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Der Israelit · 1915-01-07 · Heft 2 (7.1.1915) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 2 (7.1.1915)
Date
1915-01-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Der JSraeltt. 7. Januar 1915 Seile 4 No. 2 Anwesend waren fast alle Rabbiner der Provinz. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Wreschner, Samter eröffnete die Quartalssitzung mit herzlichen Begrüßungsworten für die erschienenen Mitglieder und Gäste, unter Hinweis auf die rabbinifchen Obliegenheiten in den gegenwärtigen Kriegszeiten: 1. wird als Termin für die nächste Versammlung Donnerstag, 8. April 1915 festgesetzt. 2. findet eine Aussprache über religiöse Fürsorge für jüdische Soldaten, Verwundete und Gefangene statt. Alle Redner haben die Erfahrung gemacht, daß deutschen Soldaten gegenüber von den Generalkommandos und den Lazarettinspektoren das weitgehendste Entgegenkommen gezeigt wird. Dagegen wird von den Soldaten, namentlich was rituelle Verpflegung anbetrifft, nur in den seltensten Fällen von der Vergünstigung Gebrauch gemacht. Was die Angehörigen feindlicher Heere, besonders Rußlands anbetrifft, so ist das Verhalten der verschiedenen Kommandos verschieden. Prinzipiell wurde auch iher die Beköstigung mit ritueller Kost gestattet. Dagegen wurde von allen Rednern das weitgehendste Entgegenkommen der Behörden in Bezug auf Seelsorge, wie Abhaltung von Gottesdienst, Ausstattung mit Ritualien hervorgehoben. Schließlich wurden Maßnahmen bezüglich der NOS-Kost für die Krieger beschlossen. — Nachdem noch Dr. Frei mann-Posen eine Anfrage betreffend die Posener Kantorenschule dahin beantwortet hatte, daß während des Krieges neue Zöglinge nicht ausgenommen werden können, nach demselben aber die Schule wieder in vollem Umfange eröffnet werden soll, erhielt Dr. Wreschner-Samter das Wort zu seinem halachischen Vortrag, in dem er an der Hand der talmudischen Quellen, der D'SWKl und Möglichkeiten erörterte, durch die ein tia unter Vermittlung eines '122 (Post) übersandt werden kann. Die Ausführungen des Redners lösten eine lebhafte Diskussion aus. Das zweite Referat des Herrn Dr. Frei,'- man n-Posen, der gestützt auf reichliches Quellenmaterial und große Fachkenntnis die Frage der Priorität und Posteriorität der 7112^71 und mPIDö M22.1 und deren Verfaffer zu lösen suchte, fand lebhaften Beifall. 6eksngenenMrsorge. Hannover, 29. Dezember. Herr Landrabbiner Dr. Gronemanns chreibt uns: Meine an dieser Stelle vor einiger Zeit ausgesprochene Bitte um Uebersendung von Bibeln für die Zivilgefangenen in Munsterlager ist in so reicher Weise erfüllt worden, daß ich wie unser gar nicht von einander unterscheiden. Bloß datz manch von ihnen rotbärtig sind und die anderen schwarze Bärte haben. (Deutsche Orient Gesellschaft.) Die Deutsche Orient-Gesellschaft führt die Ausgrabungen in Babylon auch während des Krieges fort. In Aegypten ist das allerdings zur Zeit nicht möglich. Dagegen haben die Grabungen des vorigen Winters in Tel! el-Amarna wieder bemerkenswerte Ergebnisse gebracht. Herr Geheimrat Borchardt berichtet darüber in dem soeben ausgegebenen Heft 55 der Mitteilungen. Für unsere Kenntnis von der Stadtanlage wurden wichtige Einzelheiten gewonnen, für die innere Gestaltung der altägyptischen Wohnhäuser aus der Zeit des „Ketzerköntgs" Amenophis IV. (vierzehntes Jahrhundert vor der übl. Ztr.s sogar so viel, datz ein Versuch einer farbigen Rekonstruktion eines Speisezimmers entworfen werden konnte. Unter den Einzelfunden befinden sich wieder künstlerisch wertvolle Stücke, durch die die Frage, in welchem Material Bildhauer, wie der aus der vorjährigen Ausstellung bekannte Thutmes, ihre ersten Entwürfe gearbeitet haben, der Lösung nahegeführt wird. Als Ergänzung des berühmten Tontafelfundes von 1887 wurden Stücke von zwei Keilschrifttafeln entdeckt, -oit denen die eine in altbabylontscher Sprache über die Vorgeschichte einer kriegerischen Unternehmung des Pharao nach Syrien und den Nordländern berichtet. großer Lehrer Mose hinterher den Ruf hätte ergehen lassen können, niemand möge mehr eine solche Gabe bringen, denn es ist daran genug und übergenug. Zahlreiche Pakete und große Frachtstücke konnten von mir nach Munster gesandt werden, wo sie bei den Internierten, denen jede andere Lektüre verboten ist, unbeschreibliche Freude und Dankbarkeit ausgelöst haben, und selten hat wohl die heilige Schrift in so ausgedehntem Maße ihre Sendung erfüllt, ein Quell des Trostes und der Erhebung zu sein. — Es ist mir deshalb auch nicht möglich, jedem einzelnen der edlen Spender zu danken und muß ich mich darauf beschränken, auf diesem Wege ihnen allen meinen herzlichsten Dank auszusprechen. Uebrtgens sei noch bemerkt, daß seit einigen Tagen die betreffenden Zivilgefangenen sich nicht mehr in Munster befinden, sondern sämtlich nach dem Konzentrationslager Scheuen bet Celle gebracht worden sind. Nun aber nochmals eine Bitte und ich hoffe, daß sie mit dem gleichen Erfolg, wie die frühere, gekrönt sein wird. In Hademsdors, Kreis Soitau waren 21 russische Zivilgefangene jüdischen Glaubens interniert; alles bessere achtbare Leute und nicht ganz mittellos, Manufakturisten, Holz- und Eisenhändler, Buchhalter, auch Handwerker, wie Schneider, Graveur, Glaser, die hier zu schweren Kanalarbeiten verwendet wurden. Es ist mir gelungen, für sie die Befreiung von diesen schweren, ihnen ungewohnten Arbeiten zu erwirken und die Erlaubnis ihnen zu verschaffen, sich selbst in anderen Städten eine ihrem Beruf entsprechende Beschäftigung zu suchen. Mehrere haben eine solche Beschäftigung schon gefunden, die meisten aber nicht, vielfach deshalb, weil sie am Sabbath nicht arbeiten wollen und sich unter keinen Umständen dazu entschließen würden. Ich hoffe, daß unter den Lesern dieses Blattes sich manche finden werden, welche in der Lage sind, diesen Leuten die Arbeitsmögiichkett zu schaffen, und bitte ich, die Offerten an mich zu richten, bezw. in Verhandlungen darüber mit mir zu treten. Sie sind bisher zwar auf die drei Orte Hannover, Göttingen und Celle verteilt und stehen hier natürlich, wie alle Angehörigen feindlicher Staaten, unter polizeilicher Aufsicht, aber es werden ihnen keine Schwierigkeiten gemacht werden, wenn sie an anderen Orten wohnen und arbeiten wollen. Ausgeschlossen ist nur der Aufenthalt in Berlin und in den Grenz- und Küstenorten. SU/weiz. Me Hilfsaktion für Paläilina in der Scfnuei?. Wasel, 5. Januar Deu Aufruf, den das Schweizer Erez Jisroel- (Jüdische Ehrentafel.) Im Berlage von M. G log au jr. in Hamburg wird die Herausgabe einer „Jüdischen Ehrentafel" vorbereitet, in der sämtliche Teilnehmer am Kriege, die sich das „Eiserne Kreuz" oder andere Auszeichnungen erworben haben, mit genaueren Einzelheiten aufgeführt werden sollen. Um diese Ehrentafel der jüdischen Ritter des „Eisernen Kreuzes" durch Vollständigkeit und Zuverlässigkeit wertvoll machen zu können, bittet der obige Verlag alle in Betracht kommenden Angehörigen und Interessenten, Fragebogen einfordern zu wollen, die ausgefüllt zurückzvsenden wären. (Möge« Dovidstern mit Kaiserbild.) Das Interkonfessionelle Hilfs-Komitee zur F rühstücks-Ausspetsung von Flüchtlingen aus Galizien und derBukowina bringt durch das Komiteemitglied, Herrn Robert Ehrlich aus Lemberg (derzeit Wien IX Clusiusgasse 1/27) ein geschmackvolles jüdisch-patriotisches Abzeichen zur Einführung. Das Reinerträgnis dieses zum Einheitspreise von K. 1.52 pro Stück zum Verkaufe gelangenden Symbo'.s wird zum Teile dem humanitären Zwecke der Frühstücks-Ation zugeführt. Aus der Josef und Rose Billmann scheu Stipendien- Stiftung für israelitische Binder ist ein Stipendium zum unentgeltlichen Besuch der Unterrichtsanstalten der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M., oder der Israelitischen Bürgerschule zu Fürth in Bayern zu vergeben. Bewerber, von welchen solche, die eine Verwandschaft mit dem Testator Nachweisen können, den Vorzug erhalten, wollen sich an die Administration zu Händen des Herrn Emanuel Fürth, Frankfurt a. M., Rahmhofstrafte 2, schriftlich nielden. ) Comite im November vergangenen Jahres erließ, hat seine Wirkung nicht verfehlt. Die Sammlungen, die in den letzten zwei Monate in sämtlichen jüdischen Gemeinden der Schweiz von den Vertrauensmännern durch Büchsen-Entleerungen und Spenden und vorgenommen wurden, ergaben ein schönes Resultat. Nach Abzug einiger hundert Franken, die bereits nach Erez Jtsroel für bestimmte Zwecke gesandt wurden, stehen dem Comite zur Zeit über 6200 Frs. zur Verfügung.!Jn der Sitzung vom 3. Jan. 1915 beschloß das Comite vorerst Frs 6000 nach Palästina zu überweisen und wie folgt zu verteilen: Frs. 1000 Volksküche, Frs. 500 Waisenhaus, Frs. 1000 Altersversogung, Frs 500 Kindergarten für hungrige Schulkinder, Frs. 900. — Arme in den Kolonien, Frs. 2000 zur direkten Verteilung an Arme in Jerusalem. Der amertkaniche Gesandte Morgenthau in Konstantinopel hat sich in freundlicher Weise Herrn Rabbiner Dr. Cohn gegenüber zur Beförderung des Geldes bereit erklärt. Die Frs. 6000. sind nun bereits durch Vermittlung des Bankhauses Dreyfus Söhne & Cie nach Konstantinopel abgegangen, und werden vom amerikanischen Gesandten an Dr. Wallach in Jerusalem weitergeleitet, der mit der Verteilung der Gelder betraut ist. £U*Rianfr. Heues aus „Petrograd." Wetersvurg, den 1. Januar. Die letzte uns zugegangene Nummer des „Haint" weiß von den Ereignissen des Krieges nicht gerade viel zu erzählen. Es wird darin auf Grund von Berichten anderer russischer Zeitungen mitgetetlt, daß 190 jüdische Studenten, die ihre medizinischen Studien an verschiedenen auswärtigen Universitäten beendet haben, die Erlaubnis erhielten, in Rußland ihr Staatsexamen abzulegen. Ferner teilt das Blatt mit, daß (wie von uns bereits berichtet) der Student Golubiew (die Seele des Echtrufftschen Verbandes) auf dem Schlachtfelde gefallen ist und daß der dem bekannten Redakteur des „Kiewljantn" wegen seiner Stellung zur Beilis-Sache gemachte Prozeß von der Staatsanwaltschaft niedergeschlagen wurde. Des Weiteren erfährt man aus dem gleichen Blatte, daß in Petersburg eine „Jüdische Woche" zu Gunsten der jüdischen Opfer des Krieges stattgesunden hay sie hatte ungefähr den Betrag von 30000 Rubel als finanziellen Erfolg. Die Spenden kamen ausschließlich von jüdischer Seite. Straßensammlnngen wurden nicht gestattet. Ungarn. Nus den Gemeinden. Budapest. Die orthodoxe Landeszentrale erlieh ein Rundschreiben an alle Gemeinden, mit der Aufforderung, in dieser tragisch-grotzen Zeit die höchsten Opfer auf dem Altar des Vaterlandes zu bringen. Man möge mit allen Mitteln die Sache der Gerechtigkeit und der Volksbefreiung fördern. Die Opferbereitschast unserer Kreise kennt auch wirklich keine Schranken. Sie ist ein unerschütterlicher Beweis von Treue und tiefwurzelndem Patriotismus. Wir lieben unser ganzes Land mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen. Nicht nur der Einzeljude, auch die Institutionen machen alle ihre materiellen Mittel flüssig, um sie dem Staate zu widmen. So hat der Budalester orthodoxe Volks tisch, der jetzt in verzehnachter Weise Gutes übt, alle seine Reserven, die P r e tzburgerJeschiwaund die Mensa 100,000 Ät., alle jüdischen Krauenvereine ihre Spareinlagen, die p'N ihre Fonds hergegeben. In gleicher Hingabe leistet die Hauptgemeinde und mit ihr die großen neologen Zentren des Landes alles, um dem Staat zu nützen, und dem Judentum Ehre zu bringen. Neben den unerreichten Leistungen aus dem Gebiete der Humanität, die aus den jüdischen Gemeindestuben Heil und Hülfe für Zehntausende sprietzen lätzt, ist es wieder die Budapester Gemeinde, die dem Staat 800,000 Kronen für die Anleihe zur Verfügung stellt. Jüdische Namen stehen überall an erster Stelle, wo eS gilt Gut und Blut einzusetzen, um der geliebten Scholle den Platz an der Sonne zu sichern. Z. B. A. Budapest. Ein galizischer Rabbiner, der vor den Ruffen nach Budapest flüchtete, erzählte die haarträubende Tatsache, datz in seiner Gemeinde, die durch hn verborgenen 104 min hbd von den^Kosakenhorde« zerrissen und dann zu Asche verbrannt wurden. Die

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