Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 98 (17.12.1894)
- Date
- 1894-12-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1837 datz sie, die unter uns lebenden ausländischen Brüder, gute Bürger Deutschlands und auch treue Söhne ihres russischen Vaterlands sind und bleiben. Hierauf erfolgte die Todtenfeier für den todten Kaiser nach der synagogalen Liturgie des xbv bx D'orn. Den zweiten Theil der Feier, die eigentliche Vereidigung, eröffnete wiederum Herr Dr. Bamberger, indem er auf die Bedeutung dieses Actes hinweisend, zugleich die Hoffnung aussprach, daß Nikolaus II., dem dieser Huldigungsact gilt, die von der ganzen civilisirten Welt in ihn gesetzten Erwartungen rechtfertigen und erfüllen, der Welt den Frieden erhalten und allen seinen Unterthanen, ohne Unterschied des Glaubensbekenntniffes, ein liebevoller und gerechter Regent sein möge! Nunmehr erfolgte die Verlesung der langen Eidesformel durch den Kaiser!, russ. Consul. Dieselbe wurde von den anwesenden ruff. Staatsangehörigen Wort für Wort nachgesprochen und dann unterzeichnet. Nach dieser feierlichen Handlung, welche aus alle Anwesenden tiefen Eindruck machte, wurde das nyion piin für Nikolaus II. vorgetragcn worauf Herr Dr. Bamberger fast wörtlich etwa Folgendes noch ausführte: Und wie könnten wir von Fürstentugend reden und für Fürstenglück beten, ohne in Dankbarkeit, Verehrung und Gebet unseres geliebten Kaisers Wilhelm II. zu gedenken! Ein ähnliches Schicksal, wie Nikolaus II.. hat auch ihn in jungen Jahren zum schweren Herrscheramt berufen, deffen Er in treuester Pflichterfüllung und voller Einsicht so segensreich waltet. O, segne Gott ihn für und für, ihn, wie unsere erhabene Kaiserin und auch unser gelebtes deutsches Vaterland! Und wie Bande des Blutes beide Fürsten verbinden, so möge auch ein dauerndes Band der Freundschaft beide Nachbarländer immer inniger mit einander verknüpfen zu ihrem Heile, zum Segen der Gesammtmenschheit, als Hort und Bürgschaft des Völkerfrtedens und der Völkerbeglückung! — Den gesanglichen und liturgischen Theil der Feier leitete bezw. executirte unser erster Cantor Herr Ed. Birnbaum, mit bekannter Meisterschaft. Unmittelbar nach der weihevollen Feier wurde ein Huldtgungstelegramm von den vereidigten russischen Juden an das Kaiserpaar nach Petersburg abgesandt. Aus Gtrahbrrrg (Elsaß) wird zu dem Artikel „Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe und die Juden" geschrieben: Vor der Abreise des Fürsten von hier wurde eine Deputation des israel. Consistoriums von Unter -Elaß von ihm empfangen. Er sagte u. A. zu ihnen, «er werde die israelttifche Bevölkerung von Elsaß Lothringen in bestem Andenken behalten." Der nunmehrige Reichskanzler kann versichert sein, daß auch die Israeliten der Reichslande seiner stets in Liebe und Dankbark-it gedenken werden. Gerechtigkeit, Parität und Wohlwollen war das Losungswort seines Regimentes. Auch die Israeliten sahen ihn ungerne scheiden. Aus Süddeutschland. Eine Correspondenz aus Hamburg in Nr. 96 d. Bl. berichtet über einen von Herrn Rabb. Dr. Rosenthal in Rogasen gehaltenen Vortrag: „Drei Räthselbücher der Menschheit Kohelet, Faust, Hamlet" auf die Vortheile solcher vergleichenden Betrachtungen hinweisend 2c. Ohne den eigentlichen Vortrag näher zu kennen an die gedachte Rezension uns haltend, können wir nicht umhin unsrer gegentheiligen Ansicht öffentlichen Ausdruck zu geben. Wir erachten vielmehr den Vergleich ebenso als eine Profanirung von p"mn, als für ganz unzutreffend und contrasttrend. Während Kohelet in prophetischem Geiste ('varis 'Di jwoj) philosophische Betrachtungen über die mannigfachsten Erscheinungen und geschichtlichen Ereignisse in erhabenster unerschöpflicher und unergründlicher Tiefe darstellt — vergl. Midrasch und Commem. —; während Kohelet mit dem erhabenen »nrn nnn ]nrv ro beginnt, wie b"in erklären (30 nnv). vmca p nbyob ib tnt nü ffctea nnn ■6 und deffen Schlußwort lautet: rmsD rwi nt 'Nn nx ">:i 121 ppv und des scheinbaren Widerspruchs halber, Kohelet der öffentlichen Benützung entzogen werden sollte, diese Befürchtung aber durch die eben gedachten Anfangs- und Schlußworte schließlich als beseitigt erachtet wurden; während mit kurzen Worten nach Kohelet die Wrlt Gotteswerk ist und über das göttliche Walten einerseits und das menschliche Streben andrerseits er seine Betrachtungen anstellt und schließlich zu dem Resultate gelangt: „Göttliches Walten vermagst du nicht zu begreifen" (Kap. XI, 5): sind die Reflexionen der damit in Vergleich gebrachten Werke dagegen derart, daß von vornherein das Bewußtsein von Gott ausgeschlossen und zu solchem niemals gelangt wird, eine Parallele daher an und für sich unzulässig ist, selbst wenn es nicht für eine Profanirung biro tcnp gehalten werden sollte. England. London, 14. Dkc. Der „Jewish Chronicle" schreibt: „Der Erfolg der russischen Anleihe hat einige Bedeutung, abgesehen von dem Interesse, welches sie in finanziellen und kommerziellen Kreisen erregt hat. Die Geschicklichkeit des Herrn von Witte würde wenig gefruchtet haben, wenn nicht Versicherungen über die Behandlung der Juden dabei gewesen wären. Dem Hause Rothschild wurde bündig mitgetheilt, daß es bei Uebernahme der Emission