Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1915)
- Date
- 1915-02-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette S Skr. 6 4. Februar ISIS vergewaltigten Frauen und Mädchen. In das Haus eines sehr angesehenen reichen Mannes kamen zwei Offiziere und verlangten, mit dem Tode drohend, daß er ihnen feine Tochter ausliefere. Mit großer Mühe gelang es ihm, sein Kind mit 2000 Rubel loszukaufen und die Schande von seinem Hause fernzuhalten. In Dziurek haben die Russen Juden mißhandelt, Frauen geschändet und alles ausgeplündert,' was sie nicht wegschleppen konnten, wurde verbrannt. In das Haus des frommen und hochangesehenen Juden Ehrlich drangen zwei Offiziere und forderten, daß dessen Tochter sich ihnen preisgebe. Da der Vater ihnen dies weigerte, zog der eine Offizier seinen Säbel, legte dessen Schneide Ehrlich drohend an die Kehle, während sich der andere daran machte, die schlafende Tochter aus dem Bette zu zerren. Als der Vater, seinem Kinde helfend, beispringen wollte, schnitt ihm der eine Offizier mit seinem Schwert die Kehle durch. Angesichts der Leiche ereilte das Mädchen sein Schicksal und es liegt noch heute schwer krank darnieder. Ein Bräutigam Israel aus Kanin fuhr per Rad nach Slupci, um dort seine Braut zu besuchen. Zufällig stammte das Rad aus einer deutschen Fabrik und trug deutsche Marke. Für die Russen, die ihm begegnen, Grund genug, ihn zu verdächtigen. Sie reißen ihn vom Rad herunter, stecken ihn in einen Sack und haben ihn lebendig begraben. Hatten sogar kaltes Blut genug, zu diesem teuflischen Geschäft jüdische Soldaten heranzuziehen und so Brüder zum Henker des eigenen Bruders zu machen. Wenn ich Ihnen die angeführten Begebenheiten erzählt habe, so ist es nicht meine Absicht, auf die Nerven Ihrer Leser zu wirken. Die Zeiten sind zu ernst und die Dinge zu ungeheuerlich, als daß sie zu journalistischen Effekten ausgenützt werden, dürften. Ich habe die Tatsachen ihre erschütternde Sprache reden lassen, damit die flammende Entrüstung, die jeden empfindenden Menschen erfüllen muß und die mich in diesem unglücklichen Lande seit Monaten in Aufregung hält, sich auch Ihren Kreisen und all denen in Ihrem Lande mitteile, denen Kultur, Gerechtigkeit und Menschlichkeit heilige Begriffe sind. Ich habe Fakten an Fakten gereiht, die sich zu einer schreienden Anklage verdichten müssen gegen eine brutale Barbarei, die Entsetzlichkeiten verübt, von denen man sich nicht vorstellen kann, wie Menschenhirne sie ausdenken und Menschenhände sie v oll führen können. Geschehnisse ob deren — um ein biblischeis Wort zn gebrauchen, — mm AukLMlärung einer schwierigen -Raschistelle. Bon Lehrer B. Wolff in Aurich. Die Bemerkungen Raschis zum ersten Berfe in nr nono bieten manche Schwierigkeiten. Zu vom nt?ob o'pbs ntvv im bo nie nvo fnn pno fn2 nn» ontfoo 'msr nx tj x'Xin '2 izy ’trwb', bemerkt der grotze Bibelerklärer erläuternd: X2i yav nv'iov no nonSei pjid b* nynp? Wenn wir von der allgemein anerkannten Voraussetzung ausgehen, daß sich Raschi bei allen seinen Erläuterungen der knappesten Ausdrucksweise befleißigte, so will es uns doch diesmal bedünken, als ob er hier von dieser Gepflogenheit abgewichen sei. Wenn wir auch die Fragestellung überhaupt außer Betracht laßen wollen, so mutz uns doch das Wort njnop, das entschieden als überflüssig erscheintzu denken geben. Was hätte gefehlt, wenn die Frage X2i yot? no gelautet hätte? Ja, hätte nicht auch das ioi fehlen dürfen? Sec Israelit. jedem, der sie hört, die Ohren gellen müssen. II. Au» Galizien und Südpolen. Von k. Ungar. Honvedrabbiner Dr. Samuel Lemberger aus Szentygörgy, z. Zt. im Felde. Von befreundeter Seite ward ich ersucht meine Wahrnehmungen hinsichtlich des Vorgehens des russischen Heeres gegenüber der jüdischen Bevölkerung auf dieser Sette des Kampfgebietes — Galizien und Südpolen — der Oeffentltchkett mitzuteilen. Wohl ist es ganz und gar unmöglich, derzeit ein vollständiges Bild der der Zerstörungswut und der Raub- und Mordlust des russischen HeereS verfallenen jüdischen Opfer zu geben. Noch harrt ja ein großer Teil Galiziens mit seiner zahlreichen jüdischen Einwohnerschaft der Befreiung von diesem neuesten Golus. Im großen und ganzen aber bestätigen sich schon jetzt alle Gerüchte über die vielen tausend kleinen Pogrome, die die treuen Schüler der schwarzen Hundert—so zahlreich in der russischen Armee vertreten — verursachten. Ueberall, im letzten kleinen Dörfchen, sucht der Kosak wie auf Kommandobefehl den „Jwri" auf und plündert und raubt, zerstört, vergewaltigt und mordet. Es ist ein Jammer, eine Ortschaft zu durchqueren, in der der Moskal durchzog. Wo man aufgebrochene Kaufläden, eingeschlagene Haustore, zerbrochene Fenster steht, kann man mit Sicherheit folgern, daß da einst ein Jude wohnte. Wenn man näher tritt, so trifft man heruntergertffene Mezuzoth, zerstückelte Möbel, zerfetzte Stddurim, Machzorim und Talmudfolianten. In einem anderen Hause sind die Gemächer leer. Der Kosak ward ein Wohltäter. Er nahm das Möbel und verteilte es großmütig unter den Nachbarn. Aber doch nicht ganz leer. Wir finden in den schönsten Zimmern der besseren jüdischen Wohnungen Pferdekot und andere Stallreste. Die Kosakenpferde standen in den Salons. Nicht nur in den Dörfern, auch in den Städten wie Zaklycztn, Bobowa, Lymanowa etc. In letzterem Orte zeigte uns — als unsere Truppen nach der dortigen siegreichen Schlacht hinetnzogen — ein alter Jehudi weinenden Auges das Beth ha-midrasch mit Pferdeexkrementen geschändet. Dort hatten die Russen die Pferde etnquartiert. Selbstredend wurde unsererseits sofort Sorge getragen, daß das Bethaus gereinigt seiner heiligen Bestimmung zurückgegeben werde. Die jüdischen Geschäfte wurden geplündert, die Waare wagenwetse fortgeschleppt, in die umliegenden Dörfer geführt und dort zu einem billigen Einheitspreise verkauft. So trafen wir Und nun erst die Antwort pbov nönbai ny*ip die gar mit dem Wortlaut der Schrift — n x*5tin »2 onstoo 'X12" nx — im Widerspruch zu stehen scheint? Was mag nun Raschi veranlaßt haben, aus seine Frage die ebenbezeichnete Antwort zu geben? Zur Beantwortung unserer Fragen schicken wir voraus, daß es im späthebräischen Schristgebrauche zwei Ausdrücke für „Nachricht" gibtwir sprechen in der Regel von N2iv n"W2 und von njn nyior; hier hat Raschi wenigstens mit dem Begriffe rww die „böse Nachricht" bezeichnen wollen, und so durfte bei Raschis Fragestellung dieses Wort unter keinen Umständen fehlen. ES heißt ja auch in unserem Schriftverse: Jitro hörte alles, was o*p^x „der strafende Gott" an Mosche und Israel getan hatte. Bon Mosche hatte er beim Abschiede seines Schwiegersohnes aus Midjan vernommen, daß 'n „der liebende himmlische Vater seines Volkes" Israel aus Mizrajim führen wollte und ihm, dem Mosche, aufgetragen habe, zu Pharao zu gehen und ihm zu sagen, daß er Israel aus der Knechtschaft entlasse. Nun war das große Werk der Erlösung zur vollendeten Tatsache geworden, aber wenn Jitro die ganze Reihe der Geschehniffe üderblickte, so stand er vor einem Rätsel, das er nicht allein zu lösen vermochte. Gewiß, das gab er ohne jenen Widerspruch zu O'NLOO 'me» nx 'n x'Lin '2, daß es von dem Gotte Israels ein Akt „liebender Vaterbarmherzigkeit" gewesen, sein Volk aus Mizrajims harter Knechtschaft in die goldene Freiheit geführt zu haben, aber er konnte nimmer zugeben, daß auch romp pbsv non^oi?]io c* Akte der Liebe und der Barmherzigkeit desselben Gottes gewesen seien. Und diesen Gedankengang des heidnischen Priesters matt das Thorawort so unvergleichlichtschön dadurch, daß es zu dem Eigennamen s Jttroz.noch die ^Epitheta pno jn2 in der JaSloer Gegend in den Dörfern (MoScenyca etc.) bei den Bauern die feinsten Röcke zu dem spottbilligen Preise von 2 Kronen gekauft. Dorthin brachten sie auS Jaslo eine ganze Wagenkolonne mit geraubter Waare. Der Jwri hat Speise, Trank, Geld, Gold und Silber. Der Jwri hat Hafer, Heu, Kuh und Pferd. Der Jwri ist Verräter, der Jwtt hat geheime Verbindungen mit dem Gegner. Des Jwri's Haus wird durchgesucht, die Taschen geleert, die Kühe genommen nud zu allerletzt wird der weinend dabeistehende Eigentümer durchgepettscht. Unzähligemal geschah es, daß der arme wandernde Jude auf der Straße gestellt, seiner Uhr, seines Geldes beraubt und dann mit einem Kolbenstoß davon gejagt wurde. In jenem Dörfchen, in dem ich heute bin, haben sie bei dem jüdischen Pächter seine 15 Kühe und 8 Pferde ohne einen Heller Entgelt fortgenommen. Sie ließen ihm keine einzige zurück. Die ganze Wirtschaft zeigt das denkbar kläglichste Bild. Keine Kuh, kein Pferd, kein Heu, kein Hafer, keine brauchbare Maschine, nur leere Gebäude mit zerbrochenen Türen und Fenstern und unbebautes Feld. Als Entgelt haben sie ihn eines erdachten Vergehens beschuldigt und fortgeführt. Zum Glück konnte er in den nahen Wald flüchten und irrte umher bis zu unserer Ankunft. Allerdings erging es ihm besser als dem Mordechai Wetnftock in Jankowa, dem sie daS Haus durchsuchten, seine Habseligkeiten fortnahmen, ihn auf den Boden hinauffchleppten, um ihn von dort htnunterzustürzen, so daß er 3 Wochen lang zwischen Tod und Leben schwebte. Und besser als dem vornehmsten Jehudi in Myclec, den sie bei ihrem Rückzug zum Sanfluß Mitnahmennoch 5 Wochen nach seiner Entführung — als ich dort weilte — war noch keine Nachricht über ihn zu seiner Familie gedrungen. Stellen Sie sich den Seelenzustand jener armen Frau und seiner erwachsenen Kinder vor. Ihre erste Herrschaft in Glogow dauerte wohl eine ganz kurze Zeit, kaum drei Tage, diese aber genügten, zwei Menschenleben, Familienväter, unschuldig, ohne Verhör, zu erschlagen. Wer könnte aber all ihre Grausamkeiten vorzählen. Wohin wir kommen, wohin wir gehen, überall treffen wir in sich gekehrte, melancholische, weinende Greise und Greisinnen, Mütter und Väter, die wohl gottergeben ihre schwere Prüfung ertragen, aber dennoch jammern. Geistige Kriegssürsorge. (Fortsetzung.) Besonders reichhaltig ist die vom Kriege gezeitigte Broschürenliteratur, in der sich unter vielem Ueberflüssigen und Selbstverständnro fnn setzt. Es steckte in Jitro noch zu viel von dem Irrwahn eines pno f.12, um sich für die Lehre von dem Wesen des Gottes zu erwärmen, den er als ne?o fmn kennen gelernt hatte. Er, von dem es heißt 22» 0*2212 nmny ^22 -1*20 nw, war noch zu sehr . von dem Glaubenssatze der heidnischen Lehre befangen, als gäbe es nvitn *nv, zwei widerstreitende himmlische Gewalten, um auch in pbov non?oi rpo 0* nynp das Walten von camn rvrö zu sehen; denn er sagte sich: Als n sein Volk aus Mizrajim führte, da hätte er es auch nvnnS abiy führen müssen und nicht mehr in die nnst von p^oy nonSoi p]io O' n*mp. Die Kunde von diesen beiden Ereignissen waren in seinen Augen die njn nyiop und galten ihm als Wirkungen eines andern mächtigen, himmlischen Wesens, dessen Vorhandensein Mosche stets und mit Beharrlichkeit verneint hatte. N«n kam er wit Zweifeln — daher das X21 bei RaschiS Fragestellung — und verlangte von Mosche Belehrung. Der Ausfall der Lösung seiner Fragen und seines Zweifels sollte darüber entscheiden, ob auch er in Zukunft ein gläubiger Verehrer und Anhänger des vis» »pto werden könne oder nicht. . Und Mosche löste alle Rätsel, bannte jeden Zweifel aus dem Herzen seines Schwährsdenn es heißt BerS 8 ganz deuUtch: m rwv im *72 nx i:nn^ nvo noo'i. Umständlich erzählte Mosche nicht mehr dem p*?ö jn2, sondern ttnir6 seinem — dem bekehrten — Schwiegervater, wie alles so kommen mußte und bewies durch Ursache und Wirkung, daß auch in pdop nonbo, spo v' ronp Akte von D’ömn nno zu erblicken seien. Jtro hört und wird bekehrtdas beweisen seine eigenen Worte in VerS 10 und 11, in welchem nur noch von 'n und nicht mehr von o’pbx in seinem früheren Sinne die Rede ist. Zu dem Worte bemerkt Raschi erläuternd: