Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1915)
- Date
- 1915-02-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2448506-2448513--67301-2488173- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Israelit Ein Centralorgan lOr du orthodoxe Judentum Begründet oon Dr. Lehmann in Iflainz 56. Jahrgang- Sranhfurf a- M-. gen 4. Februar 1916 20 Qdiebat 5675. ^§6. gfomteuteirtr pro «ierteltahr r GewSdnljche Ausgabe M? i.eo, HssftnuSjsShr (Kunstdruck) Mk. S.—. Auslandspreise: KrwSümrchr AuSssde: Oesterreich-Uno»», * Kr., Rußland 1 Rnb„ Englund S sh., Amerika 50 cts., Rieserraade 1.10 BL, Krarkrckch Pia. 5LSÖ. MonnrmrntS allen Mastanstalten, Bucht and langen, fasste bei dem äBncico. NN' Der JSraelir erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 3o Pfennig für die sechSgrspaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. f a t ett a ti tt all ttt c durch den Verlag des JSraelit G. m. b. Frankfurt a.M.r Gr. Efchenbeimerstr. 23 Del.S8LS.Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Erped. des In- und Auslands. Platzvorschrifte» ohne Verbindlichkeit. Zahlauge« fSnneu außer öiccft an den Verlag erfolgen der Conto »et »er 8. 8. «ostfvarraste «Ate« *«. r» «•» Conto »ei de« 8. Vsstfpa*taste»a«t Budave» *«,18411 Konto »et »er Ritter Co«»ees»«mf t» Rit* nnd deren RrKtaleu. Der nachöruch 9er Artikel un9 Correfpon9en?en 9es „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, un9, soweit es [ich um größere fluffäfee handelt, nur nach norheriger Genehmigung gefiattet Inrhattsübevstcht 1. Leitartikel: Feldrabbiner Dr. Arthur Levii, Berlin: Die Schandtaten der Küssen. — 2. A u f s ä tz e: Geistige Kriegsfursorge. 3. Homiletik: Lehrer B. Wolff, Auiich: Zur Erklärung einer schwierigen Kaschisteile. — 4. K l e i n cs Feuilleton: Gerüstet. — Nach vierundvierzig Jahren das Eiserne Kreuz. — Jüdische Ehrentafel. — Der ägyptische Ketzer kvnig Armenophis tV. — 5. Korrespondenzen und Nackrichten: Berlin (Endlich doch!) — Hamburg (Repräsentantenkollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde.) — Wien, Pilsen, Prag, Brünn (Flüchtlings-Fürsorge.) — Budapest (Die Aktion für die galizischen Flüchtlinge.) — Aus den Gemeinden: Budapest, Budapest, Budapest, Ezernowitz, Thrnau. — Lodz (Die Deutschen und der Oberrabbiner bon Lodz.) — Berlin i Russische Gerech ttgkeit.) — London (Die Lage in London.) — London (Im glücklichen Rußland ) — New-Jork (Die amerikanische Einwanderungsbill.) — 6. Personalien: Hannover. — Breslau. — Sobernheim. — Straßburg. — Oehringrn. — Wien. — 7. Bermischtes: Berlin. — Berlin. — Berlin. — Kettwig v. d. Brücke. — Treysa. Memel. — 8. Briefkasten. — Familien - Nachrichten. — 8. Bei lagen: Feuilleton-Beilage: Kater Kennenkamps Fahnen. — Erziehung und Lehre: Die materielle Fage der Jüdischen Keligionslrhrrr. — sJi. P.: Religiöser Anschauungs-Unterricht. — Korrespondenzen und Nachrichten. — Literarische Warte: Kücherschau. — Jüdischer Volksfreund: Krricht über die Tätigkeit des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands während des Geschäftsjahres 1914. — Rabb. Michaelski, Recklinghausen: Fern der Heimat. — Das Judentum in der Keleuchtung der Tagespressr. Die Schandtaten der Russen. r Aus Aordpolen. Zweiter Offener Brief an //The American Hebrew." Von Feldrabbiuer Dr. Arthur Levy aus Berlin, z. Zt. im Felde. Lodz, 25. Januar. Ich sende Ihnen heute nach meinem ersten einen zweiten offenen Brief ein und wist Ihnen abermals Zeugnisse über die Greueltgtstn vorlegen, die hierzulande geschehen und die so himmelschreiend .sind, daß man sie nicht glauben möchte, wenn man sie nicht z. T. aus dem Munde deren hören würde, die sie miterlebt und mitangesehen haben: Ich sprach, in diesen Tagen einen alten Mann, er war zu miv^gekommen, sich mit Mir auszusprechen und Hxt Mir Hat und Tat zu holen, ich konnte ihn nicht trösten, sein Unglück war zu groß, aber ich hoffe, ihm helfen zu können. Seine Geschichte ist folgende: Mendel Janowski war Gutsbesitzer in Russisch-Polen, wo er im Dorfe Chozew, bei Widawa, sein Besitztum hatte. Im Anfang des Krieges kamen die Deutschen ins Dorf und acht Offiziere bezogen auf seinem Gut Quartier,' als 8 Tage später die Russen zurückkamen, denunzierten die Bauein den Juden bei den Kosaken, die ihn als „Spion" einsperrten, bis er nach 14 Tagen von den wieder einrückenden Deutschen freigelaffen wurde. In sein Dorf zurückgekehrt, drohten ihm die Bauern, wenn die Kosaken wteterkämen, würde er aufgehängt und sein Gut an die Bauern aufgeteilt werden. Janowsly hatte unter diesen Umständen nicht den Mut im Dorfe zu bleiben und zog fort von dort, seinen 27 jährigen Sohn auf dem Dorf zurucklassend. Als am 24. November die Russen wiederkamen, nahmen die Kosaken diesen Sohn gefangen und erschaffen ihn, nachdem die Bauern ihn als deutschen Spion denunziert hatten. Das Haus wurde ausgeraubt und ausgeplündert und dann in Brand gesteckt. Nicht einmal die Leiche des Erschossenen gaben die Russen heraus, sondern ließen es zu, daß sie von den Bauern aufgespießt und ins Feuer des brennenden Hauses geworfen wurde. Der Tote hinterläßt eine Frau und 4 kleine Kinder, denen nichts geblieben ist als die Kleider, die sie auf dem Leibe tragen. In Slupel erschienen eines Tages die Russen auf dem Gute des Besitzers Hoffmann und nahmen dort alles fort, was sie vorfanden, Pferde, Wagen, Getreide, Hab und Gut. Als sie mit dem Plündern fertig waren, fragten sie den Besitzer, was sie sonst noch haben könnten. Dieser, für sein Leben fürchtend, bot ihnen Speise und Trank an und führte sie in sein Haus. Dort gewahrten sie sein Weib, eine schöne Frau, und machten sich daran, sie „für die Offiziere mitzuschleppen." Hoffmann stellte sich ihnen wehrend in den Weg nnd kalten Blutes schlugen sie ihn nieder, warfen seine Leiche in ein Loch am Rande des Weges, von wo sie dann später mit Erlaubnis der inzwischen eingerückten Deutschen nach dem Friedhof in Wloclawek überführt worden ist. ' .JnSubota. wurde eines Tages der Rab- . btnep ynd , fünf GeMeindevorfteher verhaftet. Man MMe mcht^ iiväs Mt ihnen geschah und wohin sie gtzbrvcht wurden, 6 Wochen später fand man im Subotaer Walde alle sechs aufgehängt, zum Teil schon verwest und angefreffen. In Brzeziny wurde in einer Dezembernacht eine russische Abteilung von deutscher Kavallerie überfallen und gefangen genommen. Am anderen Nachmittag kam von Lodz aus Verstärkung nach B. Ihre erste Tat war die, daß sie 26 Juden gefangen nahmen, 13 von ihnen, darunter sehr angesehene Männer, als angeblich verräterische Urheber des deutschen Ueberfalls um brachten. Bei zweien nur wurde gestattet, daß sie ans dem jüdischen Friedhöfe beerdigt wurden. In Plawna wurden 2 Juden ohrie Grund aufgehangt und alle jüdischen Geschäfte geplündert. Bei einer Frau Golde Schersack wurden die Betten aus dem Hause geschleppt und auf der Straße verbrannt. In Klomnitz wurde der Schneider Chaim Kalischer aufgehängt, weil die Deutschen bei ihm gewohnt hatten. Ein Jude, Meier Chatke aus Klomnitz, wurde in Noworadomsk aufgeknüpft. In Wloszczowe wurde die ganze Stadt pogromiert und acht Juden erschaffen, weil sie Proviant für die österreichische Armee geliefert hatten. In Janow wurden an einem Tage vier Juden, Abraham Grünbaum, I. u. M. Tennenbaum und Rüben Tschennotz aufgehängt, ihre Frauen vergewaltigt. In Sieradz wurden alle jüdischen Häuser geplündert, der Schächter Samuel festgenommen und grausam mißhandelt, so daß er bis heute darniederliegt. Eine Frau, einige Tage nach ihrer Niederkunft, wurde vergewaltigt. In Sloti Pateck wurde das Haus der Familie Blumke von allen Seiten angezündet. Eine Frau und ihr neunjähriges Kind verbrannten. In Koniecpol wurden sämtliche Häuser ausgeplündert, neun Juden festgenommen und mit der Nagajka mißhandelt. Einem kleinen Jungen, Löbel Kutscher, wurde auf dem Wege zum Cheder die Hand abgeschnitten. Nach Wjelun brachten die Ruffen drei Juden, die sie bei Sieradz gefangen genommen hatten. Zehn Tage saßen sie im Gefängnis und die Juden durften ihnen kein Effen bringen. Am elften Tage wurden sie aufgehängt. Die Stadt wurde pogromiert und zwei Frauen, davon eine unmittelbar nach ihrer Niederkunft, vergewaltigt. In Noworadomsk gingen Mannschaften und Offiziere jede Nacht von Haus zu Haus und