Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 101 (28.12.1894)
- Date
- 1894-12-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1906 Juden den allerhöchsten Dank zu eröffnen für ihre Gratulationsdepefche. Der Dank des Kaisers? ist in besonders huldvollen Worten ausgedrückt, und erregt die Form desselben außerordentliches Aussehen. Türkei. Bagdad. Einen in'Hamadan wohnenden, aus Bagdad stammenden Juden beschuldigte ein Perser, der von ihm eine größere Summe Geldes geliehen, daß derselbe freventlich das mohammedanische Gesetz geschändet und gelästert hätte. Die erregte Volksmasse brachte hierauf den Beschuldigten zu dem dortselbst wohnenden Konsul des Osmanischen Reiches, damit dieser Jenen richte und bestrafe. Vergebens betheuerte der Unglückliche seine Unschuld; dem Perser gelang es, falsche Zeugen zu stellen, die seine Aussagen bestätigten. Der Israelit wurde hierauf, nachdem er schreckliche Mißhandlungen hatte erdulden müssen, ins Gefängniß gebracht. Als dann die in Bagdad lebenden Angehörigen des Mißhandelten und seiner Freiheit Beraubten von der ihrem Anverwandten in Hamadan widerfahrenen Schmach in Kenntniß gesetzt wurden, wandten sie sich beschwerdeführend an den Gouverneur Hoali, den Regenten Babyloniens. Auf Veranlassung des Letzteren wurde alsdann dem ungerechter Weise Jnhaftirten die Freiheit wiedergegeben. Mittlerweile hat es sich herausgestellt, daß die Beschuldigungen des Persers Verleumdungen gewesen. Trotzdem gibt es kein Gesetz und keinen Richter in diesem Lande, die den Perser für seine verleumderischen Behauptungen und die daraus dem Israeliten erwachsenen Folgen zur Rechenschaft ziehen würden. Personalien. Berlin, 4. Dezember. Heute feierte Herr Rabbiner Dr. R Ungerleider sein 25jähriges Jubiläum als Rabbiner der Hauptgemeinde Berlins. Beutheu (O -Schl.) 9. Dezember. Der Rentier Salomon Beuthner in New-Aork hat der hiesigen Synagogen- Gemeinde ein Vermächtniß von 15,000 Mark letztwillig überwiesen. Zur Annahme desselben ist nun die landesherrliche Genehmigung erfolgt. Göppingen, 24. Nov. Dem hiesigen Herrn Rabbiner Herz ist aus Anlaß seines heute (Samstag) stattfindenden fünfzigjährigen Amtsjubiläums der Titel eines Kirchenraths mit dem Rang der 7. Stufe verliehen worden. In Folge dessen fand sich gestern Vormittag das theologische Mitglied der K. israelitischen Oberkirchenbehörde, Herr Kirchenrath Dr. Kroner von Stuttgart mit Herrn Oberamtmann Dr. Schönmann und den Mitgliedern des Kirchenvorsteheramtes, bei dem Jubilar ein, um persönlich die Urkunde über die seltene Auszeichnung nebst den Glückwünschen Seiner Excellenz, des Herrn Staatsministers Dr. von Sarwey der Oberkirchenbehörde und des Vereins der Rabbiner Württembergs in herzlichen und beredten Worten zu überreichen. Der greise Jubilar dankte bewegt für die ihm gewordene Auszeichnung. Gestern Abend wurde dem allbeliebten, von Pflichttreue erfüllten Herrn Kirchenrath Herz von Seiten des hiesigen Liederkranzes ein Ständchen gebracht, heute früh hat derselbe einen Festgottesdienst abgehalten und Abends findet ein Festessen zu Ehren des Jubilars statt. Die Gemeinde wird eine Stiftung für junge Leute zum Lehrzweck errichten, die den Namen des Jubilars tragen wird. Möge es ihm, der seit nunmehr 50 Jahren in einem und demselben Bezirk als Geistlicher gewirkt hat, vergönnt sein, noch lange seines Amtes als treuer und gewissenhafter Seelsorger seiner Gemeinde zu walten! (JSr. Wchschrft.) Aus Lemberg wird geschrieben: „Der Kaiser verlieh dem langjährigen und verdienten Präses der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Samuel Horowitz, den Adelstand. Diese Auszeichnung, welche der isrealitischen Gemeinde in der Person ihres Präsidenten zu Theil wurde, hat in der Gemeinde lebhafte Genugthuung hervorgerufen. Heute erschienen beim Präses Samuel v. Horowitz zahlreiche Deputationen der Cultusgemeinde und aller israelitischen Anstalten und Vereine um ihn zu beglückwünschen. Unter den Gästen war auch der beste Theil der hiesigen Bürgerschaft vertreten. Herr v. Horowitz widmete aus Anlaß dieser ehrenden Auszeichnung namhafte Beträge zu wolthätigen Zwecken. Fe« i l l e t o «. Uur eine Tochter. Erzählung von H. Berger. 5.) (Alle Rechte Vorbehalten. Die hohen Feiertage waren gekommen und hatten ihr ernstes Gepräge auch dem Hause des Anwaltes aufgedrückt. Mehr als sonst widmete er seine freie Zeit dem Studium der Thora und der Erfüllung ihrer Gebote. Da seine Frau ihre gewohnten Pflichten in den frommen Vereinen nicht erfüllen konnte, übernahm er auch diese und stattete jeden Tag Bericht ab über seine Thätigkeit. Dadurch lernte er auch die armen Mitglieder der Gemeinde kennen und er war erstaunt, welche Summe von Mitgefühl und Edelmuth und Opserfreudigkeit sich mit der Armuth vereint findet. Der Versöhnungstag war gekommen und wie alljährlich hatte Dr. Pretorius ihn in der Synagoge verbracht, ununterbrochen zu seinem Gotte betend. Als er des Abends nach Hause kam, empfing ihn sein Hausarzt mit freudigem Antlitz und sagte: „Run Herr Dr., meine herzlichste Gratulation zur kleinen Tochter." „Tochter! Nur eine Tochter!" erwiederte der Anwalt mit verlegenem Lächeln, und fuhr dann!fort: „Ich danke Ihnen; wie geht es meiner Frau? Kann ich sie sehen?" „Gewiß; Sie werden mit Sehnsucht erwartet. Ein Prachtmädel, sage ich Ihnen." Leise, auf den Zehen gehend, traten die Herren in das Zimmer, woselbst die Wöchnerin lag. Mit glücklichem Lächeln empfing diese ihren Gatten und aus die Wiege deutend, woselbst das kleine Wesen unter Kiffen und Spitzen versteckt lag, sagte sie mit matter, aber glücklicher Stimme: