlichen Ausnahme der Glogau schen Notiz keine Ungerechtigkeit gegenüber den beiden genannten Firmen resultiert. (Der ägyptische Ketzerkönig Amenophis IV.) Im Frankfurter „Verein für Geographie" sprach Professor S l e i n d o r s f über den König Amenophis IV. in Aegypten. Unter den Pharaonen, die einst Aegyptm beherrschten, waren nur sehr wenige, die auch als zeitig und eifrig sammeln, um zur Verteilung für die Feiertage gerüstet zu sein, fand Zustimmung. Wilsen, 1. Febr. Die Frage der Mazzoh b eschaffung für die Flüchtlinge beschäftigt auch die hiesige Gemeinde. Man rechnet in Böhmen allein mit 350,000 galtzischen Pessachgästen, die mit Mazzoh versorgt werden müssen und die zu weitaus größtem Teile lieber hungern werden als eine in ihrer Herstellung ihren religiösen Ansprüchen nicht genügende Mazzoh zu essen. Nicht leicht wird es auch sein, den armen Leuten, die daheim ihren ganzen Hausstand eingebüßt haben, das nötige Geschirr zu verschaffen und die Erfüllung der Pflicht der niDlS pni* zu ermöglichen. Mit diesen Fragen befaßt sich Rabbiner Dr. Link in einem Artikel der „Bloch'schen Wochenschrift" und gibt einige Anregungen und Ratschläge, die hoffentlich die nötige Beachtung und Beherzigung finden. Krag, 3. Jan. Heute wurde im Landlagsgebäude die konstituierende Sitzung des Landeshilfskomitees für Kriegsflüchtlinge, namentlich für die nach Böhmen geflüchteten Polen, abgehalten. An der Spitze der Aktion steht der Präsident der Landesverwaltungskommrssion Graf Schönborn, der tn seiner Eröffnungsrede erklärte, die Aufgabe des Komitees sei, die gesamte Fürsorgetättgkeit für die Flüchtlinge, die bereits von mehreren Institutionen in Angriff genommen worden ist, zu konzentrieren. Der Vertreter des Statthaltereipräsidiums, Bezirkshauptmann Dr. Janka, versicherte das Komitee der werktätigsten Unterstützung der Statthalterei und teilte mit, daß Statthalter Fürst Thun dem Komitee einen Betrag von 2000 K. gewidmet habe. Dem Komitee sind bereits vor seiner Konstituierung mehrere Widmungen zugegangen, darunter von einem in Wien lebenden, nicht genannt sein wollenden polnischen Adeligen 4000 K. Es wurde ein Exekutivausschuß gewählt, der seine Tätigkeit bereits ausgenommen hat. Arün«, 31. Jan. Die kleine orthodoxe Organisation in Brünn, der Verein „Machsike Hadas", begnügt sich nicht mit Verabreichung von Almosen an die Flüchtlinge, sondern erfaßte sogleich den ganzen Ernst der Situation. Ohne Verzug wurde ein Hilfskomitee eingesetzt, welchem die eifrigsten Vereinsmitglieder angehören und aus der Menge der Flüchtlinge einige tüchtige Männer herangezogen wurden. Dieses Komitee entfaltete eine erstaunlich vielseitige, heilbringende Tätigkeit. Persönlichkeiten hervortreten, während man von den mcißen nur ihre Flamen und itzre äußerliche Wirksamkeit kennt. Vielleicht der merkwürdigste unter den Phmavnen ist Amenophis IV., der im Jahre 1'W, v. ö. übl. otr. geboren wurde und als Reliaianssr ster mit den großen Glaubenshelden Israels zu vergleichen ist. (?) Seine neue Religion verdrängte den aitägyptischen Kultus der Lokalgvttheiten, der zl:m Ticiknltns geführt hatte, und der großen 'kosmischen Gottheiten mit Ammon als höchster Gotth 'ir, mit dem auch der "Name 'Amenophis zusammenhängt. In der Tat rottete Amenophis IV. aber den Anlm-'nsknltuS und den Tierkultus aus und setzte an seine Stelle einen Svnnenknltns, den er auch als begnadeter Dichter verherrlichte. Er erbaute als heilige Stadt für die neue Religion Dell el-Amarno in Oberäqhpten, wohin er auch die Residenz von Theben verlegte. Gegen die neue Religion und ihren Stifter erhob sich schon zu Lebzeiten Amenophis IV. eine lebhafte Opposition, die besonders von der Priesterichaft des alten Kultus genährt wurde. Als aber Amenophis, erst 30 Jahre alt, gestorben war, wurde die Residenz nach Theben zurückverlegt und der Berstoroenc für einen Ketzer erklärt, der sich am Gott "Ammon versündigt habe. Dell cl-Amarna Lerfiel. Seine Trnmmerstätlen wurden bis zum Kriegsbeginn von der Deutschen Orientgesellschaft durchforscht und erst vor einigen Tagen ist wieder eine Veröffentlichung über' deren Tätigkeit erschienen. Die Regke'.lngszeit Amenophis" IV. war die größte Zeit der ägyptischen Geschichte. Es wurde ohne Kräfteverschwendung jedem Einzelnen die größtmögliche Hilfe geboten. Bei jedem einlaufenden Eisenbahnzuge war das Komitee durch mehrere geeignete Personen vertreten, welche neue Ankömmlinge in ihren Schutz nahmen. Ehe für ständige Unterbringung gesorgt werden konnte, brachte man die Flüchtlinge tn ein Not quartier, welches ein Bereinsmitglied, Herr Eduard Glaser, Spiegelfabrtkant, tn hochherziger Weise zur Verfügung gestellt hatte. Wäsche, Kleider u.s.w. wurden Heimatlosen tn reichem Maße beschafft. Hunderte von Personen erhielten lohnende Beschäftigung zugewiesen. Um die Approvisiontrung Brünns mit rituell einwandfreien Speisen war es bis dahin schlecht genug bestellt, doch „Machsike Hadas" sorgte für die notwendigen Einrichtungen und^ bald funktionierte eine streng koschere Volksküche, welche den Aermsten zum billigsten Preise Ernährung gewährte. Gleich zu Beginn der Einwanderung öffnete „Machsike Hadas" seine Räumlichkeiten mit der reichhaltigen Beth-hamidrisch-Bibliothek dem Gebrauche den ganzen Tag und improvisierte einen Lesesaal, in welchem allerlei Tageszeiten und jüdische Zeitschriften auflagen, auf diese Weise den Armen eine Zufluchtsstätte bietend. Jetzt muß schon eine zweite Einrichtung dieser Art in einem anderen Stadtteile getroffen werden, wo auch für den Unterricht der Flüchtlingskinder systematisch gesorgt wird. Es ist kein geringes Verdienst des Komitees, daß die Regierung veranlaßt wurde, den in Brünn wohnhaften Flüchtlingen die vom Staate ausgesetzte tägliche Geldunterstützung zur Auszahlung zu bringen. Ungarn. Die flhfion für die gali?ifchen Flüchtlinge. Z.B.A. Undapest, 23. Januar. Bis Anfangs Januar hat das Sekretariat der Pester israelitischen Gemeinde 52000 galizische Flüchtlinge unterstützt und mit Geld und Naturalien versehen. Die viel kleinere orthodoxe Gemeinde leistete an 20000 Heimatlosen das gute Werk jüdischer Zdokoh. Ansässig machten sich in der Hauptstadt 6000 Galtzianer, die leider zumeist auf die Hilfe unserer Institutionen angewiesen sind und so das Elend der bereits Unterstützungsbedürftigen noch steigern. An der Spitze der Fürsorgeaktion der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde steht Leop. v. Freudiger, der mit ganzer Hingabe seine große schwere Aufgabe erfüllt. Am letzten Freitag Abend, den 8. Januar, war der Andrang der Bedürftigen in der orthodoxen Hilfsstation sowohl in der Trauelals in der Kazinezygasse ein gewaltiger. . Fest geknäult stand die frierende Menschenmaffe vor den Pforten des Gemeindehauses. Die Not in allen Variationen belagerte diese Stätte. Wurde das Tor für Momente geöffnet, um Person für Person, wie zur Zeit des Twvv-Nehmens, etnzulassen, dann rollte ein Gemurmel durch die von Hunger und Elend gepeinigte Masse, das dem Rauschen eines Gebetes zu N^la auffallend ähnlich klang. Als die Zahl 200 voll war, schloß sich das eiserne Schickfaltor — da leider für mehr augenblicklich nichts vorhanden ist—- dann schleppte sich die Menge langsam weiter, fort in die engen Gäßchen der schönen Stadt, um die in Tränen getauchte bittere Verzweiflung ins Ungewisse weiter zu wälzen. Der Zusammenschluß aller Schattierungen des öffentlichen Lebens läßt hoffen, daß es der vereinten Kraft gelingen werde, mit Hinzuziehung der großen jüdischen Organisationen und Massen das edle Werk von DWIK fiD^m n"öJ erfolgreich zu vollenden. Aus den öemeinflen. Budapest. Am 10. Januar fand im Rathaus die konstituierende Sitzung des Hilfskomitees kür die galizischen Flüchtlinge unter Vorsitz des vom Minister delegierten Grafen Ge za Fe otetics, statt. Als Amtslokal wurde dem Komitee das Schulgebäude in der C s o k o n a i g a s s e zur Verfügung gestellt. Erst, wenn die Registrierung der Flüchtlinge beendigt