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Der Israelit · 1894-12-10 · Heft 99 (10.12.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 99 (10.12.1894)
Date
1894-12-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1860 tung zur Last falle, dte es an den, der seine Verpflegung am billigsten übernehme, vergebe. „Ein blldhübsches, kräftiges Kind," sagte sie zu ihrem Manne, „fast hätte ich selbst Lust, es groß zu ziehen; denn wer weiß, wer es bekommt, und eS wäre Schade. wenn eS nicht gedeihen würde. Zudem waren die Eltern arme, aber sehr ehrenwerthe und achtbare Leute, und wenn Du nichts dagegen hast, nehme ich das Kind und ziehe es groß, bis es so weit ist, daß es selbst seinen Weg durchs Leben finden kann." „Und dann?" fragte lächelnd der Anwalt. „Dann, nun bis dorthin ist noch eine lange Zeit. Dann wird der liebe Gott uns auch den richtigen Weg zeigen. Vielleicht erziehen wir uns dte Freude und Stütze unseres Alters." „Thue das, wozu Dich Dein Herz treibt; ich werde Dir nicht hindernd in den Weg treten." Und das Kind der Armuth hielt seinen Einzug in das Haus des Anwaltes. Ein gütiges Geschick hatte es Pflegeeltern finden laffen, wie es deren selten gibt. Die Frau Doktor war eine gewissenhafte Pflegemutter, die eine Pflicht, dte ste übernommen, bis ins Kleinste erfüllte. Sie überließ nicht, wie das so manche wirkliche Mutter thut, ihr Kind der Pflege der Dienstboten, sondern ste pflegte es selbst, badete es selbst und fand ihre Freude an dem Gedeihen des Kleinen. Dr. Pretorius selbst hielt sich anfangs dem Kinde gegenüber sehr reservirt. Es störte ihn in mancher gewohnte' Bequemlichkeit, es brachte Lärm in das sonst so stille Haus und gab feiner Frau, die sich sonst ganz allein ihm gewidmet hatte, Arbeit, so daß er manches Stündchen, welches er sonst in Gesellschaft seiner Frau verbracht hatte, jetzt auf sich allein angewiesen war. Er zürnte deßhaib dem kleinen Kerl und hätte am liebsten gesehen, daß seine Frau denselben anderen Händen überlassen hätte; als er jedoch sah, welche Freude das Kind täglich seiner Frau bereitete, da schwand sein Groll gegen ihn und machte einem freundlichen Interesse Platz. Dieses Interesse wurde immer größer, und bald geschah es, daß der kleine Willy auf den Knteen des Anwaltes sich befand, sobald dieser eine Stunde freie Zeit hatte. Bald wetteiferten Mann und Frau in ihrer Liebe zu dem Pflegekinde und niemand konnte merken, daß es nichr ihr eigenes Kind war. Willy gedieh prächtig und entwickelte sich ganz außerordentlich früh. Mit neun Monaten konnte er laufen, und als er ein Jahr alt war, plauderte er ganz allerliebst. Dr. Pretortus trug ihn am Sabbat nach seinem zweiten Geburtstage mit Stolz zur Synagoge, wo er mit seinen kleinen Händchen eine neue Wimpel htnretchte, mit der die Thorarolle umwickelt wurde. In dem folqenden Somm.r blieben der Anwalt und seine Frau zu Hause, da der kleine Willy eine Kinderkrankheit hatte und auch die Frau Doktor sich nicht ganz wohl befand. Dagegen halten ste Herrn von Gilsa zum Besuch, der sich einige Wochen bri ihnen aufhielt und dte Naturschönheiten genoß, welche dte Stadt in reicher Falle umgaben. Die Freundschaft, welche ihn mit dem Anwalt und seiner Frau verband, wurde noch inniger, man lernte sich gegenseitig werthschätzen und der Freiherr schied, als die Z 'it s.tnes Aufenthaltes um war, mit schwerem Herzen. (Fortsetzung folgt.) v« „Sltaelit" erscheint wöchentlich zwei««!, Montag- und Donnerstag-, jedesmal in mindest«» zwei Vogen. Preis de» Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich 1» Reichs-Mark, für'» Ausland 16 Reichs-Mark. Man adanntrt ganzjährig, haldjährtz »der piertüjährig. Alle Buchhandlung« »nd Postämter nehm« Bestellungen an. — Durch de» Anchhandrt M destche» drt G. /. Dtrtnackrr« Lri-sig, Daßpiatz 15. — Inserate 86 Pfennig die vtrrgespaltene Petttzril« oder deren R«NN. — Oestrrreichisch« Banknoten laut Sour». — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für D«tfchla«d nnd Oesterreich 14 Reichs-Mark «der 8 fl. österr., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Wm Wkschendnng Um an die Redaktion eingefandte« Mauufcripte« findet nicht statt, «an dtttet dr-hald stch von alle« Einfendnngen eine Eopie rnrLRgndehalta». Inhalt (Hanptblatt) r Leitender Artikel: Die Kämpfe der Hasmonäcr. — L terarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Würzburg. Memel. Rogasen. — Afrika; Tunis. — Vermischtes. — Feuilleton: (Fortsetzung). Nur eine Tochter. Erzählung von H. Berger. — Illustration: Judith und Holofernes. (S. 1857.) Inhalt btt ersten Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Corresvondenzen: Deutschland: Tarnowitz. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Preßburg. — Bulgarien: Sofia. — Schweiz: Bern. — Türkei: Bagdad. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage; Zeitungsnachrichten u. Correspondenzei,: Deutschland: Elberfeld. — Portugal: Lissabon. — Palästina: Jerusalem. — Vermischtes. Inhalt der belletr. Beilage: Die Waisen. Von H. Berger. Extra-Beilagen: Die vierte Lieferung der Erzählung „Elvire" von Dr. M. Lehmann W*. — Ein Prosp.ct der Israelitischen Knaben-Pensionat in Halberstadt. Tie verehrlichrn E trkifband-Abonnenten erhalten dens. erst mit der nächsten Nummer. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 3, Mainz. Druck und Verlag der Zoh. Wtrth'schen Hofbuchdruckerei-Actten-Gesellschaft in Mainz. Hierzu sechs Beilagen.

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