Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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l. Januar ISIS Korrespondenzen und Aachrichien. Y&tK Deutsrtzes Ueich. Krieosnof im heiligen Lande, AraukfsrL a. M., 25. Dezember. Die Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung empfing von Herrn Direktor Dr. Moses Auerbach in Pethach-Tikwah unterm 25. November folgendes Schreiben: Die neueste Phase des Völkerkrteges, die Kriegserklärung der Türkei hat für Palästina ganz besondere Bedeutung. Mit Recht betrachtet die türkische Regierung die hier wohnenden russischen Juden nicht als Feinde; weiß sie doch, daß diese Unglücklichen hier ein Asyl vor den Bedrückungen ihres Geburtslandes suchten und fanden. Die Negierung erleichtert daher die Erwerbung des türkischen Staatsbürgerrechtes und zu Tausenden treten die russischen Juden in den ottomanischen Staatsverband ein. Von der Regierung wird die arabische Bevölkerung daraufhingewtesen, daß die Juden treue Freunde der Türkei sind an vielen Orten finden Verbrüderungs-Demonstrationen zwischen Juden und Arabern statt. So erfreulich also die allgemeine politische Lage der hiesigen Juden ist, von so erschütterndem Ernste ist ihre wirtschaftliche Situation. Bereits vor zwei Monaten wies ich aus die drohende Katastrophe hin, welche das Ausbleiben der regelmäßigen Unterstützungsgelder im Gefolge haben muß. Leider ist das Gefürchtete eingetreten. Tausende von Menschenleben, die mittelbar oder unmittelbar von den großen Anstalteu abhängig sind,stehen buchstäblich vor dem Verhungern. Der Handel liegt fast völlig brach. Der Export von Wein und Orangen ist unterbunden. Die Orangenernte im Werte von 3 Mill. Francs ist so gut wie verloren. Zu dieser Notlage kommen noch die militärischen Sorgen. Viele Familienväter sind eingezogen, ohne, daß sie oder Freunde für die Familie sorgen konnten. Außerdem herrscht noch die furchtbarste Teuerung. Ausländisches Mehl ist nicht mehr vorhanden/ das inländische kostet ungefähr das doppelte des normalen Preises. Ebenso teuer ist der Zucker, der immer knapper wird; für ein Pfund Kartoffel müssen etwa 14 Pfennige bezahlt werden. Die durch die Deutsch-Holländische Palästina- Verwaltung überwiesenen Geldmittel waren für den Augenblick eine rettende Tat, nur reichen diese Summen bei weitem nicht aus, um den großen Kreis von Gefährdeten zu helfen. ^Schnellste weitere Hilfeleistung ist dringend notwendig. * * Aus Saffed wird der „Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung" geschrieben: Die Lage der Armen ist verzweifelt. Wir bitten vor allem um Erhöhung des Budgets für Kranken Hilfe, da das jüdische Spital leider aus Mangel an Mittel geschloffen werden mußte und andererseits zum Glück die englische Missionäre ihre Tätigkeit auf dem Gebiet der Krankenpflege seit der Kriegserklärung etnstellen mußten. Wenn nun auch die Arbeit unseres Komitäs für ärztliche Besuche und Krankenhilfe aus Mangel an Mitteln aufgehoben werden würde, so wäre dies eine schwere Katastrophe für unsere arme Bevölkerung, der zurzeit keine andere Hilfe zur Verfügung steht. * * Die hier veröffentlichten Briefe sprechen für __Der JSraeltt.__ sich selbst. Nur ein kräftiges von den weitesten Kreisen unterstütztes Eingreifen kann eine Katastrophe abwenden. Spenden für Erez-Jsroel nehmen außer den bekannten Vertrauensmännern der Deutsch-Holländischen Palästina Verwaltung deren Zentralen in Frankfurt a./M. Schützenstraße 14, Berlin, Heidereutergaffe 4, sowie auch sämtliche Filialen der Deutschen Bank (Konto Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung) entgegen. Llisnukkstigruß SN Sie jüflifdien Krieger. Darmstadt, 28. Dezbr. Das Großh. Rabbinat Darmstadt II, Herr Rabbiner Dr. Marx, ließ an die im Felde stehenden Soldaten seines Nabbinates folgendes Schreiben ergehen: „Zum zweiten Male entbiete ich Euch innige Grüße aus der Heimat! Winterstürme brausen nun über die Fluren, als ob die Natur ein Spiegelbild jenes gewaltigen Ringens geworden wäre, dessen Zeugen und wackere Mitstreiter Ihr Alle seid. Monate sind dahingegangen, in denen wir mit Bewunderung und Stolz von den Heldentaten unserer Armeen in Ost und West von Tag zu Tag vernahmen, die Ihr, geleitet von unseren herrlichen Führern, erstrittet für Kaiser und Reich. Galt's im Sonnenbrand in Dauermärschen, galt's im Sturm mutig vorwärts zu schreiten, Ihr zaudertet nicht, und Euer war der Sieg. Aber auch jene beispiellose Größe, die Ihr bewährtet im Schützengraben unter aller erdenklichen Mühsal oder auf schwlerigstem Gelände Flanderns, Frankreichs und Rußlands oder stürmischer See, da Eure Devise war „stark und fest!", nimmer werden wir sie vergessen. Nicht zuletzt aber Ihr, meine lieben jüdischen Brüder, beglückt uns in der Heimat der Gedanke, was uns ja Gewißheit von der ersten Stunde des Kampfes an war -, daß Ihr gerade als Juden mit in den vordersten Reihen der Kameraden steht und wetteifert an Mut und Tatkraft, an Entsagungs- und Opferfreudigkeit mit allen im Felde Stehenden. Wißt Ihr doch, daß Ihr hiermit nicht nur deutsche Soldatenpsticht erfüllt, sondern jenes heilige, religiöse Gebot, sein Leben dem Vaterlande zu weihen, nach dem Prophetenwort Jirmijahus, das er vor Jahrtausenden uns ins Herz gegossen, als er rnahnte: Oirscllu es sch’laum hoir Fördert das Wohl des Staates!" So krönt denn schon manche Heldenstirn unverwelklicher Lorbeer und ziert so manche kühne Heldenbrust das Ehrenzeichen unserer erhabenen Fürsten. Heil Euch, die Ihr mit Eurem Blut mitbauen Helsen dürft an der großen, gewaltigen Aufgabe, den Frieden der Zukunft zu sichern durch das Niederrtngen der Feinde, denen im Kampfe Alles fehlt, was Euch mit unerschütterlichem Gottvertrauen emporschauen läßt, - vor Allem das Bewußtsein, für eine gerechte, wahre und gute Sache das Schwert zu ziehen! In wenigen Tagen feiern wir das Ehanukah-Fest, an dem Ihr und wir jene erhabenen Bitder der Vergangenheit von den Heldenkämpfen der Makkabäer wieder erstehen lassen. Wie heute bei uns, umdräuten damals gewaltig zahlreiche Feinde jene wenigen jüdischen Streiter. Aber wir siegten, getragen von der tiefen Ueberzeugung, zu kämpfen für die Erhaltung der heiligsten Güter der Nation. W’atto brachamecho horabbim omad’to lohem b’es zorosom „Du aber, o Gott, in Deiner großen Barmherzigkeit standest ihnen bei in der Stunde der Not. . ." und unsterblichen Ruhm ernteten unsere Ahnen. Brüder! Auch in Euren Adern fließt Makkabäerblut! Drum wird Gott Euch, die Ihr von dem gleichen Geist, wie die Väter, beseelt seid, die Kraft leihen, dem endlichen Stege zuzuschreiten. Und wenn Ihr nun in heilig religiöser Glut, doppelt andachtsvoll im Feindesland an den Ehanukahtagen von Abend zu Abend Lichter der Weihe anzündet, dann laßt im stillen oder lauten Sang die Mut und Gottvertrauen ins Herz träufelnde Festeshymne erküngen: l^ioaus zur Jeschuosi: „Quelle meiner Kraft, Fels meines Heils, Dich geziemt's zu preisen- „Meines Gebetes Haus gründest Du dereinst, da wir Dankopfer bringen - „Zur Zeit, wenn Du eine Richtstätte bereitest vordem brüllenden Feind, „Dann vollende ich mit Liedessang die Weihe des Altars". Und wenn diese kleinen Lichter flackern und Euch künden von Vergangenheit, Heimat und Euren Lieben, dann wißt: Wie die Zahl der Lichter von Tag zu Tag wächst, so steigt auch von Tag zu Tag die Gewißheit: „Der Gott, der Wunder getan an unseren Vätern", wird auch „in unserer Zeit" uns Sieg und Frieden geben. Wir aber beten für Euch Alle, daß der Aügütige Euch erhalle, die Wunden heile, schütze und schirme unsere Fürsten und Führer, unser Heer und unser geliebtes Vaterland." * Der Brief schließt mit herzlichen Chanukkahgrüßen und der Mitteilung über die mttfolgen- No. i Sette ü ben~Liebesgaben des Jüdischen Frauen-VereinS zu Darmstadt. gememSewslilen. KLmrover, 28. Dezbr. Die Verwaltungswahlen in der Synagogengemeinde Hannover ergaben die Wiederwahl der beiden Vorstandsmitglieder Kommerzienrat Emil L. Meyer und Bankier Simon Katz, ferner der Repräsentanten Bankier Selly Meyerstein und Rentier Jacob Berliner. An Stelle des verstorbenen Bankiers Gustav Dammann wurde deffen Bruder, Bankier Max Dammann, neu zum Repräsentanten gewählt. Slttgavtt. Aus den öemeinden. Bonyhad. Ein Rundschreiben von Rabbi Elieser Deutsch oeranlatzte. einen “ijsx 7wri abzuhalten. H. Nadudvar. Der Schwiegersohn unseres jüngst verstorbenen 21, Rabbiner Israel Jungreis, der bis jetzt in einer Holesschaner Klaus seines Amts waltete, und als L2N einen Ruf genießt, wurde zum hiesigen Oberrobbiner einstimmig gewählt. Z. B. A. Hunsdorf. Unsere große rctP', der Stolz der ungarischen Orthodoxie, mußte, durch den Kriegslärm gestört, ihre Tore schließen. Die onrs sind zum Teil bei den Fahnen, zum Teil in den Lazaretten und die jüngeren in ihre Heimat geeilt- 230 Jünglinge zählte die hiesige NB'V", die sind nun alle zerstreut. Der Lehrer und Meister ist mit der Familie nach P ö st y e n. Da die hiesige Gemeinde nur durch den Konsum, den die NB'S" oeranlatzte, existieren konnte — hier lebte man buchstäblich von der rmn -- herrscht hier große Not. M. L zigeth. Aron N a s ch, der seit 30 Jahren Tempelvorsteher bei der Sfardim-Gemeinde war, wurde durch den Tod abberufen. Er war ein guter Mensch und braver Jude. D r. Danzig schilderte in - einer schönen Trauerrede das verdienstvolle Leben des Dahingeschiedenen, der unter großen Ehren zu Grabe geleitet wurde. rrsitir. Z. B. A. Miskolz. Erzbischof und Metropolit Wladimir Repta aus Czernowiy, der sich in bewunderungswürdiger Weise der Juden seiner Stadt annahm und sie bei der Rusieninvasion unter seinen Schutz stellte, Knr den Sietlametcil ist dir Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ansschlietzlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstiger Angaben religionsgesetzlichen Charakters ans ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Kais»»» Friedrich Quells — Offenbaeh a. H. - Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stalu, Frankfurt a. M., Günthersburgallee 37. Tel. 259 a. 714 Familiennachnchten. Geburten. Eine Tochter.- Karl Aufseefer (Wormser) Zürich. Vielfachen Anregungen entsprechend, errichtete der Lehrer P. Klibanskh in seinem seit vielen Jahren erfolgreich geleiteten Israelitischen Kn abenpensionat, Trutz 47, dahier, eine Zwecgabteilung als Schülerheim-Frankfurt, in dem Schüler hiesiger höherer Schulen als Halb- Pensionäre (Externe) Aufnahme finden. Diese erhalten im Schülerheim gewissenhafte Aussicht und Einleitung beim Unfertigen der Schülerarbeitcn. Gerade in jetziger Zeit, da so viele Väter im Felde stehen, kann ein gutgelertetes, modern eingerichtetes, mit allem Komfort versehenes Schülerheim, das abseits vom Lärm großstädtischen Verkehrs im besten Teil unserer Stadt liegt, nicht genug empfohlen werden. Die Knaben verbringen im Heim ihre schulfreie Zeit unter fachmännischer Aufsicht und ist ihnen der Aufenthalt daselbst infolge der hübschen Ausstattung in jeder Beziehung angenehm. Die gemeinschaftliche Arbeit fördert bei ihnen Lust und Liebe zur Tätigkeit. Sabbat-Anfang u. Ausgang. 'N'I rav ORT. Anfang Ubr Min. Datum 19151 5675 Ausgang Uhr Min. 2. 16. Frankfurt a. M.! 4 05 Januar Tebet 5 20 Berlin . . . . — — — — München . . . 4 20 5 17 Strastburg . . 4 80 5 30 J Stuttgart. . . — — — — Pose« . . . . — — — — Nürnberg. . . 4 20 5 14 Ha«b«rg . . . I — — — —