Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 99 (10.12.1894)
- Date
- 1894-12-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1855 Beim Anblick dieser stumm beredten Zeugen aus der bewegten Zeit, in welcher ein ganzes Volk sich für die Reinheit und Unantastbarkeit dieser Opferstätte mit Einsatz alles dessen erhoben hatte, was nur Menschen lieb und iheuer ist, bei einem solchen Anblick hörten die Opfer auf Opfer zu sein. Diese Zeugen der Entweihung des Heiligsten durch den gemeinsamen äußeren Feind, waren das mächtige Mittel, die begeisterte hingebungsvolle Opferfreudigkeit des Volkes wach zu halten und wach zu rufen, auch nachdem die Tyrannenmacht gebrochen und das Volk wieder sich selber zurückgegeben war. Was die zweite Veranstaltung, Restaurirung des von den Griechen dreizehnfach durchbrochenen Soreg und die jedesmalige Niederwerfung beim Betreten der betreffenden Stellen betrifft, so erfordert ihre Würdigung für den Gegenstand unserer Betrachtung zunächst eine Untersuchung über Zweck und Bedeutung des Soreg. Vergegenwärtigt man sich, daß es sich um eine gitterförmtg durchbrochene Holzwand handelt, die nicht einmal einen Meter hoch war, so können die Breschen nicht den Zweck gehabt haben, den andringenden Griechen den Zugang zum Tempelheiltgthum zu erleichtern. Die Annahme, day dieser Holzverschlag dem Schutze des dahinter liegenden HeiligthumS gegolten habe, ist jedenfalls ausgeschlossen. Der Verfaffer des bt msrnn citirt eine Erklärung des r"N nach welcher der Soreg dazu gedient habe, einen Raum einzufriedigen, in welchem es in Folge dieser Einfriedigung gestattet war am Sabbat Gegenstände zu tragen. D"»n selbst fügt noch seine eigene Ansicht bet, daß der Soreg die Grenze bezeichnet habe, innerhalb welches es den Heiden gestattet war das GotteSheiligthum zu betreten, um dort ihr Gebet zu verrichten. Dies sei auch der Grund, warum die Griechen diese Scheidewand durchbrachen, um eben demonstrativ zu zeigen, daß ihr Uebermuth diese Grenze nicht respektire. Ebenso erklärt sich damit die Bedeutsamkeit, welche der Wiederherstellung des Soreg durch den Dank zugesprochen wird, daß die Fremdherrschaft ihr Ende erreicht habe. Alle erwähnten Erklärer geben jedoch keine Erklärung für den Umstand, daß es gerade 13 Vreschen waren, welche die Griechen in den Soreg rissen. Der Umstand, daß aber ihre Zahl wiederholt betont wird, lenkt die Aufmerksamkeit diesem Punkte zu, dessen eingehende Würdigung den ganzen Vorgang noch in einem anderen Lichte erscheinen lassen dürfte. (Schluß folgt.) Literarischer Bericht. Wilh. Feldman, Die schöne Jüdin. Sozialp'ychologische Skizze, deutsch von Sylvester Wiznerowicz. Preis 3 Mark. Verlag von Aug. Dieckmann, Amsterdam. Klara, die Tochter eines jüdischen Docfschenkwirths in Galizien, genießt eine Erziehung über ihren Stand in dem ersten Pensionat Lembergs. Durch den Umgang mit ihren Mitschülerinnen, s-ie metstentheils christlicher Confession und von angesehener Herkunft waren, sowie auch durch die Lektüre von antisemitischen Werken gelangt sie zu der Ansicht, daß es für sie das größte Unglück sei, dem Judenthum zu entstammen. In dieser Gemüchsverfassung kehrt sie nach Hause zurück und pflegt mit dem in demselben Dorfe amtirenden griech kath. Probste Umgang. Dieser läßt sich angelegen sein, sie in ihren Ansichten zu bestärken, indem er ihr diesbezügliche Bücher leiht. In dieser Zeit eröffnet ihr der Vater, daß er sie einem jungen Kaufmann aus Lemberg zur Frau bestimmt habe, und bittet sie, sich danach zu richten. Klara weigert sich, dies zu thun, und beschließt, — als ihr Vater noch dazu ihre verbotene Lektüre entdeckt. — aus dem Elternhause zu entfliehen und zum Ehristenthume überzutreten. Der Probst, der sie dazu bewogen, arrangirt die Flucht und bringt sie nach P. in das Haus der Frau Statthalterin, welche Klaras Uebertrrtt zur röm.-kath. Kirche — gegen den Willen des Probstes — besorgt. — Beim Gange zur Kirche, zur Tauffeierlichkeit bemerkt Klara ihren Vater, der ihren Aufenthalt ausgekundschaftet hatte, wie derselbe in seiner verzweifelten Gcmüthsstimmung versucht, sie mit Gewalt den Händen seiner Religionsfeinde zu entreißen, dabei jedoch in roher Weise verhindert und ins Gefänqniß wegen Beschimpfung der kath. Kirche abgcführt wird. Dies und der Umstand, daß nach der Taufe das Benehmen der Frau Statthalterin und deren Umgebung gegen sie erkaltet, wirkt auf ihre idealen Ansichten von der christlichen Religion deprimtrend, was noch zunimmt, als die Frau Statthalterin ihr eröffnet, daß es an der Zeit wäre, wenn sie für ihren Unterhalt selbst sorgen möchte. Ohne Hilfsmittel, wendet sie sich an den Probst, der ihr auch bereitwilligst zu Hilfe kommt. Längere Zert lebt sie auf dessen Kosten, bis sie endlich eine Stelle als Gouvernante annimmt. Diese und noch drei andere behält sie nicht lange, denn trotz ihres angenommenen Namens — sie hatte dies auf Anralhen der Frau Statthalterin gethan — wurde es immer bald bekannt, daß sie eine getaufte Jüdin sei, und deswegen wollte man sie nicht halten. Schließlich gelangt sie in eine jüdische Gutsbesitzerfamilte, wo