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Der Israelit · 1894-12-28 · Heft 101 (28.12.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 101 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1911 sie nur bön Hause aus den nöthigen inneren Fond an -nt und min mitgebracht haben — sehr leicht den Anschluß an Gleichgesinnte und Gleichstrebende, undr schützen sich selbst vor Verführung, denen sie in Berlin in gefahrvollster Weise täglich ausgesetzt sind. Auch für ihre religiöse Fortbildung, nach den verschiedensten Stufen, ist innerhalb der Gemeinde und ihrer Vereine vielfach gesorgt. Wir können davon Abstand nehmen, noch weiter in der Darstellung fortzufahren, welchen Einfluß die Adaß-Jisroel-Gemeinde auswärts und auch auf diejenigen Kreise hier, welche ihr nicht angehören, geübt hat. Nach letzterer Richtung hin können wir, ohne Widerspruch von irgend einer Seite zu fürchten, die Behauptung aufstellen: Wenn diese Gemeinde vor 25 Jahren inmitten der großen Gemeinde Berlins nicht gegründet worden wäre, würden heute nur geringe, sporade vorhandene Spuren von der gesetzestreuen Richtung und Lebensweise noch zu bemerken gewesen sein. Nach dieser Darstellung können wir fortfahren, den weiteren Verlauf in der geschichtlichen Entwickelung dieser Gemeinde mitzutheilen. Den ersten Schritt zu einer selbstständigen Stellung der Gemeinde verdanken wir der Initiative des damaligen Vorstehers Herrn Gustav Hirsch, als in der großen Gemeinde das jüdische Be gräbnitz-Wesen einen ganz anderen Character angenommen hatte, ja einen ganz unjüdischen Character, da man damals anfing, auch christliche Frauen aus Mischehen auf dem jüdischen Friedhöfe zu beerdigen. Unsere Gemeinde sah sich gezwungen, einen eigenen Friedhof herzustellen, anfangs auf den Namen des Herrn G. Hirsch, bald aber, nach erlangter Selbstständigkeit, für die Gemeinde zu erwerben und in ihre eigene Verwaltung zu nehmen. Allerdings hängt dies mit der glücklichen Wandlung und Wendung zusammen, welche erst durch das Gesetz vom 28. Juli 1876 für die Heilighaltung der Gewissensfreiheit geschaffen werden konnte. Auf Grund dieses Gesetzes erhielt die Gemeinde durch die Kaiserliche Sanktion vom 9. September 1885 die gesetzliche Selbstständigkeit, indem ihr die Rechte einer „Synagogenmeknde" verliehen wurde. Fortan führte sie den Namen „Israelitische Synagogenmeinde (Adaß- Jisroel) zu Berlin. „An dieser Errungenschaft haben alle diejenigen Mitglieder der Gemeinde Iheil, welche bereit waren, in Folge ihrer religiösen Bedenken den Austritt aus der großen Gemeinde zu erklären und zu einer neuen Gemeinde sich zu vereinigen, deren Zweck im ersten Paragraphen des neuen Statuts bezeichnet wird." Das jüdische Religionsgesetz, wie es in der heiligen Schrift und im Talmud und in den rabbtnischen Codices für das practisch-religiöse Leben zur Darstellung gelangt ist, sich zu erhalten und hiernach den Gottesdienst, ebenso alle für eine israelitische Reltgionsgemeiude erforderlichen Anstalten und Institutionen dauernd einzurichten. Alle Maßnahmen und Beschlüsse der Gemeinde haben demnach nur dann Geltung, wenn sie den Bestimmungen des Gesetzes nicht widersprechen. Beiläufig gesagt würde hiernach ein Beschluß, wie ihn vor einigen Monaten die Behörden der großen Gemeinde gefaßt haben, nämlich ein Legat anzunehmen, an welches eine Bedingung geknüpft war, die eine Prämie für Lehrlinge enthielt, welche den Sabbat durch Arbeit entweihen, eine reine Unmöglichkeit sein. Anzuerkennen ist, daß auch die Mitglieder, welche zum Austritt nicht geneigt waren, aus Gründen, meistens nur privater Natur, unserer Gemeinde auch ferner verblieben, (bis auf eine einzige Ausnahme) um als außerordentliche Mitglieder, wenn auch ohne Wahlrecht, zur Erhaltung der Gemeinde und zur Bestreitung ihrer Bedürfnisse nach wie vor ihre Beiträge zu leisten. Der Bestand der Gemeinde ist nun für alle Zeiten gesichert; sie hat nicht, wie alle anderen Vereine in Berlin zu fürchten, wie dies Dr. Makower in seinem Vortrage über die hiesige Gemeinde und ihre Verwaltung von unserer Gemeinde bemerkte, daß sie gewöhnlich die Lebenszeit ihrer Gründer nicht überdauern. Zu erwähnen sind auch die Leistungen der Vereine innerhalb dieser Gemeinde, wenn auch ihre Mittel noch sehr beschränkt find; so der Asrtel-Verein für Darlehen, der Frauenveretn, besonders für Kranken- und Waisenpflege, vorzüglich aber der Chewra-Kadischa, unter der Leitung des auch um das Begräbniß-Wesen höchst verdienstvollen Herrn Adolph Goldschmidt. Erfreulich ist die Theilnahme, welche sich in den letzten Jahren in einzelnen Geschenken und Legaten zeigt; so jüngst von der Frau Dorothea Ehrlich s. A. im Betrage von 38 000 Mk. Noch aber erwarten wir einen mit Reichthümern gesegneten Mann unserer Richtung, der das Kapital zur Herstellung einer neuen Synagoge hergebe, nachdem diese besonders im Frauenchor keinen genügenden Raum mehr bietet, und zu den hohen Festtagen Biele leider zurückgewtesen werden müssen. Soweit haben wir das Gesammtresultat der ersten 25 Jahre unserer Gemeinde skizztrt; wir werden darin deutlich genug erkennen, „daß es Gott gleich ist, durch viel oder wenig zu helfen." Wir wollen auch ferner zu dem Lenker des All vertrauensvoll aufblicken, daß sein Beistand uns weiter zu noch gröberen Erfolgen in den nächsten 25 Jahren führen werde.

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