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Der Israelit · 1894-12-10 · Heft 99 (10.12.1894) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 99 (10.12.1894)
Date
1894-12-10
Page
– (sequence 25)
Language
German
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1877 Da kam der Sabbat des Chanukkahfestes, an . dessen Rüsttag die Lichter während eS noch Tag - ist, angezündet werden mußten. An diesem Tage konnten sie nicht in das Magazin und um ihre Pflicht nicht zu "versäumen, machten ste die Lichtchen in einem^Winkel hinter dem Magazin zurecht und z. Otto zündete sie an. Sie brannten nicht lange, ff denn Wind und Schnee löschten sie, und der Verwalter des Magazins endeckte die Kinder. „Wollt Ihr wohl Feuer machen, ihr Taugenichtse!" schrie er sie an. „Kommt mal mit, ich werde Euch zur Polizei bringen." Mit der einen Hand nahm er Ella, mit der anderen Otto am Arm und führte sie aus dem dunklen Winkel heraus, um sich das gefährliche Paar anzusehen. Zitternd folgten sie dem erzürnten Manne, der sie sofort einem Schutzmanne übergeben wollte. Da faßte sich Ella ein Herz und mit weinender Stimme sagte sie: „Ach, mein Herr, führen Sie uns doch nicht zur Polizei. Wir sind ein paar arme Waisenkinder, deren Eltern von der Cholera dahingerafft worden sind. Vielleicht haben Sie selbst Kinder; um Ihrer Kinder willen bitte ich S'e, laffen Sie uns gehen, denn bei der Seligkeit meiner Eltern schwöre ich Ihnen zu, daß wir nichts Böses im Schilde führten." Den Verwalter rührte die altkluge Sprache und die innige Bitte des Mädchens und mit einer viel weniger barschen Stimme fragte er: „Was hattet Ihr denn mit Feuer da hinten zu spielen?" „Wir haben ja gar nicht gespielt," antwortete Otto, der jetzt auch Mut gefaßt hatte, „ich habe meine Chanukkahlichter entzündet." „Was hast Du?" fragte der Verwalter. „Meine Chanukkahlichter habe ich entzündet." „Was heißt das?" wandte er sich an Ella, und diese erklärte ihm, was die Lichter bedeuten und weshalb ste von den Juden angezündet werden. Dann sagte sie, daß ihre Pflegeeltern arme Leute seien, die ihren Bruder nicht entzünden laffen wollten. Um aber ihrer Pflicht zu genügen, hätten sie heimlich entzündet und seien heute hier von ihm überrascht worden. Diese Erzählung trug so den Stempel der Wahrheit an sich, daß der Mann Mitleid mit den Kindern hatte und sich näher nach ihren Verhältnissen erkundigte. Ella faßte Vertrauen zu dem einfachen Arbeiter, dessen Obhut sein Herr den Werth von Hunderttausenden anvertraut hatte, und sie schüttete ihr Herz vor ihm aus. Er hörte aufmerksam zu und als ste schilderte, wie sie von ihrer Pflegemutter behandelt werde, da entfuhr ihm ein derber Fluch und er murmelte; „Das soll aber anders werden." Ella bat ihn jedoch, ihren Pflegeeltern keine Unannehmlichkeiten zu bereiten, was er auch endlich versprach. Sie mußte ihm jedoch versprechen, kein Feuer mehr in der Nähe des Magazins machen zu wollen. „Erlauben Sie denn," bat sie alsdann, „daß mein Bruder noch dreimal seine Lichter in dem Magazin entzündet?" „Wenn es sein muß, mag er es thun," brummte der gutmüthige Mensch; „ihr müßt aber vor acht Uhr kommen." „Gewiß, gewiß," sagte Ella, „und schönen Dank auch; komme Otto, gieb dem Herrn Deine Hand." Otto that dieses und sagte: „Morgen Abend dürfen wir wieder kommen, nicht wahr?" „Ja, kommt nur." Am anderen Abend gegen acht Uhr standen die Geschwister vor der eisernen Thüre des Magazins. Der Knabe trug ein Säckchen mit Sand, während Ella einen Backstein und ein Fläschchen mit Oel bci sich hatte. Der Verwalter öffnete ihnen selbst, denn er hatte Sorge getragen, daß keiner von den Arbeitern zugegen war. Neugierig sah er dem Treiben des Mädchens zu, welches, nachdem es „Guten Abend" gesagt hatte, sofort daran ging, die Lichter für den Bruder bereit zu machen. Mit zierlicher Anmuth that sie dieses und ein beifälliges Lächeln umspielte die Lippen des Verwalters, als ste jetzt ernst wie ein Großmütterchen zu Otto sagte: „So, mein Brüderchen, jetzt mache Deine Sache gut." Otto nahm den brennenden SchammeS in die Hand, sprach laut die vorgeschriebene Benediction und nun flammte ein Ltchtlein nach dem andern auf und erfüllte den großen kahlen Raum des Magazins mit magischem Glanze. Dann sangen die Kinder eng aneinander geschmiegt Moaus zur jeschuosi. Dem Verwalter erschienen ihre Gesichter wie verklärt, ihr Gesang wie Stimmen der Engel und mit gefalteten Händen stand er da und sah ihnen zu. Der Gesang war beendet, aber noch brannten die Lichtlein. Der Verwalter wollte nun, daß ste dieselben verlöschten. „Nein, das dürfen wir nicht, sie müssen von selbst ausgehen", belehrte ihn Ella. Und geduldig wartete der brave Mann bis ein Lichtlein nach dem anderen erlosch. Da wollte Ella alles wieder hinwegräumen und mitnehmen, aber er sagte: „Laßt nur stehen; morgen ist Sonntag. Da

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