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Der Israelit · 1894-12-28 · Heft 101 (28.12.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 101 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Erste Beilage zu M 101 -es ^Israeltt^. Leitender Artikel. Eino fojrjrelfetet!. Am nächsten Sabbat-Chanuka schmückt stch die Adatz-Jisroel-Gemeinde in Berlin mit einem ganz besonderen Feftgewande; denn sie feiert das Fest ihres 25 jährigen Bestehens. Sie begeht somit eine herrliche Doppelfeier — Chanuka und ihre Gründung — und diese Feier trägt in ihrem Höhepunkte die gemeinsame Wahrheit, ausgeprägt in jenem biblischen Ausspruche: „Es ist für Gott kein Hinderniß, durch Viele oder Wenige zu helfen." Weit hinaus über den eigenen Kreis, innerhalb dessen diese Feier sich vollzieht, überall wird man, fei es aus religiöser Ueberzeugung, sei es aus Gesühl für Recht und Gerechtigkeit diesem historischen Wendepunkte die Theilnahme nicht versagen. Seine hohe Bedeutung werden alle diejenigen erkennen, denen der Kampf um die Sache der Gewiffensfreiheit heilig und theuer genug erscheint, um aus ihm die festen, unverrückbaren Grundlagen für ein jüdisches Gemeinwesen zu retten, welches nach außen hin durch das Staatsgesetz organisirt, nach innen hin auf Gotteslehre und Gottesfurcht begründet ist — Attribute, welche einer acht jüdischen Gemeinde, einem -na» im richtigen Sinne dieses Wortes, niemals fehlen dürfen. Es war im Jahre 1869, der Rabbtnats-Assessor Elchanan Rosenstetn war dahtngeschteden, er, der Einzige, der mit aller Kraft für die religiösen Wahrheiten eingetreten nar, um dem Reform- Rabbiner Dr. Aub gegenüber seinen festen Standpunkt, wenn auch ohne Erfolg, geltend zu machen. Wer einst die Geschichte der damaligen Bewegung innerhalb der jüdischen Gemeinde Berlins wahrheitsgetreu darstellen wird, wird Rosenstein's Widerstand nicht gering anschlagen dürfen. Dafür konnte er auch, wie bei seinem 70. Geburtstage von einer Seite darauf hingewiesen wurde, auf Ehrenbezeugungen nicht rechnen: er blieb zeitlebens der Rabbtnats-Assessor und seinreltg.Antigonist, Aub, durfte stch als Rabbiner bezeichnen. Und wie ein Hohn mußte es den Frommen erscheinen, als dieser in seiner Rede am Sarge vor der heiligen Lade in der Heidereuter-Synagoge zu der Aeußerung stch vermaß: „Ich lege die Krone der Gelehrsamkeit auf diesen Sarg nieder." Bald aber war Aub seines WertheS auch von seinen eigenen Anhängern erkannt. Er hatte die neue Orgel-Synagoge etngeweiht, schnell ein neues resormirteS Gebetbuch für dieselbe eingeführt — und seine Predigten nach beiden Synagogen der pflanzt. Was diese den Hörern boten, liegt noch im Gedächtniffe Mancher und wird wohl noch lange in gesellschaftlichen Kreisen in Erinnerung gebracht werden. Aub selbst war inzwischen zu der Ueberzeugung gelangt, daß er nicht an den Platz gehöre, wohin man ihn gestellt — und er fing daher an, für die Berufung Geigers mitthätig zu sein. Dieser konnte imponiren, konnte öffentlich von seinem Judenthum in dieser, wie in jener Synagoge predigen, um, wie damals ein Mann aus dem Volke richtig urtheilte, in jeder Predigt einen Eckstein nach dem anderen aus unserem Religionsgebäude zu reißen, niemals aber Steine zusammenzutragen, um für die Jugend neu aufzubauen. Sein Judenthum sollte und mußte jetzt das einzige Judenthum der gesammten Gemeinde Berlins werden. Hatte er z. B. gelehrt, daß nicht Inder beabsichtigten Opferung Jsak's das Verdienst Abraham's gelegen habe, auf welches wir uns in den heiligsten Gebeten des Jahres berufen, sondern in der unterlassenen Opferung, so konnte der allmächtige Vorstand nicht schnell genug die betreffenden Worte in dem Gebete ll'vri -pxn tilgen, um dem neuen verkündeten Dogma Rechnung zu tragen. Doch ganz unberücksichtigt sollten die Frommen nicht bleiben. Es wurde Dr. Ungerleider als Rabbinats-Assessor ins Collegium berufen, der in den ersten Monaten nur in der alten Synagoge, bald aber auch in der neuen Synagoge fungirte, predigte und nach der reformirten Liturgie betete. Dafür avancirte er einige Zeit nachher zum „Rabbiner" der Gemeinde. Für diejenigen, welche von einem solchen Rabbinats-Collegium die Wahrung der jüdischen Institutionen im gesetzestreuen Sinne nicht erwarteten, war das unabweisliche Bedürfnis eingetreten, sich selbst, so zu sagen, zu Kopf zu sehen. Damals ergriff Dr. Sternheim in Verbindung mit Anderen die Initiative hierzu; unterstützt von einem Manne voller Energie, wie A. H. Heymann (s. A.), gelang es durch Vermittlung des unsterblichen Begründers Ihres Blattes den Rabb. Dr. Israel Hildesheimer aus Etsenstadt als Lehrer an das hiesige Beth-ha-Mtdrasch zu berufen. Am 26. Ellul 5654 sind es 25 Jahre geworden, daß derselbe dem Rufe nach Berlin folgte und seine Thätigkeit nach den verschiedensten Richtungen hin eröffnete. Zuvörderst galt es, die zerstreuten Elemente für den neuen Aufbau zu sammeln und vereinigt ans Werk zu gehen, um, wie beim zweiten Tempelbau, mit der einen.Hand alles abzuwehren, was sich feindlich und hindernd ent-

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