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Der Israelit · 1894-12-28 · Heft 101 (28.12.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 101 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1912 Hierzu hat aber auch ein Jeder selbst nach Maßgabe seiner Kraft betzutragen. Wir rufen daher zur Mithülfe alle diejenigen auf, welche, wenn sie auch nicht unseren religiösen Standpunkt theilen, doch das Princtp der Gewissensfreiheit für heilig genug halten, um es als ein unantastbares und unveräußerliches Gut überall da zu fördern, wo "es nöthig ist. Wir erwarten selbst von unseren religiösen Gegnern, daß sie uns die Achtung und Anerkennung dafür nicht versagen werden, daß wir, um unser Judenthum vor den vermeintlichen Segnungen der Reform zu bewahren, allen materiellen Genüssen und Vortheilen, welche die große Gemeinde mit ihren Reichthümern Einzelnen bieten mag, gern entsagen und unsere Gemeinde unter den schwierigsten Verhältnissen und größten Opfern selbstständig zu einer inneren festeren Gestaltung führen. Wir wenden uns ferner an alle diejenigen, welche von unseren Gemeinde Einrichtungen Gebrauch machen, daß sie gerecht handeln mögen, um wenigstens als außerordentliche Mitglieder durch die Zahlung eines freiwilligen Jahresbeitrages unser Streben und unser Hochziel wesentlich zu fördern. Wir appelliren außerdem an alle diejenigen in Berlin, welche zu unserer religiösen Richtung für das gesetzestreue Judenthum gehören, ihren Beitritt zu unserer Gemeinde aber noch immer nicht erklärt haben, daß sie von jetzt an ganz und voll ihr sich anschlteßen mögen, zugleich unter Erklärung ihres Austritts aus der großen Gemeinde, um ein ordentliches Mitglied unserer Gemeinde im gesetzlichen Sinne zu werden. Sie können sich doch nur mit innerer Unruhe über die religiösen Bedenken hinwegsetzen, welche es durchaus verbieten, zu einer Gemeinde beizutragen, die ihren neologen Standpunkt bis zur äußersten Grenze bereits geführt hat. Man verbreitet jetzt von gewisser Sette her gern die Behauptung, daß in der großen Gemeinde nunmehr das friedlichste Streben herrsche und für alle Richtungen gesorgt fet. Gewiß lauter Frieden und ungetrübte Eintracht — nachdem ihre religiösen Reformen so weit gediehen sind, daß nichts mehr zu reformiren bleibt. Noch hatte der gemischte Damenchor in der Synagoge gefehlt — der ist aber auch jetzt da, das Gotteshaus in der Lindenstraße hat ihn eingeführt. Nur noch eins bleibt übrig — aber es wird schon seit längerer Zeit darüber verhandelt — nämlich die Reform-Gemeinde in der Johannisstraße mit ihrem Cultus auf den Etat der großen Gemeinde zu übernehmen l Betrachtet nur die fünf Rabbiner und Prediger in der großen Gemeinde vom religiösen Prtncip der gesetzestreuen Richtung aus. Was diese Rabbiner als Prediger in der Synagoge bei Trauungen und Leichenbegängnissen leisten, ist so kolossal viel, daß sogar noch ein sechSster Prediger nächstens zur Anstellung gelangen wird. Was diese Prediger aber als Rabbiner leisten könuen, nur diese eine Frage braucht man ganz objectiv zu erörtern, um zu der Ueberzeugung zu gelangen, daß die religiösen Bedenken vollständig gerechtfertigt sind, welche den gesetzestreuen Jehudi zum Austritt veranlassen müssen. Wer für sich und für seine Nachkommen die religiöse Lehre und das jüdische Leben, wie wir es in unserem angestammten Judenthume bewahren, sicher erhalten will, sage sich von der reformirten Gemeinde los und schließe sich unserer Gemeinde aufs engste an. Zum Schlüsse nur noch ein Wort an alle wirklichen Mitglieder der Gemeinde, um sie zu ermahnen, festzuhalten an dem bisher erzielten Resultate, aber auch zu neuen Erfolgen beizutragen, indem eines jeden heiligste Pflicht sein muß, in seinem Kreise für unsere Sache das Wort zu nehmen, damit ein Jeder bet der bevorstehenden Jubelfeier wenigstens ein neues Mitglied gewinne, welches bereit wäre, sich uns anzuschließen. Wir werden uns immer unentwegt von der Mahnung des Gottesmannes leiten lassen: „Liebet die Wahrheit und den Frieden, nicht aber den Frieden auf Kosten der Wrhrhett. Wir werden aber nur die Wahrheit lieben, die zum Frieden führt und hierzu helfe Gott weiter! Zeit«rrrgs«achrichteu und Correspoudeuzeu. Deutschland. Ans Gießen, im Dezember. Dem israelitischen Religtonslehrer, Vorbeter und Schächter Abraham Kaufmann zu Schotten (Rabbinat Gießen) ist von Großherzogl. Kreisamt dort, unter Strafandrohung, verboten worden, religiöse Trauungen zu v ol lzi eh en. Auf geschehenen Vorhalt, warum er ungeachtet bald darauf in dortiger Synagoge die Tochter des Herrn Salomon Katz dort mit dem Sohne des Herrn Koppel Münz von Büdingen getraut habe, erklärte er vor Großh. Kreisamt: „es habe im vorliegenden Falle „keine rituelle Trauung stattgefun- „den; er habe nur eine Ansprache gehalten und einige Segenssprüche „gesp rochen." Darnach ist also das gedachte Ehepaar nach israelitischem Ritus nicht getraut und es lebt fort und fort in Civilehe.

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