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Der Israelit · 1894-12-24 · Heft 100 (24.12.1894) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 100 (24.12.1894)
Date
1894-12-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1890 die Vorbereitungen zum Schächten, d. h. das Niederlegen der Thiere, in schonender Weise stattfinden und das in Schlachthäusern häufig beobachtete lange Wartenlassen der Thiere in gefesselter Lage bis zur Schächtung verpönt werden möge; alsdann wird die Schächtung unter den Schlachtarien diejenige Stelle einnehmen, welche ihr kraft ihrer Humanitären und hygienischen Seite gebührt. Wie uns von zuverlässiger und sachkundiger Seite berichtet wird, werden letzte beide Forderungen an unserem hiesigen städtischen Schlachthaus erfüllt. ZeiturrgSrrachrtchte» nnt> Corresporrdenze« De ft er r.s Ungar. Monarchie. Wie», 15. Dez. In der heutigen Sitzung antwortete Abg Dr. Menger dem Abg. Schlesinger auf seine Angriffe gegen die Juden. „Vor Allem sei es nicht richtig, daß alle großen Industrien in den Händen von Juden sich befinden. Der Abgeordnete Schlesinger sagte: „Unser Naturell empört sich gegen jeden Juden." Wenn er der Geschichte des Handels seine Aufmerksamkeit widmete, würde er selbst zu einer anderen Ansicht kommen. Die Vorwürfe, welche jetzt gegen die Juden hier gemacht worden, wurden ebenso seinerzeit gegen die Hanseaten gemacht, als diese eine so überaus beherrschende Stellung im Handel einnahmen, ebenso gegen die Lombarden, welche namentlich den Geldhandel in einem großen Theile Europas in der Hand hatten, dieselben Vorwürfe macht man derzeit den Deutschen in Rußland und haßt sie ebenso, wie man hier die Leute in den Haß gegen die Juden hetzen möchte. Wahr ist, daß die Juden Jahrhunderte lang gezwungen wurden, sich, weil ihnen alle anderen Erwerbs quellen verschlossen waren, dem Handel zu widmen, und jede Beschäftigung wirkt einigermaßen auf den Menschen zurück, namentlich wenn sie durch so viele Generationen betrieben und wenn überdies noch ein so furchtbarer Druck aus religiösen Motiven ausgeübt wird. Der Abg. Schlesinger übersieht aber, daß es sich bei dieser Frage wieder zeigt, wie im inneren Staatsleben endgiltig die Unterdrücker Schaden leiden und die Unterdrückten eher Vortheile haben, und das wird auch die Folge der antisemitischen Bewegung sein. Die Folge des Antisemitismus ist, daß gerade die gebildeteren Juden oft in herbster Weise beleidigt und gekränkt werden und daß in dieser Rücksicht viele däßliche Unmenschlichkeit geübt werde. Aber die Folge wird sein, daß die Juden an geistiger Thattgkeit, an Strebsamkeit, an Fähigkeit viel Größeres leisten werden als bisher, und daß sie manche der Eigenschaften, welche sie namentlich durch den schroffen Uebergang vom starken Druck zur Gleichberechtigung besessen haben, immer mehr und mehr ablegen. Die Juden gewinnen durch den Antisemitismus, und Sie können es in manchen Wissenschaften sehen, wie die bedeutenden Leistungen j auf diesem Gebiete jetzt in einer zur Zahl der Juden gar nicht verhältnißmäßigen Anzahl von Juden ausgehen. Sie können nicht sagen, daß Habsucht oder ähnliche Leidenschaften die leitenden Motive sind. Das ist eine ideale Thätigkeit, die Thätigkeit für die Wiffenschaft. Welche Folaen sieht man aber bei einem Thcile der Christen? Ein Gelehrter hat dem Redner, als derselbe darauf aufmerksam machte, daß der größte Theil der Privatdocenten an den hiesigen Hochschule Inden seien, geantwortet: „Wir suchen Christen, doch die Juden werden immer fleißiger, zäher, werfen sich immer mehr auf die Wiffenschaft, während ein Theil der Christen glaubt, genug gethan zu haben, wenn sie trinken und auf die Juden schimpfen." (Zustimmung links, lebhafter Widerspruch und Unruhe bet den Antisemiten.) Leider Gottes ist das der Fall; erkennen Sie das Unglück, was Sie angerichtet haben gerade für die Christen. Wodurch wurde denn Wien auch so groß? Die großen Kaufleute des Ostens, welche zum allergrößten Theile Juden sind, kamen, sobald sie reich geworden waren, nach Wien und lebten h er ziemlich reichlich. Dadurch :si viel Kapital und Erwerb nach Wien gekommen. Seitdem aber der Antisemitismus eingeriffen ist und Wien ein so unglückliches Renommee in dieser Richtung b kommen hat, kommen nur noch die armen Juden nach Wien, sie müssen nach Wien kommen; aber die reichen Juden vermeiden Wien, so weit sie können, sie gehen nach Budapest, Berlin und Paris. (Beifalls links.) Wien leidet sehr darunter, und wenn unsere Kleingewerbetreibenden, unsere Kaufleute klagen, daß ihnen das Brot vom Munde weggenommen wird, so mögen sie wissen, bet wem sie sich zu bedanken haben. Der Abg. Schlesinger ist auf einem sehr irrigen Wege, wenn er dadurch, daß er Haß gegen die Juden schürt, seinem Volke und seinem Lande einen Dienst zu erweisen glaubt. Es ist auch ein großer Jrrthum, wenn man glaubt, die Juden seien identisch mit dem Kapital, alle seien reich. Das ärmste Proletariat, welches auf der Welt besteht, mit dem weder die armen Weber im Erzgebige noch die armen Leute in Irland nur verglichen werden können, das ist das Gros des polnischen Judentyums. Nicht weil die Leute zu viel haben, sondern weil sie viel zu arm sind, machen sie uns sociale Schwierigkeiten. Das ist ein Unglück, und man ollte wohl glauben, daß Männer, welche die sociale Politik immer im Munde führen, auch ein Herz für diese Seite der Frage besitzen. (Zustimmung inks) und sich fragen, wie denn diesem entsetzlichen, haarsträubenden Elend ein Ende gemacht werden 'önnte. Wissen Sie, daß es in verschiedenen galizischen Städten Zimmer gibt — keine großen Zimmer — die durch Kreidestriche in vier Theile

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