Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 3 (14.1.1915)
- Date
- 1915-01-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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SS. Jahrgang. Sranhfurf a. m . den —M 8* L Der Israetiu Ein Centralorgan IQr das orthodoxe Judenftm flfJBjf Hl pgaeara Begründet Dos Dr. Lehmann in Mail« ÜtamftKCtt* pro «ferteli*»** VewövnNche Ausgabe Mk. 1.80. veftauSgabe liktmstbru« «k. AuSlandSttüse: «ewö-alich» Ausgabe: Vesterreich-Uaamm, Ar.. Kufjlonb 1 Bub„ England S ah., Amerika 60 eti., Meveriande 1.10 fl.. Kravkrrich Fn. UO. Abonnements bet allen «ollaustaltru. Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Rerlao. veftauSoabe nn* direkt. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechsgespaltene Tolonel-Zeile r Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme durch den Verlag deS Israelit G. m. b. H., Frank- , firrt a.M., Gr. Eschenheimerstr. 23 Del.S8LS.Amt Hansa, sowie sSmtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. PlatzvorschrMrn ohne Nrrdm»UchkrN. Sahlnnge» können außer direkt an dm Verlag erfolg« per »onto »ei der A. ft Wostsparkastr «ie» Mn. T9M6. «antv »ei dem «. Vostsparrastenanet »ndapest Re.l8AIA. Tont« Ui der Htm Ta««e»»»anr in MiOn und den» Filialen. ver NscKöruck Ser NrtiKel unS eorresponSenzen Ses «lsrseM^ iS nur unter gensuer üueHensngsbe. unS. soweit es lick um größere UuffStze SsnSeit. nur nach ooriieriger öenetimigung geitsttet InhattsLtierstcht. 1. Leitartikel: Km Krirgslager. — 2. Aufsätze: Die neuen Speisegesetze. — Dir Kriegsnot im heiligen Kandr. — Geistige Kriegsfürsorge. 3. Vermißte jüdische Familie». --4. Homiletik: Lehrer Wolfs, Äürtch: Zur Erklärung einer schmierigen KaschisteUe. ö. Kleines Feuilleton: Hinter der Feldküche. — (Flieger und „Tauben" auf hebräisch.) --- 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Frankfurt a. M. (Herstellung von Kriegsbrot.) — Berlin (Statistik über die Kinder feindlicher Staaten.) — Dresden (Antisemitische Hetzereien.) — Budapest (Galizische Flüchtlinge in Ungarn.) — Petersburg (Judenlaufen.) — 7. Personalien: Wien. — 8. Familien - Nachrichten. 9. Feuilleton-Betlage: Feinde. 3m Kriegslagen Der große Bölkerkrteg, der so unendlich tief in das Seelenleben -dr Zeit, in das sittliche und religiöse Bewußtsein des Einzelnen eingretft, stellt insbesondere den Krieger im Felde draußen tagtäglich vor die schwersten ethischen Konflikte. Innerhalb der als oberster Grundsatz allemal entscheidenden militärischen Notwendigkeit, die in Form des Befehls der Vorgesetzten an den Soldaten herantritt und ihn des eigenen Nachdenkens überhebt, gibt es doch tausend Konfltktfälle, in denen der Einzelne selber darüber entscheiden darf und muß, was ihm erlaubt, was verboten, was Pflicht, was Verbrechen sei. Das gilt für den Bereich des sittlichen Lebens, das gilt aber auch für das damit unlöslich verknüpfte Gebiet des religiösen Pflichtlebens. Schwer ist es, unendlich schwer, in dem Riesen-Organismus der modernen Kriegs Heere, in der Atmosphäre der zur höchsten Pflicht gewordenen rohen Gewalt, der stillen Mahnungen der Gottessttmme nicht zu vergessen, die unser Leben durch Warnung und Pfltchtgebot geadelt hat. Aus dem, was ein kundiger Führer an wegweisenden Betrachtungen für den jüdischen Krieger vor Jahren niedergeschrieben hat, soll daher im Folgenden unter Festhaltung des natürlichen, volkstümlichen Tones einiges mitgetetlt werden.*) Daß der Soldatend enst schon für so manchen jungen Juden zur schweren religiösen Gefahr geworden ist, das liegt an drei Umständen: 1. An dem im Dienste begründeten Zwange zu gelegentlichen Gesetzesübertretungen, wodurch die irrige Auffassung entsteht, als habe das Gesetz, öfters verletzt, seine bindende Kraft für den Soldaten verloren. 2. An der Unwissenheit und Unkenntnis der Grenze zwischen dem unter dem Zwange der Verhältniffe Erlaubten und Nichterlaubren. 3. An der schlechten Gesellschaft, die gute, fromme Vätersitte verdirbt. 1. Was den zuerst genannten verhängnisvollen Grundirrtum betrifft, nämlich, daß wir durch die erzwungene Verletzung der göttlichen Gebote in Zeiten der Gefahr etwa aufgehört hätten, Seiner Hörigkeit zu unterstehen, so ist dies eine der gefährlichsten Einreden des jnn ^X', um uns vom Wege des Lebens zu verdrängen. Seiner Gotteshörigkeit entzieht sich der Jude auch dann nicht, wenn er mit Wissen und Willen und geflissentlich gegen die Satzungen der Lehre verstößt. Und wenn je, so gilt hier der vielzitierte und so oft mißbrauchte Satz: s/'tfK nintth Bin bhnttr Kttrntr. „Auch der sündige Israelit bleibt Angehöriger Israels." „Gott verläßt sein Volk nicht." Und mag der Einzelne noch so sehr von ihm lassen, Gott gibt ihn nicht preis. Um wieviel weniger kann der Bund mit dem Schöpfer berührt werden durch einzelne Vergehen, die im Drang und Zwang eherner Umstände begründet sind! Als Israel in das babylonische Exil hinausging, da kamen die Verführer und sprachen: Ist nicht nunmehr unser Bund mit Gott gänzlich aufgelöst, nachdem so viele an das jüdische Land geknüpften Satzungen von uns ja doch nicht mehr eingehalten werden können? Können wir nicht, fern von der Scholle, Zobel und Schemttta halten, wozu dann noch Sabbat feiern? Sind doch alle Vorschriften über Teruma und Maasser, Tumah und Tahara inhalts- *) Die hier beginnende Artikelserie, die in der Hauptsache einen Zyklus volkstümlicher Lernvorträge wiedergibt, bewegt sich in der Gedankenwelt des rabbinifchen Belehrungs- und Erbauungsbuches für Soldaten und Krieger rono von Rabbi Israel Friedmann zu Radin. und gegenstandslos geworden, was sollen uns noch die Speisegesetze, die Reinheitsgesetze deS jüdischen Weibes? Was hätte noch der Knecht mit dem Herrn zu schaffen, nachdem ihn dieser an einen Anderen verkauft, welche Verpflichtungen hätte die Frau dem Manne gegenüber, von dem sie endgilttg geschieden ist?" Dem schickt schon aber Jesajas voraus: nsnsö 'S üdök nnb» -NVA mrvnn "ibd hvk lb DDDK vnsö TOK . „Wo wäre der Scheidebrtef, der eure Fortschtckung beurkundete, wer von den Käufern könnte behaupten, daß ich euch ihm verkauft habe?" Und darum, so ruft auch Jecheskel: Tn 'n 'Tin vb 'tt vnnii bp nSirn UD'bp nptn. „Und was euch in den Sinn kommt, es wird nicht sein, denn mit starker Hand — wider euren Willen — werde ich über euch herrschen." Sagt es doch das Wort der Schrift selbst: „Und bei all dem, wenn sie im Feindesland find, so verachte ich sie und verstoße sie nicht, sie zu vernichten, meinen Bund mit ihnen aufzulösen, denn ich, der Ewige, bin — und bleibe für alle Zeiten und alle Umstände— ihr Gott." Der „Bund" behält seine Kraft auch in Kaserne und Feld. Und in Erkenntnis dessen wird hier streng auf die Grenze geachtet werden müssen zwischen Erlaubt und Unerlaubt. Da kommt aber leider 2. die Unwissenheit und Unkenntnis der Maßstäbe, mit denen hier gemessen werden soll. Hiergegen gibt es nur ein Mittel: Lernen und Stchbelehrenlasfen, sich orientieren im schwierigen Gelände, darauf die Kämpfe auszufechten find mit dem gefährlichsten Feinde, der religiösen Versuchung. Wie sollte da der Vater, während die Mutter mit unerschöpflicher Liebe den Sohn mtt allem für den Körper Notigen versieht, daran denken, demselben das geistige Rüstzeug, die religiöse Belehrung, mit ins Feld zu geben! (Im Bortrage folgte hier eine ganze Reihe einzelner Dinim über Tefillah, Tefillin, nniDK mSnxa u. s. w., wie sie im „Machneh Jtsroel" in übersichtlicher Zusammenstellung zu finden find, die aber im Rahmen eines Zeitungsartikels nicht gut erörtert werden können.) Es wird nicht immer marschiert, exerziert und auch nicht immer gefachten. Es bleibt auch im Soldatenleben Zeit genug übrig für allerlei Zerstreuung, sogar für Wein und Gesang, was MM