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Der Israelit · 1894-12-28 · Heft 101 (28.12.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 101 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1904 ZeitrrugSrrachrichten ttttb Correspoudeuze« Deutschland. Mainz, 27. Dezember. Wie ein Berliner jüdisches Blatt „aus sicherer Quelle" erfahren will, will der Deutsch-Israelitische Gemeindebund den Deutsch- Israelitischen Lehrerbund auf die Osterferien kommenden Jahres einberufen. Ob nicht auch noch einige andere „Bünde" von einigen anderen Verbänden für diese Zeit einberufen werden, wissen wir nicht. So schreibt die Preusfische Lehrerzeitung, daß bereits in den diesjährigen Wcihnachtsferien der D. I. L. B. getagt habe. Es herrscht momentan in dieser Angelegenheit der allergrößte Wirrwarr und es wäre wohl an der Zeit, daß die israel. Lehrer sich aufrafften, und ohne jede Beeinflussung und Bevormundung fremder Kreise, einmüthig eine Vereinigung deutscher L hrei vereine schaffen würden. Nur so können sie ihre Selbstständigkeit, die augenblicklich sehr gefährdet erscheint, wahren. Die Zersplitterung die eben herrscht, läßt von allen Seiten Sonderintereffen hcrvortreten, di: mit den Interessen der israelitischen Lehrer nichts gemein haben. Karlsruhe, i. B. 23. Dezember. Am gestrigen Tage waren 25 Jahre seit jener Verhandlung vor dem Großh. Verwaltungsgerichtsbof verflossen, durch die der Bestand der hiesigen Religio nsgesellschaft gewährleistet und ihre nunmehrige Blütezut vorbereitet wurde. Durch sein U:theil hatte damals der höchste Gerichtshof in Verwaltungssach'N das Prtr.c'p der unbedingten Gewissensfreiheit des Einzelnen in der Praxis eingeführt und den Satz ausgesprochen, daß es ein Verstoß gegen dieses Grundgesetz sei, wenn jemand zu den Kosten eines Kultus, den se>n Gewissen perhorresiert, beizutragen gezwungen wurde. Demgemäß wurde denn auch die Klage des Karlsruher Synagogenraths gegen die ausgetretenen, früher« Gememdemitglie' der B. H. Wormser und Genossen wegen der von ihnen verweigerten Zahlung von Gemeindeumlagen zum Bau der Orgelsynagoge kostenpflichtig abgewiesen, damit war erst die Basis für die Gründung einer selbstttändigm Religionsgeflllschaft gegeben und so datirt denn auch dieselbe ihr Bestehen mit gutem Rechte von diesem Tage. Von einer größeren Feier war abgesehen worden. Dagegen fand in der bis auf den letzten Platz gefüllten Synagoge eine Festgottes dienst statt, dessen Mittelpunkt die Festrede unseres Rabbiners Herrn Dr. Schiffer abgab. Ausgehend von den herannahenden Chanukahtagen, zeigte Redner in historischem Rückblicke, wie schon immer und öfter im Judenthum Strebungen sich geltend gemacht, die auf eine Zerstörung der nationalen religiösen Eigenart bewußt oder unbewußt h'nausliefen, wie diese Bestrebungen oft scheinbar am Ziele ihrer Hoffnungen angelangt waren, als ihnen durch das Eingreifen einer höheren Macht, die die rechten Männer zur rechten Zeit erstehen ließ, ein Riegel vorgeschoben und der alte, treue Väteralaube noch einmal gerettet wurde. Auch vor drei Decennien Hab: ein blindwütender Glaubenshaß, der sich den schönen Namen „Reform" beilegte, den Lebensbaum Israel zu fällen unternommen; das Gotteshaus ward zur Stätte musikalischer Unterhaltung, das jüdische Gebet verstümmelt oder verbrannt und das jüdische Gesetz verhöhnt und mit Füßen getreten. Doch wiederum fanden sich Männer, die wie Felsen im Wafferstrome den überschteßenden Zerstörungsgelüsten halt zu bieten suchten, und die, als sie die feindliche Uebermacht erkannten, in der Absonderung den einzigen Rettungsweg erkannten. Auch nach unserer Stadt kam eine Sprtngwelle jener Fluthen; alle Bande religiöser Scheu lösten sich, „trennet euch" rief man höhnisch den über Gewissenszwang Klagenden zu, um sie später zu verunglimpfen, als sie jenes Losungswort zu dem ihren machten. Nicht Unglimps gebührt jenen Männern, sondern Anerkennung und Ehre, ein treues Gedenken und Fortwandeln in ihren Wegen. Mit einem Gebete für das Wohl der Gemeinde und ihrer Leiter, wie für den Landesherrn als den Hort der Gewissensfreiheit und der Behörden, die in seinem Sinne ihres Amtes walten, schloß die eindrucksvolle Rede, die ihren Nachhalt in den Herzen der Hörer fand und für lange Zeit darin wecken möge. — Bemerkt zu werden verdient noch, daß wie der Vorstand bekannt giebt, die Zahl der Mitglieder unserer Religionsgesellschaft, die mit 24 Genossen begann, inzwischen troß Ausscheidens zahlreicher Mitglieder durch Tod und Wegzug auf mehr als 100 gestiegen ist. 2. Karlsruhe, 21. Dez. Nachdem die protestantische Synode die neue Kirchensteuer bewilligt, wird im Februar k. I. zum ersten Male die israelitische Synode zusammentreten, um sich mit der gleichen Angelegenheit zu beschäftigen. Die Auslegung der Wählerlisten für die weltlichen Abgeordneten geschieht vom 4. bis 6. Januar. Das Wahlrecht ist, wie schon früher mitgetheilt, dem Reichstags- Wahlrecht nachgebildet. Die Synode wird aus 25 Mitgliedern bestehen: sie ist bet Anwesenheit von mindestens 17 Mitgliedern beschlußfähig. Oesterr.-Ungar. Monarchie. B. S. Prag, 23. Dccember. Gestern am ersten Chanuka-Abend feierte der hiesige Verein Chanuka (zur Bekleidung armer Kinder) sein 25 jähriges Jubiläum im Konviktsaale. Es hatte sich zu dieser Feier ein zahlreiches, distinguirtes, zum

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