Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 102 (31.12.1894)
- Date
- 1894-12-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1927 ihren Trägern die einstige Huldigung der ganzen Menschheit zu, von welcher je zehn Männer aus allen Sprachen sich an den Rockzipfel eines jüdischen Mannes klammern, um ihm zu folgen, daß er sie lehre die Wege Gottes uud sie führe zu seinem Lichte. Seit Jahrtausenden ist Israel aus seinem Vaterhause gewiesen, um die Brüder zu suchen und ihnen den Gruß des Vaters zu entbieten. Es hat b'i den Brüdern aber keinen Brudersinn gefunden. Sie nennen es den Träumer, und überweisen es dem Abgrund mit seinem tausendfältigen Todesschrecken, nicht so sehr wegen seiner Träume, als deshalb weil es diese Träume nicht für Schäume, weil es dieselben ernst nimmt, sie jedem, der sie hören will und der sie nicht hören will, erzählt und von ihrer Verwirklichung überzeugt ist. Sie haben dann dem verlassenen Bruderstamm sein Schicksal gemildert, indem sie ihn aus der Grube befreiten, in welcher er ohne das wunderbare Gottcswalten dem Tode hätte erliegen müssen und haben ihn den umherziehenden Schacherern für eine Hand voll Silber überantwortet. Man hat ihn dann in Ghettts wie Joseph ins Gefängniß gesperrt, weil er den Leichtsinn und die Lüge, welche auf Schritt und Tritt die Fangarme nach ihm ausstreckten, mit den Worten abwies: „Wie sollte ich diese große Schlechtigkeit begehen und gegen Gott sündigen!" Aber während man ihn den Träumer schilt, ist er in Wirklichkeit nic^rn byi der Herr der Träume. Er beherrscht die Träume, nicht sie beherrschen ihn, und deutet die Träume der anderen so wahr und zutreffend, bis diese'Ueberlegenheit von seiner ganzen Umgebung derart anerkannt wird, daß sie zur endlichen Lösung seines Traumräthsels zur eigenen Erlösung führt. Wenn dann der Berg Gottes hoch dasteht und alle anderen irdischen Größen nur wie Hügel sich um diese Höhe gruppiren, dann wird der letzte Rest des Bruderhasses durch die Thränen hinweggefpült, welche die Erlösten weinen. Diese Thränen werden denjenigen, welche sie vergießen, das Zeugniß ausstellen, daß es nicht Trotz und Hochmuth war, wenn sie sich von ihrem Barer bevorzugt als das von ihm auserwählte Volk begriffen. In diesen Thränen wird sich der heiße Weltschmerz über die tausendjährige Verkennung wiederspiegeln und noch mehr die rückhaltlose Bruderliebe, die durch liebende Hkneinziehung aller Menschenbrüder in ihren Kreis nunmehr von aller Welt bekundet,^daß sie frei sich von dem dünkelhaften Bonzenthum gehalten, womit man seine Mission als „das auserwählte Volk" verdächtigt hat. Aber diesen Thränen folgt, wie in der Geschichte Josephs, die Vereinigung aller Brüder mit ihrem Vater, sie sind die letzten Saatkerne, die sie in den Acker der Menschheit streuen, aus welcher dann die Garben erstehen, welche die träumenden Säeleute jubelnd nach Hause tragen. Das ist das Zeugniß das sich Gott in der Geschichte Josephs gestiftet, als er ihn über das Land Mizrajim führte. Die sonst unverständliche Gottessprache, welche aus Israels ganzer Geschichte so wunderbar klingt, sie wird dadurch verständlich, netff nnso px by inxxn mttf spirra nny ♦ »njrv Deshalb wird Israel auch geradezu Joseph genannt, die Geschichte Josephs ist der Schlüssel zum Räthsel der Geschichte Israels. Die letzten Thränen Israels werden Freudenthränen sein, und dieses Bewußtsein mildert sein bitteres Lebensgeschick. Diese Heber» zeugung läßt keinen Groll und keine Verbitterung aufkommen, wenn die Bruderliebe, die Israel im Herzen trägt, auch noch lange Zeit unerwiedert bleiben sollte. So gewiß als mit seinen Brüdern Joseph, so sicher wird auch Israel mit der gesammten Brudermenschheit in dem Bewußtsein sich einst zusammenfinden: . natpn 's njn 'by Dropn □nxi „Ihr tyabt Böses gegen mtchgeplant, Gott aber hat es zum Guten gelenkt!" Zeitungsnachrichten «uv Gorrefpoudeuzen. Deutschland. Mainz, 29. Dec. Unser verehrter Mitarbeiter, Herr Dr. Königsberger, ein Mann, der sich trotz seiner Jugend in jüdisch-wissenschaftlichen Kreisen bereits einen hochgeachteten Namen erworben hat. ist einstimmig zum Rabbiner der Gemeinde Pasewalk (Pommern) erwählt worden. Wir wünschen dem jungen Herrn Rabbiner hierzu von Herzen Glück und gratulieren auch der Pasewalker Gemeinde zu dieser glänzenden Acquisition. R. Frankfurt a. M., 26. Decbr. In einer heutigen Versammlung zur Besprechung der seitens des Schulraths der Philantropin beabsichtigten Verlegung des Sonntagsunterrichtes auf Samstag und Mittwoch Nachmittag waren gegen 100 Personen, auch Damen anwesend. Herr A. Meyer wurde zum Vorsitzenden gewählt. Nachdem er kurz referirt hatte, wurde eine Eingabe zur Verlesung gebracht, welche an den Schulrath und an die Gemeindebehörden abgehen soll, worin aufs Entschiedenste und unter genauer Begründung gegen Einführung des Samstagsunterrichts Stellung genommen wird, (auch Herr Direktor Dr. Bärwald hat sich schriftlich gegen den Plan und ebenso gegen die Abstimmung ausgesprochen.) Der Aktuar des Schulratbs, Herr Dr. Ernst Auerbach, suchte in längerer Rede auf die Versammlung etnzuwirken, bewirkte aber das Gegentheil, da er offen zugab, daß das nur ein Anfang sei, und die Schule auf dem Wege des