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Der Israelit · 1915-02-04 · Heft 6 (4.2.1915) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 6 (4.2.1915)
Date
1915-02-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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4. Februar 1915_• _ lichen manches Gute und über die Erregung und Erscheinung des Tages hinaus Beachtenswerte findet. Dem Verlage Alfred Krün er, Leipzig, wird man Dank wissen für die Herausgabe der von Wilhelm Wundt in Leipzig gehaltenen Rede überden „Wahrhaften Krieg". Der Inhalt dieser bedeutsamen Rede ist f. Zt. von den politischen Blättern wiedergegeben worden und noch in guter Erinnerung und ist es zu begrüßen, daß die feurigen Worte auS dem Munde eines greisen Führers im Reiche des Geistenicht auf den eügen Kreis der Zuhörer beschränkt bleiben und auch nicht mit einem Zeitungsartikel von Tage verweht werden, sondern so der Nachwelt erhalten werden. Wer im Drange der Ereignisse dem raschen Tempo der Zeit, die in Tagen für die Ewigkeit umbaut, nicht zu folgen vermag, dem sei „Die Wahrheit über den Krieg" (Verlag E. S. Mittler L Sohn, Berlin Preis 25 Pfg., der Reinertrag für das Rote Kreuz), embfohlen. Er findet darin die bedeutendsten Momente des Weltkrieges festgehalten. So u. a. die Reden des Kaisers und des Reichskanzlers, und er kann sich in instruktiven Aufsätzen aus der Feder Berufener über all die Faktoren belehren lassen, die zu dem Kriege geführt haben und ihn jetzt bewegen, nicht minder auch über die Lügen und Greuel unserer Gegner. Zum Schluffe ist das Deutsche Weißbuch im Wortlaute wiedergegeben. Alles im allen darf fich das schön ausgestattete 175 Seiten starke Büchlein, mit Recht Die Wahrheit über den Krieg nennen. Dem gleichen Zweck der Aufklärung dienen die ^Zwet Reden" von Ulrich von Wtlamowitz- Moellendorf (Verlag Weidmann'fche Buchhandlung, Berlin). Houston Stewart Chamberlain zählt sonst nicht zu unseren Freunden. Seine Voreingenommenheit gegen Judentum und jüdische Art ist allbekannt und hat, so oft sie in seinen Werken zum Ausdruck kam, die verdiente scharfe Zurückweisung erfahren. Das soll unser Utteil über manches Schöne und Wahre in seinen „Kriegsaufsätzen" (VerlagF.Bruckmann A. G., München) nicht trüben. Was er hier über deutsche Friedensliebe, deutsche Sprache und deutsche Freiheit sagt, ist der Ausdruck der Gefühle von Tausenden, die in diesen Zeiten der Einkehr ihr Verhältnis zu Scholle und Staat innerlich neu geordnet haben. Das England gewidmete Kapital ist darum von erhöhter Bedeutung, weil hier ein Engländer Deutschland davor warnen muß, sich von dem auf Jnteressenpolitik bedachten Albion von heute irreführen zu lassen. Glauben wie ihm, daß es der Mut der Wahrheit ist, der ihn erkennen läßt, daß einzig ein starkes, siegreiches, weises Deutschland die Der J-raelit. Welt erretten kann. Gewiß zur rechten Zeit hat der Ausschuß für Volksvorlesungen Frankfurt a. M. dem alten Fichte das Wort über die Lage erteilt. Den Vortrag hielt bei der Eröffnung des neues Hörsaales am 23. August 1914 der bekannte Professor Dr. Theobald Ziegler, der nun unter dem Titel „Fichtes Reden an die deutsche Nation" vom genannten Ausschüsse in Heftform verbreitet wird (Preis 10 Pfg., Ertrag zum Besten der Frankfurter Kriegsfürsorge). Es ist eine geschmackvolle Blumenlese aus den Kraftreden Fichtes, in höchst feinsinniger Bearbeitung. Vom gleichen Verfasser liegt uns eine 10 Pfg.- Broschüre unter dem Titel „Der Krieg als Erzieher" vor (Ertrag zum Besten des Roten Kreuzes in Stuttgart), die ein feuriger Appell an das deutsche Volk ist, sich vom Kriege zum Umlernen und Befferwerden erziehen zu lassen. Wie die Dinge bei uns lagen, bedurften wir des Erziehers gar sehr. Diesen gerade, den Krieg, wollten wir nicht. Nun aber, da er da ist, lassen wir ihn walten und wirken und uns von Grund aus auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft, vor allem aber auf religiösem Gebiete umgestalten. „An die Deutsche Jugend" spricht auch Eugen Kühnemann (Verlag K. F. Koehler, Leipzig). Er ruft die Jugend als den Anfang eines neuen Weltalters, als den Morgen eines neuen Tages für die Menschheit auf. In gleichen Bahnen bewegt sich eine Rede von Adolf Lasson über „Deutsche Art und Deutsche Bildung", die im 4. Heft der von Karl Hey mann, Berlin, herausgegebenen „Deutsche Reden in schwerer Zeit" sich befindet. Das Ziel des Weltkrieges für uns sei, daß ein neuer Geist in die europäische Menschheit einziehe und deutsche Art und Bildung die Anderen zur Nachahmung anfeuern. Das wäre der Sieg der Menschlichkeit, auf den wir im Bewußtsein unseres Wertes und unserer gnten Sache hossen dürfen. (Fortsetzung folgt.) Lorrespondenzen und Aachrichten. knölick doch! Wertm, 28. Januar. Endlich ist auch dem schändlichen Treiben des .■wtnaw yp -an 22m nn» iw tonjn b vrp: m» jo» m jnttem nnm mirn nnx mgr® inv w bv nw hv 22in ,10t? bv nnn m« •b ®»en nisten e«pi mim na aaw. Mit 7 Benennungen bezeichnet die Schrift seinen Namen: mit Reuel, mit Fester, mitJihrau, mit Chauwow, Chewer, Keint, Putiel. Jeser wird er genannt, weil ein Abschnitt in der Thora ninn nnx: — d. i. dieses 18. Kap. — seinetwegen eingesügt wurde. Jtzrau war er genannt, weil — da er sich zum Jsraelitentum bekehrte und die Gebote erfüllte — ihm ein Buchstabe zu feinem Namen hinzugefügt wurde. Chauwow wurde er genannt, weil er die Thora liebte. Wir fragen 1. Warum gibt Raschi erst an dieser Stelle die Namen und deren Bedeutung an und nicht schon in wen», wo doch der Name in’ zum erstenmale vorkommt, oder doch in Kap. 4,18, wo die Namen in' nnd in» in einem Satze Vorkommen? 2. Warum werde« nicht alle Namen nach ihrer Bedeutung erklärt? Raschi scheint anzunehmen, daß Mosches Schwiegervater als heidnischer Priester den Eigennamen TKijn „Gottes Freund" geführt habe, nach seiner Bekehrung aber habe er die Namen 22m in' *i*v erhalten. Den Namen in» habe er erhalten, weil seinetwegen die hier in Rede stehenbe neie — die mwi nun überall genannt wird — hinzugefügt wurde. DaS hätte — so nreint Raschi — doch eigentlich zur Folge haben müssen, daß dieser Abschnitt nicht mit in' warn, sondern mit Fug und Recht mit ywi iw hätte beginnen müssen. Warum sängt die nene aber trotzdem mit in' au? Darauf erfolgt ganz folgerichtig die Antwort: wDin nisten e»pi 10tv bv nn* wu 17. Weil er Proselut werden und die Thora hatten wollte, wurde ihm ein schönerer Name mit einem hinzugefügten Wow gegeben. Mit diesem schöneren Namen beginnt die wie einmal weil n*2pn ntw?B^ n2iö N2VNV speste, der Heilige, gelobt sei, er den guten Willen für die Tat nimmt, und dann auch noch, weil er ein 22m wurde, ein Mann, der das Gotteßgesetz liebte. Die anderen Namen kommen für dieses Moment nicht in Betracht, darum werden sie auch nicht weiter erklärt. Gerüstet. (Aus dem Briefe eines im Felde stehenden Frankfurter Arztes an seine Eltern.) Dixmuiden, 21. Januar. Meine Lieben! Gerade habe ich das Maariwgcbet verrichtet, und noch in einer Stimmung von Andacht lese ich Eure Briefe — — Auch Deine lieben, guten Worte, lieber Vater mit der stetigen Anlehnung an einen schönen jüdischen Satz sind mir so wohltuend; gerade weil ich hier so alleinstehe, als Jehudi, weil meinen besonderen Pflichten als solcher so viele Schwierigkeiten gegenüberftehen, erkenne ich erst recht den Sinn des Worteskwvv S’Xn npnst. „Die Pflichterfüllung rettet vor dem Tode", ja die Pflichterfüllung, die Gott sucht und findet, auch wenn die Umstände denkbar ungünstig sind, die erleichtert aufatmet, wenn trotz allem es gelang, die täglichen nirkv zu erfüllen, die rettet vor dem Tode, dem geistigen, sittlichen Tode, der tausendmal schlimmer ist als der körperliche, vor dem Tierwerden, dem Verrohen und Versumpfen. Und so bin ich überglücklich und zufrieden. jeden Tag, wenn ich mir die Tefillin anlege, wenn ich zur rechten Zeit mein Morgen-. Mittag- und Abendgebet verrichten konnte. Was Ro. 6 Sette 8 antisemitischen „Hammer" ein Damm gesetzt worden. Er bringt in seiner letzten Nummer folgende Mitteilung: „Das vorliegende Heft wird möglicherweise erst verspätet in die Hände unserer Leser gelangen. Ursache ist der Umstand, daß der „Hammer" infolge fortgesetzter Beschwerden von jüdischer Seite neuerdings unter Präventiv-Zensur gestellt ist. Alle zum Abdruck bestimmten Aufsätze sind vor dem Druck der Zensurbehörde einzureichen. Da uns dieser Beschluß erst kurz vor dem Druck dieses Heftes eröffnet wurde, mußte notwendigerweise eine Verzögerung in der Fertigstellung eintreten — umsomehr als einige Aussätze (z. B. eine von vielen Seiten gewünschte Stellungnahme zu den „Höchstpreisen", ferner eine Fortsetzung unserer Mitteilungen über die „Mißstände bei den Heereslieferungen" und Anderes) beanstandet wurden. Wir sind unfern Lesern und Mitarbeitern diese Aufklärung schuldig, damit sie wissen, warum viele Einsendungen jetzt keine Verwendung finden und gewisse Wünsche nicht erfüllt werden können. Wir bitten, auch bei künftiger Einsendung von Zuschriften und Manuskripten dies gefälligst zu beachten: Jede Kritik an jüdischen Personen und Handlungen ist bis auf weiteres verboten. Selbst die sachliche Bekanntgabe von Vorgängen, die sonst in der Presse überall zulässig ist, kann in unserem Blatte beanstandet werden. Alle die Judenfrage berührenden Aufsätze sind also während der Dauer des Krieges unzulässig." Kamöirrg, 27. Januar. Das Repräsentantenkollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt im Gemeindebureau Kaiser Wilhelmstraße eine Sitzung unter Vorsitz des Herrn Jos. Lippmann ab. Zunächst wurde in die Kommission zur Beratung der Neuorganisation der Gemeinde an Stelle des zum Gemeindevorsteher erwählten Herrn Jakob Alexander Herr Alfred L iss er gewählt. Der Gemeinde- Vorstand teilte mit, daß er beschlossen habe, von der Beratung seines Antrages auf Vermehrung der Mitglieder des Vorstandes bis auf weiteres Abstand zu nehmen. Der Vorstand glaubt annehmen zu sollen, daß das Repräsentantenkollegium unter diesen Umständen vorerst auch auf die Beratung seines Antrages auf Vermehrung der Mitglieder des Repräsentantenkollegiums verzichte. Nach längerer Debatte erklärt fich das Kollegium mit dem Vorschlag des Vorstandes einverstanden. Der Gemeindevorstand gibt dann die im Jahre 1914 der Gemeinde gemachten Stiftungen bekannt. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Deposttenkasse milder Stiftungen der Deutsch-Israelitischen meine Kameraden wohl dazu sagen würden, wenn sie eines Tages in meinem Brotbeutel meine Tefillin entdeckten und ich ihnen erzählte, die gehörten ebenso zu meinem täglichen Bedarf, wie das Brot. — — — Heute Nacht wird ein französischer Angriff erwartet, alles ist auf Posten, unser Verbandsplatz auch schon festgelegt, es liegt eine Gewitterschwüle in der Luft, draußen ist's jetzt ganz still. Hoffentlich triffts nicht ein, denn, wie es auch gussällt, ohne Verluste geht es nicht ab und ich'bin momentan der einzige Arzt im Bataillon; der Stabsarzt ist krank. Ihr werdet ja aus den Zeitungen schon vor Eintreffen dieser Zeilen ersehen, ob eiv Angrift stattfindet oder nicht. Wenn diese Zeilen Euch erreichen, dann ists vielleicht gerade Chamischo Ossor, dieses Mat fällt es mit dem Schabos-Schiro zusammen! Wie eigenartig: ob der kommende Frühling auch uns bald die Schiroh finden lassen wird? Gott gebe es —" (Rach vierundvierzig Jahren das Eiserne Kreuz.) Ern jüdischer Landwehrmann vom Reserve- Jnfanlericrcgiment Nr. 15, Georg Cohn ans Bielefeld. erhielt im Lazarett einen Brief von seinen Geschwistern. in welchem es heißt: „Papa hat vor acht Tagen das Eiserne Kreuz bekommen von 1870/71; es ist ihm damals vergessen worden zu überreichen, kannst Dir denken, wie er sich gefteut hat... Den Orden hat Papa für folgende Tat bekommen: Nach der Schlacht von Gravelotte lagen sie rechts im Biwak und links lagen die Verwundeten. Mit eineuninate sieht er, wie einer in einer blauen Anke sich zwischen den Verwundeten zu schaffen macht, ihnen die Augen aussticht und sie beraubt. Papa schnallt sich einen Säbel um, geht auf ihn los, macht ihn durch ein paar Armhiebe kampfunfähig nnd nahm den Frank-

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