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Der Israelit · 1915-01-14 · Heft 3 (14.1.1915) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 3 (14.1.1915)
Date
1915-01-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Sette 8. Ro. 3. 14. Januar 1915. bewenden, vielmehr wurde das Ergebnis der Beratungen sofort in die Praxis umgesetzt. Dabei übersah er nie, daß nur das stete Weiterforschen in d"W und eine sichere Gewähr für die Treue zur NNV« sei, und nicht selten konnte man ihn noch in später Nachtstunde über die Folianten des vertieft sehen. Schnelles Handeln war überhaupt stets seine Devise, und dieser starke Drang zur Betätigung war es auch, der ihn alle Hemmnisse und Schtcksalöschläge überwinden ließ. Denn noch mitten im Bau ereilte ihn der uns allen noch in lebhafter Erinnerung stehende Schmerz vom Hinscheiden seines Varers, jenes Mannes, vor desien Größe und Seelenadel wir uns in Ehrfurcht geneigt, und dessen Verlust Lücken gerissen hat, die heute auch noch nicht annähernd ausgefüllt sind. Dieser harte Schicksalsschlag machte den damals Einundzwanzigjährigen zum Manne. Wo das Lebenswerk seines Vaters geendet, da mußte er zu arbeiten fortfahren, und so ging er mit verdoppeltem Eifer an die Arbeit, sowohl in geschäftlicher Hinsicht, wo seine Tätigkeit in Paris und London Zeugnis von seiner Wirksamkeit ablegte, als auch auf dem Gebiete des Judentums. Aber noch mehr. Sein Herz, sein goldenes Herz, wurde zum Unterstützer der Armen und Gebeugten, er machte ihr Leid zu seinem eigenen, in seinem Schmerze und trotz seines Schmerzes war er emsig beu üht, die Leiden Anderer zu lindern, ihnen nicht nur mit Geld, sondern vor allem mit Rat und Tat an Hand zu gehen, und er hat es trotz seiner Jugend verstanden, gar manche von Kummer gebeugte Familie aufzurichten und ihr Trost zuzusprechen. Und in gleichem Maße war er, der immer nur geben wollte, stets bet mnött? dabei, scheute nicht Mühe, ja nicht größere Reisen, um durch seine Anwesenheit die Freude zu vergrößern. Bei anderer Gelegenheit sah man ihn wieder als flN, als *01P bjn oder als ppin fungieren, überall stellte er seinen Mann. Wo man seiner bedurfte, war er zur Stelle, nie hatte er Zeit für sich, stets für Andere. Was aber nur einem vertrauteren Kreise bekannt und was seinem Lebenswerk die Krone aufsetzt, ist die Art, wie er die durch den Heimgang seines Vaters in der Familie geschaffene Lücke zu ersetzen bestrebt war. Er war es, an dem seine Geschwister, besonders die jüngeren. Halt fanden, er war eS, der sie aufrichtete, den sie bei allen Fragen um Rat angingen, mit dem sie alles besprachen, der ihre Angelegenheiten mit gleichsam väterlicher Sorgfalt und Innigkeit erledigte. Und nun ist er dahin, dahin dieser edle, herzensgute Mensch, dahin das blühende Leben, das zu so vielen schönen Hoffnungen berechtigte, dahin die stolzen Zukunftsträume seiner Jugend, von denen er so gerne mit Freunden sprach, dahin der liebevolle Wohltäter mit dem weichen Gemüt, dahin der Halt seiner Geschwister. Draußenauf feindlichem Boden, im Schlachtgetümmel, wo er sich ebenfalls hervorgetan und wo er als treuer 'TUT mit besonderem Pflichteifer dem Rufe des Vaterlandes Genüge geleistet, dort, ferne von der Heimat, von seinen Geschwistern und Freunden, ereilte ihn das tödliche Geschoß, ihn, der so gerne gelebt, ja der eigentlich erst zu leben angefangen und doch schon so viele T7’73T aufzuweisen hatte. Als die schmerzliche Kunde kurz vor rott? bekannt wurde, was Wunder, daß man sie anfangs nicht glauben, nicht fassen konnte, und daß sie dann ein allgemeines Gefühl der Bestürzung und der Trauer auslöste. Möge '"VN der „Herzgebrochenen Arzt ist und auch ihren Schmerzen Verband reicht", möge Er in Seiner großen Barmherzigkeit den verwaisten Geschwistern und uns allen bald Trost spenden. N"2DN * m * Aus Briefen Marlin Feifis. Im Schützengraben bei A n d o ch h, 2. 11. 14. Ein Gefühl des Schauerns durchzog mich, als ich Freitag Abend den Befehl vermittelte: Heute Nacht „Sturm"! Stumm lehnte ich mich an die Brüstung des Schützengrabens-Ich sprach mein Maarivgebet _„Der Frankfurter MvMtzt."_ und dann schweiften meine Gedanken zurück zu Euch, meine Lieben. Ich sah Euch vereint um den sabbathlichen Tisch, weihevoll und doch bsimchoh schel Mizwoh ausgehend, unser kleines Hausmütterchen für alles sorgend, unsere zwei Sonnenstrahlen das Bild erheiternd und verschönernd. Ich dachte an alle Freunde und Verwandte, an ihn vor allem, den teuren Freund, mit dem warmen Herzen und den glühenden Idealen in der Brust. Er ging darin auf, sich immer mehr aufzuringen zu dem Wahren, Schönen und Guten. Er sollte sein Ziel nicht erreichen. Fernab von der HklMüt traf ihn die Kugel des Feindes und machte feinem jungen Leben ein frühes Ende; nichts blieb mir vun ihm zurück als die Erinnerung an die frohen und trüben Tage der Jugend, die wir gemeinsam verbrachten. Gottes Ratschluß ist unerforschlich * * * Im Schützengraben bei Villers-les-Rohe, 6. 12. 1914. Gar oft weilen meine Gedanken bei den einstigen schönen Zeiten, die wir verbracht, bei dem lieben, guten, teuren Freund, den ich so früh verloren den ich liebte, wie einen Bruder, und der mir war, mehr als em Bruder! Mt seinem warmen Herzen, fernen leuchtenden Idealen und seiner mir bis in den Tod bemlestnen, wahrhaft aufrichtigen, uneigennützigen Freundschaft hat er sich bei mir ein Denkmal gesetzt, bis in meine spätesten Tage. Wie werde ich ihn missen, wenn ich m. G. H. wieder in Frkft. fein werde! — Der Allgütige hat mir in jungen Jahren meine geliebten Eltern genommen, auch mein bester Freund ist von mir gegangen. — Doch es war von der Bor,ehung. bestimmt und wir dürfen nicht murren, von ihm wollen wir lernen, was es heißt das Wort „Alles zum Guten" beherzigen ^und stets feiner gedenkend, will ich ihm in der Erinnerung den Kranz der Dankbarkeit und Liebe flechten für alles, was er mir und uns allen gewesen. Martin Feist. » 4- -i- Jm Schützengraben vor l'E ch e l l e, 6. 1.1915. Sehr geehrte Herren, liebe Freunde! Wohl als einer der letzten stelle ich mich ein, um Ihnen anläßlich des Umzuges in das neue Gebäude meine herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Voll hehren Stolzes können Sie aus die Zeit zurückblicken, in der die Firma den heute weithin klingenden Namen erwarb, in der sie, aus kleinen Anfängen heraus, sich zu ihrer heutigen Ausdehnung entwickelte, in der sie aber auch gleichzeitig ein leuchtender Stern am jüdischen Firmamente, ein Hort menschlichen Wohltnens geworden. Möge Gottes Segen auch weiterhin auf dem Wirken Ihrer Hände ruhen. Möge es Ihnen vergönnt sein, die Firma noch weiter zu entfallen, es Ihnen in noch verstärkterem Maße möglich sein, alle die tiefen Traditionen zu verwirklichen, die sich an den Namen der Firma knüpfen, auf daß sie werde, ein Stolz r-nseres deutschen Vaterlandes, eine Zierde für das Judentum. — Gar oft verweilen meine Gedanken bei Ihnen, meine verehrten Freunde. Möge die Zeit nicht mehr allzufern sein, in der der Friede In ällen deutschen Gauen verkündet wird, und wir heimkehren zu unserem Berufe und Wirken, zu unseren Lieben, zu unseren Freunden. — Gott schenke uns ein frohes Wiedersehen. Ihr sehr ergebener Martin Feist. Die kucheffifchen Mengesetze. Im „Kreisblatte" für Stadt und Kreis Gelnhausen lesen wir: Im Anfchluffe an verschiedene Veröffentlichungen seit zwei Jahren zu dieser unsere jüdischeü Mitbürger lebhaft bewegenden Frage, dürfte es auch für manche Leser von Interesse sein, zu erfahren, daß zum ersten Male für die Steuer- Pertode 1915 bis 1917 die israelitische Cultussteuer auf Grundlage der staatlichen Einkommen- und Ergänzungssteuer aufgrbaut wird. Es bedeutet dieses Verfahren einen wesentlichen Fortschritt gegen das ein volles Jahrhundert ceübte Einschätzungs-System, das lediglich auf Schätzung der Einkommen beruhte, und der Commission einen Einblick in die tatsächlichen Verhältnisse der Censiten verschloß. Eine Reklamation gegen unrichtige Veranlagung war bei dem durch das kurhessische, noch heute gültige Gesetz vorgefchriebenen umständlichen Apparate: Versammlung der sämtlichen Commissionen des Kreises vor dem Köntgl. Landratsamte und Abstimmung über die Höhe der Veranlagung, fast unmöglich; in jedem Falle auch ein gewagtes Unternehmen, weil bet Verwerfung der Berufung den sämtlichen erschienenen Schätzern und Aeltesten des Kreises die Retsedtäten seitens der Reklamanten zu vergüten waren. Ganz besonders ist es zu begrüßen, daß fortan die gemeinschaftlichen Lasten (die nach Hanau zu überführenden Provinziallasten) eine gleichmäßige, einheitliche Regelung erfahren. Die seitherige unverhältnismäßig hohe Heranziehung einzelner Gemeinden, wir nennen in erster Linie die israelitische Gemeinde Gelnhausen, wird hierdurch endgültig beseitigt. Die Erreichung dieser langersehnten Fortschritte gelang nur durch eine anhaltende ztelbewußte Bewegung, die von der Gemeinde Gelnhausen ihren Ausgang nehmend, dank der warmen Unterstützung des vorigen Landtagsabgeordneten Herrn Pfarrer Meyenschein und seines Nachfolgers Herrn Amtsgerichtsrats Hengsberger-, die Aufmerksamkeit der Kgl. Regierung auf seitherige Unvollkommenheiten lenkte. Wenn deren Beseitigung vorerst auch nur auf dem Verwaltungswege erfolgt, so dürfte die landesgesetzliche Sanctionierung gewiß in absehbarer Zeit eintreten. Wenn gleichzeitig auch die letzte der von den Gemeinden Kurhessens erstrebte Forderung: „Wahl ihrer Synagogen-Aeltesten" in das Gesetz ausgenommen wird, so ist eine Beruhigung der Gemeinde-Angehörigen die unmittelbare Folge. Wenn auch, dem Vernehmen nach, neuerdings als Kompromiß eine Weisung ergangen sei, daß die Gemeinden einige Kandttaten für die Neubesetzm g in Vorschlag zu bringen, berechtigt'sind, so darf doch das eigenlich selbstverständliche Recht dieser Gemeinden, ihr Vertreter selbst zu wählen, nicht länger vorenthalten werden. laeeeoeoea | Me Woche || Pinimütttfe für Soldaten. Als Ergänzung der vom Mekor Chajim veranstalteten und vom Publikum mit so großem Beifall aufgenommenen Vorträge über „Unsere Aufgabe in schwerer Zeit" sollen nun auch Dtnim-Kurse stattsinden. Dieselben werden den der Einberufung harrenden jungen Leuten Gelegenheit geben, sich in kleinerem Kreise über ihr religiöses Verhalten in Kaserne und Feld in der Hauptsache zu orientieren. Alle jungen Leute, die Interesse an dieser Belehrung haben, werden gebeten, sich Donnerstag Abend V« 9 Uhr im Bereinslokale des Mekor Chajim, Langestr. 18 einzufinden. Nerei« „Lemaan Zion." Mit dem Vereinsberichte per 1914 übersendet uns der Vorstand des Vereins noch die Mitteilung, daß infolge der tieftraurigen Zustände, die im heiligen Lande schon seit Monate herrschen und sich durch den Kriegszustand in der Türket noch bedeudend verschlimmert haben, die Auge nhetl- Anstalt des Lemaan Zion noch mehr als sonst von Hilfesuchenden bestürmt wird. Ist doch die Augenklinik z. Z. die einzige derartige Klinik, die noch geöffnet ist. An einzelnen Tagen stieg die Frequenz bis zu der fast unglaublichen Höhe von 900 Personen. Die fianzielle Lage des Vereins Lemaan Zion ist infolge der überaus starken Inanspruchnahme sehr ungünstig. Es fehlen die Mittel, den täglich wachsenden Ansprüchen auch nur anähernd nachzukommen und müsse man oft schweren Herzens dringende Fälle abweisen. Der Verein richtet deshalb die herzliche Bitte an alle Freunde des heiligen Landes, ihn durch reichliche Spenden in die Lage zu versetzen, auch fernerhin sein Ltebeswerk sortsetzen zu können. Spenden sind an den Kassierer des Vereins, Herrn Jacob Dahlheim, Scheffelstraße 13, zu richten. Ans der Gemeinde Mdet-eim. Der "MvV mm* unserer Q'rop mnn verlief in sehr würdiger Weise und verstand es unser allverehrter Kantor Herr Zinkes, der seit 20 Jahren unserer Gemeinde und unserer Chewro vorsteht, in den Settchos all das Weh und

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