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Der Israelit · 1915-01-14 · Heft 3 (14.1.1915) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 3 (14.1.1915)
Date
1915-01-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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M 3. SSL» Frankfurt a. M., den ZZ' Tebet°^7S.^— 3. Der „Frankfurter Israelit" wird mit dem JSraelit" abonniert- Abonnement für beide Blätter zusammen Mk. 1.50 vierteljährlich (Inland). Ansernte im „Frankfurter JSraelit" kosten 35 Pfg. für die sechsgefpaltene Lolonel-eUe- Rabatt nach Tarif. Inhalt. Martin Feist — Die kurhessischen Judengesetze. Die Woche: 1 Dinimkurse für Soldaten. 3. Verein „Lemaan Zion". 3. Aus der Gemeinde Rödelheim. 4. Zum zehnjährigen Bestehen des Israelitischen Hospitals in Mainz. 5. Berichtigung. — Vereinskalender. — Familtennachrichten. — Gebetzeiien. Martin Feist Wenn für einen von Frankfurts Jugendgarde, die draußen im Felde das Vaterland gegen den Feind verteidigt, die Gebete — nicht nur der Seinen — besonders heiß und innig zum htmmlichen Vater sich erhoben, wenn für einen von ihnen die gesunde Wiederkehr mit besonderer Inbrunst erfleht und erhofft wurde, so war dieser eine — Martin Feist. Trotz seiner Jugend war er seiner Familie, feinen Freunden, seiner Gemeinde, dem Judentum bereits eine Stütze und Hoffnung geworben, die entbehren zu müssen, ihnen allen unter dem niederschmetternden Eindruck der Nachricht von seinem Tode ein schier unfaßbarer Gedanke ist. Mit ihm tragen sie eine der herrlichsten Menfchenblüten, die dem Schoße der Frankfurter Reltgionsgesellschaft entsprossen sind, zu Grabe. Wenn wir versuchendem Geheimnisse dieses kurzen und doch so reichen Menschenlebens nachzuspüren, wenn wir nach den Gründen forschen, die es uns so unvergleichlich teuer erscheinen ließen, so werden wir bald erkennen, daß wir in Martin Feist in erster Linie den Prächtigen Menschen, den begeisterten Juden liebten. Eine glühende Verehrung für seinen großen Vater V'XT erfüllte ihn; ihm gleich zu werden war seiner Ideale höchstes. So zeichnete er sich denn mit eiserner Energie, die die hervorstechendste Eigenschaft seines Charakters war, seinen Lebensweg vor. Er hatte sich die Erreichung der höchsten Ideale zum Ziele gesetzt und vertraute sich mit erstaunlicher Offenheit seinen Freunden an. Träume, die im Munde jedes andern als Phantasieen eines idealistischen Weltverbesserers geklungen hätten, von ihm geträumt und verkündet klangen sie uns als Möglichkeiten, ja als Gewißheiten. Dieser junge Mensch hat uns gelehrt, daß ein eiserner Wille zu allem befähigt. Er erzwang sich Glauben und Pertrauen durch seine in die Tat um gesetzten Ideen. Allen seiner Meinung nach den jüdischen Gesammtintereffen dienenden Bestrebungen hat er das Beste gegeben, zu dem er gerade befähigt war. Die Begründung der Jugendjruppe der Agudas Jisroel — in der Hauptache sein Werk — hat ihn stolz und glücklich;emacht. In dieser Zeit hat er wohl die Kraft gesammelt, die ihn kurz darnach befähigt hat, den Kampf mit dem Leben aufzunehmen, als er nach Paris übersiedelte. Paris, das für so viele vor ihm zum Fallstrick geworden, ihm wurde es zum reinigenden Feuer. Waren noch Schlacken an und in ihm, dort wurden sie in heldenhaftem Kampfe ausgeschieden. Sein Pariser Lebenswandel wurde von allen, die ihm dort begegneten, als eine wahrhafte Heiligung des göttlichen Namens empfunden. In jeder Gestalt traten die Versuchungen an den Juden und Menschen heran. Sein Beruf führte ihn täglich in hochgestellte Kreise und brachte dadurch den Juden in ihm in Gefahr. Er widerstand nicht nur - er erstarkte zusehends. Es machte ihm Freude, daß das tägliche Leben ihm überreiche Gelegenheit gab, seine jüdische Kraft zu messen und zu proben, und jeder neue Beweis seiner Stärke fand ihn überglücklich. Martin Feist ist dadurch älteren und jüngeren Freunden unbewußt Muster und Beispiel geworden, und sie suchten es ihm gleichzutun. Jeder seiner Freunde — und es gab deren viele — wird sich nur mit tiefer Rührung unzähliger Einzelheiten erinnern können, die immer von neuem glänzendes Zeugnis vom Siege im Kampfe mit dem Leben ablegten. Wie oft hat ihn wohl seine sozial gehobene Stellung und seine materielle Unabhängigkeit in Versuchung gebracht l Doch er hat stets den Weg gefunden, den ihm sein Juden- und Menschentum vorgeschrieben. Fürs Judentum sah er das Heil in> der Agudas-Jisroel, auch darin ein treuer Sohn seines unvergeffenen Vaters. Es war ihm vergönnt, kurze, aber unvergeßliche Wochen in Erez Israel zu verweilen. Von dort brachte er tiefe Eindrücke fürs Leben mit, die sein späterer Aufenthalt im Auslande — in Parts und London— noch verstärkte. So war es denn kein Wunder, daß er von Agudas-Jisroel, so wie sie von ihren Initiatoren gedacht, die Lösung der Judenfrage erhoffte. Derselbe Krieg, der seiner Agudas Jsroel den großen Tag der Kneßijo gedaulo zerstört, er sollte auch ihm zum Verhängnis werden. Martin Feist durfte seine hohen Ideale, die ihm das irdische Leben gewiß mit der Zeit getrübt hätte, rein und unverbraucht in ein besseres Jenseits hinüberretten. Das sei den Seinen und allen, den sein frühes Hinscheiden unendliches Weh bereitet, ein Trost. Er war zu gut für uns. * » * E. Von einem anderen Freunde des Verstorbenen geht uns folgender Nachruf zu: Unermeßlich groß bereits sind die Wunden, die der Weltkrieg in Freundes- und Feindesland geschlagen, zahllos die Familien, die um einen Angehörigen trauern, und noch immer berichtet jeder kommende Tag von neuen Leiden und neuen Verlusten in solch ungeheurem Umfang, daß man schon angefangen hat, etwas abgestumpft und gleichgültiger zu werden. Und doch, wenn die Meldung kommt vom Hinscheiden eines uns besonders Nahestehenden, eines weit und breit bekannten, allgemein beliebten Jünglings, eines Jünglings, der zu ganz besonderen Hoffnungen berechtigt, wenn uns der Draht die traurige, noch ganz unfaßbare Meldung vom Hinschetden unseres lieben Martin Feist bringt, dann kommt das Gefühl des Schmerzes wieder in seiner vollen Kraft zum Ausbruch, dann nehmen die Tränen ihren ungehinderten freien Lauf. Unser Martin ist nicht mehr. Ja, unser Martin!, denn wer kannte ihn nicht unter diesem seinem Vornamen, so beliebt war er trotz seiner erst 23 Jahre. Dank seiner vortrefflichen Geistesanlagen und der vorzüglichen Anleitung im Vaterhause hatte er sich auf der Schule eine gute Grundlage sowohl aus profanem, als auch auf jüdischem Gebiete angeeignet. Die tief religiöse Weihe seines Vaterhauses, sowie die Anregungen unseres hochverehrten Herrn Direktor Lange veranlaßten ihn schon während der Schulzeit, sich auf jüdischem Gebiete auch privat noch weiter fortzubilden. Noch mehr gefördert aber wurde sein jüdisches Wissen und feine Liebe zur min durch den Besuch der Forlbildungsklaffe in Verbindung mit der hiesigen Mit diesen Grundlagen und mit einem Herzen voll Liebe und Güte trat er ins väterliche Geschäft ein, wo er es binnen kurzem verstand, sich nicht nur die ungeteilte Sympathie aller seiner zahlreichen Kollegen, sondern auch ihre neidlose Anerkennung seiner Erfolge im geschäftlichen Leben zu gewinnen. Aber nicht nur seiner Kollegen. Vielmehr hatte er im Laufe der Jahre einen stattlichen Freundeskreis um sich zu scharen verstanden, der ihm zufolge seiner Bescheidenheit, seiner Herzensgüte, seines stets zuvorkommenden Wesens, von Herzen zugetan war, ihn, der sich auf allen Gebieten jo vertraut und beschlagen zeigte, aufrichtig schätzte, der ihm bei seinen späteren Zielen hilfreich zur Seite stand und mit Bewunderung zu ihm aufblickte. Denn zwei Ereignisse waren eingetreten, um den in dem damals 20 jährigen Jüngling schlummernden mächtigen Trieb nach Betätigung auflodern zu laffen, ganz so wie er es bei seinem großen, von ihm jo sehr verehrten und bewunderten Vater gesehen. Das erste war sein Aufenthalt in p*. Was er von dort mit hierherbrachte, war nicht nur eine g.ühende Liebe zum Lande unserer Väter, — so oft er davon erzählte, leuchteten seine Augen — sondern vor allem eine innerliche und daher überzeugungsvolle Begeisterung zur min und einen für seine Jahre ungewöhnlichen Ernst. Die Begeisterung nahm die höchsten Formen an, als kurze Zeit darauf die Idee der n*TJK ihren Einzug hielt und in allen Gauen der Welt mächtigen Widerhall fand. Da konnte der Jüngling nicht mehr an sich halten - mit seinem lebhaften Temperament und dem Willen, mittätig zu sein, riß er alle mit hin. Aber entsprechend dem Grundsätze rn&pon "Ip'p «nnan *6i ließ er es nicht bei Sitzungen und Beratungen

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