Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 3 (14.1.1915)
- Date
- 1915-01-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Der JSraettt. 14. Jamrar 1915 Sette S Rr. 3 dem Krieger gemtfc nicht verargt werden soll. Der jüdische Soldat denke aber daran, die Jnstruktionsstunden, im Soldatenleben von so eminenter Wichtigkeit, durch eine Jnstrukttonsstunde auf eigenstem Gebiete zu ergänzen und aus geeigneter Lektüre sich über die Vorschriften zu orientieren, die den Juden in ihm, gewiß nicht auf Kosten des Soldaten, festigen. Wie muß da jede sich nur bietende Gelegenheit vom Soldaten mit Freuden benutzt werden, um Versäumtes nachzuholen und die zeitweise verlorene Verbindung mit Gott wieder herzustellen! Und wissen wir nicht, wie der himmlische Vater gar oft den bloßen guten Vorsatz — N212 N2VN2 — als vollendete Tat — — nimmt, die Vergehungen im Verdienste wandelt ny»27D mJHT? Wer wollte es dem Kaufmann irgend zur Last legen, daß er einmal, in bedrängter Lage, unverschuldet in Zahlungsschwierigkeiten geraten war, später aber, als sich sein Schtcksalsrad gewendet, all die ausgestellten Wechsel prompt eingelöst hat? In bedrängte Lage, gleichsam in geistige Zahlungsschwierigkeiten seinem Schöpfer gegenüber, ist der jüdische Soldat und Krieger geraten, da er in der Kaserne und auf dem Marsche, im Schützengraben und auf den Wällen daran verhindert ist, seine religiöse Pflicht zu erfüllen. Aber jede bloße Regung des Guten, jeder Seufzer, der sich ob des Versäumten seiner Brust entringt, und jeder in der Stunde der Gefahr gefaßte bessere Vorsatz, es find lauter Wechsel, ausgestellt von einem der, unverschuldet in Not geraten, seinen Verpflichtungen nicht mehr Nachkommen kann. So aber der Schuldner die erste günstige Gelegenheit benutzt hat, um allen in schwere Stunde im Herzen aufgespeicherten Empfindungen Luft zu machen, die in der Vei> hältniffe Zwang verletzten Gebote mit doppelter Freude zu erfüllen, sind die Schulden getilgt, die Wechsel samt und sonders etngelöst, ist der Jude in ihm völlig rehabilitiert. 3. Und nun der Umgang, die schlechte Gesellschaft, der im alles nivellierenden Soldatenrock etwas schwerer zu entgehen ist, welche schon manchen um sein Judentum gebracht hat. Hier kann kein anderes Mittel empfohlen werden, als unsere Söhne innerlich so zu festigen, daß sie auch dem Versucher in dieser Gestalt widerstehen. Kameradschaftlichkeit ist eine soldatische Tugenddie auch der Jude vollauf zu schätzen wissen wird, allein im modernen Bürgerheer, das besonders zu Krtegszeiten im Zeichen des geeinten Volkes steht, dürfte es ihm nicht schwer fallen, auch hier einen Kreis von Gleichgesinnten und Gleichgestimmten zu finden, die insbesondere im religiösen und Geistesleben sich mit ihm eins wissen. In einem Heere wie dem unserigen, dessen Zur Erklärung einer schwierigen Raschijkelle. Bon Lehrer Wo ff in Anrich. Die Erklärungen RaschtS zur Thora werden für das tiefere Verständnis des SchristwortS immer ihren Wert behalten, wenn sie in der rechten Weife erfaßt werden. Aber nicht fetten stehen wir vor einer Erklärung wie vor einem Rätsel, uns fragend, was mag der Kommentator gewollt haben. Schon in früherer Zeit haben darum viele Geister, allen voran vwvn ’i®p, sich bemüht, Sinn und Geist in die Raschi-Erläuterungen zu bringen. Bet fast jeder Stelle hat man sich nach dem „Warum" fragen müssen, oder „was will Raschi hier erklären?"- insbesondere gilt dies von den sog. „kurzen Raschis", die gewiß zu der oft gehörten Redensart: „Zu Raschis Zeit muß die Tinte teuer gewesen sein!" Anlaß gegeben haben. Eine solche kurze rätselhafte Bemerkung finden wir zu Beginn des Wochenabschnitts Iran, wo Raschi zu dem Worte mm die Bemerkung *toxn btt „zu den Vätern" macht, obwohl in der Schrift Motto: „Mit Gott für Kaiser und Reich!" lautet, dessen oberster Letter das ihm huldigende Volk in die Gotteshäuser schickt, in einem solchen Heere dürfte es einem Kreis religiös Gesinnter wohl möglich sein, nach Maßgabe der Umstände ihren religiösen Gefühlen zu leben und ihre religiösen Handlungen ungestört zu verrichten. In der Tat hat man in dieser Beziehung bei den Vorgesetzten ebenso weitgehendes Entgegenkommen gefunden, wie man bei den christlichen Kameraden dafür volles Verständnis und tiefe Verehrung beobachten konnte. Die Spötter und Störer erstanden, wie uns das jüdiAe Soldaten bekunden, fast immer aus den Reihen jüdischer Soldaten, die — schon von Hause aus außerhalb des Pfltchtgesetzes stehen- — im Mtlttärpaffe vollends einen Freibrief für das religiöse Leben sehen zu dürfen glaubten. Hier darf falsch verstandene Kameradschaftlichkeit dem an sich religiösen jüdischen Soldaten nicht zum Verderben werden. Hier gilt, wenn je, der erste Psalmsatz: DW7 N2W2 “j^n xb 1Vx «NOT 'TOK 2trr> xb D'itb 2V1221 *7vr> xb D'Kton *p*i2V In der Ausdeutung des Talmuds: Das Vorübergehen “]^rr führt zum Dabeistehenbleiben ‘TöP/ woraus endlich ein 2W ein Dabeisitzenbletben und Teilnehmen am verwerflichen Werk werden muß. Darum: „Heil dem, der dem spöttelnden Leichtsinne in weitem Bogen aus dem Wege geht." Das gilt auch besonders in sittlicher Beziehung. Sittlich stark seien unsere Söhne im Felde, daß sie mit kräftiger Hand jede Art von Versuchung weit von sich weisen und eine Atmosphäre der Reinhett um sich ausbreiten, jener Reinheit, die die Lust des jüdischen Kriegslagers der Bibel atmet: 2"ip2 "pPinö ypbx 'n '2 *12*7 nnr rm-p *6i mp -pna 'w -pna mnKö 2V1. „Denn Gott weilt inmitten deines Lagers. Darum sei das Lager heilig, daß Er nichts Schändliches bei dir sehe und sich von Dir abwende." Me schrickt doch Joseph vor der Unsittlichkeit/ die so verführerisch an sein junges, empfängliches Gemüt herantritt, zurück, weil, so erzählen unsere Weisen, weil er die Licht gestal t des Vaters vor sich erblickt. Mögen unsere Söhne und Freunde draußen die Ltchtgestalt des Vaters erblicken, so oft die Versuchung, in welcher Form immer, an sie heranschletcht, möge das reine Bild der Mutter, der Schwestern, die daheim für ihre Lieben beten, vor ihrem Geistesauge stehen, wenn sie im Feindeslande Greisen, Schwachen, Wehrlosen, Frauen und Kindern gegenüberstehen, und mögen sie, diese reinen Bilder im Herzen, auch die Kameraden von Ungerechtigkeiten, Gewalttaten und Grausamkeiten zurückhalten. Auch so selbst unmittelbar hinterher die Worte bx drro« bx apjp Sxi pnah folgen. Als ob wir nicht auch ohne die Bemerkung wüßten, daß Abraham, Jsak und Jakob die NQX genannt werden! Was mag also Raschi gemeint haben? Mosches erster Versuch, Israels Entlassung aus ägyptischer Knechtschaft im Aufträge Gottes vom Könige von Vizrajun zu erwirken, war nicht bloß gescheitert, sondern hatte noch eine Verschärfung -es Frohndienstes zur Folge. Dieser Mißerfolg jedoch schmettert den „getreuen Knecht" so nieder, daß er sich in einem unbedachten Augenblicke zu dem Borwurf Hinreißen läßt: nrjnn naS „Warum hast du dem Volke so böse getan, warum Haft du mich gesandt?" Dieser Borwurf erfordert eine strenge Zurechtweisung durch Gott, und um dieser Ausdruck zu geben, beginnt die Sidra nicht mit 'n nax'i, sondern mit cp1»* wozu Raschi bemerkt : njnrm nnb iarn *ßib rwpn» bp vve»v wx nai nm opb. Gott redete in zurechtweisenden Worten mit Mosche, der es gewagt hatte auszurufen: „Warum" u.s.w. Der Grund zu dieser Erklärung liegt zunächst in dem Worte “Q-m; denn das Wort -Qi ist für Raschi n&p der strengere Ausdruck, während nach ihm iDK als nai \ipb mildere Form gilt. (S.3.B.M. 19,3 z. Sr.) Dann bezeichnet aber auch der Ausdruck apb* den Herrn der Wett als strengen Richter der Menschen- Vergleichen wir aber die Einleitungsworte a»p^x tn’t mit der wirklich ausgeführten Rede Gottes, so werden wir vergeblich nach einem Wort -er Zurechtweisung suchen. Im Gegenteil. Gleich das erste Wort '.1 'Zx ist Q*&mn 'B barmherzige Liebe, und diese attnet die ganze Anrede, (s. B. 3 bis 8.) Worin liegt denn aber in den Textesworten die herbe Zurechtweisung, die Mosche von Gott wegen lassen sich Gefangene machen, indem man Freunde, die im Schlachtgetümmel Halt und moralisches Gleichgewicht verloren, zur Höhe der jüdischen Auffassung von Recht und Moral und Sittlichkeit emporhebt, zu der Gotteshöhe, aus der allein Sieg und Gelingen kommt. „Und es sei Dein Lager heilig." (Fortsetzung folgt.) Die neuen Speisegesehe. In keinem früheren Kriege war die Gestaltung des nattonalen Wirtschaftslebens von so ausschlaggebender Bedeutung für Steg und Niederlage wie diesmal. Deutschlands militärische und sittliche Kraft kann nur dann mit voller Wirkung den endgültigen Erfolg herbeiführen, wenn es gelingt, wirtschaftlich wie bisher durchzuhalten und vor allem die Volksernährung dauernd sicherzustellen. Damit gewinnen Dinge, die sonst völlig dem Belieben des Einzelnen anheimgestellt waren, gewinnen kleine und kleinliche Maßnahmen in Küche und Haushalt mit einem Schlage eine eminente ethische Bedeutung, und ein Stückchen Brot, genossen oder versagt, wird zum Symbol der Treue gegen das große Ganze — der „Tisch des Menschen" zum Altar des Vaterlandes! Keinem Menschenkreise wird diese Entwicklung der Dinge verständlicher sein als der thoratreuen jüdischen Gesamtheit. Wir kennen aus täglicher Uebung den sittlichen Wert des „Kleinen"- wir haben deS weltgeschichtlichen und trivialen Spottes genug über uns ergehen lassen müssen ob der Einbeziehung des ganzen Menschenlebens ins Bereich sittlich-religiöser Pflichtgestaltung, wie sie die Lehre der Thora und der Rabbinen uns eingeprägt. Wir werden auch jetzt die ersten sein, die «verstehen und üben", wenn es nun im Namen des Vaterlandes, dessen Dienst uns religiöses Pfltchtgebot ist, heißt: „Dies sollt Ihr essen, dies sollt Ihr nicht essen", und wir find ohne Zweifel die letzten, die zu diesem Gottesdienst des Vaterlandes erst der Mahnung von außen durch die Tagespresse oder durch die Behörden bedürften. Rabbtnate und Gemeindevorstände werden a^es tun, was in ihrer Macht st.ht, um daS mit größtmöglicher Ersparnis von Weizenmehl hergestellte Krtegsbrot in den Haushaltungen einzubürgern, und der günstige Umstand, daß überall zahlreiche Bäckereien der rituellen Aufsicht unterstehen, ermöglicht grade im jüdisch-gesetzestreuen Kreise eine viel intensivere Einwirkung auf die Einschränkung des Weißbrot-Backens, als dies im allgemeinen sonst möglich ist. Einer Erläuterung bedarf — namentlich der seines Vorwurfs erhielt? Darauf aber gibt Raschi die Erklärang JYDxri ^x, uns gleichsam zurufend: Sieh dir den Text genau auhier fehlt das übliche maxn *7X. Gerade durch das plötzliche Fehlen dieses Ausdrucks BBPB inx isn hat Er dem Mosche die verdiente Zurechtweisung gegeben pnaxn bv 7i2N, als wollte Gott sagen: „Zwar rollt das Blut der frommen Ahnen in deinen Adern; aber von deren geistigen Vorzügen besitzest du keine Spur!" So hatte Gott noch nie mit Mosche gesprochen, immer, wenn er das Wort an ihn richtete, wurde eS mit crrnx 'pbx »tarrnax ’p*?x .-pax 'pbx eingeleitet. So Kap. 3 B. 6, wo sich Gott dem Mosche als *]*3K ’p*?x zu erkennen gibt, und dann ’pSxi pW 'p*?x airox 'pSx apy* anfügt. Dies wiederholt sich das. BerS 15 und 18; ebenso Kap. 4 35.5. An unserer Stelle xixi fehlt zum ersten Male nnxn dx, und darin liegt die verdiente Zurechtweisung. Kleines Fenilleton. Sinter der Feldküche. (AUS einem Feldpostbriefe.) Meine Lieben! . Ans 3 Tage nach franz. Comines zurückgezogen, will ich meine freie Zeit benutzen, *inen Versuch zu machen, Euch von dem Leben, das wir jetzt führen und das im Verhältnis zu dem in den ersten, 6 Wochen großartig ist. zu berichte».