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Der Israelit · 1894-12-28 · Heft 101 (28.12.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 101 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1903 damit fühlen, daß Joseph etwas auszetchne, was er bet seinen bisherigen Rathgebern vergebens suchte. Es wäre schon möglich, daß unter ihnen sich wirklich weise Männer fanden, aber der Geist Gottes, die Rücksicht auf Gott, die rückhaltlose Unterordnung unter einen höheren, göttlichen Willen, die kennen sie nicht nur nicht, sondern sie ist ihnen um so fremder, je größer ihre Weisheit ist. Je weiser sich sonst jemand dünkt und vielleicht auch wirklich ist, um so unabhängiger und selbstständiger glaubt er sich Gott gegenüber, und um so weniger ist ein solcher geneigt, diese Weisheit Gott zuzuerkennen. Zn Joseph selbst aber sprach Pharao: "pBD DD1T1 ]UJ DNT te HM "jniN X VH1H '"INN . "jdd tejN nddh pi »oy te picr td by'i mu by n»nn nnn „Nachdem dir G ott dieses alles kund gethan, ist niemand einsichtiger und weiser als du. Du sollst über meinem Hause sein, auf deinen Befehl mag sich mein ganzes Volk rüsten, nur um den Thron werde ich größer sein als du." Das will sagen: Wer gewohnt ist wie du, sich, sein Walten und Können einem höheren, göttlichen Willen unterzuordnen, der bekundet damit die höchste Einsicht und Weisheit. Ich habe bei dir nicht zu fürchten, daß du die erste Stellung in meinem Palaste gegen mich mißbrauchen, daß du mein Volk gegen seinen eigentlichen Herrn und König unter die Waffen rufen und du je den Rang vergessen würdest, um den ich höher bin als du. Du willst ja nicht im eigenen Lichte glänzen und giebst den Glanz der aus dir leuchtenden Weisheit dem zurück, von dem er ausgeht. Daß diese Charaktergröße Josephs es war, die ihn, den Hirtenjüngling, der den großen Thetl seines Lebens in unschuldiger Haft verlebt, sofort nach dem Verlassen seines Gefängnisses befähigte, das Königthum eines großen Reichs anzutreten, das deutet die Weisheit der Weisen in folgenden Worten des Midrasch Jalkut zur Stelle an. rpr n: v'TvN rvao njns> nte1, muten dj u njns nte’i njns bw d’tdk dud .jtd'üid te inan mte bv mmtea m nte „Pharao schickt und läßt Joseph rufen. Hier erfüllte sich das Wort: Aus dem Gefängniß ging er hervor, um König zu werden, das ist Joseph, der aus Pharaos Gefängniß herausging, um König zu werden. Denn er waltete schon seines Königthums, als er arm geboren war. Joseph hatte sein Königthum bereits inne, als das Netz Potiphars ihm gelegt wurde." Woher besaß Joseph das staatsmännische Talent, welches ihn befähigte, unmittelbar aus dem Gefängniß den Königsthron zu besteigen? Zur Beantwortung dieser Frage verweisen wir auf das Buch Kusari, wo sich im dritten Capitel folgender Dialog findet. Kusari: Schildere mir also die Handlungsweise eines heutigen Frommen bei Euch. Meister: Der Fromme hat wohl Acht auf sein Land, wägt jedem Bewohner seine Nahrung und alle seine Bedürfnisse ab und theilt sie ihm zu, verfährt gerecht mit ihnen, beeinträchtigt keinen und giebt keinem mehr als den ihm zukommenden Theil. Dafür findet er sie dann auch, wenn er sie braucht, gehorsam, beeilt, ihm zu antworten, wenn er ruft; er befiehlt und sie handeln nach seinem Befehl; er verbietet und sie achten das Verbot. Kusari: Uber den Frommen, nicht über den Herrscher habe ich dich gefragt. Meister: DerFromme ist einHerrfcher, dem seine Sinne und seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten gehorchen, der sie auf naturgemäße Weise leitet, wie es heißt: „Wer seinen Geist beherrscht, ist mehr als wer eine Stadt besiegt." Er ist befähigt zur Herrschaft, denn wenn er über ein Land herrschte, so würde er es mit eben solcher Gerechtigkeit, wie er Körper und Seele leitet, u. s. w. — Es wird dies dann eingehend nachgewiesen; für uns genügt jedoch diese Thatsache an und für sich, daß derjenige, wie keiner sonst geeignet ist, andere zu beherrschen, der sich und seine Neigungen selber zu beherrschen versteht. Das ist der Sinn des Ausspruches unserer Weisen: . “iten ", nt am an -jte rwyj m n« nth te „Wer Gott fürchtet, wird König, denn es steht geschrieben, fürchte Gott, mein Sohn, «nd du bist König. Das ist der Sinn dessen, daß die Kinder Israel „Königssöhne" genannt werden, 'ja ten»’ dh Dute, das ist die Bedeutung der Verheißung, die Israel wurde, als es bereit war, Gottes Gesetz hinzunehmen: „Ihr werdet mir sein ein Königreich von Priestern." Durch die Redlichkeit gegen seinen Herrn, den Edelmuth gegen seine Brüder, vor allem aber durch die sittliche Standhaftigkeit, mit welcher Joseph in der Stunde sinnlicher Versuchung seinem Gotte treu blieb, durch diese und eine ganze Reihe anderer Tugenden hat sich Joseph als Herrscher legitimirt, lange bevor er noch von Pharao als solcher ernannt wurde. Wir aber lernen daraus, wie früh schon beim jüdischen Volk die Ehrfurcht vor der Majestät des Königs heimisch war. Wenn dieselbe G. s. D. auch heute noch in allen jüdisch schlagenden Herzen ihre Wurzeln hat, so ist cs das glorreiche Beispiel unserer großen Ahnen, dem wir damit folgen und dem wir untreu würden, wo und wann wir je dem König die Ehre versagen würden, die ihm gebührt.

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