Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 100 (24.12.1894)
- Date
- 1894-12-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1886 des deutschen Reiches in Paris, des jetzigen Reichskanzlers, an seinen Bruder, den Cardinal Hohenlohe in Rom. Diese Empfehlung wurde ihm durch Vermittlung des sächsischen General-Konsuls, Herrn von Wilmersdörfer zu Theil; vgl. darüber Rabbinowitz in der Vorrede seines Werkes zu Baba Bathra. Rabbtnowitz seinerseits hat nun zunächst für die Firma Romm einen tüchtigen Copistou in Rom ausfindig gemacht u. ihn als seinen Mitarbeiter bezeichnet und sür denselben diejenigen Begünstigungen in der Benutzung der vatikanischen Bibliothek erwirkt, deren er selbst sich zu erfreuen hatte. Nur dadurch war es möglich, daß die Abschrift rechtzeitig fertig gestellt wurde, um dieser Ausgabe beigedruckt zu werden, wie die Herausgeber im Nachwort unter lebhaften Dankesverstcherungen an Herrn Rabbinowitz, bezeugen. Es ist daher nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupten, daß die Veröffentlichung dieses Kommentars indirekt dem Wohlwollen und der Freundlichkeit des jetzigen Reichskanzlers zu verdanken sei. Königshofen i. Bayern, 16. Dez. Auf das Gesuch des Herrn Distrikts-Rabbiners Dr. Deutsch in Burgpreppach um alsbaldige Enthebung von seinem Rabbiner- und Schulamte, nachdem er die Stelle eines Direktors für das bayerischiSrael. Waisenhaus anzutreten habe, ist Seitens h. Kgl. Regierung, gez. Regierungs-Präsident Gras v. Luxburg, folgende Entschließung zu Händen des Kgl. Bezirksamts hier herabgelangt: „Die Kgl. Regierung, indem sie den verdienstvollen Rabbiner nur ungern scheiden sieht, vermag im Uebrigen eine Erinnerung gegen die Amtsniederlegung des Herrn Dr. Deutsch nicht zu erheben, nur muß sie es im dienstlichem Interesse, behufs Wahl und Einweisung eines Nachfolgers, für dringend veranlaßt erachten, daß Dr. Deutsch noch bis Ende März seinen bisherigen Dienst fortführt." Ehre dem Manne, dessen Wirken Seitens der Vorgesetzten unbestechlichen Behörde solche Würdigung erfährt, und Heil dem Lande, dessen Regierung für die geistigen und religiösen Anliegen aller seiner Bewohner so fürsorglich bedacht istl England. London, 19. Dez. Der Oberrabbiner Dr. Hermann Adler, welcher in Bezug auf den von ihm abgenommenen Huldigungseid der russischen Juden in London interviewt worden, hat sich über seine Haltung bei diesem Vorgang folgendermaßen ausgesprochen : „Meine Anschauungen über die Behandlung meiner Glaubensgenossen in Rußland haben fich in keinem Punkte geändert. Aber es ist weder recht noch weise vorauszusetzen, daß die Unterdrückung und die Verfolgungen, welche unter Alexander III. stattgefunden haben, unter dem neuen Herrscher fortdauern werden. Was wir von dem Charakter des jungen Zaren und der Zariza wissen und die von ihm bereits erlassenen Befehle ermuthigen uns zu der Erwartung, daß er allen seinen Unterthanen ohne Unterschied des Glaubens Gnade und Gerechtigkeit erweisen wird. Ich gab den Unterthanen des Zaren die nöthige Gelegenheit, den Huldtgungseid in einem Gotteshause zu leisten, wie das russische Gesetz verlangt, um zu zeigen, daß ihre Loyalität nicht weniger aufrichtig ist, als die ihrer orthodoxen Mitbürger. Ich wünschte ferner auch jede Schwierigkeit zu vermeiden, welche den russichen Juden durch Ntchtleistung des Eides entstehen könnten, im Falle ihrer Rückkehr nach Rußland." Fenilletvn. Nur eine Tochter. M Erzählung von H. Berger. 4.) (Alle Rechte Vorbehalten. Der Sommer ging seinem Ende zu. Willy war wieder genesen und die Gesundheit leuchtete von seinem rosigen Antlitz. Dr. Pretortus hatte Ferien und wollte diese dazu benutzen, um die letzte verbessernde Hand an ein juristisches Werk zu legen, an dem er schon Jahre lang arbeitete. Es sollte ein Aufsehen erregendes Werk werden, Klärung bringen über die Gesetze des vtelgeschmähten Talmud. Wenn einer zur Abfassung eines solchen Werkes berufen war, so war es Dr. Pretortus, der ein tüchtiger Jurist und ein hervorragender Talmudkenner war. „D^e Jurisprudenz des Talmud im Vergleiche mit der des Corpus juris und der des deutschen Rechts," so lautete der Titel des mit großem Fleiße und immensem Wissen geschaffenen Werks. Kollegen, denen er einen Einblick in das Manuskript gestattet Hatte, rühmten die gründliche Gelehrsamkeit und die glänzende Sprache der Arbeit und prophezeiten ihr einen großartigen Erfolg. Dr. Pretortus wies in seiner Bescheidenheit dieses exaltirte Lob von sich, aber es freute ihn, daß man sein Streben anerkannte und seiner Arbeit Beifall zollte. Eines Tages kam er, nachdem er fleißig an seinem Schreibtische gearbeitet hatte, ins Kinderzimmer und fand seine Frau so mit dem Knaben beschäftigt, daß sie ihm kaum auf seinen Gruß antwortete. Er trat deßhalb zu ihnen und sagte lächelnd: „Es scheint mir, als ob der kleine Kerl da jetzt Hauptperson ist und versucht, mich aus Deinem Herzen zu verdrängen."