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Der Israelit · 1894-12-28 · Heft 101 (28.12.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 101 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1905 großen Theile aus Damen bestehendes Publikum eingefunden; doch waren auch Mitglieder der Gemeinde-Repräsentanz, Groß Industrielle, Doktoren rc. erschienen. Die Feier wurde durch eine Ansprache dls seit einem Vterteljahrhundert erspriesltch wirkenden Vereinspräses Buchhändler und Redakteur Jakob Brandeis eröffnet, welche in kurzen Umrissen eine Geschichte der Entstehung des Vereines und eine Schilderung dessen Wirksamkeit enthielt. Dieser folgte der Beethoven'sche Chor zur Ehre Gottes von dem Sänger«Verein Tauvitz musterhaft executirt. Die Festrede hielt Oberr. Dr. Ehrenfeld, welche nach Form und Inhalt den hochgespannten Erwartungen des Auditoriums im höchsten Maaße entsprach. Einen besonderen Reiz erhielt der Festabend durch die Mitwirkung des reichbegabten Geschwisterpaares Poldi und Melanie Spielmann. Der elftere, ein Spielmann von Gottes Gnaden, ein 12 jähriger jüdischer Knabe erfreut sich der besonderen Gunst der edlen hochherzigen Kaiserstochter, der Erzherzogin Valerie, di? in mumficentefter Weise für seine musikalische Ausbildung sorgt, und wurde Poldi Spielmann schon mehrmals die hohe Auszeichnung zu Theil vor der kaiserlichen Familie zu spielen. Sein Schwesterchen, ein reizendes Kind von acht Jahren, ist schon jetzt Mitglied des Wiener Hofburgtheaters, an dem sie für Kinderrollen engagirt ist. Poldi Sptelmann trug Composttionen von Mozart, Beethoven und Chopin vor und erregte durch sein seelenvolles Spiel und seine glänzende Fingerfertigkeit allgemeine Bewunderung. Melanie Spielmann, eine Schülerin der Hofschauspielerin Wolter, rührte durch den Vortrag einiger ernsten Gedichte zu Thränen, während sie durch Deklamation humoristischer Piötzen zu allgemeiner Heiterkeit hinriß. Der Verein hat während seines Bestehens 2500 Kinder mit warmer, dauerhafter Kleidung versehen. Am Vormittage desselben Tages bereitete der Vereinsvorstand seinem Präses eine besondere Ehrung. In dem festlich geschmückten Saale der Landesjudenschaft hatte sich jener und das Damen-Comilö versammelt und Dr. Duschenes als Präsesstcllvertreter überreichte Herrn Brandeis einen Stiftsbrief über eine zu dessen Ehren von dem Vorstande und dem Damen Comiiö gegründete „Jacob B. Brandeis-Stiftung" im Betrage von tausend Kronen, deren Zinsen alljährlich am 22. December an arme jüdische Handwerkslehrlinge vertheilt werden sollen. Rumänien. Bukarest. Die jüdischen Gemeinden Rumäniens, zumal die hiesige, haben sich an den gelegentlich der silbernen Hochzeit des Königpaars veranstalteten Feierlichkeiten in hervorragender Weise betheiligt. Der Dank des königlichen Hauses ist denn auch nicht ausgeblieben. Bor einigen Tagen ging den Vorsitzenden der „jüdischen Gemeinde des occidentalen Ritus" folgendes Schreiben aus der Kanzlei Ihrer Majestäten zu: „Auf Allerhöchsten Befehl habe ich die Ehre, Sie zu ersuchen, der Vermittler der Erkenntlichkeitsgefühle unserer erlauchten Souveräne bei der israelitischen Gemeinde oceidentalen Ritus fein zu wollen für ihre Theilnahme an der Silberhochzeit Ihrer Majestäten und das Höchstdenselben überbrachte Album. Ihre Majestäten sehen in dieser Huligung einen Beweis mehr für die Treue, die Ihre Glaubensgenoffen für König und Reich bethätigen. Der Chef der königlichen Militär-Kanzlei: General WladeSeu. Ein ähnliches Schreiben hat die spaniolische Gemeinde Bukarests empfangen. Jassy. Die Familie Joachim und Frau Rosa Daniel genießen in allen Kreisen des Judenthums mit Recht ein hohes Ansehen. Frau Rosa Daniel ist eine geborene Luxenburg, eine Nichte des verstorbenen Rabbiners Löwenstetn von Lemberg, ausgezeichnet durch Geist und Bildung, ebenso wie durch Herzensgüte. Auf Veranlassung dieser Frau Daniel hat ihr Gatte, der Banquier Joachim Daniel, mit einem Kostenaufwande von 130,000 Frcs. den verfallenen israelitischen Friedhof renov:ren und das Ohel neu Herstellen lassen. Möge es dieser edlen Familie gegönnt sein, lange Jahre zu Gunsten der Glaubensgenossen zu wirken, mögen ihre Thaten bei andern reichen Gemeindegenossen Nachahmung finden. Rußland. Petersburg. Der „Oester. Wochenschrift" wird von hier berichtet, daß der Kaiser anbefohlen habe, daß bei der Speisung der Armen, die am Bestattungstage des seligen Kaisers und ebenso am Vermählungstage auf Staatskosten in der Restdenz stallfand, kein Unterschied unter den Confesstonen gemacht werde, und thatsächlich hat man für die jüdischen Armen „koschere" Tische an verschiedenen Punkten der Restdenz eingerichtet. Auch aus der Provinz kommt die Nachricht, daß manche Gouverneure (z. B. der kurländische), den Vorstehern der jüd. Gemeinden recht ansehnliche Summen aushändigten, um an den genannten Tagen die jüd. Armen zu speisen. Uebrigens habeu die Juden in der Restdenz und in den meisten Provinzstädten auch aus eigenen Mitteln eine Speisung der Armen veranstaltet, an der recht viele christliche Armen theilnahmen. Die „Nowosti" berichtet, daß Se. Majestät Kaiser Nikolaus II. seinen Bruder Sergius, General- Gouverneur von Moskau, telegraphisch beauftragt hat, dem Moskauer Rabbiner und den Moskauer

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