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Der Israelit · 1915-01-21 · Heft 4 (21.1.1915) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 4 (21.1.1915)
Date
1915-01-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Ke 4 fto. 4 Der JSraeltt. lieg/ Kutno und Kolo besucht werden n. Oie Reichsregierung würde es mit Freuden rßen, wenn die Humanitären Bestrebungen, sich in Amerika für die durch den Kriex idend gewordene Zivilbevölkerung Belgiens cfreulich betätigt haben, sich auch der vielfach in schlimmerer Lage befindlichen Zivilbevöltg Russisch-Polens zuwenden würden." nan darf von dieser Aktion der Amerikaner eine Milderung des harten Loses der I ud en m polnischen Städten erwarten. öeksngenenkürsorge. Höttirrge«, 20. Jan. rter den Kriegsgefangenen deskhiesigen Kriegslgenen-Lagers befindet sich eine Anzahl cher Juden. Bei Einlteferung derselben t jedwede Verbindung mit den russischen;sgesangnen strengstens verboten. Auf eiue abe des Herrn Kaufmann Adolf Wolf Kommandeur des Gefangenen-Lagers, e demselben die Erlaubnis erteilt, daß he Ritualien den Kriegsgefangenen jüdischen bens durch die Kommandantur zugeführt en dürfen. Auch wurde aus Ansuchen itet, daß im Falle Ablebens jüdischer Kriegs-!gener dieselben auf dem jüdischen Friedhof beerdigt werden dürfen. — ußerdem find eine Anzahl russisch-polnischer tlinge nach hier gekommen.. Vornehmlich Bemühungen des gleichen Herrn ist es chreiben, daß diese jüdischen Flüchtlinge ich Beschäftigung erhalten haben und vor am von der Arbeit befreit sind. Oesterreich. 8 Budget der (Diener Kulfusgemeinde. Wie«, 10. Januar. n der am SO. v. M. stattgehabten öffent- Sitzung des Kultusvorstandes wurde das tet für das Jahr 191» vorgelegt und ohne vettere Beratung en bloc angenommen, sich dadurch erklärt, daß es diesmal an blichen zionistischen Oposition fehlte. Herr ick er blieb der Sitzung fern und Dr. Christ im Felde. »er Voranschlag für das Jahr' 1915 rechnet mit rben von. K 3,185.806.09 Ausgaben von . ... K 3,507.048.91 mit einem Defizit von K 321.242.82 ie leitenden Gedanken bei Abfassung dieses ets wurden in einem ausführlichen Referate Kultusvorsteher Dr. Leopold Kol) n ausdergesetzt. Ungarn. Aus Sen SemelnSen- Budapest. Die Neworker: „The Jewifh Nation" bringt in ihrer letzten Nummer einen Auszug aus dem Stockholmer Brief eines Flüchtlings, der haarsträubende Einzelnheilen über die bestialischen Grausamkeiten meldet, die die Nüssen in ihrem Lande gegen die jüdischen Bürger begehen. Raub, Mord, Schändung und systematische Pogromhetzen mit obrigkeitlicher Gutheißung sind auf der Tagesordnung. Ganz neu war die Verleumdung, mit der sie in Russich- Polen all jene Judengemeinden anschwärzten, in denen seit Jahrhunderten ein Eruw besteht. Die auf Stangen gespannten Drähte seien - so logen sie bewußt — geheime Drahtverbindungen, mit denen sie den Verkehr mit der Jnvasionsarmee aufrecht erhalten, ihr den nötigen Spionagedienst leisten und so die Niederlage verbreiten!! Eine fürchterliche Panik hatte bereits diese Lüge zur Folge. Eine Untersuchungskommissinn wurde von der Regierung eingesetzt. Es mutzte riesig gearbeitet werden, um die Wahrheit nicht erdrücken zu lassen. Z. B. A. Klein Wardein. Herzerfreuend ist das Schreiben, das die Erzherzogin Marie Therese die Schwägerin Sr. Majestät und Mutter des ermordeten Kronprinzen, an die Eltern des durch sie im Palfy-Spiial gepflegten jüdischen Leutnants, Samuel Schwarz, der seinen Wunden erlegen ist, richtete: „Wien am 1. 12. 1914. Sehr geehrter Herr Schwartz! So gerne hätte ich anläßlich des Todes Ihres jungen Helden, ihm einen Kranz gespendet, als Erinnerung, daß dte Pflegerinnen in Treue an diesen geduldigen und mutigen jnngen Mann denken. Da nun Ihr Ritus Ihnen die Annahme von Blumen nicht gestattet, erlaube ich mir Ihnen hundert Kronen per Postanweisung, anstatt dieses Kranzes zu senden, mit der herzlichen Bitte, dieselben Ihren anderen Kindern zu geben. Ich bitte mir es im Andenken an Ihren lieben Sohn nicht übel zu nehmenich war so viel um denselben, daher erfüllen Sie mir gewiß diese Bitte, und nehmen es so gut aus, wie es gemeint ist. Mit den herzlichsten Grüßen denkt an Sielin Ihrem tiefen Schmerze Schwester Marie Therese Palffyspital." Valästina. Drüber und Juden in PüIäMns- Jerusalem, 10. Januar. Ende Dezember fand hier so etwas wie ein Berbrüderungsfest zwischen Juden und Arabern statt. Von den letzteren waren alle Notabeln von Jerusalem anwesend. Von der ü d i sch en Bevölkerung erschienen deren bedeutendste Vertreter, Abgesandte aller Kolelim von Jerusalem und der Gemeinden der andern Ortschaften, Vertreter der Kolonien, der Lehrkörper aller Schulen, sowie die bedeutendsten Rabbiner. Der bekannte Schriftsteller und Philologe Elieser Ben Jehuda eröffnete und leitete dte Versammlung. In seiner in hebräischer Sprache gehaltenen Rede legte er den Zweck der Veran- 2l.EJanuar1S15 stattung in klaren Worten dar und hob besonders deren historische Tragweite hervor. Er svrach von den mannigfachen Beziehungen zwischen Juden und Muselmannen und gab seiner Freude Ausdruck, daß die Ereignisse der letzten Tage den Erweis erbracht hätten, daß für beide Teile ein enges Zusammengehen notwendig sei. Infolge verschiedener Mißverständnisse und der Jntriguen verborgener Feinde hätten sich die Mohamedaner den Juden bisher nicht gezeigt, was sich wohl auch durch die nicht völlige Ottomanisierung der Juden erkläre) jetzt aber verschwindet glücklicherweise dieses Mißverständnis und Mohammedaner und Juden reichen einander dte Hand, um gemeinsam zum Wohle des Vaterlandes zu arbeiten. Der Redner verlas sodann ein Begrüßungsschreiben des Präfekten der Stadt, Hussein Essendi El-Husseini, in welchem dieser seinem Bedauern Ausdruck gab, infolge Arbeitsüberhäufung der Versammlung nicht beiwohnen zu können, und der Versicherung der völligen Zustimmung zu dem Verbrüderungswerke der Juden und Araber. Der Scheich Abdul-Kader El Muzgar ergriff sodann das Wort. Er erklärte, daß er bisher Gegner des jüdischen Elementes gewesen sei, namentlich ein Gegner der aus dem Auslande einwandernden Juden, die in Palästina ihrem Kolonisationswerke nachgehen,' daß er aber gekommen sei, um in dieser Versammlung den Grundstein zu einer Annäherung und engen Verbindung zwischen Juden und Mohammedanern zu legen, da diese beiden Völker eng miteinander verknüpft sind durch gemeinschaftliche Bande der Rasse, der Sprache, des Glaubens und der Geschichte. Der Redner gab zu, daß dte trotzdem bestehenden Divergenzen zu einem Großteil auf Mißverständnissen und persönlichen Mißhelltgkeiten beruhen,' aber die Zeit, betonte er, hat alles geändert und jede Meinungsverschiedenheit ist verschwunden. Der Redner schloß seine Ausführungen, indem er wiederholte, daß in Palästina Platz für Mohammedaner und Juden sei, ohne daß gegenseitige Schädigung notwendig und zu befürchten sei) daß sie vielmehr eine festgeschloffene Gruppe bilden könnten zur Erreichung gemeinsamer Ziele zum Wohle des Vaterlandes. Im Namen der Familie El-Husseini, einer der vornehmsten des Landes, hielt sodann Mehmed Salah Abdul-Latif El-Husseini eine Ansprache mit hinreißender Beredsamkeit) er begrüßte in begeisterten Worten dte Versammlung, in der man zum ersten Male Juden und Mohammedaner vereinigt sehe, um die Bande der Freundschaft wieder anzuknüpfen. Der Ort, an dem ein solches Ereignis sich vollzogen habe, meinte der Redner, sei dadurch geheiligt. Er »tz, besten Spitze sich doch mehr gegen dte FranalS gegen die deutschen kehrt. Herr Albert Kohn, Ävatmann übrigens und bei dieser Gelegenheit »orsitzender des WohllätigkeilSvereins handelnd, daß 109,0(0 Juden in den deutschen Heeren flicht tun, daß aber ihre Gefühle Frankreich gefällten, da sie diesem die bürgerliche Gleichstellung ken. Wir wünschen nur, daß Herr Kohn die stbriefe lesen möchte, die unsere wackeren jüdischen en in die Heimat schreiben — er würde die!»ste, begeistertste Vaterlandsliebe, aber nicht die Spur von Neigungen für Frankreich darin Echt russische Helden. ie SHetotz Blätter zu melden wissen, wurde der m Beilisprozesse rühmlichst bekannte S i n - dski, ein Bruder der berüchtigten Wera b e r i a k, welche im Beilisprozeß die Hauptespielt hatte, standrechtlich erschossen, weil er : Armee, welcher er als Reservist zugoteilt war, d der Schlacht desertiert ist. Wie erinnerlich, i ganze Beilisprozeß auf den Aussagen der tscheberiak und ihrer Brüder ausgebaut, und bekannt, daß das Untersuchungsmaterial für Lnbefangenen ergeben hatte, daß die Wera riaf und ihre Sippe an der Ermordung des Juschtschinskh, wegen welcher Beilis unschuldig en hatte, beteiligt lvaren. * * * dem Kriegs-Tagebuche eines her Lodz gefanmssischen Offiziers war folgendes zu lesen: 19. Okt. Kiew: Bummel durch das Judennest, Ulk (3 in den Handlungen. 5. ^llov. Rzeszow (Galizien): Ich renne wie wahnsinnig herum, bis ich Quartiere finde nt schmutzigen Judcnnestern, Kellern, Eierlagern. 6. Nov. Wolifa: Einige Regimenter hatten bis zum Morgen geplündert. Die Spuren davon sah man. Jeder hatte etwas mitgenommen, Decken, Kleider u.^w., Gebetbücher. Tarnow: Aufbrechen der Wohnung eines jüdischen Advokaten. Wir schlafen in dem Bett eines Juden. Finde ein Buch über jüdische Kunst. 14. Nov. Wieliczka: In Bresko empfangen Juden den Korpsgeneral mit Salz und Brot. 23. Rov.: Ich ergebe mich. (Ein Held von Tisza Esilar gestorben.) Aus Budapest wird unter 10. Januar mitgeteilt, daß Viktor v. Jftoezy, der ehemalige Begründer und Führer der unrühmlichst bekannten Aniisemitenpartei in Ungarn, am s. d. müde und gebrochen, im Lebensalter von 72 Jahren gestorben ist. Seine Laufbahn hat er als Stuhlrichter seiner Heimaisgemeinde in Staatsdiensten begonnen und würde es auch bei seiner hervorragenden Bildung und seinem ungewöhnlichen Rednertalent zu einer höheren Position gebracht haben. Noch in jungen Jahren wurde er mit liberalem Programm ins Parlament gewählt. Als aber anfangs der achtziger Jahre der Unglücksstorn Rohlings aufging, ließ es auch den hitzigen Jstoczy nicht ruhen. Er vertiefte sich in die talmudischen Schriften Rohlings, (dem der ehemalige Reichsratsabgeordnete Dr. Bloch nachgewiesen, daß er auch nicht eine Zeile im Talmud korrett lesen und übersetzen kann) und gründete die Antisemitenparlei in Ungarn, die durch eine Reihe von Jahren viel von sich reden gemacht. Seinen Höhepunkt erreichte dieser geistige Hochstapler in der Zeit deS Tisza-Eßlares Prozesses. Der schmähliche Ausgang dieses Prozesses hat auch sein Schicksal besiegelt. Die ungarischen Antisemitenpartei ist offiziell in der Versenkung verschwunden und auch der Mann, dessen Name ein Programm bedeutete, hat seine Zugkraft verloren. Moralisch und materiell gebrochen, hat dieser abgetane Mann durch sekundäre schrifstellerische Arbeiten kaum sein Bror verdient, bis er einige Jahre vor seinem Tode eine ungarische Uebersetzung des Josephus Flavins in eigener Regie veranstaltete und die wohlhabenden Juden um Abnahme seines Werkes bat. Die Juden kauften das Werk des unglücklichen ManneS, der in der letzten Zeit, ein Bild des JammerS, in Not und Elend dahin siechte. Nach dem moralischen Bankerott dieses genialen Judenfeindes haben es die ungarischen Antisemiten zu einer politischen Parteibildung nicht mehr bringen können, obwohl es an verschiedentlichen Versuchen nicht fehlte. In maßgebenden politischen Kreisen galt es als herabwürdigend fich als Antisemit zu gerieren. Die nachherige katholische Volks- Partei huldigte judenseindlichen Tendenzen, wollte sich aber ossiziell zu einem solchen Programm nicht bekennen. Mit dem Tode Jstoczys ist eine letzte markante Gestalt aus der Gruppe der Rädelsführer im Tisza-Eßlares Prozesse verschollen. Es waren ihrer acht, alle sind sie unter ungewöhnlichen traurigen Verhältnissen aus dem Leben geschieden. Üi m ft ifc ■l.iäterfcjgkferiSftfr-

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