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Der Israelit · 1915-01-28 · Heft 5 (28.1.1915) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 5 (28.1.1915)
Date
1915-01-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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i Sette A No. 5_' Russen nur Greise und Kranke geblieben. Alle anderen ergriffen, in Erinnerung an die Erlebniffe im Sommer schleunigst die Flucht. Die Ruffen ftürzren sich in die verlassenen Häuser, die sie bis auf den Grund ansplünderten, und gingen dann auf Menschenjagd aus. Die Tochter des Herrn H. ergriffen sie auf der Straße und wollten sie ins Quartier schleppen. In ihrer Verzweiflung simulierte sie eine Ohnmacht, woraus sie sie auf der Straße ließen. Der alle Jude M. wurde, als er die Synagoge verließ, dermaßen mißhandelt, daß er am dritten Tage seinen Verletzungen erlag. Der Synagogendiener, den das gleiche Schicksal im Gotteshause ereilte, liegt hoffnungslos darnieder. Im Dorfe Tyrave-Silene banden die Kosaken drei Juden an die Pferde und schleiften sie so durch die Straßen, bis sie ihre Seele aushauchten. Im Dorfe Berg ly hatte der alte Tabakhändler Jakob Tartner vergeffen, das österretchichische Wappen an seinem staatlich konzessionierten Tabakladen zu entfernen. Das Schild wurde ihm an die Brust geheftet, durch das die tätliche Kugel ihn auf offener Straße niederstreckte. Im Dorfe Ropienka erlitt ein angesehener Mann namens Opnik den Tod, weil er die Ehre seiner Nichte verteidigen wollte. Einem Briese aus Czernowitz von Ende November entnehmen wir: „Ich beeile mich die Stadt zu verlassen, da die Greueltaten aus der ersten Russeninvasion mir noch in guter Erinnerung sind. Gleich anderen Juden sollte ich an einen wildtrabenden Gaul gebunden werden. Dieme Rettung verdankte ich dem Umstande, daß ich in der Todesangst in Ohnmacht fiel. Die Vorgänge in Sadagora lassen sich nicht*beschreiben. Die Opfer sind zahlreich. Unser lieber Freund K. L. R. deckte seine Frau mit dem eigenen Leben. Er starb wie ein Held. In Lanzut wurde ein junger Mann erschossen — weil in der Schänke, die er den Soldaten zeigen mußte, kein Schnaps mehr zu haben war. Im Dorfe Tyrawe Woleska wurden drei jüdische Jünglinge wegen ähnlicher „Irreführung" „standrechtlich" erschossen." * * Die Wiener Flüchttingsfürsorge ist in ein : eues kritisches Stadium getreten. Das Ministerium des Innern hat, wie die Wiener „Neue Nationalzeitung" berichtet, eine Verordnung erlassen, daß Flüchtlinge, die nach dem 10. Dezember in Wien etntrafen, einerseits zum Verlassen von Wien aufgefordert werden, anderseits keine Gebühren erhalten. Ausgenommen sind Standespersonen. Weitere Ausnahmen kann nur das Minesterium im Instanzenwege gestatten. Daß dadurch viele Unzukömmlichkeiten und Familien- ^_ Der JSraeltt. - ■ tragödien entstehen, ist klar. Aber den christlichsozialen Führern ist das recht. Auch in Kriegszeiten ist für sie nur das Parteiinteresse maßgebend. Besonders ist es der Obmanu des christlichsozialen Verbandes, Leopold Steiner, der die Hetze gegeu die armen Flüchtlinge zu seinem Sport gemacht hat. Eine Lpitze gegen den anfangs den Flüchtlngen wohlgeneigten Bürgermeister Wetskirchner ist dabei nicht zu übersehen. Infolge dieser Hetze werden heule in den Wiener magistratlichen Behörden den Flüchtlingen, die sich durch ehrliche Arbeit fortbringen wollen, weder Arbeitsbücher noch Gewerbescheine verabfolgt. Trotzdem ist Steiner schon ungeduldig, und er möchte rechtzeitig für eine Abschiebung der Flüchtlinge nach Friedensschluß Vorsorgen. Er wird aber, wie das genannte Blatt bemerkt, schwerlich etwas ausrichten. Wenn einmal der Friedensschluß kommt, dann wird man schon dafür sorgen, daß die Partei ihre erbärmliche Rolle ausspielt. „Man ist in Deutschland mit den Antisemiten fertig geworden und sie waren ja dort ehrlicher. Man wird also mit unseren antisemitischen Führern, auch noch fertig werden". Vermißte jüdische Familien XV. Es sucht: Kalisch.Mltsa für Rabbiner Sasrin, Galania , (Ungarn). Moses Josef (< lcich, Devecser, Ung., Pferdespital. Berisch Spatz, Devecser, Ungarn, Pferdespital. Berisch Mayer, Devecser, Ungarn, Pferdespital. Abraham Rosuer,Devecser,Ungarn, Pferdespital. David Kamevmann aus Sadowa - Wisznia jetzt in Deutsch - Horschovitz, Böhmen. Meldungen nimmt „Israelit" entgegen. Es werden gesucht; Rabbinersgattin Feige Saft in, ihr Sohn Lazar 10 Jahre alt, Rabbiner Ehaim Eb rftark und Frau Hinde und zwei kleine Kinder im Alter von N-4 Jahren, ferner Kaufmann Jak.Greber und Frau Gitel und zwei Kinder aus Sanok. Wwe. Chajo Sara Altschüler und Kinder aus Sadowa-Wisznia (Gal) Schendel Spatz und drei Kinder, Siarzawa bei Ehyrow; Pesel Spatz, Starzawa. Salomon Mayer, Aron Mayer aus Przemysl, Sara Schumes aus Nowemiasto, Nesze Mayer aus Przemysl. Reizel Schwarz aus Byrcza und das Kind Sutze (Salce) Rosner. Mols Kamermann aus Sadowa-Wisznia. auch die Expedition des Lorrespondenzen und Aachrichten. 38. Januar 1! Deutsche» Reich. Cefiüin-nof. Zlrank/urt a. M , 21. Jan. Wie bereits früher gemeldet, hat die Maffenflucht der galizischen Bevölkerung und der darunter befindlichen zahlreichen Sofrim allmählich zu einer vollkommenen Stockung in der Herstellung von Tefillin und Mesusaus geführt. Für Tefillin tritt zu diesem Umstande noch die Schwierigkeit in der Beschaffung des notwendigen Leders. Jnfolgedeffen sind nicht nur die meisten Verkaufsstellen, sondern auch die „Freie Bereinigung für die Jntereffen des orthodoxen Judentums" im Augenblick trotz aller Bemühungen um Ersatz nicht in der Lage, den an sie herantretenden Ansprüchen nach Lieferung von Tefillin gerecht zu werden. Insbesondere ist es bisher nicht möglich gewesen, den Bitten um Tefillin aus den Kriegsgefangenen-Lagern zu entsprechen. Es ergeht daher die Bitte an alle diejenigen Gesinnungsgenossen, die im Besitze entbehrlicher Tefillin sind, diese der „Freien Vereinigung" für die Jntereffen des orthodoxen Judentums, Frankfurt a. M., Schützenstraße 14, zur Verfügung zu stellen. Die Tefillin werden dann nachgesehen und unter genauer Prüfung des Bedürfnisses von Fall zu Fall vergeben, ein etwaiger Barerlös aus verkauften Tefillin wird für Zwecke der Kriegsfürsorge verwendet. München, 18. Januar. Eine Persönlichkeit, die obgleich außerhalb des jüdischen Kreises stehend, ein ernstes Gedenken an dieser Stelle verdient, ist auf dem Felde der Ehre dahingegangen: der Referent für den israelitischen Kultus im bayrischen Kultusministerium, Oberregierungsrat Gustav Seiler, der als Hauptmann der Landwehr ins Feld gezogen war, gilt seit Ende Oktober als vermißt, bezw. gefallen. Seiler, der an der Neuordnung der Kirchenverfastung für die christlichen Konfessionen den größten Anteil hatte, war seit dem Abschluß dieses Werkes intensiv mit den Vorbereitungen der Revision des Juden-Edtktes von 1813 beschäftigt, und es lag ihm in dieser Eigenschaft die fortgesetzte Ver- Lhamischo - Oßor - Gedanken im Felde. Bon David Pineas, Frankfurt a. M. 1. Heiß war der Kampf. - Dem Sturm erlag der Feind,. Den Deutsche Macht in wilde Flucht geschlagen. In seine Gräben haben sie vereint Nun ihre Front voll Kühnheit vorgetragen. Die Tapfern richten müde hier sich ein; So eng der Raum, bald sind sie erngeschlasen. Von Sieg sie träumen, von Zuhausesein — Und auch von jenen, die für immer schlafen. 2. Doch unter all den.Schläfern tvaren zwei, Die, ob durch Kampf auch sehr erschöpft, nicht schliefen. Stets eng benachbart, band sie Lieb und Treu Auch hier im Schützengraben, in dem tiefen. Wie zuckt ihr Mund nun, Freudenträne glänzt. Da wonndurchschauert beton sie und danken: „Mit Rcttungsjubel hast du mich umgrenzt!" „Und meine Kniee kamen nicht ins Wanken." 3. Jedoch nach kurzer Zeit der Jüngere weint: „Welch Schabbos wieder war uns heut beschieden! Daheim hat diese Stunde uns vereint — Wie biü du doch so fern, du Sabbathfrieden! Wie lang noch mag der blut'ge Bölkerstreit, Der Haß, die Wut — wie lang noch mag das währen! Ach! käme sie doch bald, die sellge Zeit, Da Sabbathiaute still beglückt wir hören!" 4. Da tröstet ihn der andre: „Hab' Geduld! Den Krieg zu enden, liegt berm höchsten König. Was un§ bisher erhielt, die höchste Huld, Hilft ferner wohl „durch vieles oder wenig." Vielleicht, daß dieses Winters Ende bringt Das Ende auch von dieser Künrpfe Toben — E h a m i f ch o - v tz o r naht, der Saftstrvm dringt Und steigt in allem Wachstum kühn nach oben. 5. Geheimnisvoll regt sich im Erdenschoß Ern Trieb von auswärts drängenden Gewalten; Der Tag sagt von des Dunkels Joch sich los, Es wachsen täglich seine Lichtgestalten. Der all dies wirkt, der nimmt einst wunderbar Des Hasses Wahn von unsrer Feinde Schwarm, Tann werden ihre Geister hell und klar. Und ihre Herzen werden weit und warm!" 6. Sv sprach als wie ein Seher — dieser Held, Indes des andern Tränenstrom versiegte. Getröstet sagt er: „Wie es Gott gefällt! Wir stehen still dem göttlichen Gerichte. — Es dunkelt schon — nicht lang mehr, ist es Nacht; L'dowid boruch wollen leis wir singen Dem Herrn, „der meine Hände lehrt zur Schlacht Und meine Finger übt im Streit zum Ringen." Gin Museum für jüdische Altertümer inMainz. Die ersten bescheidenen Anfänge zur Begründung eines Museums hat die Mainzer Jsraelittfche Gemeinde gemacht, indem sie einen ihr von einem auswärtigen Gönner zur Verfügung gestellten Prunkschrank dazu verwendet hat, um in ihm einen Teil der ihr gehörigen jüdischen Altertümer zu einer.kleinen Ausstellung zu vereinigen. Der Schrank ist recht vorteilhaft im großen Sitzungssaale des Gemeindehauses an der Hauptshnagoge (Bonifaziusstrahe) untergebracht. Neben kostbaren silbernen und goldenen antiken Knltusgeräten sieht man hier hie altertümlichen gewaltigen Schlüssel von Mainzer Synagogen früherer Zeiten, uralte Verträge der Israelitischen Gemeinde mit der kurfürstlichen, der französischen uitö der hessischen Regierung, hebräische Pergamentrotten, alte Siegel des Rabbinats usw. Das Prachtstück der ganzen Sammlung ist aber unstreitig eine alte „Pessach-Hagadah", ein Buch in Foliofvrmat, das Gebete, Gesänge und Erzählungen für die beiden Osterabende enthält. Die Hagadah stammt von dem Großvater des früheren Kolonialoirektors Bernhard Dernburg, David Dernburg, aus der Zeit, da dieser erster Versitzender der Mainzer Israelitischen Gomeinde gewesen ist. Sie wurde vor xinigen Jahren vor der Gemeinde erworben. Das Buch, aus Pergament geschrieben, ist mit einer großen Zahl der herrlichsten Bilder im Stile altholländischer Meister geschmückt, in ihnen wird der Auszug der Kinder Israel aus Aeghpie«, ihr Durchzug durch das rote Meer, die zehn Plagen usw. rn der naiven Weise des in. Jahrhunderts dargestellt. Das kostbare Werk tragt auf der Innenseite des Deckels verschiedene Eintragungen der Familie Dernburg. Die Jsraelittfche Gemeinde besitzt auch eine Reihe goldgestickter und seidengetvebter Thoravorhänge von hohem Werte, die aus dem frühen Mittelalter stammen, ein Teil davon gehörte der früheren Gemeinde Kastel. Mainz ist noch recht reich an jüdischen, geschichtlich wertvollen Altertümern. Die kleine Sammlung kann sich daher mit der Zeit zu einer recht stattlichen, ähnlich der Wormser, auswachsen. V _i

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